Asiatische Riesenhornisse

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Asiatische Riesenhornisse mit orangefarbenem Kopf und schwarz-gelb gebändertem Hinterleib
Gary Alpert / Wikimedia Commons / CC BY 2.5

Kurz erklärt

Die Asiatische Riesenhornisse ist die größte Hornisse der Welt. Königinnen werden über 5 cm lang und spannen die Flügel mehr als 7 cm weit. Sie lebt in Ost- und Südostasien, nistet meist unter der Erde und überfällt im Spätsommer ganze Bienenvölker. In Europa kommt sie nicht vor.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameVespa mandarinia
Abstammung
  • Klasse: Insekten
  • Ordnung: Hautflügler
  • Familie: Faltenwespen (Vespidae)
  • Unterfamilie: Echte Wespen (Vespinae)
  • Gattung: Hornissen (Vespa)
  • Art: Asiatische Riesenhornisse
Körpergröße3,5 bis 5,5 cm
KörpergewichtKeine verlässlichen Angaben
ErnährungInsektenfresser und Allesfresser: Käfer, Bienen, Wespen, dazu Baumsaft und Früchte
LebenserwartungArbeiterinnen einige Monate, Königinnen bis zu einem Jahr
SozialverhaltenEusozial, Staat mit einer Königin
HerkunftAsien
Verbreitung Ost- und Südostasien nördlich der Tropen, am häufigsten in Japan Asien
EntdeckungErstbeschreibung 1852 durch Frederick Smith
GefährdungNE Nicht bewertet
SonstigesGrößte Hornissenart der Welt. Nester liegen meist unterirdisch in 6 bis 60 cm Tiefe. In Europa kommt die Art nicht vor.

Aussehen und Körperbau

Die Asiatische Riesenhornisse trägt ihren Namen zu Recht: Sie ist die größte Hornisse der Erde. Königinnen erreichen über 5 cm Körperlänge und eine Flügelspannweite von mehr als 7,6 cm. Arbeiterinnen und Männchen bleiben mit 3,5 bis 3,9 cm deutlich kleiner. Ansonsten unterscheiden sich Königin und Arbeiterin nur in der Größe.

Auffällig ist der breite, hell orangefarbene Kopf. Darin sitzen zwei große Facettenaugen, die dunkelbraun bis schwarz gefärbt sind, dazu drei kleine Punktaugen. Die Fühler sind braun mit gelb-orangem Grundglied. Die kräftigen Kiefer haben einen tief orangen Ton und tragen einen schwarzen Zahn, mit dem die Tiere graben können.

Die Brust ist dunkelbraun, die beiden Flügelpaare sind gräulich und ragen weit über den Körper hinaus. Der Hinterleib zeigt abwechselnd dunkelbraune bis schwarze und orangegelbe Binden; das sechste Segment ist vollständig gelb.

Am Hinterleibsende sitzt bei den Weibchen der Stachel. Er kann bis zu 6 mm lang werden und ist damit länger als bei einer gewöhnlichen Wespe. Männchen besitzen keinen Stachel, denn dieser ist aus dem Legebohrer der Weibchen entstanden.

Verbreitung und Lebensraum

Die Art lebt im östlichen und südöstlichen Asien nördlich der Tropen. Am häufigsten und am besten erforscht ist sie in Japan. Dort gibt es mit Vespa mandarinia japonica eine eigene Unterart.

Als Lebensraum bevorzugt die Riesenhornisse niedrige Gebirgslagen und Wälder. In offenen Ebenen und in großen Höhen fehlt sie weitgehend. Ihre Nester legt sie fast immer unterirdisch an. Dafür gräbt sie selbst, nutzt verlassene Baue kleiner Nagetiere oder Hohlräume an morschen Kiefernwurzeln. Die Nester liegen dabei nur 6 bis 60 cm unter der Oberfläche. Seltener baut sie in Baumhöhlen oder in Gebäuden.

Ernährung

Die Asiatische Riesenhornisse ist in erster Linie eine Insektenjägerin, frisst aber auch pflanzliche Kost. Die Arbeiterinnen erbeuten vor allem Käfer, außerdem Honigbienen und andere soziale Wespen. Daneben lecken sie gerne Baumsaft, besonders an Eichen, und fressen weiche, zuckerreiche Früchte.

Erwachsene Hornissen können feste Nahrung gar nicht verdauen. Sie leben von Saft und von einem nährstoffreichen Speichel, den ihnen die eigenen Larven abgeben. Alles Feste wandert deshalb zu den Larven im Nest: Die Jägerinnen zerkauen ihre Beute zu einer Kugel und verfüttern sie. Diesen Nahrungsaustausch von Mund zu Mund nennt man Trophallaxis. Riesenhornissen betreiben ihn sogar außerhalb des Nestes. Hungrige Arbeiterinnen umklammern sich dabei, hängen an einem einzigen Bein an einem Zweig oder rollen am Boden und betteln abwechselnd um Futter. So ein Paar kann über zehn Minuten in dieser Stellung bleiben.

Der Überfall auf Bienenstöcke

Die Asiatische Riesenhornisse ist die einzige eusoziale Wespe, die im Trupp Bienenstöcke und Nester anderer staatenbildender Wespen angreift. Solche Überfälle beginnen meist erst gegen Ende des Sommers. Sie laufen in drei Phasen ab:

  1. Jagdphase: Einzelne Arbeiterinnen lauern am Eingang eines Stocks. Sie schnappen sich anfliegende Bienen in der Luft, beißen sie tot, trennen Kopf, Beine und Flügel ab und tragen den Rumpf ins eigene Nest.
  2. Schlachtphase: Eine Kundschafterin markiert den Stock mit einem Duftstoff. Daraufhin greifen 2 bis 50 Hornissen gemeinsam an. Sie bleiben am Eingang und töten jede Biene, die sich zur Wehr setzt. Die toten Bienen bleiben zunächst liegen.
  3. Besetzungsphase: Ist die Gegenwehr erloschen, besetzen die Hornissen den Stock. Sie verteidigen ihn gegen andere Tiere und warnen mit hörbarem Klicken der Kiefer. Nun holen sie Larven und Puppen aus den Waben, zerkauen sie und füttern damit ihren eigenen Nachwuchs. Am liebsten nehmen sie die reifsten Puppen.

Für die Imkerei ist das ein ernstes Problem. Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera), die weltweit in der Imkerei gehalten wird, hat keine Abwehr gegen diesen Gegner entwickelt. Greifen 20 bis 30 Riesenhornissen ein Volk an, sterben dabei in ein bis sechs Stunden zwischen 5.000 und 25.000 Bienen. In Japan werden dadurch jedes Jahr Zehntausende Bienenvölker geschädigt.

Die Asiatische Honigbiene (Apis cerana) hat dagegen eine erstaunliche Antwort gefunden. Sie erkennt den Markierungsduft der Hornisse und stellt zusätzliche Wächterinnen an den Eingang. Taucht eine Kundschafterin auf, stürzen sich über 500 Bienen auf sie und bilden eine dichte Kugel um das viel größere Tier. Dann lassen sie ihre Flugmuskeln vibrieren, so wie sie es sonst zum Heizen des Nestes tun. Hitze und Kohlendioxid steigen im Inneren der Kugel so weit an, dass die Hornisse stirbt. Die Bienen selbst überleben das.

Auch andere Wespen leiden unter der Riesenhornisse. In manchen Jahren löschen ihre Überfälle in einem Gebiet mehr als die Hälfte aller Völker von Arten wie Vespa analis, Vespa simillima und Vespula flaviceps aus.

Staatenleben und Fortpflanzung

Riesenhornissen sind eusozial. Das heißt: Sie leben in einem Staat, in dem sich nur die Königin fortpflanzt, während die Arbeiterinnen die Brut versorgen, und es überlappen sich mehrere Generationen.

Gepaart wird im Herbst, und zwar direkt am Nesteingang. Das ist bei Hornissen ungewöhnlich. Duftstoffe locken die Männchen an. Verlässt eine junge Königin das Nest, packt ein Männchen sie in der Luft, beide stürzen zu Boden, und die Paarung dauert 8 bis 45 Sekunden. Danach sucht die Königin ein Winterquartier.

Im Frühjahr gründet die begattete Königin allein einen neuen Staat. Sie baut ein kleines Nest und legt bis zu 40 Eier. Aus ihnen schlüpft die erste Generation Arbeiterinnen, die sie zunächst selbst versorgt. Vom Ei bis zur fertigen Arbeiterin vergehen etwa 40 Tage. Ab diesem Punkt übernehmen die Arbeiterinnen die Brutpflege, und die Königin legt nur noch Eier. Gegen Ende des Sommers sind es Tausende. Aus befruchteten Eiern entstehen die Königinnen des nächsten Jahres, aus unbefruchteten die Männchen.

Die Arbeiterinnen leben vom Frühjahr bis zum Winter. Die Männchen sterben kurz nach der Paarung. Nur die jungen Königinnen überwintern; sie werden bis zu einem Jahr alt. Das alte Volk samt Gründerkönigin stirbt im Winter ab.

Feinde

Trotz ihrer Größe hat die Riesenhornisse Gegner. Zu ihren Fressfeinden zählt der Wespenbussard (Pernis apivorus), ein Greifvogel, der sich auf Wespenbrut spezialisiert hat. Außerdem wird die Art vom Fächerflügler Xenos moutoni befallen, einem Insekt, das als Parasit im Körper der Hornisse lebt.

Wie gefährlich ist sie für Menschen?

Menschen gegenüber verhält sich die Asiatische Riesenhornisse normalerweise nicht angriffslustig. Sie sticht, wenn man versucht sie anzufassen, und sie verteidigt ihr Nest oder einen Bienenstock, den sie gerade besetzt hat. Weil ihr Stachel länger ist als der einer gewöhnlichen Wespe, reicht die übliche Imkerschutzkleidung gegen sie nicht aus. Ein einzelner Stich gibt außerdem mehr Gift ab und kann Gewebe schädigen und starke Schmerzen verursachen.

Massenangriffe sind sehr selten, kommen aber vor und können im Extremfall tödlich enden. In Japan werden jedes Jahr geschätzt 30 bis 50 Todesfälle auf Stiche dieser Art zurückgeführt. 2025 starben ein Vater und sein Sohn aus Idaho, als sie in Laos beim Ziplining angegriffen wurden.

Hornissengift ist grundsätzlich nicht giftiger als das Gift von Honigbienen oder anderen Faltenwespen. Es enthält aber unter anderem den Stoff Acetylcholin, und der längere Stachel dringt tiefer ein. Deshalb tut ein Hornissenstich mehr weh. Für Allergikerinnen und Allergiker kann schon ein einzelner Stich gefährlich werden.

Aus dem Speichel der Larven wird in Japan ein Nahrungsergänzungsmittel gewonnen, die „Vespa Amino Acid Mixture“. Bei Mäusen verbesserte sie die Ausdauer beim Schwimmen. Ob der Stoff auch bei Menschen wirkt, ist bisher nicht durch geprüfte Studien belegt.

Nicht verwechseln: Riesenhornisse und Asiatische Hornisse

In Deutschland sorgt seit einigen Jahren die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) für Schlagzeilen. Das ist eine völlig andere Art. Sie wurde 2004 mit Warentransporten nach Frankreich eingeschleppt und hat sich seitdem über Westeuropa ausgebreitet. In Deutschland gilt sie seit März 2025 offiziell als etabliert. Ihre Arbeiterinnen messen 17 bis 25 mm, sie hat einen dunklen Körper, einen schwarzen Kopf und gelbe Füße.

Die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia) kommt dagegen in Deutschland und in keinem anderen europäischen Land vor. Dass die EU sie 2025 auf ihre Liste invasiver Arten gesetzt hat, ist reine Vorsorge: Die Mitgliedsstaaten sollen vorbereitet sein, falls doch einmal ein Tier eingeschleppt wird.

Kurzer Gastauftritt in Nordamerika

2019 tauchte die Art zum ersten Mal außerhalb Asiens auf. Im Herbst wurden Tiere an zwei Stellen in der kanadischen Provinz British Columbia gefunden, im Dezember 2019 bestätigte die Landwirtschaftsbehörde des US-Bundesstaats Washington zwei Meldungen aus der Nähe von Blaine. Es waren die ersten Nachweise in den USA überhaupt.

Die Behörden reagierten mit Fallen und Suchaktionen. Bis Ende 2021 fanden und vernichteten sie vier Nester im Whatcom County. Von 2022 bis 2024 ging kein einziger Fund mehr ein. Ende 2024 erklärten die Behörden die Art in Washington und damit in den USA für ausgerottet. In den USA heißt sie heute offiziell „northern giant hornet“.

Gefährdung

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist die Asiatische Riesenhornisse nicht bewertet (NE). In ihrem Heimatgebiet gilt sie nicht als bedroht, und es gibt dort keine Schutzprogramme für sie.

Häufige Fragen zur Asiatischen Riesenhornisse

Wie groß wird die Asiatische Riesenhornisse?

Königinnen werden über 5 cm lang, ihre Flügel spannen mehr als 7,6 cm. Arbeiterinnen und Männchen bleiben mit 3,5 bis 3,9 cm kleiner. Damit ist sie die größte Hornissenart der Welt. Ihr Stachel misst bis zu 6 mm.

Gibt es die Asiatische Riesenhornisse in Deutschland?

Nein. Vespa mandarinia kommt in Deutschland und in keinem anderen europäischen Land vor. Was hierzulande gemeldet wird, ist fast immer die viel kleinere Asiatische Hornisse (Vespa velutina) oder die heimische Europäische Hornisse. Die EU hat die Riesenhornisse 2025 nur vorsorglich auf ihre Liste invasiver Arten gesetzt.

Wie gefährlich ist ein Stich?

Ein einzelner Stich ist sehr schmerzhaft, für gesunde Menschen aber normalerweise nicht lebensgefährlich. Gefährlich wird es bei vielen Stichen oder bei einer Allergie gegen das Gift. In Japan werden pro Jahr geschätzt 30 bis 50 Todesfälle auf diese Hornisse zurückgeführt.

Warum nennt man sie „Bienenkillerin“?

Weil sie im Spätsommer im Trupp Bienenstöcke überfällt. Zwanzig bis dreißig Hornissen können ein Volk der Westlichen Honigbiene in ein bis sechs Stunden auslöschen, dabei sterben 5.000 bis 25.000 Bienen. Die Hornissen verfüttern anschließend die Bienenlarven und -puppen an ihren eigenen Nachwuchs.

Wie wehren sich Bienen gegen die Riesenhornisse?

Die Asiatische Honigbiene hat eine Hitzefalle entwickelt. Über 500 Bienen umschließen eine einzelne Hornisse als dichte Kugel und lassen ihre Flugmuskeln vibrieren. Temperatur und Kohlendioxidgehalt im Inneren steigen so stark, dass die Hornisse stirbt, während die Bienen selbst überleben.

Wo baut die Asiatische Riesenhornisse ihr Nest?

Fast immer unter der Erde, in 6 bis 60 cm Tiefe. Sie gräbt selbst, nutzt alte Nagerbaue oder Hohlräume an morschen Kiefernwurzeln. Nur selten findet man ihre Nester in Baumhöhlen oder Gebäuden. Weil man sie schlecht sieht, tritt man bei Waldspaziergängen leicht darauf.

Ähnliche Tiere

  • Hornisse - die heimische Europäische Hornisse
  • Wespe - nahe Verwandte aus derselben Unterfamilie
  • Honigbiene - Hauptbeute bei den Überfällen auf Bienenstöcke
  • Hummel - ebenfalls ein staatenbildender Hautflügler
  • Schlupfwespe - Hautflügler mit ganz anderer Lebensweise

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Asiatische Riesenhornisse
3,5 bis 5,5 cm

Eine Asiatische Riesenhornisse erreicht eine Körpergröße von 3,5 bis 5,5 cm. Damit passt sie bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Ein Fußball wäre dagegen noch rund 5-mal so groß.