Anakonda
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Kurz erklärt
Mit Anakonda ist meist die Große Anakonda gemeint, eine Riesenschlange aus Südamerika. Sie gilt als schwerste Schlange der Welt. Weibchen werden meist 3 bis 5 Meter lang und viel schwerer als die Männchen. Die Anakonda ist ungiftig: Sie umschlingt ihre Beute und drückt zu, bis diese stirbt.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Eunectes murinus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 2 bis 5 m |
| Körpergewicht | 2,5 bis 97,5 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: Fische, Vögel, Reptilien wie Kaimane und Säugetiere wie Wasserschweine |
| Lebenserwartung | In freier Natur etwa 10 Jahre, in Menschenobhut bis Ende 20 |
| Sozialverhalten | Einzelgänger, zur Paarung bilden sich Knäuel aus einem Weibchen und mehreren Männchen |
| Herkunft | Südamerika |
| Verbreitung | Nördliches und mittleres Südamerika östlich der Anden, vom Orinoco über das Amazonasbecken bis Paraguay, außerdem Trinidad Südamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021) |
| Sonstiges | Die Körpergröße ist die Gesamtlänge. Weibchen werden im Mittel etwa 3,7 m lang und 33 kg schwer, Männchen etwa 2,6 m und 7 kg. Tiere über 6 m sind sehr selten, Berichte über 9 m lange Anakondas sind nicht sicher belegt. |
Welche Anakonda ist gemeint?
Wenn von "der Anakonda" die Rede ist, meinen fast alle die Große Anakonda (Eunectes murinus), die auch Grüne Anakonda heißt. Um sie geht es auf dieser Seite. Zur Gattung der Anakondas gehört außerdem die deutlich kleinere Gelbe Anakonda (Eunectes notaeus) aus dem Süden Südamerikas sowie zwei weitere, wenig bekannte Formen. Wie viele Arten es genau gibt, ist unter Fachleuten umstritten.
2024 schlug ein Forschungsteam vor, die Großen Anakondas im Norden Südamerikas als eigene Art abzutrennen, die Nördliche Grüne Anakonda (Eunectes akayima). Äußerlich lassen sich beide Formen aber nicht unterscheiden. Viele Fachleute betrachten sie deshalb bisher weiter als eine Art.
Körperliche Merkmale
Die Große Anakonda ist eine Riesenschlange aus der Familie der Boas. Sie gilt als schwerste Schlange der Welt. Noch länger wird nur der Netzpython aus Asien, er ist aber viel schlanker.
Weibchen und Männchen sind sehr unterschiedlich groß. In einer großen Freilandstudie in Venezuela waren die Weibchen im Mittel 3,7 Meter lang und 33 Kilogramm schwer, einzelne erreichten über 5 Meter und 82 Kilogramm. Das schwerste zuverlässig gewogene Weibchen brachte 97,5 Kilogramm auf die Waage. Männchen blieben mit durchschnittlich 2,6 Metern und 7 Kilogramm viel kleiner. Tiere von mehr als 6 Metern sind sehr selten. Berichte über 9 Meter lange oder 200 Kilogramm schwere Anakondas sind nicht sicher belegt.
Die Grundfarbe ist dunkelbraun bis olivgrün. Auf dem Rücken sitzen große, ovale bis runde schwarze Flecken, an den Seiten kleinere Flecken mit gelbem Kern. Der Bauch ist cremeweiß bis hellgelb und schwarz gefleckt. Hinter jedem Auge verläuft ein schwarzer Streifen zum Hals, dazwischen liegt ein oranger bis rötlicher Streifen.
Augen und Nasenlöcher sitzen oben auf dem Kopf. So kann die Anakonda fast völlig untergetaucht im Wasser liegen und trotzdem atmen und ihre Umgebung beobachten. Giftzähne oder Giftdrüsen hat sie nicht.
Verbreitung und Lebensraum
Die Große Anakonda lebt im tropischen Südamerika östlich der Anden. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Orinoco in Venezuela und Kolumbien über das Amazonasbecken bis zu den Flüssen Paraná und Paraguay im Süden. Sie kommt unter anderem in Brasilien, Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Peru, Bolivien, Paraguay, Guyana, Französisch-Guayana und auf der Insel Trinidad vor.
Die Schlange ist eng an Wasser gebunden. Sie lebt in Sümpfen, stehenden Gewässern, langsam fließenden Flüssen und überschwemmten Grasländern mit dichter Pflanzendecke.
Ernährung und Jagd
Die Anakonda ist ein Lauerjäger. Sie liegt gut getarnt im flachen Wasser und wartet, bis ein Tier zum Trinken kommt. Dann schnellt sie vor, packt die Beute mit den Zähnen und umschlingt sie mit ihrem Körper. Dann drückt sie so fest zu, dass Atmung und Blutkreislauf des Opfers versagen und es schnell stirbt. Anschließend verschlingt sie die Beute im Ganzen, meist mit dem Kopf voran.
Auf dem Speiseplan stehen Fische, Frösche, Vögel, Reptilien und Säugetiere. Große Weibchen erbeuten vor allem Reptilien und Säugetiere, darunter junge Capybaras (Wasserschweine), Hirsche und sogar Kaimane. Männchen fressen ihr Leben lang überwiegend Vögel. Nach einer großen Mahlzeit braucht die Anakonda lange zum Verdauen und frisst oft nur alle paar Wochen.
Fortpflanzung
Weibchen werden geschlechtsreif, wenn sie etwa 3 Meter lang sind, das ist nach drei bis vier Jahren. In Venezuela paaren sich die Tiere von März bis Mai im flachen Wasser. Dabei entsteht oft ein Paarungsknäuel: Ein Weibchen ist von bis zu 13 Männchen umschlungen, im Mittel von etwa vier. Die Männchen versuchen gleichzeitig, sich mit dem Weibchen zu paaren.
Die Große Anakonda legt keine Eier, sondern bringt lebende Junge zur Welt. Die Tragzeit dauert sechs bis acht Monate. Ein Weibchen bekommt meist 20 bis 40 Junge, sehr große Weibchen auch deutlich mehr, der Rekord liegt bei 82. Die Neugeborenen sind 70 bis 90 Zentimeter lang, wiegen 150 bis 400 Gramm und sind sofort selbstständig. Weil die Trächtigkeit das Weibchen sehr viel Kraft kostet, bekommt es meist nur alle zwei Jahre Nachwuchs.
In Menschenobhut wurde beobachtet, dass Anakonda-Weibchen auch ohne Männchen Nachwuchs bekommen können. Diese Jungfernzeugung (Parthenogenese) ist bei Schlangen selten, kommt aber bei mehreren Arten vor.
Feinde und Gefährdung
Junge Anakondas haben viele Feinde, zum Beispiel Jaguare, Kaimane und andere große Schlangen. Ausgewachsene Weibchen werden kaum noch erbeutet.
Die IUCN stuft die Große Anakonda als nicht gefährdet ein (2021: LC). Sie hat ein riesiges Verbreitungsgebiet und kommt in vielen Schutzgebieten vor.
Ist die Anakonda gefährlich für Menschen?
Die Anakonda ist ungiftig und greift Menschen normalerweise nicht an. Große Weibchen wären zwar kräftig genug, um einem Menschen gefährlich zu werden, gut belegte Angriffe sind aber sehr selten. Trotzdem sollte man einer großen Anakonda mit Abstand und Respekt begegnen.
Häufige Fragen zur Anakonda
Wie groß wird eine Anakonda?
Weibchen der Großen Anakonda werden meist 3 bis 5 Meter lang, Männchen 2 bis 3,5 Meter. Tiere über 6 Meter sind sehr selten. Angaben von 9 Metern und mehr sind nicht sicher belegt.
Ist die Anakonda die größte Schlange der Welt?
Die Große Anakonda ist die schwerste Schlange der Welt. Die längste Schlange ist dagegen der Netzpython aus Südostasien, der aber viel schlanker gebaut ist.
Ist die Anakonda giftig?
Nein. Die Anakonda hat kein Gift. Sie tötet ihre Beute, indem sie sie umschlingt und so fest zusammendrückt, dass Atmung und Blutkreislauf versagen.
Was frisst eine Anakonda?
Anakondas fressen Fische, Vögel, Reptilien und Säugetiere. Große Weibchen erbeuten sogar Wasserschweine, Hirsche und Kaimane.
Wo lebt die Anakonda?
Die Große Anakonda lebt in Südamerika östlich der Anden, vor allem im Amazonasbecken und am Orinoco. Sie hält sich fast immer in oder nahe am Wasser auf.
Ähnliche Tiere
- Abgottschlange - eine Boa aus Mittel- und Südamerika
- Königspython - kleine Riesenschlange aus Afrika
- Klapperschlange - giftige Schlange aus Amerika
- Kaiman - Beute und Feind der Anakonda zugleich
- Capybara - das größte Nagetier, eine wichtige Beute
Quellen
- Green anaconda - Smithsonian's National Zoo and Conservation Biology Institute
- Eunectes murinus - The Reptile Database
- Calderón, M. et al. (2021): Eunectes murinus. The IUCN Red List of Threatened Species 2021
- Rivas, J. A. et al. (2024): Disentangling the Anacondas: Revealing a New Green Species and Rethinking Yellows. Diversity 16, 127
- Große Anakonda - Wikipedia
Größenvergleich
Eine Anakonda erreicht eine Körpergröße von 2 bis 5 m. Damit passt sie bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und eine Giraffe (5,5 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Eine Anakonda bringt 2,5 bis 97,5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Die Anakonda wiegt so viel wie etwa 116 Fußbälle.