Barbe

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Barbe mit langgestrecktem, bronzefarbenem Körper, unterständigem Maul und vier Barteln schwimmt vor dunklem Hintergrund
Linie29 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Die Barbe ist ein Karpfenfisch, der in schnell fließenden Flüssen mit Kiesgrund lebt. Typisch sind ihr Maul an der Unterseite des Kopfes und die vier Barteln, mit denen sie am Boden nach Insektenlarven, Würmern und Schnecken sucht. Meist wird sie 30 bis 70 cm lang. Nach ihr ist ein ganzer Flussabschnitt benannt, die Barbenregion. Ihr Rogen ist giftig.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameBarbus barbus
Abstammung
  • Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
  • Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
  • Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
  • Gattung: Barbus
  • Art: Barbe
KörpergrößeMeist 30 bis 70 cm, höchstens etwa 90 cm; FishBase nennt als Höchstlänge 120 cm
KörpergewichtHöchstes veröffentlichtes Gewicht 12 kg
ErnährungVor allem wirbellose Bodentiere wie Insektenlarven, Würmer, Schnecken, kleine Muscheln und Kleinkrebse; seltener Pflanzen, Fischlaich und Algen, große Barben auch kleine Fische
LebenserwartungBis etwa 15 Jahre
SozialverhaltenGesellig, lebt in Trupps und Schwärmen; überwintert oft in großen Gruppen
HerkunftEuropa
Verbreitung Europa nördlich von Pyrenäen und Alpen: von Westfrankreich bis Litauen in Flüssen zu Atlantik, Nordsee und südlicher Ostsee, im Schwarzmeergebiet von der Donau bis zum Dnepr, außerdem Südost-England; in Deutschland vor allem im Süden und Westen Europa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné (als Cyprinus barbus)
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesNamensgeber der Barbenregion (Epipotamal) in Flüssen. Der Rogen ist giftig. Rote Liste Deutschland (2023): Vorwarnliste; Deutschland trägt eine hohe Verantwortung für den Erhalt der Art.

Was ist eine Barbe?

Die Barbe (Barbus barbus) ist ein Süßwasserfisch aus der Familie der Karpfenfische. Sie lebt gesellig in Trupps oder Schwärmen am Grund von Flüssen und liebt starke Strömung. Ihr Körper ist walzenförmig gebaut und damit gut an das Leben am Gewässergrund in strömendem Wasser angepasst.

Die Barbe ist ein besonderer Fisch für Deutschland: Ein großer Teil aller Barben der Welt lebt hier, nach der Roten Liste mehr als ein Zehntel und bis zu einem Drittel des Weltbestands. Deutschland liegt mitten in ihrem Verbreitungsgebiet und trägt deshalb eine hohe Verantwortung für den Erhalt der Art.

Aussehen und Körperbau

Größe: Barben werden meist 30 bis 70 cm lang, große Tiere erreichen etwa 90 cm. Die Fischdatenbank FishBase nennt als Höchstlänge sogar 120 cm und als höchstes veröffentlichtes Gewicht 12 kg.

Körper: Die Barbe hat einen spindelförmigen, walzenartigen Körper. Entlang der Seitenlinie zählt man 53 bis 63 Schuppen.

Maul und Barteln: Das auffälligste Merkmal ist das unterständige Maul. Es sitzt an der Unterseite des Kopfes und zeigt zum Boden. Die Unterlippe ist dick und hat in der Mitte ein wulstiges Polster. Am Maul hängen vier Barteln, das sind fleischige Tastfäden. Damit tastet die Barbe den Gewässergrund nach Nahrung ab.

Rückenflosse: Der letzte ungeteilte Strahl der Rückenflosse ist hart und an seiner Hinterkante gesägt. Die Spitze der Rückenflosse ist spitz, ihr Hinterrand nach innen gewölbt.

Die Barbenregion

Fachleute teilen Flüsse von der Quelle bis zur Mündung in Abschnitte ein, die nach typischen Fischen benannt sind. Die Barbe gibt einem dieser Abschnitte ihren Namen: der Barbenregion, auch Epipotamal genannt. In diesen Flussabschnitten ist die Barbe so häufig, dass sie die Fischgemeinschaft prägt. Sie gilt deshalb als Leitfisch dieser Region.

So sieht die Barbenregion aus: Sie liegt im Mittellauf der Flüsse, vor allem dort, wo sie aus den Mittelgebirgen kommen, teils auch im Tiefland. Die Flüsse sind hier breiter als im Oberlauf und die Strömung ist ruhiger, aber noch kräftig. Der Grund besteht aus Kies und Steinen, es gibt flache, schnell überströmte Stellen und tiefe Gumpen. Im Sommer wird das Wasser oft länger als 20 °C warm.

Nachbarn: Flussaufwärts schließt die Äschenregion an, flussabwärts die Brassenregion. Barben wandern in beide hinein. In der Barbenregion teilen sie sich die Strömungsrinnen mit anderen strömungsliebenden Fischen wie Döbel (Squalius cephalus), Zährte (Vimba vimba), Nase (Chondrostoma nasus) und Äsche (Thymallus thymallus).

Ein Anzeiger für gesunde Flüsse: Barben brauchen verschiedene Lebensräume nebeneinander: Kiesbänke zum Laichen, flache Ufer für die Jungfische und tiefe Kolke zum Überwintern. An die Wasserqualität stellen sie dagegen weniger hohe Ansprüche als an die Gewässerstruktur. Salz im Wasser vertragen sie aber schlecht. Fachleute bezeichnen die Barbe deshalb als Fischart mit hohem Strukturbezug.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitung: Die Barbe lebt in Europa nördlich der Pyrenäen und Alpen. Ihr Gebiet reicht vom Fluss Adour in Frankreich nach Osten bis zur Memel (Neman) in Litauen und Russland. Sie kommt in Flüssen vor, die in den Atlantik, die Nordsee und die südliche Ostsee münden, außerdem im Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres von der Donau bis zum Dnepr. In England lebt sie im Südosten bis nach Yorkshire. In Italien und in weiteren Teilen Englands wurde sie vom Menschen eingesetzt.

In Deutschland: Die meisten Barben leben im Süden und Westen, etwa in der Donau mit ihren Nebenflüssen, im Rhein, Neckar und Main sowie in der oberen Elbe mit Saale und Mulde. In Baden-Württemberg ist sie in allen größeren Fließgewässern verbreitet. Im Norden ist sie seltener: In Niedersachsen lebt sie nur in wenigen Flüssen, vor allem in Weser, Leine, Aller und Ems.

Lebensraum: Barben leben in klaren, sauerstoffreichen, eher warmen Flüssen mittlerer bis großer Größe mit schneller Strömung und Kiesgrund. Selten findet man sie auch in Seen.

Ernährung

Die Barbe sucht ihr Futter am Gewässergrund. Das unterständige Maul, die Barteln und der kräftige Körper helfen ihr, auch in starker Strömung den Boden abzusuchen. Sie frisst vor allem wirbellose Tiere:

  • Insektenlarven, zum Beispiel von Eintagsfliegen und Zuckmücken
  • Würmer
  • Schnecken und kleine Muscheln
  • Kleinkrebse

Um an die Tiere heranzukommen, dreht sie manchmal einzelne Steine um. Hin und wieder frisst sie auch Pflanzen, Algen und Fischlaich. Große Barben jagen außerdem kleine Fische.

Verhalten und Lebensweise

Tag- und Nachtplatz: Erwachsene Barben sind tagsüber wenig aktiv. Sie verstecken sich dann in tieferen, ruhigen Bereichen des Flusses, oft unter überhängenden Bäumen oder Brücken. In der Abenddämmerung ziehen sie in flachere Stellen mit stärkerer Strömung, wo besonders viele Nahrungstiere leben. Tagesplatz und Nachtplatz können mehrere Hundert Meter auseinanderliegen. Am aktivsten sind Barben in der Morgen- und Abenddämmerung. Larven und Jungfische sind dagegen Tag und Nacht unterwegs.

Winterruhe: Von etwa Oktober bis März ziehen sich die Barben in tiefe, ruhige Flussabschnitte zurück, oft in großen Gruppen. Diese Kolke werden auch "Barbenlöcher" genannt.

Wanderfisch: Barben sind erstaunlich wanderfreudig. Sie schwimmen zur Laichzeit flussaufwärts und im Herbst und Winter flussabwärts. In Markierungsversuchen haben Barben in durchgängigen Flüssen ihren Aufenthaltsort innerhalb eines Monats um weit mehr als 100 km verlagert. Fachleute zählen sie deshalb zu den Mitteldistanz-Wanderfischen. Wehre und Staustufen ohne funktionierende Fischtreppen versperren ihnen den Weg.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Geschlechtsreife: Männchen laichen meist mit zwei bis fünf Jahren zum ersten Mal, Weibchen ein bis zwei Jahre später.

Laichzeit: Barben laichen von Mai bis Juli, selten bis in den September, sobald das Wasser etwa 15 °C warm ist. Dazu wandern sie flussaufwärts, manchmal mehrere Hundert Kilometer weit. Sie suchen flache, schnell überströmte Kiesbänke auf, in Mittelgebirgsflüssen oft in der Äschenregion.

Viele Männchen, ein Weibchen: Die Männchen versammeln sich an den Laichplätzen und folgen reifen Weibchen mit viel Geplätscher ins flache Wasser. Ein Männchen schwimmt beim Laichen Kopf an Kopf neben dem Weibchen. Andere Männchen warten an den Laichplätzen und schießen im richtigen Moment dazu, um ebenfalls Eier zu befruchten. Fachleute sprechen von einer "schleichenden" Taktik. An einem einzigen Laichvorgang können bis zu 130 Männchen beteiligt sein.

Eier: Die Eier im Rogen eines Weibchens sind unterschiedlich weit entwickelt. Deshalb laicht es in mehreren Schüben, meist im Abstand von 10 bis 15 Tagen. Die Eier kleben nicht. Sie werden über dem Kies abgegeben und von der Strömung in die Lücken zwischen den Steinen gespült.

Larven und Jungfische: Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Larven. Sie bleiben zunächst im Kies versteckt, bis ihr Dottersack aufgebraucht ist. Dann treiben sie ein kurzes Stück flussabwärts in flache Uferbereiche. Die Jungfische leben am Boden in sehr flachem Wasser, oft in Schwärmen zusammen mit anderen Karpfenfischen wie Hasel (Leuciscus leuciscus), Döbel und Gründling (Gobio gobio). Je größer sie werden, desto weiter schwimmen sie in die stärkere Strömung hinaus.

Lebenserwartung: Barben werden bis zu etwa 15 Jahre alt.

Achtung: giftiger Rogen

Die Eier der Barbe, der Rogen, sind giftig. Barben werden an manchen Orten als Speisefisch oder von Anglern als Sportfisch gefangen.

Gefährdung

Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Barbe als nicht gefährdet (LC, Freyhof 2024). Sie ist weit verbreitet und sehr häufig. Im 20. Jahrhundert gingen ihre Bestände durch den Bau großer Stauseen und durch Wasserverschmutzung stark zurück. Seitdem haben sie sich wahrscheinlich auf mittlerem Niveau stabilisiert. Örtlich ist die Barbe weiterhin durch Verschmutzung und Flussregulierung bedroht, zum Beispiel im Einzugsgebiet der Ostsee und in der Elbe.

Deutschland: In der Roten Liste der Süßwasserfische Deutschlands von 2023 steht die Barbe auf der Vorwarnliste. In der Liste davor galt sie noch als ungefährdet. Seit den 1990er-Jahren ist sie wieder häufiger geworden, weil sich die Wasserqualität in vielen Flüssen verbessert hat. Inzwischen ist diese Zunahme aber zum Stillstand gekommen. Die früheren großen Bestände sind bei Weitem nicht erreicht. Gründe dafür sind:

  • Querbauwerke wie Wehre und Staustufen, die Wanderungen verhindern
  • Ausbau der Flüsse: Durch Staustufen wurden aus schnell fließenden Abschnitten der Barbenregion vielerorts langsame Abschnitte, die eher der Brassenregion gleichen
  • Fehlende Kiesbänke und Flachufer: Ohne sie finden Barben keine Laichplätze und die Jungfische keine Kinderstube
  • Sand und Feinsediment, die das Lückensystem im Kies verstopfen
  • Kormorane, die viele Fische fressen

Schutz: Barben gehören (als Barbus spp.) zu den Arten in Anhang V der europäischen FFH-Richtlinie. Sie profitieren davon, wenn Flüsse wieder durchgängig gemacht und mit Kiesbänken, flachen Ufern und tiefen Kolken naturnah gestaltet werden.

Häufige Fragen zur Barbe

Ist der Rogen der Barbe giftig?

Ja, die Eier der Barbe gelten als giftig. Den Rogen sollte man deshalb nicht essen.

Wie groß wird eine Barbe?

Meist 30 bis 70 cm, große Tiere erreichen etwa 90 cm. Als Höchstwerte werden 120 cm Länge und 12 kg Gewicht genannt.

Was frisst eine Barbe?

Vor allem kleine Tiere vom Gewässergrund: Insektenlarven, Würmer, Schnecken, kleine Muscheln und Kleinkrebse. Mit ihren vier Barteln ertastet sie die Nahrung, manchmal dreht sie dafür Steine um. Große Barben fressen auch kleine Fische.

Was ist die Barbenregion?

So heißt der Abschnitt eines Flusses, in dem die Barbe der typische Fisch ist. Er liegt im Mittellauf zwischen Äschenregion und Brassenregion. Das Wasser fließt dort noch kräftig, und der Grund ist kiesig und steinig.

Wann laicht die Barbe?

Von Mai bis Juli, selten bis September. Dazu wandern die Barben flussaufwärts zu flachen, schnell überströmten Kiesbänken. Ein Weibchen laicht in mehreren Schüben.

Ist die Barbe gefährdet?

Weltweit gilt sie als nicht gefährdet. In Deutschland steht sie seit 2023 auf der Vorwarnliste, weil Wehre, Staustufen und fehlende Kiesbänke ihr das Leben schwer machen.

Ähnliche Tiere

  • Schleie - ebenfalls ein Karpfenartiger mit Barteln am Maul
  • Karpfen - ein Verwandter aus der Familie der Karpfenfische
  • Bachforelle - ein weiterer Fisch schnell fließender Gewässer
  • Hecht - ein heimischer Raubfisch aus Flüssen und Seen
  • Europäischer Aal - ein Fisch, der ebenfalls weit wandert

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Barbe
30 bis 70 cm

Eine Barbe erreicht eine Körpergröße von 30 bis 70 cm. Damit passt sie bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala.