Bänderroller
Zuletzt aktualisiert:

Kurz erklärt
Der Bänderroller ist eine schlanke Schleichkatze aus den Regenwäldern Südostasiens und etwa so groß wie eine kleine Hauskatze. Auf seinem hellen Rücken trägt er breite, dunkle Querbänder, die an ein Zebra erinnern. Er ist nur nachts unterwegs und jagt am Waldboden Insekten, Regenwürmer und andere kleine Tiere. Weil viele Regenwälder abgeholzt werden, gilt er als potenziell gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Hemigalus derbyanus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 41 bis 56 cm |
| Körpergewicht | 1 bis 3 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Insekten und Regenwürmer, dazu Spinnen, Krabben, Schnecken, Frösche, Echsen und kleine Säugetiere |
| Lebenserwartung | In freier Natur unbekannt, in Menschenobhut bis etwa 16 Jahre belegt |
| Sozialverhalten | Einzelgänger |
| Herkunft | Südostasien |
| Verbreitung | Süden Myanmars und Thailands, Malaiische Halbinsel, Sumatra, Borneo und einige Mentawai-Inseln Asien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1837 durch John Edward Gray (als Paradoxurus derbyanus) |
| Gefährdung | NT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015) |
| Sonstiges | Körpergröße ohne Schwanz, der Schwanz misst zusätzlich etwa 23 bis 38 cm. Geschützt nach CITES Anhang II. |
Was ist ein Bänderroller?
Der Bänderroller (Hemigalus derbyanus) ist eine Schleichkatze. Zu dieser Familie gehören auch die Zibetkatzen, der Binturong und der Fleckenmusang. Mit echten Katzen ist er nur entfernt verwandt: Beide gehören zu den katzenartigen Raubtieren, bilden aber getrennte Familien. Im Englischen heißt er „banded palm civet“, also etwa „gebänderte Palmenzibetkatze“.
Beschrieben wurde der Bänderroller 1837 von dem britischen Zoologen John Edward Gray. Er ordnete ihn zunächst in die Gattung Paradoxurus ein, zu der der Fleckenmusang gehört. Heute steht er in einer eigenen Gattung, Hemigalus. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern für „halb“ und „Wiesel“ zusammen.
Der Bänderroller ist scheu, nachtaktiv und lebt versteckt im Regenwald. Deshalb wissen Forschende bis heute nur wenig über ihn. Vieles, was man über ihn weiß, stammt aus Mageninhalten, Kamerafallen und Beobachtungen in Zoos.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Der Bänderroller hat einen langgestreckten, schlanken Körper. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt etwa 41 bis 56 Zentimeter, dazu kommt ein Schwanz von etwa 23 bis 38 Zentimetern. Er wiegt 1 bis 3 Kilogramm und ist damit etwa so schwer wie eine kleine Hauskatze.
Fell und Bänder: Das Fell ist gräulich bis hell rötlich braun, der Bauch heller und ohne Muster. Das auffälligste Merkmal sind vier bis acht breite, schwarze Querbänder auf dem Rücken. Sie sind oben breit und laufen zum Bauch hin spitz zu, fast wie lange Dreiecke. Von diesen Bändern hat das Tier seinen Namen.
Gesicht: Die Schnauze ist lang und spitz, Ohren und Augen sind groß. Ein schmaler schwarzer Streifen zieht sich von der Nase über die Stirn bis in den Nacken. Zwei breite schwarze Streifen beginnen an der Schnauze, umrahmen die Augen und reichen bis zum Hals. Über und unter den Augen sitzen helle Flecken.
Besonderheiten: Die Haare im Nacken wachsen „verkehrt herum“ und zeigen nach vorn. Die hinteren zwei Drittel des Schwanzes sind schwarz, am Ansatz sind zwei schwache Ringe zu sehen. An jedem Fuß sitzen fünf Zehen mit Krallen, die sich vollständig einziehen lassen. Zwischen den Ballen wachsen Tasthaare, mit denen der Bänderroller vermutlich Beute erspürt. Bei Gefahr kann er seinen Schwanz aufplustern.
Verwechslungsgefahr: Ähnlich sieht der Bänderlinsang aus, ein kleines Raubtier aus Südostasien. Er ist ebenfalls schlank und gebändert, wiegt aber nur etwa 590 bis 800 Gramm.
Verbreitung und Lebensraum
Der Bänderroller lebt in Südostasien. Sein Verbreitungsgebiet umfasst:
- den Süden Myanmars und Thailands
- die Malaiische Halbinsel
- die Inseln Sumatra und Borneo
- einige der Mentawai-Inseln westlich von Sumatra, darunter Siberut, Sipora und Süd-Pagai
Lebensraum: Er bewohnt tropische Regenwälder, vor allem im Tiefland. Nachgewiesen ist er vom Meeresspiegel bis in Höhen von knapp 1.600 Metern. Eine Studie mit Kamerafallen aus dem ganzen Verbreitungsgebiet zeigte 2022: Bänderroller kommen vor allem in großen, zusammenhängenden und wenig gestörten Wäldern vor. Wo Wald abgeholzt wird und viele Menschen leben, werden sie seltener. Anders als manche verwandte Schleichkatzen, etwa der Fleckenmusang, meiden sie Plantagen und Siedlungsränder.
Ernährung
Der Bänderroller ist ein Fleischfresser. Anders als viele andere Schleichkatzen frisst er in freier Natur offenbar keine Früchte.
Auf Borneo wurden die Mägen von zwölf Tieren untersucht. Das Ergebnis:
| Beute | Anteil der Funde |
|---|---|
| Insekten (Heuschrecken, Käfer, Schmetterlingsraupen, Ameisen) | etwa 66 % |
| Regenwürmer | 22 % |
| andere Gliederfüßer (Spinnen, Tausendfüßer, Krabben) | 9 % |
| Schnecken | 2 % |
| Frösche und Kröten | 1 % |
Pflanzenreste fanden sich dabei nicht, abgesehen von zufällig mitgefressenen Blättern und morschem Holz. In Malaysia enthielten Mägen außerdem Reste von Krabben, Weichtieren, Fröschen, Echsen und großen Ratten. Weitere Beobachtungen nennen Vögel als Beute.
In Zoos nehmen Bänderroller auch Früchte wie Bananen an. Ob sie das in freier Natur ebenfalls tun, ist nicht belegt.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: Kamerafallen zeigen, dass der Bänderroller streng nachtaktiv ist. In der Morgen- und Abenddämmerung ist er nicht besonders aktiv, er ist vor allem mitten in der Nacht unterwegs. Auch in Zoos wird er erst aktiv, wenn sein Gehege dunkel ist.
Am Boden und in Bäumen: Seine Nahrung sucht er vor allem auf dem Waldboden. Er klettert aber gut. Ein Tier wurde in einer Höhle in einem großen Baum gefunden, ein anderes in 8 Metern Höhe gefangen. Den Tag verschläft er vermutlich in hohlen Baumstämmen oder Baumhöhlen.
Einzelgänger: Bänderroller leben allein. Wie groß ihre Reviere sind und wie sie sich untereinander verhalten, wurde in freier Natur noch nicht untersucht.
Duftmarken: Wie andere Schleichkatzen besitzt der Bänderroller eine Duftdrüse am Hinterleib. In Menschenobhut reiben vor allem Männchen diese Drüse an Gegenständen und setzen so Duftmarken. Wird ein Tier erschreckt oder bedroht, kann es aus dieser Drüse einen öligen Strahl verspritzen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Über die Fortpflanzung in freier Natur ist fast nichts bekannt. Auf Borneo wurde im Februar ein trächtiges Weibchen mit einem Embryo gefunden. Die meisten Angaben stammen aus Zoos:
- Wurf: Ein Weibchen bringt ein bis zwei Junge zur Welt.
- Neugeborene: Ein neugeborenes Weibchen wog 125 Gramm und war mit Schwanz 25 Zentimeter lang. Die Jungen können kaum kriechen, ihre Augen sind geschlossen und die Ohren angelegt.
- Augen auf: Nach 8 bis 12 Tagen öffnen sie die Augen.
- Laufen und Klettern: Mit etwa 18 Tagen beginnen sie zu laufen, mit vier Wochen klettern sie schon auf Bäume.
- Selbst fressen: Mit etwa zehn Wochen fressen die Jungen selbstständig.
- Ausgewachsen: Mit sechs Monaten sind sie so groß wie ihre Eltern.
Lebenserwartung: Wie alt Bänderroller in freier Natur werden, ist nicht bekannt. Ein in der Wildnis geborenes Weibchen lebte in einem Zoo bis zu einem Alter von etwa 16 Jahren.
Unterarten
Je nach Einteilung unterscheiden Fachleute drei oder vier Unterarten. Zwei davon leben nur auf einzelnen Mentawai-Inseln: H. d. minor auf Süd-Pagai und H. d. sipora auf Sipora. Ob die Tiere auf Borneo eine eigene Unterart (H. d. boiei) bilden, ist umstritten.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Welche Tiere Bänderroller jagen, ist kaum untersucht. Als möglicher Feind gilt der Nebelparder, der zur selben Nachtzeit aktiv ist.
Lebensraumverlust: Die größte Gefahr ist die Abholzung der Regenwälder Südostasiens. Gerade die Tieflandwälder, in denen der Bänderroller am häufigsten vorkommt, werden seit Jahrzehnten gerodet oder in Plantagen für Ölpalmen, Kautschuk und Akazien umgewandelt. Auch die Jagd und der Handel mit Wildtieren könnten eine Rolle spielen.
Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Bänderroller als potenziell gefährdet (Near Threatened, Ross et al., 2015). Außerdem ist er im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) in Anhang II aufgeführt. Der internationale Handel ist damit nur mit Genehmigung erlaubt.
Wahrscheinlich stärker bedroht als gedacht: Die Kamerafallen-Studie von 2022 kam zu dem Ergebnis, dass nur noch etwa ein Drittel des bisher angenommenen Verbreitungsgebiets bewaldet ist. Davon liegt nur ein kleiner Teil in Schutzgebieten. Die Forschenden schlagen deshalb vor, die Gefährdung des Bänderrollers neu zu bewerten.
Häufige Fragen zum Bänderroller
Wie groß wird ein Bänderroller?
Ein Bänderroller ist ohne Schwanz etwa 41 bis 56 Zentimeter lang, der Schwanz misst noch einmal 23 bis 38 Zentimeter. Er wiegt 1 bis 3 Kilogramm, etwa so viel wie eine kleine Hauskatze.
Was frisst ein Bänderroller?
Er ist ein Fleischfresser und frisst vor allem Insekten und Regenwürmer. Dazu kommen Spinnen, Krabben, Schnecken, Frösche, Echsen und manchmal Ratten oder Vögel. Früchte wurden in freier Natur bisher nicht in seinem Magen gefunden.
Wo lebt der Bänderroller?
Er lebt in den Regenwäldern Südostasiens: im Süden Myanmars und Thailands, auf der Malaiischen Halbinsel, auf Sumatra, Borneo und einigen Mentawai-Inseln. Am liebsten bewohnt er große, ungestörte Wälder im Tiefland.
Ist der Bänderroller eine Katze?
Nein. Er gehört zu den Schleichkatzen, einer eigenen Raubtierfamilie. Schleichkatzen und echte Katzen sind zwar verwandt, weil beide zu den katzenartigen Raubtieren zählen, bilden aber getrennte Familien.
Ist der Bänderroller gefährdet?
Auf der Roten Liste der IUCN gilt er seit 2015 als potenziell gefährdet. Weil sein Lebensraum stark schrumpft, halten Forschende eine höhere Einstufung für nötig.
Ähnliche Tiere
- Fleckenmusang - eine Schleichkatze, die auch in Plantagen und Siedlungen lebt
- Larvenroller - ein Verwandter mit auffälliger Gesichtsmaske
- Binturong - eine große Schleichkatze mit Greifschwanz
- Malaiische Zibetkatze - teilt sich mit dem Bänderroller viele Wälder
- Pardelroller - ein ähnlich benanntes Tier aus Afrika
Quellen
- Hemigalus derbyanus. In: Handbook of the Mammals of the World, Vol. 1 (2009) - Plazi TreatmentBank
- Dunn, A. et al. (2022): The ecology of the banded civet (Hemigalus derbyanus) in Southeast Asia with implications for mesopredator release, zoonotic diseases, and conservation. Ecology and Evolution 12
- Ross, J. et al. (2015): Hemigalus derbyanus. The IUCN Red List of Threatened Species
- Hemigalus derbyanus (Banded Palm Civet) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Hemigalus derbyanus - AnAge: The Animal Ageing and Longevity Database
- Banded palm civet - Wikipedia (englisch)
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Bänderroller: Der Bänderroller ist größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 41 bis 56 cm aber wiederum deutlich kleiner.
Gewichtsvergleich
Ein Bänderroller bringt 1 bis 3 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Bänderroller wiegt so viel wie etwa 5 Fußbälle.