Auerhuhn
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Kurz erklärt
Das Auerhuhn ist der größte Hühnervogel Europas. Der Hahn ist fast schwarz, hat rote Flecken über den Augen und stellt bei der Balz seine Schwanzfedern zu einem Rad auf. Die Henne ist kleiner und braun gemustert. Auerhühner leben in lichten, alten Nadelwäldern und fressen im Winter fast nur Nadeln. In Deutschland ist das Auerhuhn vom Aussterben bedroht.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Tetrao urogallus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Hahn etwa 90 bis 100 cm, Henne 54 bis 63 cm |
| Körpergewicht | Hahn meist 3 bis 5 kg, selten bis 6,5 kg; Henne 1,5 bis 2,5 kg |
| Ernährung | Überwiegend pflanzlich: im Winter Nadeln und Knospen, im Sommer Kräuter, Blätter, Blüten und Beeren (vor allem Heidelbeeren); Küken fressen anfangs fast nur Insekten |
| Lebenserwartung | Vögel, die das Brutalter erreichen, leben im Schnitt etwa 6 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger, manchmal kleine Gruppen von Hennen oder Hähnen; Balz in Gruppen auf festen Balzplätzen |
| Herkunft | Europa und Nordasien |
| Verbreitung | Nadelwälder von Skandinavien bis zum Baikalsee, außerdem Schottland, Alpen und Pyrenäen; in Mitteleuropa nur noch in einzelnen Gebirgen AsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | In Deutschland steht das Auerhuhn auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht. Es darf nicht gejagt werden, weil es das ganze Jahr Schonzeit hat. |
Was ist ein Auerhuhn?
Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) ist der größte Hühnervogel Europas. Ein Auerhahn ist etwa so groß wie eine Gans. Das Auerhuhn gehört zu den Raufußhühnern, die zur Familie der Fasanenartigen zählen. Zu seinen Verwandten gehören also auch der Fasan und das Haushuhn. Jäger sprechen vom „Auerwild“.
Das Auerhuhn ist ein scheuer Waldvogel. Man bekommt es nur sehr selten zu sehen, denn es reagiert empfindlich auf Störungen durch den Menschen. Vielen ist aber der balzende Auerhahn von Gemälden bekannt. Im Harz ist der Auerhahn sogar das Wappentier.
Aussehen und Körperbau
Hahn und Henne sehen beim Auerhuhn sehr unterschiedlich aus. Der Hahn ist etwa ein Drittel größer als die Henne.
Der Auerhahn: Sein Gefieder ist überwiegend schwärzlich mit bläulichem Schimmer. Der Hals ist blaugrau, die Brust schimmert grünlich, Mantel und Rücken sind dunkelbraun. Die großen Schwanzfedern sind schwarz bis braun mit unregelmäßigen weißen Flecken. Über den Augen leuchtet ein roter Hautfleck, die sogenannte Balzrose. Unter dem hellen Schnabel trägt er einen Federbart, den er bei Aufregung abspreizt.
Die Auerhenne: Sie ist dunkelbraun und rotbraun gebändert und damit am Waldboden gut getarnt. Die Unterseite ist etwas heller, die Brust rotbraun. Auch die Henne hat eine rote Hautstelle über dem Auge, die aber kleiner ist als beim Hahn.
Größe und Gewicht: Die Angaben unterscheiden sich je nach Quelle etwas.
- Hahn: etwa 90 bis 100 cm lang, meist 3 bis 5 kg schwer, nach Angaben des Deutschen Jagdverbands bis zu 6,5 kg
- Henne: 54 bis 63 cm lang, 1,5 bis 2,5 kg schwer
Der NABU gibt für die Art insgesamt eine Länge von 60 bis 87 cm an.
Befiederte Füße: Der Auerhahn hat kräftige Beine, die wie die Zehen mit Federn bedeckt sind.
Verbreitung und Lebensraum
Weltweit: Das Hauptverbreitungsgebiet des Auerhuhns reicht von Skandinavien bis zum Baikalsee in Sibirien. Außerdem kommt es in Schottland, in den Alpen und in den Pyrenäen vor. In Europa leben nach Schätzungen noch etwa 760.000 bis 1.000.000 Brutpaare. In vielen Mittelgebirgen Europas ist das Auerhuhn aber bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht.
In Deutschland: Früher besiedelte das Auerhuhn einen breiten Waldgürtel vom Spessart bis zum Thüringer Wald und kam in vielen Gebirgen und großen Wäldern vor. Heute gibt es nur noch Reste im Schwarzwald, im Bayerischen Wald, im Fichtelgebirge, im Thüringer Wald und in den Alpen. Der NABU schätzt den Bestand in Deutschland auf nur 700 bis 1.000 Reviere. In der Niederlausitz in Brandenburg läuft ein Projekt, bei dem Auerhühner aus Schweden wieder angesiedelt werden.
Lebensraum: Auerhühner brauchen große, zusammenhängende, lichte Nadel- und Mischwälder, vor allem in Bergregionen. Ideal ist ein Wald mit Bäumen unterschiedlichen Alters, mit Lücken und kleinen Freiflächen, in die Sonnenlicht bis auf den Boden fällt. Dort wachsen Heidelbeeren und andere Zwergsträucher. Wichtig sind außerdem große, tief beastete Bäume als Schutz und Schlafplatz, Ameisenhaufen und offene Bodenstellen, an denen die Vögel kleine Steinchen aufnehmen und im Staub baden können. Dichte, dunkle Wälder und große Kahlschläge meidet das Auerhuhn.
Standvogel: Auerhühner ziehen im Winter nicht weg, sondern bleiben das ganze Jahr in ihrem Gebiet.
Ernährung
Das Auerhuhn frisst überwiegend Pflanzen. Was auf dem Speiseplan steht, hängt stark von der Jahreszeit ab.
Im Winter: Das Auerhuhn ist ein echter Winterspezialist. Es kann zeitweise fast nur von Kiefern- und Fichtennadeln leben, dazu kommen Knospen und Triebe, etwa von Tanne und Lärche. Nadeln gibt es im Winter reichlich, sie liefern aber wenig Energie. Im Winter frisst das Auerhuhn meist oben in den Bäumen.
Im Frühjahr: Jetzt sind die jungen Knospen der Laubbäume wichtig. Sie liefern nach dem Winter Energie für Balz und Brut.
Im Sommer und Herbst: Das Auerhuhn sucht seine Nahrung nun vor allem am Boden. Es frisst Kräuter, Gräser, Blätter, Blüten und Beeren, besonders Heidelbeeren und Preiselbeeren. Hin und wieder nimmt es auch Insekten, Schnecken und Würmer auf.
Küken: In den ersten Lebenswochen fressen die Küken fast nur tierische Nahrung wie Insekten und Ameisen. Laut Deutschem Jagdverband besteht ihre Nahrung dann zu etwa 95 Prozent aus tierischem Eiweiß.
Steinchen im Magen: Wie alle Hühnervögel schluckt das Auerhuhn kleine Steinchen. Sie zerreiben im Magen die harte Pflanzennahrung.
Verhalten und Lebensweise
Auerhühner sind tagaktiv und leben meist als Einzelgänger. Manchmal schließen sich einige Hennen oder einige Hähne zusammen. Die Nacht verbringen sie auf Bäumen.
Scheu: Auerhühner sind sehr störungsempfindlich. Besonders im Winter, wenn ihre Nahrung wenig Energie liefert, sind sie auf Ruhe angewiesen. Fachleute empfehlen deshalb, Wanderer und Wintersportler in Auerhuhngebieten gezielt zu lenken.
Gutes Gehör: Auerhühner hören sehr gut. Nur während des Balzgesangs ist der Hahn für kurze Zeit fast taub.
Die Balz des Auerhahns
Die Balz des Auerhahns ist eines der eindrucksvollsten Schauspiele in unseren Wäldern. Sie findet je nach Gebiet zwischen Anfang März und Ende Mai statt. Die Hauptzeit der Fortpflanzung ist Mitte bis Ende April.
Balzplatz: Die Hähne treffen sich auf festen Balzplätzen, die man auch Balzarenen nennt. An einem guten Balzplatz kommen 10 bis 20 erwachsene Auerhühner zusammen. Die Hähne versuchen, sich gegenseitig zu übertreffen, und kämpfen dabei manchmal heftig miteinander. Die Hennen kommen dazu und schauen zu.
Ablauf: Die Balz beginnt in den frühen Morgenstunden noch auf einem Baum und geht bei Sonnenaufgang auf dem Boden weiter. Der Hahn fächert seine Schwanzfedern zu einem Rad auf, spreizt den Federbart und scharrt auf dem Boden.
Balzgesang: Der Gesang besteht aus hölzern klingenden und schnalzenden Tönen. Er ist nur etwa 250 m weit zu hören. Mit ihm markiert der Hahn sein Revier.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Nach der Paarung kümmert sich die Henne allein um Brut und Küken. Der Hahn hilft nicht mit.
Nest und Eier: Das Auerhuhn ist ein Bodenbrüter. Die Henne legt ihre Eier in eine einfache Mulde am Boden. Ein Gelege hat meist 7 bis 11 gelbweiße, rot gefleckte Eier, der Deutsche Jagdverband nennt 4 bis 10. Geht das Gelege früh verloren, legt die Henne oft ein zweites mit weniger Eiern.
Brutzeit: Die Henne brütet je nach Quelle 24 bis 28 Tage.
Küken: Die Küken sind Nestflüchter und folgen der Mutter sofort nach dem Schlüpfen. Schon nach zwei bis drei Wochen können sie fliegen und mit der Henne auf einem Baum übernachten. Mit etwa sieben Wochen mausern sie, bei den jungen Hähnen beginnt dann das Gefieder dunkel zu werden. Nach ungefähr drei Monaten sind die Jungvögel selbstständig.
Wetter entscheidet: Mehrere kühle und nasse Wetterabschnitte hintereinander, besonders zur Zeit, in der die Küken schlüpfen, schaden dem Nachwuchs.
Lebenserwartung: Nach Daten des British Trust for Ornithology leben Auerhühner, die das Brutalter erreichen, im Schnitt etwa 6 Jahre. Mit dem Brüten beginnen sie meist mit drei Jahren.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Auerhühner werden von Fuchs, Marder, Waschbär, Steinadler, Habicht und Uhu erbeutet. Die Gelege plündern Wildschweine, Dachse und Rabenvögel.
Weltweit nicht gefährdet: Die Rote Liste der IUCN stuft das Auerhuhn weltweit als nicht gefährdet ein (IUCN, 2024). Sein Hauptverbreitungsgebiet reicht von Skandinavien bis nach Sibirien.
In Deutschland vom Aussterben bedroht: Ganz anders sieht es bei uns aus. Auf der Roten Liste für Deutschland gilt das Auerhuhn als vom Aussterben bedroht. Der NABU gibt für den Bestand einen Trend von minus 57 Prozent an.
Beispiel Schwarzwald: Dort werden jedes Jahr auf den Balzplätzen die Hähne gezählt. Mitte der 1990er-Jahre waren es noch mehr als 450, im Jahr 2012 noch 315. 2022 wurden nur noch 97 Hähne gezählt, 2024 waren es 111. Auch die Fläche, auf der Auerhühner vorkommen, ist stark geschrumpft.
Ursachen: Fachleute nennen mehrere Gründe, die zusammenwirken:
- Dunklere Wälder: Durch Aufforstung und moderne Forstwirtschaft sind viele Wälder dichter und dunkler geworden. Lichte Flächen mit Heidelbeeren fehlen.
- Störungen: Skitouren, Langlauf, Schneeschuhwandern, Mountainbiken und Geocaching bringen Menschen in ruhige Waldteile.
- Beutegreifer: Füchse, Marder und Habichte erbeuten Vögel und Küken.
- Klimawandel: Er verändert den Lebensraum des Auerhuhns.
- Zäune und Windräder: Auerhühner können an Drahtzäunen tödlich verunglücken und gelten als empfindlich gegenüber Windkraftanlagen.
Schutz: Das Auerhuhn gehört zwar zu den jagdbaren Arten, hat aber das ganze Jahr Schonzeit und darf nicht gejagt werden. Im Schwarzwald wurde die Jagd schon 1971 ausgesetzt. Baden-Württemberg versucht seit 2008 mit einem Aktionsplan Auerhuhn, lichte Wälder zu schaffen, Störungen zu verringern und so die Tiere zu erhalten.
Häufige Fragen zum Auerhuhn
Wie groß wird ein Auerhahn?
Ein Auerhahn wird etwa 90 bis 100 cm lang und wiegt meist 3 bis 5 kg, manchmal bis zu 6,5 kg. Die Henne ist mit 54 bis 63 cm und 1,5 bis 2,5 kg deutlich kleiner.
Was frisst ein Auerhuhn im Winter?
Im Winter lebt das Auerhuhn fast nur von Kiefern- und Fichtennadeln sowie von Knospen und Trieben. Diese Nahrung ist energiearm, deshalb braucht es im Winter viel Ruhe.
Wo gibt es in Deutschland noch Auerhühner?
Nur noch an wenigen Orten: im Schwarzwald, im Bayerischen Wald, im Fichtelgebirge, im Thüringer Wald und in den Alpen. In der Lausitz werden Auerhühner aus Schweden wieder angesiedelt.
Warum ist das Auerhuhn in Deutschland so selten?
Viele Wälder sind zu dicht und dunkel geworden, und Freizeitaktivitäten stören die scheuen Vögel. Dazu kommen Beutegreifer wie Fuchs und Marder sowie die Folgen des Klimawandels.
Wann balzt der Auerhahn?
Die Balz findet zwischen Anfang März und Ende Mai statt, vor allem in den frühen Morgenstunden. Der Hahn fächert dabei seinen Schwanz zu einem Rad auf und singt.
Darf man Auerhühner jagen?
Nein. Das Auerhuhn gilt zwar rechtlich als jagdbare Wildart, hat aber das ganze Jahr Schonzeit.
Ähnliche Tiere
- Fasan - ebenfalls ein großer Hühnervogel aus der Familie der Fasanenartigen
- Truthahn - ein Hühnervogel, bei dem der Hahn wie der Auerhahn ein Rad schlägt
- Wachtel - ein kleiner heimischer Hühnervogel und Bodenbrüter
- Huhn - das Haushuhn gehört wie das Auerhuhn zu den Fasanenartigen
- Uhu - eine große Eule, die auch Auerhühner erbeutet
Quellen
- Auerhuhn - Vogelporträt des NABU
- Auerhuhn (Tetrao urogallus) - Tiersteckbrief des Deutschen Jagdverbands
- Auerhuhn - Wildtierportal Baden-Württemberg (Wildtierbericht 2024)
- Auerhuhn - Waldnaturschutz-Informationssystem der FVA Baden-Württemberg
- Capercaillie - BirdFacts des British Trust for Ornithology (BTO)
- BirdLife International (2024): Tetrao urogallus. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Das Auerhuhn wird 54 cm bis 1 m groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt es zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Kind (1,2 m). Im direkten Vergleich ist das Auerhuhn rund 4-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Auerhuhn bringt 1,5 bis 6,5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Das Auerhuhn wiegt so viel wie etwa 9 Fußbälle.