Anglerfisch

Zuletzt aktualisiert:

Dunkler Gestreifter Anglerfisch mit borstigen Hautanhängen und hellem Köder auf dem Kopf sitzt auf sandigem Meeresgrund
Steve Childs / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Anglerfische tragen auf dem Kopf eine Angel mit einem Köder, mit dem sie Beute anlocken. Zu ihnen gehören bunte Fühlerfische aus Korallenriffen, der bis zu 2 Meter lange Seeteufel und die Tiefsee-Anglerfische mit ihren leuchtenden Ködern. Je nach Art sind Anglerfische nur wenige Zentimeter oder bis zu 2 Meter lang.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameLophiiformes
Abstammung
  • Klasse: Strahlenflosser
  • Ordnung: Armflosser (Anglerfische im weiteren Sinn)
Körpergröße2,5 cm bis 2 m
KörpergewichtJe nach Art wenige Gramm bis 57,7 kg (Seeteufel, Höchstwert)
ErnährungFleischfresser: vor allem Fische und Krebstiere
LebenserwartungJe nach Art verschieden, beim Seeteufel bis 24 Jahre nachgewiesen
SozialverhaltenEinzelgänger
HerkunftWeltmeere
Verbreitung Alle Ozeane, von flachen tropischen Riffen bis in die Tiefsee, eine Art auch im Süßwasser von Flussmündungen Meer
SonstigesDie Werte gelten für die ganze Ordnung mit über 400 Arten. Die Größe bezieht sich auf die Weibchen; die Zwergmännchen mancher Tiefsee-Anglerfische sind unter 1 cm lang. Größter Vertreter ist der Seeteufel (Lophius piscatorius).

Welche Fische sind Anglerfische?

„Anglerfisch“ ist kein Name für eine einzelne Art. Gemeint sind Fische, die auf dem Kopf eine Angel mit Köder tragen. In der Wissenschaft heißen sie Armflosser (Lophiiformes), weil ihre Brustflossen wie kleine Arme aussehen. Zu dieser Ordnung gehören mehr als 400 Arten in 15 Familien.

Die drei bekanntesten Gruppen sind:

  • Fühlerfische (Antennariidae): kleine, plumpe und gut getarnte Fische aus tropischen Korallenriffen. In Fachbüchern heißt nur diese Familie „Anglerfische“. Das Bild oben zeigt einen Gestreiften Anglerfisch aus dieser Familie.
  • Seeteufel (Lophiidae): große, flache Fische, die am Meeresgrund lauern, zum Beispiel in der Nordsee und im Mittelmeer.
  • Tiefsee-Anglerfische (Ceratioidei): dunkle Fische mit langen Zähnen und leuchtendem Köder. Sie stellen fast die Hälfte aller Armflosser-Arten.

Dazu kommen kleinere Gruppen wie die Seefledermäuse und die Seekröten. Diese Seite stellt alle Anglerfische im weiteren Sinn vor und zeigt, wo sich die Gruppen unterscheiden.

Wie groß wird ein Anglerfisch?

Das hängt stark von der Gruppe ab:

  • Fühlerfische werden je nach Art 2,5 bis 38 cm lang. Der Gestreifte Anglerfisch zum Beispiel erreicht höchstens 25 cm, die meisten Tiere sind etwa 10 cm lang.
  • Seeteufel sind die Riesen unter den Anglerfischen. Der Europäische Seeteufel (Lophius piscatorius) wird bis zu 2 Meter lang, häufig sind Tiere von etwa 1 Meter. Das schwerste gewogene Tier brachte 57,7 kg auf die Waage.
  • Tiefsee-Anglerfische: Die Weibchen sind je nach Art 6 bis 120 cm lang. Am größten wird Ceratias holboelli aus der Familie der Rutenangler mit bis zu 120 cm. Die Männchen bleiben winzig. Sie erreichen oft nur 5 bis 10 Prozent der Größe der Weibchen. Bei einigen Arten sind die Männchen nur 0,6 bis 1 cm lang und gehören damit zu den kleinsten Wirbeltieren der Welt.

Auch beim Gewicht gibt es große Unterschiede. Für einen Gestreiften Anglerfisch ist zum Beispiel ein Gewicht von knapp 33 Gramm veröffentlicht. Ein Seeteufel kann dagegen über 50 kg schwer werden.

Aussehen und Körperbau

Die Angel: Das wichtigste Merkmal der Anglerfische ist ihre Angel. Sie ist aus dem ersten Stachel der Rückenflosse entstanden und sitzt auf der Schnauze oder dem Kopf. Fachleute nennen die Angelrute Illicium und den Köder an der Spitze Esca. Der Köder sieht je nach Art aus wie ein kleiner Fisch, eine Garnele, ein Wurm oder wie ein unförmiges Büschel. Bei Fühlerfischen ist er so unterschiedlich, dass man die Arten daran unterscheiden kann. Geht ihr Köder verloren, wächst er nach.

Körperform: Anglerfische haben meist einen großen Kopf und ein großes Maul. Ihre Körperform ist sehr verschieden: Fühlerfische sind rundlich und plump, Seeteufel breit und flach. Die Kiemenöffnungen sind nur kleine Löcher hinter den Brustflossen.

Arme statt Flossen: Brust- und Bauchflossen der Fühlerfische und Seeteufel sind kräftig und erinnern an Hände oder Arme. Tiefsee-Anglerfische haben keine solchen Arme. Erwachsenen Tieren fehlen die Bauchflossen ganz.

Haut und Farbe: Fühlerfische haben keine Schuppen. Ihre Haut ist nackt oder mit kleinen, gegabelten Hautanhängen besetzt. Sie können weiß, gelb, rot, grün, schwarz oder gefleckt sein. Viele Fühlerfische können ihre Farbe wechseln, das dauert aber einige Tage bis mehrere Wochen. Tiefsee-Anglerfische sind meist dunkelbraun bis schwarz.

Schwimmblase: Die meisten Anglerfische haben keine Schwimmblase. Die Fühlerfische dagegen besitzen eine.

Verbreitung und Lebensraum

Anglerfische leben in allen Ozeanen. Fast alle Arten leben im Meer, die meisten davon in der Tiefsee. Nur eine einzige Art, der Brackwasser-Anglerfisch aus Südostasien und dem westlichen Pazifik, dringt in Flussmündungen sogar bis ins Süßwasser vor.

  • Fühlerfische leben in tropischen und subtropischen Meeren, vor allem dort, wo das Oberflächenwasser mindestens 20 °C warm ist. Die meisten Arten gibt es rund um Indonesien. Sie sitzen auf Korallen- und Felsriffen, meist in weniger als 100 Metern Tiefe. Im Mittelmeer fehlen sie. Eine Ausnahme ist der Sargassum-Anglerfisch: Er treibt mit schwimmenden Algen durch den Atlantik und den Indopazifik.
  • Seeteufel leben auf sandigem oder schlammigem Meeresgrund. Der Europäische Seeteufel kommt im Ostatlantik von der Barentssee bis zur Straße von Gibraltar vor, außerdem im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Er lebt in 20 bis 1.000 Metern Tiefe. Im Mittelmeer sind die Seeteufel die einzigen Anglerfische.
  • Tiefsee-Anglerfische kommen in allen Ozeanen unterhalb von 300 Metern vor, meist in 800 bis 2.500 Metern Tiefe. Anders als ihre Verwandten schwimmen sie im freien Wasser und leben nicht am Boden.

Ernährung und Jagd

Anglerfische sind Fleischfresser und jagen aus dem Hinterhalt. Sie fressen vor allem Fische und Krebstiere wie Garnelen. Fühlerfische fressen sogar Artgenossen.

So jagt ein Fühlerfisch: Der Fisch liegt still und gut getarnt auf dem Meeresgrund. Nähert sich ein Beutetier auf etwa die siebenfache Körperlänge des Anglerfischs, beginnt er mit der Angel zu wackeln. Dabei ahmt er die Bewegungen des Tieres nach, dem sein Köder ähnelt. Ein wurmförmiger Köder schlängelt sich zum Beispiel wie ein Wurm. Ist die Beute nah genug, reißt der Fisch sein Maul auf. Die Mundhöhle wird dabei bis zu zwölfmal so groß, und das Beutetier wird mit dem Wasser eingesaugt. Das Aufreißen dauert nur etwa sechs Millisekunden.

Ein Ringmuskel in der Speiseröhre verhindert, dass die Beute wieder entkommt. Das Wasser fließt durch die Kiemen ab. Fühlerfische können Beutetiere verschlucken, die sogar etwas größer sind als sie selbst. Zweimal wurde fotografiert, wie Anglerfische giftige Rotfeuerfische fraßen.

So jagt ein Seeteufel: Er liegt halb im Sand vergraben und lockt Beute mit seiner Angel an. Er frisst vor allem Fische, ab und zu sogar Seevögel.

So jagen Tiefsee-Anglerfische: In der dunklen Tiefsee leuchtet ihr Köder und lockt Beutetiere an. Mit dem großen Maul und den langen Fangzähnen packen sie zu. In 200 bis 4.000 Metern Tiefe gehören Tiefsee-Anglerfische zu den wichtigsten Raubfischen.

Der leuchtende Köder der Tiefsee

Bei den Tiefsee-Anglerfischen tragen nur die Weibchen eine Angel. Bei fast allen Arten leuchtet ihr Köder. Er ist innen kompliziert gebaut: Er enthält kleine Bläschen voller Leuchtbakterien. Das Licht stammt also nicht vom Fisch selbst, sondern von Bakterien, die in ihm leben. Dazu kommen Schichten, die Licht spiegeln oder schlucken, sowie Nerven, Blutgefäße und Muskeln. Vermutlich gibt der Köder auch Duftstoffe ab, die Männchen anlocken.

Die Arten der Gattung Linophryne haben zusätzlich einen leuchtenden Bart am Kinn. Dieses Licht erzeugt der Fisch mit eigenen Zellen. Zwei verschiedene Arten, Licht zu erzeugen, in einem Tier: Das ist im Tierreich einzigartig.

Fortpflanzung und Entwicklung

Fühlerfische

Fühlerfische leben normalerweise allein. Zur Paarung kommt das Männchen etwa zwei Tage vor dem Ablaichen zum Weibchen. Bei den bisher beobachteten Paaren war das Weibchen, soweit sich das Geschlecht bestimmen ließ, stets deutlich größer, manchmal sogar zehnmal so groß. Das Laichen findet nach Einbruch der Dunkelheit statt: Beide Fische schwimmen plötzlich nach oben und geben Eier und Spermien ins Wasser ab. Danach trennen sie sich sofort, möglicherweise weil das Weibchen sonst das kleinere Männchen fressen könnte.

Die Eier sind nur 0,5 bis 1 mm groß und kleben in einer gallertartigen Masse oder einem Band zusammen. Ein Gelege kann viele Zehntausend Eier enthalten. Nach 2 bis 5 Tagen schlüpfen die Larven. Sie sind nur 0,8 bis 1,6 mm lang und treiben ein bis zwei Monate als Plankton im Wasser. Mit 1,5 bis 2,8 cm Länge sehen sie aus wie die erwachsenen Fische und wechseln an den Meeresboden.

Tiefsee-Anglerfische

Die Tiefsee ist dunkel und arm an Nahrung, es leben dort nur wenige Tiere. Einen Partner zu finden, ist vermutlich schwierig. Die Tiefsee-Anglerfische haben eine erstaunliche Fortpflanzung:

  • Die winzigen Männchen haben große Augen und eine sehr feine Nase. Damit spüren sie die Duftstoffe der Weibchen auf.
  • Bei einigen Familien beißt sich das Männchen am Weibchen fest und wächst dann an ihm an. Haut und Blutgefäße der beiden verschmelzen.
  • Das Männchen kann danach nicht mehr selbst fressen. Es wird über das Blut des Weibchens ernährt, fast wie ein Baby im Mutterleib. Es wächst noch weiter, laicht mit dem Weibchen und stirbt, wenn das Weibchen stirbt.
  • Meist hängt ein Männchen an einem Weibchen, bei manchen Arten auch mehrere. Der Rekord liegt bei acht Männchen an einem Weibchen.

Fachleute nennen das Sexualparasitismus. Bei Ceratias holboelli ist das Weibchen etwa sechzigmal so groß wie das Männchen. Normalerweise wehrt das Immunsystem fremdes Gewebe ab, so wie bei einer Organtransplantation. Eine Studie von 2020 zeigte, dass bei diesen Fischen Teile des Immunsystems verändert sind oder ganz fehlen. Nur so ist das dauerhafte Zusammenwachsen möglich.

Feinde und Gefährdung

Die gute Tarnung schützt die Fühlerfische nicht nur bei der Jagd. Werden sie aufgescheucht und sind gut sichtbar, greifen andere Fische wie Riffbarsche und Lippfische sie sofort an. Bei Gefahr können sich Fühlerfische wie Kugelfische aufblasen, indem sie Wasser schlucken.

Die meisten von der Weltnaturschutzunion IUCN bewerteten Anglerfische gelten als nicht gefährdet (LC), zum Beispiel der Europäische Seeteufel, der Gestreifte Anglerfisch und die Tiefsee-Anglerfische Ceratias holboelli und Melanocetus johnsonii (alle IUCN, 2015). Viele Tiefseearten sind allerdings kaum erforscht. Seeteufel werden als wertvolle Speisefische gefangen, die übrigen Anglerfische haben für die Fischerei kaum Bedeutung.

Häufige Fragen zum Anglerfisch

Wie groß wird ein Anglerfisch?

Das hängt von der Art ab. Fühlerfische aus Korallenriffen werden 2,5 bis 38 cm lang, Tiefsee-Anglerfisch-Weibchen 6 bis 120 cm. Der größte Anglerfisch ist der Europäische Seeteufel mit bis zu 2 Metern Länge. Die Männchen mancher Tiefsee-Anglerfische sind dagegen kleiner als 1 cm.

Wo lebt der Anglerfisch?

Anglerfische leben in allen Ozeanen. Fühlerfische bewohnen warme Korallenriffe in bis zu 100 Metern Tiefe, Seeteufel den Meeresgrund in 20 bis 1.000 Metern Tiefe. Fast die Hälfte aller Arten sind Tiefsee-Anglerfische. Sie schwimmen unterhalb von 300 Metern frei im Wasser, meist in 800 bis 2.500 Metern Tiefe.

Warum leuchtet der Anglerfisch?

Nur die Tiefsee-Anglerfische leuchten, und zwar meist nur die Weibchen. In ihrem Köder leben Leuchtbakterien, die Licht erzeugen. In der dunklen Tiefsee lockt das Licht Beutetiere an, vermutlich auch Männchen.

Was frisst ein Anglerfisch?

Anglerfische fressen vor allem Fische und Krebstiere wie Garnelen. Fühlerfische können Beute verschlucken, die etwas größer ist als sie selbst. Der Seeteufel erbeutet manchmal sogar Seevögel.

Ist der Seeteufel ein Anglerfisch?

Ja. Der Seeteufel gehört zu den Armflossern und trägt wie alle Anglerfische eine Angel auf dem Kopf. Er ist der größte Anglerfisch und lebt auch in europäischen Meeren. Als Speisefisch ist er sehr geschätzt.

Warum wachsen Anglerfisch-Männchen am Weibchen fest?

In der dunklen Tiefsee treffen sich Männchen und Weibchen vermutlich nur selten. Ist das Männchen am Weibchen festgewachsen, ist immer ein Partner zur Stelle, sobald das Weibchen laicht. Das gibt es nur bei einigen Familien der Tiefsee-Anglerfische.

Ähnliche Tiere

  • Blobfisch - ein anderer ungewöhnlicher Tiefseefisch
  • Feuerfisch - giftiger Riffbewohner, den Anglerfische schon verschluckt haben
  • Skorpionfisch - ebenfalls ein gut getarnter Lauerjäger am Meeresgrund
  • Großer Fetzenfisch - Meister der Tarnung mit Hautlappen
  • Kugelfisch - pumpt sich wie mancher Anglerfisch mit Wasser auf

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Anglerfisch
2,5 cm bis 2 m

Wie groß ist der Anglerfisch wirklich? Mit 2,5 cm bis 2 m überragt er eine 1-Euro-Münze (2,3 cm), kommt aber noch nicht an einen Elefanten (3,5 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 44 1-Euro-Münzen übereinander stapeln, um so groß wie ein Anglerfisch zu werden. Selbst eine Biene (1,5 cm) wirkt daneben noch klein.