Axolotl

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Dunkelgrauer Axolotl mit fedrigen Kiemenbüscheln an beiden Kopfseiten liegt auf Kieselsteinen am Grund eines Aquariums
Faldrian / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Axolotl ist ein Schwanzlurch aus Mexiko, der sein ganzes Leben lang wie eine Larve aussieht. Er behält seine fedrigen Kiemen am Kopf und lebt immer im Wasser, wird aber trotzdem erwachsen und bekommt Nachwuchs. Berühmt ist er dafür, dass er verlorene Beine und sogar Teile von Herz und Gehirn nachwachsen lassen kann. In der Natur ist er fast ausgestorben, als Aquarientier gibt es ihn dagegen auf der ganzen Welt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameAmbystoma mexicanum
Abstammung
  • Klasse: Amphibien (Lurche)
  • Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
  • Unterordnung: Salamanderverwandte (Salamandroidea)
  • Familie: Querzahnmolche (Ambystomatidae)
  • Gattung: Ambystoma
  • Art: Axolotl
KörpergrößeGesamtlänge im Schnitt etwa 20 bis 23 cm, selten über 30 cm
Körpergewicht56 bis 226 g
ErnährungFleischfresser: Würmer, Krebstiere, Insektenlarven, Schnecken und andere kleine Wassertiere sowie kleine Fische
LebenserwartungIm Labor meist 5 bis 6 Jahre, einzelne 10 bis 15 Jahre; der Zoo San Diego nennt 10 bis 15 Jahre; in der Natur nicht bekannt
SozialverhaltenEinzelgänger
HerkunftMexiko (Becken von Mexiko-Stadt)
Verbreitung In der Natur nur im Xochimilco-See und im Chalco-See bei Mexiko-Stadt; als Heim- und Labortier weltweit gezüchtet Nordamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1798 durch George Shaw und Frederick Polydore Nodder
GefährdungCR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2020)
SonstigesDer Axolotl wird geschlechtsreif, ohne sich in einen Landsalamander zu verwandeln. Fachleute nennen das Neotenie.

Was ist ein Axolotl?

Der Axolotl (Ambystoma mexicanum) ist ein Schwanzlurch. Wie Frösche und Kröten gehört er zu den Amphibien, hat aber wie Molche und Salamander einen langen Schwanz. Er zählt zur Familie der Querzahnmolche, die nur in Nordamerika einschließlich Mexiko vorkommt. Sein naher Verwandter aus derselben Gattung ist der Tigersalamander.

Das Besondere am Axolotl: Er bleibt sein ganzes Leben lang in einer Art Larvenform. Andere Querzahnmolche verlieren nach dem Larvenleben im Wasser ihre Kiemen und gehen an Land. Der Axolotl behält dagegen seine Kiemen und seinen Flossensaum und lebt immer im Wasser. Trotzdem wird er erwachsen und kann sich fortpflanzen.

Woher kommt der Name? „Axolotl“ stammt aus der Sprache der Azteken. Der Name erinnert an Xolotl, einen Gott aus ihren Sagen. Nach einer Sage verwandelte sich Xolotl auf der Flucht in verschiedene Pflanzen und Tiere, zuletzt in einen Axolotl. Wissenschaftlich beschrieben wurde der Axolotl 1798 von den britischen Naturforschern George Shaw und Frederick Polydore Nodder.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Erwachsene Axolotl sind im Schnitt etwa 20 bis 23 Zentimeter lang, vom Kopf bis zur Schwanzspitze gemessen. Nur selten werden sie länger als 30 Zentimeter. Sie wiegen etwa 56 bis 226 Gramm.

Körperform: Der Körper ist gedrungen, der Kopf breit und flach mit einem breiten Maul. Der Axolotl hat vier kurze Beine und einen langen Schwanz mit einem Flossensaum, wie ihn sonst nur Larven haben.

Kiemen: Am auffälligsten sind die fedrigen Kiemenbüschel auf beiden Seiten des Kopfes. Mit ihnen holt sich der Axolotl Sauerstoff aus dem Wasser. Er hat zusätzlich Lungen und schnappt manchmal an der Wasseroberfläche nach Luft.

Farbe: Wild lebende Axolotl sind dunkelgrau, braun oder oliv gefärbt und oft marmoriert oder gesprenkelt. Der Bauch ist etwas heller. Einen solchen dunklen Axolotl zeigt auch das Foto oben. In Aquarien und Laboren wurden verschiedene Farbformen gezüchtet:

  • Leuzistische Axolotl sind hell rosa bis weiß und haben schwarze Augen.
  • Albinos sind goldgelb, hell rosa oder weiß und haben rosa bis rote Augen.
  • Die Anlage für Albinismus stammt ursprünglich aus einer Kreuzung mit dem Tigersalamander.

Männchen oder Weibchen? Erwachsene Männchen haben eine deutlich gewölbte Kloake, die Körperöffnung am Hinterleib. Bei Weibchen ist sie flacher.

Verbreitung und Lebensraum

Der Axolotl kommt in der Natur nur an einem einzigen Ort der Welt vor: im Xochimilco-See und im benachbarten Chalco-See bei Mexiko-Stadt. Beide Seen sind die Reste eines früher viel größeren Gewässersystems, der Xochimilco-See liegt auf etwa 2.270 Metern Höhe. Heute ist davon vor allem ein Netz aus Kanälen übrig, zwischen denen traditionelle Beetinseln liegen, die Chinampas. Wild lebende Axolotl findet man fast nur noch in Xochimilco.

Axolotl leben am Grund der Gewässer. Tagsüber verstecken sie sich gern zwischen Wasserpflanzen und im Schlamm.

Ernährung

Der Axolotl ist ein Fleischfresser und jagt als Lauerjäger. Er liegt still am Grund und wartet, bis ein Beutetier in seine Nähe kommt. Dann reißt er blitzschnell das Maul auf und saugt die Beute mit dem Wasser ein.

Auf seinem Speiseplan stehen:

  • Würmer
  • kleine Krebstiere
  • Insektenlarven
  • Schnecken und andere Weichtiere
  • kleine Fische

Beim Aufspüren seiner Beute helfen ihm seine Augen und sein Geruchssinn. Außerdem kann er schwache elektrische Felder wahrnehmen, die andere Tiere erzeugen. Axolotl fressen auch kleinere Artgenossen, wenn diese ins Maul passen.

Verhalten und Lebensweise

Axolotl sind Einzelgänger. Sie sind vor allem nachts aktiv, können aber auch tagsüber auf Beutefang gehen. Den größten Teil der Zeit verbringen sie ruhig am Gewässergrund.

Warum wird der Axolotl nie „richtig erwachsen“?

Normalerweise verwandeln sich Schwanzlurche vom Larvenleben im Wasser zum Leben an Land. Diese Verwandlung heißt Metamorphose. Sie wird durch Hormone der Schilddrüse ausgelöst. Beim Axolotl ist dieses Hormonsystem im Laufe der Evolution so verändert, dass die Metamorphose in der Natur so gut wie nie stattfindet. Er bleibt in der Larvenform, wird aber trotzdem geschlechtsreif. Das nennt man Neotenie.

Im Labor lässt sich eine Metamorphose künstlich auslösen, indem man den Tieren Schilddrüsenhormon spritzt. Dann verwandeln sie sich doch noch in ein salamanderähnliches Tier. Eine ähnliche Lebensweise wie der Axolotl hat der europäische Grottenolm, der ebenfalls zeitlebens Kiemen behält.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Geschlechtsreife: Axolotl werden schon mit etwa einem Jahr geschlechtsreif.

Paarungszeit: In der Natur pflanzen sie sich vor allem von März bis Juni fort. Weil sie in der Larvenform bleiben, können Axolotl sich mehrmals im Jahr fortpflanzen und bekommen pro Fortpflanzung mehr Nachwuchs als Salamander, die eine Metamorphose durchlaufen.

Balz und Befruchtung: Nach der Balz setzt das Männchen ein oder mehrere kleine Samenpakete auf dem Boden ab, die Spermatophoren. Das Weibchen nimmt sie mit seiner Kloake auf. Die Eier werden also im Körper des Weibchens befruchtet.

Eiablage: Danach legt das Weibchen seine Eier einzeln ab und heftet sie an Wasserpflanzen oder Steine. Ein Gelege umfasst nach Angaben der University of Michigan 100 bis 300 Eier, der Zoo San Diego nennt 300 bis 1.000 Eier.

Larven: Nach etwa 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Larven. Um sie kümmern sich die Eltern nicht, die Jungen sind sofort auf sich allein gestellt.

Besonderheiten: Meister der Regeneration

Der Axolotl kann verlorene Körperteile nachwachsen lassen. Das gilt für ganze Beine, aber auch für Teile des Rückenmarks, des Herzens und sogar des Gehirns. Dabei bleiben keine Narben zurück. Ein nachgewachsenes Bein funktioniert wieder wie vorher.

Deshalb ist der Axolotl ein wichtiges Versuchstier. Forschende untersuchen an ihm, wie Gewebe und Gliedmaßen nachwachsen können.

Eine große Familie im Labor: Die Haltung von Axolotl in Europa begann mit einer kleinen Gruppe. 1863 kamen 34 Axolotl aus Xochimilco nach Paris in den Jardin des Plantes. Von nur fünf Männchen und einem Weibchen stammten die Tausenden Axolotl ab, die der Pariser Garten danach an Forscher in ganz Europa verschickte.

Riesiges Erbgut: 2018 wurde das Erbgut des Axolotls vollständig entschlüsselt. Es umfasst rund 32 Milliarden Basenpaare und ist damit etwa zehnmal so groß wie das des Menschen.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: In der Natur werden Axolotl von großen Fischen und von Artgenossen gefressen. Gelegentlich erbeuten auch Reiher und Störche einen Axolotl.

Dramatischer Rückgang: In Xochimilco ist der Bestand in kurzer Zeit zusammengebrochen:

JahrAxolotl pro Quadratkilometer
1998etwa 6.000
2008etwa 100
um 2015weniger als 35

Bei einer vier Monate langen Suche im Jahr 2013 fingen Forschende in Xochimilco kein einziges Tier. Ausgestorben ist der wilde Axolotl trotzdem nicht, es gibt aber nur noch sehr wenige.

Ursachen:

  • Wachsende Stadt: Mexiko-Stadt breitet sich immer weiter aus. Seen und Feuchtgebiete wurden trockengelegt.
  • Schlechtes Wasser: Die Gewässer sind stark verschmutzt, und es fehlt sauberes Wasser, weil die Stadt dem Boden viel Grundwasser entnimmt.
  • Fremde Fische: Eingesetzte Fische wie Karpfen und Tilapia vermehren sich stark. Sie fressen die Eier und Jungtiere der Axolotl.

Schutz: In Xochimilco werden Kanäle an den Chinampas mit halbdurchlässigen Sperren abgetrennt. Sie halten die fremden Fische fern und verringern den Schlamm im Wasser. In diesen Schutzgebieten wurde das Wasser um mehr als die Hälfte klarer.

Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN ist der Axolotl als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) eingestuft (IUCN SSC Amphibian Specialist Group, 2020). Das ist die höchste Gefährdungsstufe vor „in der Natur ausgestorben“.

Häufige Fragen zum Axolotl

Wie groß wird ein Axolotl?

Ein erwachsener Axolotl ist im Schnitt etwa 20 bis 23 Zentimeter lang und wiegt etwa 56 bis 226 Gramm. Nur selten werden Tiere länger als 30 Zentimeter.

Was frisst ein Axolotl?

Er frisst Würmer, kleine Krebstiere, Insektenlarven, Schnecken und kleine Fische. Als Lauerjäger wartet er am Grund und saugt vorbeischwimmende Beute blitzschnell ein.

Warum hat der Axolotl Kiemen außen am Kopf?

Weil er zeitlebens in der Larvenform bleibt. Ein verändertes Hormonsystem verhindert, dass er sich zum Landsalamander verwandelt. Mit den fedrigen Kiemenbüscheln an beiden Kopfseiten atmet er im Wasser.

Kann ein Axolotl wirklich Körperteile nachwachsen lassen?

Ja. Er kann ganze Beine und sogar Teile von Rückenmark, Herz und Gehirn erneuern, ohne dass Narben bleiben. Deshalb wird er in der Forschung untersucht.

Wie alt wird ein Axolotl?

Im Labor werden Axolotl meist 5 bis 6 Jahre alt, einzelne 10 bis 15 Jahre. Der Zoo San Diego gibt 10 bis 15 Jahre an. Wie alt sie in der Natur werden, ist nicht bekannt.

Ist der Axolotl vom Aussterben bedroht?

Ja. In seiner Heimat Xochimilco gibt es nur noch sehr wenige Tiere, die IUCN stuft ihn als vom Aussterben bedroht ein. Die vielen Axolotl in Aquarien und Laboren stammen aus Zuchten.

Ähnliche Tiere

  • Querzahnmolche - die Familie, zu der der Axolotl gehört
  • Tigersalamander - ein naher Verwandter, der sich meist zum Landtier verwandelt
  • Grottenolm - ein europäischer Schwanzlurch, der ebenfalls zeitlebens Kiemen behält
  • Teichmolch - ein heimischer Schwanzlurch, dessen Larven ähnlich aussehen
  • Salamander - Überblick über die Salamander

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Axolotl
20 bis 30 cm

Ein Axolotl erreicht eine Körpergröße von 20 bis 30 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Axolotl ist etwa 11-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze. Ein Kind wäre dagegen noch rund 5-mal so groß.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Axolotl
56 bis 226 g

Was wiegt der Axolotl? Mit 56 bis 226 g ist er deutlich schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber ein Fußball (430 g) toppt das noch. Ein Fußball wiegt nämlich rund 3-mal so viel.