Austernfischer

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Austernfischer mit schwarzem Kopf und Rücken, weißem Bauch, langem orangerotem Schnabel, rotem Auge und rosaroten Beinen auf einem Holzpfahl
Andreas Trepte / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.5

Kurz erklärt

Der Austernfischer ist ein schwarz-weißer Watvogel mit langem, orangerotem Schnabel und roten Beinen. Er lebt vor allem an Meeresküsten und ist im Wattenmeer das ganze Jahr über zu sehen. Mit seinem Schnabel stochert er im Schlick nach Würmern und knackt Muscheln, Austern frisst er trotz seines Namens kaum. Im Wattenmeer ist sein Brutbestand in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameHaematopus ostralegus
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Austernfischer (Haematopodidae)
  • Gattung: Haematopus
  • Art: Austernfischer
KörpergrößeKörperlänge etwa 39 bis 44 cm
KörpergewichtErwachsene meist 465 bis 640 g, im Mittel rund 550 g (Messdaten aus Großbritannien)
ErnährungTierische Nahrung: Muscheln, Schnecken, Krebse und Ringelwürmer, im Binnenland vor allem Regenwürmer und Insekten
LebenserwartungIm Schnitt etwa 12 Jahre nach Erreichen des Brutalters; beringte Vögel wurden über 40 Jahre alt
SozialverhaltenBrutpaare verteidigen ein Revier, oft viele Jahre lang; außerhalb der Brutzeit in großen Schwärmen
Verbreitung Brutvogel an Küsten von Frankreich bis Sibirien und lokal am Mittelmeer, eine Unterart in Steppen vom Schwarzen Meer bis Asien; Winter vor allem im Wattenmeer, an den Küsten Westeuropas und Afrikas AfrikaAsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungNT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019)
SonstigesSpitzname „Halligstorch“. In Deutschland laut NABU derzeit nicht gefährdet, der Brutbestand ist aber deutlich zurückgegangen.

Was für ein Vogel ist der Austernfischer?

Der Austernfischer (Haematopus ostralegus) ist ein Watvogel aus der Ordnung der Regenpfeiferartigen. Watvögel suchen ihre Nahrung im flachen Wasser und im Schlick. An der deutschen Nordseeküste ist er einer der auffälligsten Vögel: Er ist groß, schwarz-weiß gefärbt und ruft laut. Die Schutzstation Wattenmeer schreibt, dass wohl kein anderer Vogel an der Küste bei Tag und Nacht so allgegenwärtig ist. Ein Spitzname für ihn lautet „Halligstorch“.

Der Name führt in die Irre: Ein Austernfischer fischt nicht, und Austern frisst er kaum. Ihre Schalen sind ihm zu hart. Lieber frisst er andere Muscheln, Würmer und Krebse. Sein wissenschaftlicher Name bedeutet übersetzt ungefähr „Austern sammelnder Blutfuß“, was auf die roten Beine anspielt.

Aussehen und Körperbau

Gefieder: Kopf, Hals, Vorderbrust, Rücken und Flügeloberseite sind schwarz, der Bauch ist weiß. Im Flug sieht man einen weißen Streifen auf der Flügeloberseite und eine schwarze Binde am Ende des Schwanzes. Im Schlichtkleid außerhalb der Brutzeit tragen Austernfischer einen weißen Ring am Hals.

Rote Merkmale: Schnabel, Augen, der Ring um die Augen und die Beine sind korallenrot bis orange. An diesen Farben ist der Austernfischer leicht zu erkennen und kaum mit einem anderen Vogel zu verwechseln.

Schnabel: Der Schnabel ist lang, gerade und kräftig. Seine Spitze ist abgeflacht. Damit kann der Vogel Muscheln aufbrechen und sogar den Panzer von Strandkrabben öffnen.

Größe und Gewicht: Austernfischer werden etwa 39 bis 44 Zentimeter lang. Erwachsene Vögel wiegen meist 465 bis 640 Gramm, im Mittel rund 550 Gramm. Diese Werte stammen aus Messungen an über 8.000 Vögeln in Großbritannien.

Verbreitung und Lebensraum

Brutgebiete: Der Austernfischer brütet an den Küsten von Frankreich bis nach Sibirien, örtlich auch am Mittelmeer. Eine andere Unterart lebt weit weg vom Meer in den Steppen vom Schwarzen Meer bis nach Asien.

In Deutschland: Bei uns brütet er vor allem an den Küsten, am liebsten auf offenen Flächen mit wenig Pflanzenwuchs. Entlang von Flüssen kommt er aber auch im Binnenland vor, zum Beispiel auf Feuchtwiesen. Austernfischer sind anpassungsfähig. Manche brüten heute sogar auf Kiesflächen von Parkplätzen oder auf geschotterten Flachdächern.

Das Wattenmeer: Für den Austernfischer ist das Wattenmeer ein besonders wichtiger Lebensraum. Viele Austernfischer aus West- und Nordeuropa überwintern hier oder an den Küsten Westeuropas und Afrikas. Ab Juli kommen Brutvögel von der Ostsee ins Watt, im August folgen viele Wintergäste aus Norwegen. Laut Schutzstation Wattenmeer sind im Dezember etwa fünfmal so viele Austernfischer im Watt wie im Juni. Allein im niedersächsischen Wattenmeer rasten jedes Jahr bis zu 145.000 Austernfischer. Nur in sehr eisigen Wintern weicht ein Teil der Vögel weiter nach Frankreich aus.

Ernährung: Würmer, Krebse und Muscheln

An der Küste frisst der Austernfischer vor allem Muscheln, Schnecken, Krebse und Ringelwürmer. Mit seinem langen Schnabel stochert er im Schlamm und Schlick nach Würmern. Seltener stehen kleine Fische oder Eier anderer Watvögel auf seinem Speiseplan.

Muscheln knacken: Um an das Fleisch einer Muschel zu kommen, hämmern manche Austernfischer mit dem Schnabel auf die Schale, um sie aufzubrechen. Dabei nutzt sich die Schnabelspitze ab. Das ist kein Problem, denn sie wächst jeden Tag um etwa einen halben Millimeter nach.

Im Binnenland: Austernfischer, die weit weg vom Meer brüten, stellen sich auf andere Nahrung um. Sie fressen dann vor allem Regenwürmer und Insekten mit ihren Larven.

Verhalten und Stimme

Laut und auffällig: Austernfischer sind sehr ruffreudig. Ihr Flugruf ist ein lautes, anhaltendes „kiwiep“, das man an der Küste fast immer hört.

Trillerzeremoniell: In der Brutzeit führen Austernfischer ein besonderes Schauspiel auf. Mehrere Vögel oder Paare laufen mit vorgestrecktem Hals und nach unten gehaltenem Kopf nebeneinander her. Dabei rufen sie mit offenem Schnabel ein immer schnelleres „kip kip kip“, das in einem Triller endet.

Treue zum Brutplatz: Austernfischer sind sehr beharrlich. Ein Paar behält seinen Brutplatz im Watt und das Revier darum oft ein Leben lang und verteidigt es heftig. Für junge Vögel bedeutet das: Manche müssen mehr als zehn Jahre in Junggesellentrupps warten, bis sie einen der begehrten Plätze am Wasser erkämpfen können.

Flucht unter Wasser: Greift ein Greifvogel an, können sich Austernfischer aus der Luft ins Wasser stürzen und abtauchen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Erste Brut: Austernfischer brüten meist erst im Alter von etwa vier Jahren zum ersten Mal.

Nest und Eier: Das Nest ist eine einfache Mulde am Boden. Das Weibchen legt meist zwei bis drei Eier, selten bis zu fünf. Männchen und Weibchen brüten abwechselnd, nach 24 bis 27 Tagen schlüpfen die Küken. An der Nordsee schlüpfen die Jungen meist erst im Juni.

Küken: Junge Austernfischer sind Nestflüchter. Sie tragen ein Daunenkleid und laufen gleich nach dem Schlüpfen umher. Bei Gefahr drücken sie sich flach an den Boden. Die Eltern versorgen sie mit Futter. Paare, die weiter landeinwärts brüten, müssen das ganze Futter für ihre Jungen heranfliegen. Deshalb sind Reviere mit direktem Zugang zum Watt so umkämpft. Nach etwa 34 bis 37 Tagen können die Jungvögel fliegen.

Wie alt wird ein Austernfischer?

Für einen Vogel werden Austernfischer sehr alt. Nach Daten der britischen Vogelwarte BTO lebt ein Austernfischer, der das Brutalter erreicht, im Schnitt noch etwa zwölf Jahre. Der älteste beringte Austernfischer in Großbritannien wurde 41 Jahre alt. Die Schutzstation Wattenmeer berichtet von einem Vogel, der 1949 auf Wangerooge als Küken beringt wurde und im November 1992 bei St. Peter-Ording starb. Er wurde also rund 43 Jahre alt.

Gefährdung und Schutz

Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN steht der Austernfischer als potenziell gefährdet (Near Threatened, IUCN 2019). Er ist also noch nicht bedroht, könnte es aber werden.

Rückgang im Wattenmeer: Laut Michael-Otto-Institut im NABU ist der Brutbestand in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren deutlich zurückgegangen. Besonders stark war der Rückgang im schleswig-holsteinischen Wattenmeer: Dort hat sich der Bestand etwa halbiert. Das wiegt schwer, denn in Schleswig-Holstein brüten rund 4 Prozent aller Austernfischer der Welt. Für keine andere Brutvogelart trägt das Land eine so hohe internationale Verantwortung.

In Deutschland: Der NABU gibt den Brutbestand mit 18.500 bis 19.000 Paaren an. Auf der deutschen Roten Liste gilt der Austernfischer derzeit als nicht gefährdet. Wegen der starken Verluste in der Vergangenheit wird er aber gezielt geschützt.

Ursachen: Dem Austernfischer fehlen vor allem Miesmuschelbänke. Wird zu viel nach Muscheln gefischt, finden die Vögel nicht genug Nahrung. Die Schutzstation Wattenmeer weist darauf hin, dass übermäßige Muschelfischerei zu Hungersnöten und Massensterben bei Austernfischern führen kann. Außerdem verlieren viele Paare ihre Eier oder Küken an Räuber wie Füchse, Marderhunde, Dachse, Ratten und Möwen. Das Michael-Otto-Institut untersucht deshalb an der Westküste Schleswig-Holsteins, wie viele Küken überleben, und erprobt zum Beispiel Zäune gegen Bodenräuber.

Häufige Fragen zum Austernfischer

Warum heißt der Austernfischer so?

Der Name ist irreführend. Austernfischer fischen nicht und fressen kaum Austern, weil deren Schalen zu hart sind. Sie ernähren sich vor allem von anderen Muscheln, Würmern, Schnecken und Krebsen.

Wie groß ist ein Austernfischer?

Ein Austernfischer wird etwa 39 bis 44 Zentimeter lang und wiegt meist zwischen 465 und 640 Gramm. Er ist damit ein recht großer, kräftiger Watvogel.

Was frisst ein Austernfischer?

An der Küste frisst er Muscheln, Schnecken, Krebse und Ringelwürmer, die er mit seinem langen Schnabel aus dem Schlick holt oder aufhämmert. Im Binnenland frisst er vor allem Regenwürmer und Insekten.

Wie alt kann ein Austernfischer werden?

Im Schnitt lebt ein erwachsener Austernfischer etwa zwölf Jahre. Einzelne beringte Vögel wurden aber über 40 Jahre alt, in Großbritannien zum Beispiel 41 Jahre.

Ist der Austernfischer ein Zugvogel?

Teils, teils. Viele Austernfischer aus Nord- und Westeuropa und aus dem Ostseeraum ziehen nach der Brutzeit ins Wattenmeer oder an die Küsten Westeuropas und Afrikas. An der deutschen Nordseeküste sind Austernfischer deshalb das ganze Jahr über zu sehen, im Winter sogar besonders viele.

Ist der Austernfischer gefährdet?

Weltweit gilt er laut IUCN als potenziell gefährdet (2019). In Deutschland gilt er derzeit als nicht gefährdet, sein Brutbestand ist aber stark zurückgegangen, im schleswig-holsteinischen Wattenmeer hat er sich etwa halbiert.

Ähnliche Tiere

  • Säbelschnäbler - ein schwarz-weißer Watvogel mit nach oben gebogenem Schnabel, ebenfalls im Wattenmeer zu Hause
  • Möwe - häufige Küstenvögel, die auch Eier und Küken von Austernfischern fressen
  • Storch - nach ihm ist der Spitzname „Halligstorch“ benannt
  • Wattwurm - ein typischer Bewohner des Wattbodens, in dem Austernfischer nach Nahrung stochern
  • Reiher - langbeinige Vögel, die ebenfalls im flachen Wasser jagen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Austernfischer
39 bis 44 cm

Der Austernfischer wird 39 bis 44 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Kind (1,2 m). Ein Kind übertrifft den Austernfischer aber noch um das 3-Fache.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Austernfischer
465 bis 640 g

Mit 465 bis 640 g gehört der Austernfischer zu den leichteren Tieren in unserem Lexikon. Zum Vergleich: Ein Fußball wiegt nur 430 g, während eine Hauskatze mit 4 kg deutlich mehr auf die Waage bringt.