Asiatischer Löwe

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Männlicher Asiatischer Löwe mit hell- bis dunkelbrauner Mähne steht vor einem Baumstamm im trockenen Gir-Wald
Sumeet Moghe / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Asiatische Löwe lebt nur noch an einem Ort der Welt: im Gir-Wald und seiner Umgebung im indischen Bundesstaat Gujarat. Er ähnelt dem Afrikanischen Löwen, hat aber eine kleinere Mähne und eine deutliche Hautfalte am Bauch. Um 1880 schätzte man den Bestand im Gir-Wald auf nur etwa 12 Tiere, bei der Zählung 2025 waren es 891. Er gilt weiter als stark gefährdet, auch weil alle Tiere in einem einzigen Gebiet leben.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePanthera leo leo (asiatischer Bestand), früher Panthera leo persica
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Katzen (Felidae)
  • Gattung: Panthera
  • Art: Löwe (Panthera leo)
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge Männchen 170 bis 250 cm, Weibchen 140 bis 175 cm; Schulterhöhe Männchen 100 bis 123 cm, Weibchen 80 bis 107 cm
KörpergewichtMännchen 160 bis 190 kg, Weibchen 110 bis 120 kg
ErnährungFleischfresser: vor allem Chital-Hirsche, außerdem Sambarhirsche, Nilgauantilopen, Wildschweine, Indische Gazellen und Vieh
Lebenserwartung12 bis 18 Jahre (Angabe der IUCN-Katzenexperten für Löwen)
SozialverhaltenLebt in Rudeln; im Gir-Wald bestehen die meisten Rudel aus nur zwei Weibchen und ihren Jungen
HerkunftFrüher Nordafrika, Südosteuropa und Südwestasien bis Indien
Verbreitung Nur noch im indischen Bundesstaat Gujarat: Gir-Nationalpark und Umgebung, 2025 in elf Distrikten nachgewiesen Asien
EntdeckungErstbeschreibung als Panthera leo persica 1826 durch Meyer
GefährdungEN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesDie IUCN bewertet den asiatischen Teilbestand des Löwen gesondert als stark gefährdet (EN, 2024). Er gehört heute zur Unterart Panthera leo leo (EN, 2025), die Art Löwe insgesamt gilt als gefährdet (VU, 2025). Zählung 2025: 891 Tiere.

Die letzten Löwen Asiens

Löwen gab es früher nicht nur im Afrika südlich der Sahara. Sie lebten auch in Nordafrika, im Nahen Osten und in weiten Teilen Südwestasiens bis nach Indien. In Europa starben sie vor fast 2.000 Jahren aus. Heute leben wild lebende Löwen außerhalb Afrikas nur noch an einem einzigen Ort: im Gir-Wald und seiner Umgebung im indischen Bundesstaat Gujarat.

Diese Tiere werden Asiatische Löwen oder Indische Löwen genannt. Lange galten sie als eigene Unterart mit dem wissenschaftlichen Namen Panthera leo persica. Der Name geht auf eine Beschreibung von Meyer aus dem Jahr 1826 zurück, die sich auf Löwen aus Persien, dem heutigen Iran, bezog.

Unterart oder nicht?

Früher teilte man die Löwen in einen Afrikanischen und einen Asiatischen Löwen ein. Genetische Untersuchungen zeigten aber, dass die Löwen West- und Zentralafrikas enger mit den Löwen Indiens verwandt sind als mit denen im Osten und Süden Afrikas. Die Katzenexperten der IUCN haben die Einteilung deshalb 2017 geändert. Sie unterscheiden heute zwei Unterarten:

  • Panthera leo leo: Löwen in West- und Zentralafrika und in Indien, früher auch in Nordafrika, Südosteuropa, dem Nahen Osten und Südwestasien
  • Panthera leo melanochaita: Löwen im Osten und Süden Afrikas

Der Asiatische Löwe gehört damit zur Unterart Panthera leo leo. Die IUCN führt ihn als „asiatischen Teilbestand“ der Art Löwe. Nach den Erbgut-Studien haben Löwen Südwestasien erst in den letzten 20.000 Jahren besiedelt. Weil der Bestand in Indien mehrmals sehr klein war, hat er sich genetisch trotzdem schnell von anderen Löwen unterschieden.

Aussehen: Unterschiede zum Afrikanischen Löwen

Asiatische Löwen sehen afrikanischen Löwen sehr ähnlich. Es gibt aber einige typische Merkmale:

  • Kleinere Mähne: Die Männchen haben eine kürzere und kleinere Mähne als afrikanische Löwen. Ihre Ohren bleiben deshalb gut sichtbar.
  • Bauchfalte: Entlang des Bauches verläuft bei Asiatischen Löwen eine deutlichere Hautfalte. Diese Falte kommt allerdings auch bei Löwen in Westafrika vor.
  • Haarbüschel am Ellbogen: Die Haarbüschel an den Ellbogen sind kräftiger ausgeprägt.
  • Fell und Schwanzquaste: Afrikanische Löwen haben ein kürzeres Fell und eine auffälligere Quaste an der Schwanzspitze als Asiatische Löwen.

Größe und Gewicht: Nach Angaben des Cotswold Wildlife Park wiegen Männchen 160 bis 190 kg und Weibchen 110 bis 120 kg. Männchen sind ohne Schwanz 170 bis 250 cm lang und an der Schulter 100 bis 123 cm hoch, Weibchen 140 bis 175 cm lang und 80 bis 107 cm hoch. Der größte bekannte Asiatische Löwe maß von der Nase bis zur Schwanzspitze 2,9 m. Zum Vergleich: Für Löwen insgesamt nennen die IUCN-Katzenexperten ein Gewicht von 110 bis 272 kg.

Verbreitung und Lebensraum

Früher: Asiatische Löwen lebten von Nordafrika und dem Norden Griechenlands über Syrien, den Irak, den Iran und Pakistan bis in den Norden und die Mitte Indiens, im Osten bis in den heutigen Bundesstaat Bihar. Mit der Erfindung von Schusswaffen und durch rücksichtslose Jagd verschwanden sie aus immer mehr Gebieten. In Syrien wurden die letzten Löwen 1891 gemeldet, im Irak 1918 und im Iran 1942. Um 1880 schätzte man den Bestand im Gir-Wald auf nur noch etwa 12 Tiere.

Heute: Der Kern des Verbreitungsgebiets ist der Gir-Nationalpark mit dem Gir-Schutzgebiet auf rund 1.400 Quadratkilometern. Inzwischen leben Löwen aber auch weit außerhalb, etwa in den Wäldern von Girnar und Mitiyala, an der Küste und in Hügelgebieten. Bei der Zählung 2025 wurden Löwen in elf Distrikten Gujarats gefunden.

Der Gir-Wald ist ein trockener Laubwald. Im Westen wachsen vor allem Teakbäume, im trockeneren Osten herrscht Dornsavanne mit Akazien vor. Ringsum liegen Felder und Dörfer, im Umkreis von fünf Kilometern um das Schutzgebiet rund 100 Dörfer. Im Schutzgebiet selbst leben Hirten der Maldhari mit ihrem Vieh. Tagsüber ziehen sich die Löwen in dichte Vegetation zurück, wo es kühler ist. Nachts streifen sie weiter umher und durchqueren dabei auch Felder und Siedlungen.

Ernährung

Asiatische Löwen sind Fleischfresser. Ihre häufigste Beute ist der Chital-Hirsch (Axis axis). Außerdem jagen sie Sambarhirsche, Vierhornantilopen, Indische Gazellen, Wildschweine und Nilgauantilopen. Gelegentlich fressen sie auch Stachelschweine, Languren, Hasen und Pfauen.

Auch Vieh spielt eine große Rolle. Innerhalb des Schutzgebiets fressen die Löwen vor allem Wildtiere, ungefähr in dem Verhältnis, in dem diese vorkommen. Außerhalb sind Rinder und andere Haustiere oft ihre wichtigste Nahrung. Wie viel Vieh sie reißen, hängt davon ab, wie viele Wildtiere es gibt, und schwankt mit der Jahreszeit. Im Sommer, wenn sich die Wildtiere an den Wasserstellen sammeln, erbeuten sie mehr Wildtiere.

Löwen jagen meist nachts und in der Dämmerung. Über 95 Prozent ihrer Beute erlegen sie in der Nacht. Den größten Teil des Tages verbringen sie mit Ruhen, aktiv sind sie nur etwa vier bis sechs Stunden täglich.

Verhalten und Lebensweise

Löwen sind die geselligsten aller Katzen. Sie leben in Rudeln, und die Weibchen eines Rudels helfen sich gegenseitig, etwa bei der Aufzucht der Jungen. Im Gir-Wald sind die Rudel aber klein: Die meisten bestehen aus nur zwei Weibchen und ihren Jungen. Größere Rudel haben bis zu elf erwachsene Weibchen. In Afrika sind es im Schnitt vier bis sechs.

Im Gir-Wald nutzen Männchen Streifgebiete von 11 bis 174 Quadratkilometern, Weibchen von 26 bis 43 Quadratkilometern. Die Kerngebiete, in denen sie sich die meiste Zeit aufhalten, sind viel kleiner: etwa 10 Quadratkilometer bei Männchen und 5 bei Weibchen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Löwen haben keine feste Paarungszeit. In Asien gibt es aber einen Höhepunkt der Paarungen im Winter, die meisten Jungen werden zwischen Ende des Winters und Frühsommer geboren. Die Tragzeit dauert 100 bis 119 Tage. Ein Wurf besteht aus einem bis vier Jungen.

Weibchen paaren sich ab einem Alter von etwa zwei Jahren, erfolgreich Junge bekommen sie meist erst mit über drei Jahren. Männchen sind zwar früher geschlechtsreif, können aber selten vor einem Alter von etwa fünf Jahren ein Revier halten und sich fortpflanzen. Überleben die Jungen, vergehen meist zwei bis drei Jahre bis zum nächsten Wurf.

Viele Jungtiere sterben, bevor sie erwachsen werden. Bei Asiatischen Löwen gehen bis zu 60 Prozent der Todesfälle von Jungtieren auf Kindstötung durch andere Löwen zurück, meist im ersten Lebensjahr. Löwen werden etwa 12 bis 18 Jahre alt.

Wie viele Asiatische Löwen gibt es?

Der Bestand im Gir-Gebiet wird alle fünf Jahre gezählt. Er ist stetig gewachsen:

JahrAsiatische Löwen
2001327
2005359
2010411
2015523
2020674
2025891

Bei der Zählung vom 10. bis 13. Mai 2025 suchten 3.854 Helfer ein Gebiet von 35.000 Quadratkilometern ab. Gezählt wurden 891 Löwen, darunter 196 Männchen und 330 Weibchen, der Rest waren Jungtiere und Halbwüchsige. Die Zahlen gab die Regierung von Gujarat im Mai 2025 bekannt.

Gefährdung und Schutz

Rote Liste: Die IUCN stuft den asiatischen Teilbestand des Löwen als stark gefährdet (EN) ein (2024). Grundlage ist allerdings eine Bewertung von 2008, damals mit etwa 175 fortpflanzungsfähigen Tieren, die laut IUCN aktualisiert werden muss. Im Jahr 2000 galt der Asiatische Löwe sogar als vom Aussterben bedroht (CR). Die Unterart Panthera leo leo, zu der auch die Löwen West- und Zentralafrikas gehören, gilt ebenfalls als stark gefährdet (EN, 2025). Die Art Löwe insgesamt ist als gefährdet (VU) eingestuft.

Warum ist er trotz Wachstum gefährdet?

  • Nur ein einziger Bestand: Alle Asiatischen Löwen leben in einem Gebiet. Eine Seuche, ein großer Waldbrand oder eine andere Katastrophe könnte den ganzen Bestand treffen. Außerdem ist das Erbgut wenig vielfältig, und es droht Inzucht.
  • Konflikte mit Menschen: Weil immer mehr Löwen außerhalb des Schutzgebiets leben, reißen sie häufiger Vieh. Bisher dulden die Menschen in der Region die Löwen meist und sehen sie als Teil ihres Naturerbes. Damit das so bleibt, sollen die Viehhaltung, wirtschaftliche Anreize und die Sicherheit der Menschen verbessert werden.
  • Wilderei und Unfälle: Es gab Fälle von Wilderei, auch wegen der Nachfrage nach Löwenknochen und anderen Körperteilen. Mehrfach sind Löwen ertrunken, nachdem sie in Brunnen gefallen waren.

Schutzmaßnahmen: Der Asiatische Löwe steht in Indien unter strengstem Schutz und im Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. Weniger Weidevieh im Wald und der Schutz vor Feuer haben dazu geführt, dass sich die Vegetation und die Bestände der Beutetiere erholt haben. Fachleute fordern seit Langem, einen zweiten wild lebenden Bestand aufzubauen. Ein früherer Versuch im Chandraprabha-Schutzgebiet in Uttar Pradesh scheiterte: Die Zahl der Löwen stieg dort von drei auf elf, dann verschwanden sie, vermutlich erschossen oder vergiftet. Als bester Ort für einen neuen Bestand wurde laut der IUCN-Bewertung von 2008 das Schutzgebiet Palpur-Kuno in Madhya Pradesh ausgewählt.

Häufige Fragen zum Asiatischen Löwen

Wie viele Asiatische Löwen gibt es noch?

Bei der Zählung im Mai 2025 wurden in Gujarat 891 Asiatische Löwen gezählt. 2020 waren es 674, im Jahr 2001 erst 327. Alle leben im Gir-Wald und den umliegenden Gebieten.

Wo lebt der Asiatische Löwe?

Er lebt nur noch im Westen Indiens im Bundesstaat Gujarat, im Gir-Nationalpark und in angrenzenden Gebieten. Inzwischen wurden Löwen in elf Distrikten Gujarats gefunden. Früher war er von Nordafrika und Südosteuropa bis nach Indien verbreitet.

Was ist der Unterschied zwischen Asiatischem und Afrikanischem Löwen?

Asiatische Löwen haben eine kleinere, kürzere Mähne, eine deutlichere Hautfalte am Bauch und kräftigere Haarbüschel an den Ellbogen. Afrikanische Löwen haben ein kürzeres Fell und eine auffälligere Schwanzquaste. Die Rudel im Gir-Wald sind kleiner als in Afrika.

Wie schwer wird ein Asiatischer Löwe?

Männchen wiegen etwa 160 bis 190 kg, Weibchen 110 bis 120 kg. Männchen sind an der Schulter bis zu 123 cm hoch.

Was frisst der Asiatische Löwe?

Am häufigsten erbeutet er Chital-Hirsche. Er jagt auch Sambarhirsche, Nilgauantilopen, Wildschweine und Gazellen. Außerhalb des Schutzgebiets reißt er oft Rinder und anderes Vieh.

Ist der Asiatische Löwe eine eigene Unterart?

Nach der Einteilung der IUCN-Katzenexperten von 2017 nicht mehr. Er gehört zur Unterart Panthera leo leo, zusammen mit den Löwen West- und Zentralafrikas. Der frühere Name Panthera leo persica wird aber noch oft verwendet.

Ähnliche Tiere

  • Löwe - die Art, zu der der Asiatische Löwe gehört
  • Tiger - eine weitere Großkatze der Gattung Panthera
  • Leopard - ebenfalls eine Großkatze der Gattung Panthera
  • Antilope - Antilopen wie die Nilgauantilope gehören zu seiner Beute

Quellen

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🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Asiatischer Löwe
1,4 bis 2,5 m

Ein Asiatischer Löwe erreicht eine Körpergröße von 1,4 bis 2,5 m. Damit passt er bequem zwischen ein Kind (1,2 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
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430 g
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25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Asiatischer Löwe
110 bis 190 kg

Ein Asiatischer Löwe bringt 110 bis 190 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t).