Bachstelze
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Kurz erklärt
Die Bachstelze ist ein kleiner, schlanker Singvogel mit schwarz-weiß-grauem Gefieder und einem langen Schwanz, mit dem sie ständig wippt. Sie trippelt schnell über Wiesen, Wege und Dächer und jagt Insekten. Trotz ihres Namens braucht sie keinen Bach. Die meisten Bachstelzen aus Deutschland fliegen im Herbst nach Südwesteuropa oder Nordafrika.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Motacilla alba |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 16 bis 19 cm, mit langem Schwanz |
| Körpergewicht | Meist etwa 20 bis 26 g, im Schnitt rund 23 g; Männchen etwas schwerer als Weibchen |
| Ernährung | Insekten und ihre Larven, dazu Spinnen, Würmer, Schnecken, Flohkrebse und manchmal Sämereien |
| Lebenserwartung | Erwachsene Bachstelzen leben im Schnitt etwa 2 Jahre; eine in Großbritannien beringte Bachstelze wurde über 11 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Zur Brutzeit paarweise im Revier; auf dem Zug und im Winter oft in Schwärmen und an gemeinsamen Schlafplätzen |
| Herkunft | Europa und Asien |
| Verbreitung | Brutvogel in fast ganz Europa und quer durch Asien bis in den Westen Alaskas; überwintert unter anderem in Südwesteuropa und Nordafrika AfrikaAsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019) |
| Sonstiges | In Deutschland brüten etwa 395.000 bis 570.000 Paare. Die Art ist nicht gefährdet, der Bestand nimmt aber ab. |
Was ist eine Bachstelze?
Die Bachstelze (Motacilla alba) ist ein kleiner Singvogel aus der Familie der Stelzen und Pieper. Sie ist einer der bekanntesten Vögel in Deutschland und begegnet einem auf dem Bauernhof, am Ufer, auf Sportanlagen oder auf Industrieflächen.
Unverwechselbar ist ihr Verhalten: Die Bachstelze trippelt mit schnellen Schritten über den Boden, nickt dabei mit dem Kopf und wippt fast ununterbrochen mit ihrem langen Schwanz. Im Niederdeutschen heißt sie deshalb „Wippsteert“, also Wippschwanz.
Trotz ihres Namens ist die Bachstelze nicht auf Bäche angewiesen. Sie ist zwar gern in der Nähe von Wasser, entscheidend ist aber, dass sie genug Insekten findet.
Aussehen und Körperbau
Gefieder: Die Bachstelze ist grau, schwarz und weiß gefärbt:
- Oberseite: grau
- Bauch: weiß
- Kopf: schwarzer Scheitel und Nacken, weißes Gesicht
- Kehle und Brust: schwarzer Brustlatz
- Schwanz: lang und schwarz mit weißen Außenkanten
Schnabel und Beine sind dunkel, der Schnabel ist fein und spitz. Die Beine sind lang, ideal zum schnellen Laufen. Im Winter ist die Zeichnung insgesamt etwas verwaschener.
Größe: Bachstelzen werden 16 bis 19 cm lang, ein guter Teil davon ist der lange Schwanz.
Gewicht: Eine Bachstelze wiegt nur etwa 20 bis 26 g, im Schnitt rund 23 g. Das ist weniger als ein Schokoriegel. Männchen sind im Mittel etwas schwerer als Weibchen und haben etwas längere Flügel.
Trauerbachstelze: In Großbritannien und Irland lebt eine Unterart mit schwarzem Rücken, die Trauerbachstelze. Die meisten von ihnen bleiben auch im Winter dort. Die Bachstelzen auf dem europäischen Festland gehören zur grau-rückigen Unterart.
Verwechslung: Ähnlich gebaut, aber gelb gefärbt, sind die Schafstelze und die Gebirgsstelze.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Die Bachstelze brütet in fast ganz Europa und quer durch Asien. Eine ostasiatische Unterart erreicht an der Beringstraße sogar den Westen Alaskas und brütet dort jedes Jahr in kleiner Zahl. Fachleute unterscheiden neun bis zehn Unterarten, die sich in Zeichnung und Färbung deutlich unterscheiden, etwa durch einen grauen oder schwarzen Rücken.
In Deutschland: Die Bachstelze kommt in ganz Deutschland vor. Nach Angaben des NABU brüten hier etwa 395.000 bis 570.000 Paare.
Lebensraum: Bachstelzen leben in sehr unterschiedlichen Landschaften, solange es offene Flächen mit kurzem oder lückigem Bewuchs gibt. Man findet sie:
- an Bächen, Flüssen, Teichen und Tümpeln
- auf Viehweiden, Wiesen und Feldern
- auf Bauernhöfen
- in Dörfern und Städten, in Parks, großen Gärten und auf Sportanlagen
- auf Industrieflächen und Brachen
- in den Bergen und an Salzwiesen an der Küste
Ursprünglich lebte die Bachstelze an natürlichen Ufern. Im Lauf der Jahrhunderte ist sie zum Kulturfolger geworden, der Gärten, Weiden und Gebäude nutzt.
Ernährung
Die Bachstelze ist ein Insektenfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen:
- Insekten und ihre Larven: zum Beispiel Fliegen und Ameisen
- Andere Kleintiere: Spinnen, Würmer, Schnecken und Flohkrebse
- Pflanzliches: gelegentlich Sämereien
So jagt sie: Die Bachstelze sucht ihre Nahrung überwiegend am Boden. Sie rennt mit schnellen Schritten hinter Insekten her und pickt sie auf. Fliegen fängt sie auch im Flug. Manchmal pickt sie an einer Ameisenstraße eine Ameise nach der anderen auf.
Freundschaft mit Weidetieren: Bachstelzen suchen oft ganz dicht bei Kühen, Pferden, Schafen und Ziegen nach Futter. Rund um die Weidetiere finden sie viele Insekten.
Verhalten und Lebensweise
Immer in Bewegung: Typisch ist das Laufen in kurzen, schnellen Sprints mit Kopfnicken und das ständige Auf und Ab des Schwanzes.
Stimme: Der Ruf ist ein munteres, zwei- bis dreisilbiges „tsli-witt“ oder „zilipp“. Den Gesang hört man seltener, er ist ein unauffälliges Zwitschern mit kleinen Pausen.
Zutraulich: Bachstelzen haben wenig Scheu vor Menschen. Sie brüten an Häusern und kommen bis in die Städte.
Schlafplätze im Winter: Außerhalb der Brutzeit versammeln sich Bachstelzen abends oft zu großen Schlafgemeinschaften. In Großbritannien nutzen sie dafür zum Beispiel Hausdächer und Bäume in Städten.
Vogelzug: Wohin fliegt die Bachstelze im Winter?
Die Bachstelze ist ein Teilzieher. Das heißt: Viele Bachstelzen ziehen im Herbst weg, einige bleiben aber hier.
Die Zieher: Bachstelzen aus Deutschland fliegen im Herbst oft in größeren Schwärmen nach Südwesteuropa, also nach Frankreich, Spanien oder Portugal. Andere ziehen weiter bis nach Nordafrika, zum Beispiel nach Marokko und Algerien. Im Vergleich zu vielen anderen Zugvögeln ist ihr Weg also eher kurz.
Rückkehr: Im Frühjahr kommen sie zurück. Auf dem Rückzug fliegen sie auch nachts. In Deutschland sieht man Bachstelzen vor allem von März bis Oktober.
Die Überwinterer: Immer wieder bleiben einzelne Bachstelzen den Winter über in Deutschland. Möglicherweise wirkt sich der Klimawandel bereits auf ihr Zugverhalten aus.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Brutzeit: Bachstelzen brüten von April bis Juli, in günstigen Jahren bis in den August. Sie werden schon mit einem Jahr geschlechtsreif.
Nest: Die Bachstelze ist ein Nischenbrüter. Sie baut ihr Nest in geschützte Nischen mit einem „Dach über dem Kopf“: in Mauerlöchern, hinter Verschalungen, auf Dachbalken, in Holzstapeln oder im dichten Gebüsch. Das Nest besteht aus Halmen, Blättern und Moos und wird mit Federn ausgepolstert.
Brut in Zahlen:
- Gelege: meist 5 bis 6 Eier, selten 2 oder bis zu 9
- Brutdauer: etwa 12 bis 14 Tage, das Weibchen brütet
- Nestlingszeit: etwa 13 bis 16 Tage
- Bruten: meist zwei pro Jahr, manchmal drei
Die Küken sind Nesthocker. Die Eltern tragen bei jedem Flug gleich mehrere Insekten und Würmer im Schnabel heran. Auch nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch eine Weile gefüttert.
Lebenserwartung: Viele junge Bachstelzen überleben ihr erstes Jahr nicht. Wer das Brutalter erreicht, lebt im Schnitt noch etwa zwei Jahre. Die älteste in Großbritannien beringte Bachstelze wurde 11 Jahre, 3 Monate und 21 Tage alt (BTO, Stand 1988).
Gefährdung und Schutz
Weltweit: Die Bachstelze ist sehr weit verbreitet. Auf der Roten Liste der IUCN gilt sie als nicht gefährdet (IUCN, 2019).
In Deutschland: Die Bachstelze ist nicht gefährdet, ihr Bestand geht aber zurück. Der NABU gibt beim Bestandstrend minus 39 Prozent an. Ein Grund ist der Verlust von Brutplätzen: Bei der Sanierung alter Häuser und bei gut gedämmten Neubauten verschwinden die Nischen, in denen Bachstelzen brüten.
So kann man helfen:
- Eine Halbhöhle als Nistkasten an einer Hauswand aufhängen, geschützt unter einem Vorsprung und für Katzen unerreichbar
- Den Nistkasten im Herbst reinigen, damit sich keine Parasiten halten
- Im Garten Wiesenstücke, Hecken und naturnahe Ecken lassen, damit es genug Insekten gibt
Häufige Fragen zur Bachstelze
Wie erkennt man eine Bachstelze?
Am schwarz-weiß-grauen Gefieder mit weißem Gesicht und schwarzem Brustlatz und am langen Schwanz, mit dem sie ständig wippt. Typisch ist auch ihr schnelles Trippeln über den Boden.
Wie groß und schwer ist eine Bachstelze?
Eine Bachstelze ist 16 bis 19 cm lang, einschließlich des langen Schwanzes. Sie wiegt nur etwa 20 bis 26 g.
Was frisst eine Bachstelze?
Vor allem Insekten und ihre Larven, zum Beispiel Fliegen und Ameisen, außerdem Spinnen, Würmer, Schnecken und Flohkrebse. Gelegentlich frisst sie auch Samen.
Warum heißt die Bachstelze Bachstelze?
Sie ist oft an Bächen und anderen Gewässern zu sehen, wo es viele Insekten gibt. Auf Wasser angewiesen ist sie aber nicht, sie lebt auch auf Wiesen, Bauernhöfen und in Städten.
Ist die Bachstelze ein Zugvogel?
Ja, sie ist ein Teilzieher. In der Regel ziehen Bachstelzen aus Deutschland im Herbst nach Südwesteuropa oder Nordafrika. Einige bleiben aber im Winter hier.
Wann brütet die Bachstelze?
Von April bis Juli, manchmal bis August. Ein Paar brütet meist zweimal im Jahr, manchmal dreimal. Im Nest liegen meist 5 bis 6 Eier.
Ähnliche Tiere
- Rauchschwalbe - ein Insektenjäger, der wie die Bachstelze gern an Bauernhöfen und Viehweiden lebt
- Lerche - Singvögel des offenen Landes, die ihr Futter am Boden suchen
- Rotkehlchen - ein kleiner Singvogel, der ebenfalls viel am Boden nach Insekten sucht
- Spatz - ein weiterer Kulturfolger, der an Gebäuden brütet
- Eisvogel - ein Vogel, der wirklich auf Bäche und Flüsse angewiesen ist
Quellen
Größenvergleich
Mit 16 bis 19 cm gehört die Bachstelze zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch etwas an Größe drauflegt. Stell dir vor: Die Bachstelze ist ungefähr 8-mal so lang wie eine 1-Euro-Münze!
Gewichtsvergleich
Mit 20 bis 26 g gehört die Bachstelze zu den leichteren Tieren in unserem Lexikon. Zum Vergleich: Eine 1-Euro-Münze wiegt nur 7,5 g, während eine Tafel Schokolade mit 100 g deutlich mehr auf die Waage bringt.