Antilope

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Männlicher Großer Kudu mit weißen Querstreifen und langen, schraubenförmig gedrehten Hörnern steht in einem flachen Wasserloch
Hans Hillewaert / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Antilope ist kein Name für eine einzelne Tierart, sondern ein Sammelbegriff für rund 90 Arten von Hornträgern wie Impala, Gnu, Kudu, Springbock oder Gazellen. Die meisten leben in Afrika, einige in Asien. Antilopen fressen Pflanzen und tragen Hörner, die sie nie abwerfen. Die kleinste Art wiegt nur etwa 3 Kilogramm, die größte fast eine Tonne.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameKein wissenschaftlicher Name, Sammelbegriff für viele Arten der Hornträger (Bovidae)
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer
  • Unterordnung: Wiederkäuer
  • Familie: Hornträger (Bovidae)
  • Art: Rund 90 Arten, zum Beispiel Impala, Gnu, Großer Kudu, Springbock und Gazellen
KörpergrößeJe nach Art etwa 25 cm Schulterhöhe (Kleinstböckchen) bis etwa 180 cm (Elenantilope)
KörpergewichtJe nach Art etwa 3 kg (Kleinstböckchen) bis fast 1.000 kg (Elenantilope)
ErnährungPflanzenfresser: Gräser, Blätter, Knospen und Früchte, einige Ducker fressen auch Insekten und kleine Tiere
LebenserwartungJe nach Art etwa 3 bis 28 Jahre
SozialverhaltenJe nach Art einzeln, paarweise, in kleinen Gruppen oder in großen Herden
Verbreitung Vor allem Afrika, außerdem Arabische Halbinsel, Vorder-, Zentral- und Südasien (zum Beispiel Indien, Kasachstan, Mongolei) und mit der Saiga im Süden des europäischen Teils Russlands AfrikaAsienEuropa
SonstigesAntilope ist keine systematische Gruppe. Größe, Gewicht und Lebenserwartung sind deshalb Spannen über alle Arten. Die Gefährdung ist je nach Art sehr unterschiedlich, von nicht gefährdet bis vom Aussterben bedroht.

Was ist eine Antilope?

Viele denken bei „Antilope“ an ein bestimmtes Tier. Tatsächlich gibt es aber nicht die eine Antilope. Das Wort ist ein Sammelbegriff für viele verschiedene Arten, die nicht alle eng miteinander verwandt sind. Die Biologie kennt keine Tiergruppe mit dem wissenschaftlichen Namen „Antilope“.

Alle Antilopen gehören zur Familie der Hornträger (Bovidae). Zu dieser Familie zählen auch Rinder, Ziegen und Schafe. Als Antilopen bezeichnet man, vereinfacht gesagt, alle wild lebenden Hornträger, die weder Rinder noch Ziegen oder Schafe sind. Je nach Zählweise sind das etwa 90 Arten in rund 30 Gattungen. Die Mehrheit aller Hornträger sind also Antilopen.

Dazu gehören ganz unterschiedliche Gruppen, zum Beispiel:

  • Ducker: kleine, scheue Waldbewohner Afrikas
  • Böckchen und Gazellen: schlanke, schnelle Tiere wie der Springbock, die Damagazelle oder die Dikdiks
  • Kuhantilopen: zum Beispiel das Gnu
  • Pferdeböcke: zum Beispiel Oryx und Rappenantilope
  • Riedböcke: zum Beispiel Wasserbock und Litschi-Moorantilope
  • Schwarzfersenantilope: die Impala bildet eine eigene Gruppe
  • Drehhornantilopen: große Arten wie der Große Kudu, der Bongo und die Elenantilope, die näher mit den Rindern verwandt sind

Was keine Antilope ist

Der Gabelbock aus Nordamerika wird oft „amerikanische Antilope“ genannt. Er sieht Antilopen ähnlich, gehört aber zu einer ganz eigenen Familie und ist kein Hornträger. Auch Hirsche und Rehe sind keine Antilopen. Sie tragen Geweihe, die sie jedes Jahr abwerfen und neu bilden. Die Hörner der Antilopen bleiben dagegen ein Leben lang.

Das Wort „Antilope“ stammt über das Lateinische aus dem Griechischen. In seiner heutigen Bedeutung wird es erst seit der frühen Neuzeit verwendet.

Aussehen und Körperbau

Weil so viele verschiedene Arten dazugehören, sehen Antilopen sehr unterschiedlich aus. Die Größenunterschiede sind riesig:

  • Das Kleinstböckchen (Royal antelope) aus Westafrika ist die kleinste Antilope. Es wird nur etwa 25 Zentimeter hoch und wiegt 2,5 bis 3 Kilogramm. Nur die Männchen tragen winzige, spitze Hörnchen.
  • Die Elenantilope ist die größte Antilope. Bullen erreichen eine Schulterhöhe von bis zu etwa 1,80 Metern. Sie wiegen 400 bis fast 1.000 Kilogramm.

Die meisten Antilopen haben einen schlanken Körper, lange, dünne Beine und laufen auf zwei Hufen pro Fuß, wie alle Paarhufer. Ihr Fell ist oft braun, sandfarben oder grau. Viele Arten haben helle Bäuche und auffällige Zeichnungen im Gesicht, an den Beinen oder am Hinterteil, etwa die weißen Streifen des Kudus.

Hörner

Alle Antilopen gehören zu den Hornträgern. Ihre Hörner bestehen aus einem Knochenzapfen, der mit einer Hülle aus Horn (Keratin) überzogen ist. Sie werden nie abgeworfen. Bei vielen Arten tragen beide Geschlechter Hörner, etwa bei den Gazellen. Bei anderen Arten, zum Beispiel beim Kudu oder bei der Impala, haben nur die Männchen Hörner. Die Formen sind sehr verschieden: kurze Spieße bei den Duckern, geschwungene Leiern bei der Impala, lange, fast gerade Spieße bei den meisten Oryx-Antilopen oder Schrauben beim Kudu.

Duftdrüsen

Antilopen verständigen sich viel über Gerüche. Viele Arten haben eine Voraugendrüse unter jedem Auge, mit der sie Zweige und Gräser markieren. Dazu kommen Duftdrüsen an den Knien und zwischen den Hufen.

Verbreitung und Lebensraum

Die meisten Antilopen leben in Afrika. Einige Arten kommen in Asien vor, zum Beispiel die Hirschziegenantilope und die Nilgauantilope in Indien oder Gazellen auf der Arabischen Halbinsel und in Zentralasien. Die Saiga-Antilope lebt in Kasachstan, der Mongolei, Usbekistan und Russland. In Russland bewohnt sie die Steppen von Kalmückien nahe dem Kaspischen Meer, und diese Gegend gehört geografisch zu Europa. In Amerika und Australien gibt es von Natur aus keine Antilopen.

Viele Antilopen sind Tiere der offenen Savannen und Grasländer. Andere Arten haben sich an ganz andere Lebensräume angepasst:

  • Regenwälder und Bergwälder: viele Ducker, der Bongo
  • Trockenbusch und Halbwüsten: Dikdiks, Giraffengazelle
  • Wüsten: die Mendesantilope und die Dünengazelle
  • Sümpfe und Überschwemmungsgebiete: Wasserböcke und Moorantilopen
  • Steppen: die Saiga-Antilope

Ernährung

Antilopen sind Pflanzenfresser und wie Rinder Wiederkäuer. Sie haben einen Magen mit mehreren Kammern und kauen ihre Nahrung ein zweites Mal, nachdem sie sie hochgewürgt haben. So können sie auch harte Pflanzen gut verwerten.

Man unterscheidet zwei Ernährungsweisen:

  • Grasfresser weiden vor allem Gräser ab, zum Beispiel Gnus.
  • Laubfresser knabbern Blätter, Knospen und Triebe von Büschen und kleinen Bäumen, zum Beispiel Dikdiks und Kudus.

Viele Arten wechseln je nach Jahreszeit und fressen, was gerade am nahrhaftesten ist. Einige Ducker fressen neben Pflanzen sogar Insekten und kleine Tiere. Manche Wüstenantilopen folgen dem Regen, um frisches Grün zu finden. Thomson-Gazellen ziehen oft hinter Gnu-Herden her und fressen die jungen Grastriebe, die die Gnus übrig lassen.

Verhalten und Lebensweise

Auch im Verhalten unterscheiden sich die Arten stark. Kleine Antilopen wie Ducker und Dikdiks leben allein, paarweise oder in kleinen Gruppen von drei bis zehn Tieren. Andere Arten bilden große Herden. Berühmt sind die jährlichen Wanderungen der Gnus durch die Savannen Afrikas. Auch Impalas, Springböcke und Saigas schließen sich zeitweise zu großen Gruppen zusammen.

Bei vielen Arten, etwa bei Gazellen und Rappenantilopen, besetzen die Männchen ein Revier und verteidigen es gegen andere erwachsene Männchen.

Flucht vor Fressfeinden

Antilopen sind Beutetiere. Zu ihren Feinden gehören Löwen, Leoparden, Geparden, Hyänen, Afrikanische Wildhunde und große Pythons. Je nach Art reagieren sie unterschiedlich auf Gefahr. Manche erstarren oder verstecken sich flach auf dem Boden. Andere warnen mit Rufen, flüchten ins Dickicht oder rennen davon. Gazellen und Springböcke machen dabei oft steife Sprünge mit allen vier Beinen gleichzeitig. Dieses „Prellen“ kann einen Verfolger verwirren. Moorantilopen wie die Litschi springen bei Gefahr ins Wasser und schwimmen davon.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Tragzeit dauert je nach Art 4 bis 9 Monate. Meist kommt ein einziges Jungtier zur Welt, Zwillinge sind selten. Ein neugeborenes Kleinstböckchen wiegt nur etwa 300 Gramm, ein junger Wasserbock dagegen über 14 Kilogramm.

Antilopen haben zwei Strategien, ihre Jungen zu schützen:

  • Ablieger: Bei den meisten Arten versteckt die Mutter ihr Junges in den ersten Wochen im hohen Gras oder im Gebüsch. Sie kommt nur zum Säugen vorbei. Erst später schließt sich das Junge der Gruppe an.
  • Nachfolger: Bei wandernden Arten wie Gnus und anderen Kuhantilopen steht das Kalb schon wenige Minuten bis einen Tag nach der Geburt auf den Beinen und läuft mit der Herde mit.

Je nach Art werden Antilopen mit 6 Monaten bis 8 Jahren geschlechtsreif. Die Lebenserwartung reicht von etwa 3 bis zu 28 Jahren.

Gefährdung

Viele Antilopenarten sind häufig, andere sind stark gefährdet. Die wichtigsten Gründe sind Jagd und Wilderei, der Verlust von Lebensraum und in manchen Gegenden Krankheiten.

Zwei Beispiele zeigen aber, dass Schutz helfen kann. Im Dezember 2023 stufte die IUCN die Saiga-Antilope von „vom Aussterben bedroht“ auf „potenziell gefährdet“ herab. In Kasachstan, wo 98 Prozent aller Saigas leben, war der Bestand zwischen 2015 und 2022 um 1.100 Prozent gewachsen. Die Säbelantilope war Ende der 1990er-Jahre in freier Wildbahn ausgestorben. Nach einer Wiederansiedlung im Tschad gilt sie seit 2023 nicht mehr als „in der Natur ausgestorben“, sondern als „stark gefährdet“.

Andere Arten stehen dagegen kurz vor dem Aussterben. Die Rote Liste der IUCN führt zum Beispiel die Mendesantilope aus der Sahara als vom Aussterben bedroht (IUCN, 2016). Die Saola aus den Bergwäldern von Vietnam und Laos wird oft als Antilope bezeichnet, gehört aber in die Verwandtschaft der Rinder. Auch sie ist vom Aussterben bedroht (IUCN, 2020).

Häufige Fragen zur Antilope

Wie viele Antilopenarten gibt es?

Je nach Zählweise etwa 90 Arten in rund 30 Gattungen. Die genaue Zahl hängt davon ab, welche Hornträger man zu den Antilopen rechnet und wie Forschende die Arten gegeneinander abgrenzen.

Ist ein Gnu eine Antilope?

Ja. Das Gnu gehört zu den Kuhantilopen und damit zu den Antilopen. Auch Impala, Springbock, Kudu, Gazellen und Oryx sind Antilopen.

Ist ein Reh eine Antilope?

Nein. Rehe und Hirsche gehören zu einer anderen Familie, den Hirschen. Sie tragen ein Geweih aus Knochen, das sie jedes Jahr abwerfen. Antilopen haben dagegen Hörner, die nie abfallen.

Welche ist die größte und welche die kleinste Antilope?

Die größte ist die Elenantilope, Bullen werden bis zu etwa 1,80 Meter hoch und fast eine Tonne schwer. Die kleinste ist das Kleinstböckchen aus Westafrika mit etwa 25 Zentimetern Schulterhöhe und 2,5 bis 3 Kilogramm Gewicht.

Gibt es Antilopen in Europa?

Nur ganz im Südosten. Die Saiga-Antilope lebt unter anderem in der Steppe von Kalmückien in Russland, nordwestlich des Kaspischen Meeres, also im europäischen Teil Russlands. Die Gämse in den Alpen ist zwar ein Hornträger, gehört aber zu den Ziegenartigen und gilt nicht als Antilope.

Welche Antilope wurde in Laos entdeckt?

Gemeint ist meist die Saola. Sie wurde 1992 im Grenzgebiet von Vietnam und Laos entdeckt und wird oft als Antilope bezeichnet, ist aber näher mit den Rindern verwandt.

Ähnliche Tiere

  • Impala - eine der bekanntesten Antilopen Afrikas
  • Springbock - Gazelle aus dem südlichen Afrika, berühmt für ihre Sprünge
  • Gnu - Kuhantilope, die in riesigen Herden wandert
  • Großer Kudu - Drehhornantilope mit schraubenförmigen Hörnern
  • Hirschziegenantilope - Antilope aus Indien
  • Saola - seltenes Waldrind, das oft für eine Antilope gehalten wird

Quellen