Beutelwolf

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Historisches Schwarz-Weiß-Foto von zwei Beutelwölfen in einem Zoogehege, vorne ein Tier in Seitenansicht mit dunklen Querstreifen auf Rücken und Hinterteil und langem, steifem Schwanz
Baker; E.J. Keller. / Wikimedia Commons / Public domain

Kurz erklärt

Der Beutelwolf, auch Tasmanischer Tiger genannt, war ein Raubtier aus der Gruppe der Beuteltiere. Er sah aus wie ein großer Hund mit dunklen Streifen auf dem Rücken und trug seine Jungen in einem Beutel. Zuletzt lebte er nur noch auf der Insel Tasmanien. Weil Siedler ihn als Schafräuber jagten, starb er aus: Der letzte bekannte Beutelwolf starb 1936 in einem Zoo in Hobart.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameThylacinus cynocephalus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Unterklasse: Beuteltiere
  • Ordnung: Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia)
  • Familie: Beutelwölfe (Thylacinidae)
  • Gattung: Thylacinus
  • Art: Beutelwolf
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge etwa 100 bis 130 cm, dazu ein 50 bis 66 cm langer Schwanz; Schulterhöhe etwa 35 bis 60 cm
Körpergewicht15 bis 30 kg
ErnährungFleischfresser: vor allem Kängurus und Wallabys, außerdem andere Beuteltiere, kleine Nagetiere und Vögel
LebenserwartungIn freier Wildbahn vermutlich 5 bis 7 Jahre, nach anderen Schätzungen bis 10 Jahre; in Zoos bis 9 Jahre, im Einzelfall rund 12,5 Jahre
SozialverhaltenJagte allein oder zu zweit, meist nachts
HerkunftAustralien
Verbreitung Zuletzt nur Tasmanien; früher auch auf dem australischen Festland und auf Neuguinea Australien
EntdeckungWissenschaftlich beschrieben 1808 von George Harris
GefährdungEX Ausgestorben (Rote Liste der IUCN, 2025)
SonstigesAusgestorben. Letzter Abschuss in freier Wildbahn 1930, letzter Fang 1933; das letzte bekannte Tier starb am 7. September 1936 im Zoo von Hobart. Seit 1986 offiziell für ausgestorben erklärt.

Was war der Beutelwolf?

Der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) war ein räuberisches Beuteltier. Bekannt ist er auch als Tasmanischer Tiger oder Tasmanischer Wolf. Mit einem echten Wolf oder Tiger war er aber nicht verwandt. Wie Kängurus und Koalas brachte er winzige Junge zur Welt, die in einem Beutel am Bauch der Mutter heranwuchsen.

Der wissenschaftliche Name bedeutet etwa „Beutelhund mit Wolfskopf“. Der Beutelwolf war das einzige Mitglied seiner Familie, der Thylacinidae, das bis in die Neuzeit überlebt hat. Er war der größte fleischfressende Beutler, den es in der Neuzeit in Australien gab.

Zuletzt kam der Beutelwolf nur noch auf der Insel Tasmanien südlich des australischen Festlands vor. Dort jagten ihn europäische Siedler so lange, bis er verschwunden war. Das letzte bekannte Tier starb 1936 in einem Zoo. Heute führt die Rote Liste der IUCN den Beutelwolf als ausgestorben.

Aussehen und Körperbau

Auf den ersten Blick sah der Beutelwolf aus wie ein großer, schlanker Hund. Er hatte einen großen, wolfsähnlichen Kopf, kurze aufrechte Ohren mit runden Spitzen und eher kurze Beine. Auffällig war sein langer, dicker und steifer Schwanz.

Größe und Gewicht: Von der Nasenspitze bis zum Schwanzansatz maß ein Beutelwolf etwa 100 bis 130 Zentimeter. Der Schwanz kam mit 50 bis 66 Zentimetern noch dazu. Ausgewachsene Tiere waren etwa 35 bis 60 Zentimeter hoch und wogen 15 bis 30 Kilogramm. Männchen waren im Durchschnitt größer als Weibchen.

Fell und Streifen: Das Fell war kurz, dicht und weich, die einzelnen Haare wurden höchstens etwa 15 Millimeter lang. Die Grundfarbe reichte von sandig gelbbraun bis grau. Über Rücken und Hinterteil zogen sich 13 bis 20 dunkle Querstreifen, je nach Quelle werden etwas unterschiedliche Zahlen genannt. Die Streifen begannen hinter den Schultern und reichten bis zum Schwanzansatz. Ihnen verdankt das Tier den Namen „Tiger“.

Gebiss: Die Kiefer waren groß, im Maul saßen 46 Zähne. Lange Eckzähne und scharfkantige Backenzähne ähnelten denen eines Hundes.

Der Beutel: Weibchen hatten einen nach hinten geöffneten Beutel mit vier Zitzen. Ungewöhnlich ist, dass auch die Männchen einen kleinen, nach hinten offenen Hautbeutel besaßen.

Ein Beuteltier, das aussah wie ein Hund

Der Beutelwolf ist eines der berühmtesten Beispiele für konvergente Evolution. So nennen Biologen den Fall, dass sich nicht verwandte Tiere sehr ähnlich entwickeln, weil sie eine ähnliche Lebensweise haben. Der letzte gemeinsame Vorfahr von Beutelwolf und Hund lebte vor rund 160 Millionen Jahren. Trotzdem gleicht vor allem der Schädel des Beutelwolfs dem eines Wolfs erstaunlich stark. Er hatte allerdings vermutlich einen schwächeren Biss als ein Wolf.

2017 veröffentlichte ein Forschungsteam das Erbgut des Beutelwolfs, gewonnen aus einem in einer Sammlung aufbewahrten Beuteljungen. Dabei zeigte sich, dass die Ähnlichkeit mit Hunden nicht auf denselben Veränderungen in den Genen beruht. Sie entstand wohl vor allem dadurch, dass sich die Steuerung der Gene verändert hat. Das Erbgut verriet noch etwas: Die genetische Vielfalt des Beutelwolfs nahm schon lange ab, bevor die ersten Menschen nach Australien kamen.

Verbreitung und Lebensraum

Fossilien und Felsmalereien der Aborigines zeigen, dass der Beutelwolf einst in ganz Australien und auf Neuguinea lebte. Darstellungen beutelwolfähnlicher Tiere sind zum Beispiel aus der Kimberley-Region im Nordwesten und aus dem Northern Territory bekannt. In einer Höhle in der Nullarbor-Ebene fand man sogar einen mumifizierten Beutelwolf, der vor etwa 4.000 bis 5.000 Jahren gelebt hat.

Auf dem Festland und auf Neuguinea verschwand der Beutelwolf spätestens vor etwa 2.000 Jahren. Als wahrscheinliche Ursache gilt der Dingo: Der Wildhund machte dem Beutelwolf die Beute streitig und hat ihn vermutlich auch selbst gejagt. Nach Tasmanien gelangte der Dingo nie. Die Insel war schon vor 8.000 bis 10.000 Jahren durch das Meer vom Festland getrennt worden, bevor der Dingo nach Australien kam.

Auf Tasmanien war der Beutelwolf weit verbreitet, als die ersten Europäer 1803 eintrafen. Am häufigsten war er in offenen Wäldern und Waldland, in einem Mosaik aus trockenen Eukalyptuswäldern, Feuchtgebieten und Grasland. Im sehr regenreichen Südwesten der Insel mit Grasheiden, nassem Buschland und dichtem, feuchtem Wald lebten nur wenige Tiere. Als Unterschlupf dienten Felsspalten und Höhlen, Würfe wurden auch im dichten Gebüsch gefunden.

Ernährung

Der Beutelwolf war ein reiner Fleischfresser. Hauptsächlich erbeutete er Kängurus und Wallabys, daneben andere Beuteltiere, kleine Nagetiere und Vögel. Knochenreste aus Beutelwolf-Bauen stammen unter anderem von Wallabys, Kaninchenkängurus und Bürstenkängurus. Auch Ameisenigel sollen auf seinem Speiseplan gestanden haben.

Nach der Ankunft der Europäer hieß es, Beutelwölfe würden in großer Zahl Schafe und Hühner reißen. Nach Einschätzung des Australian Museum wurde das aber fast sicher stark übertrieben. Eine Reihe berühmter Fotos des Fotografen Harry Burrell trug dazu bei, dieses Bild zu verbreiten.

Verhalten und Lebensweise

Beutelwölfe waren vor allem nachts und in der Dämmerung unterwegs. Bevor sie stark verfolgt wurden, sah man sie aber auch tagsüber. Sie jagten allein oder zu zweit. Fachleute halten den Beutelwolf für einen Ausdauerjäger: Statt im Sprint zuzuschlagen, verfolgte er seine Beute wahrscheinlich über längere Strecken. Dabei verließ er sich auf seine Ausdauer und seinen guten Geruchssinn.

Augenzeugen beschrieben den Beutelwolf als scheu und eher nervös. Gefangene Tiere wehrten sich meist kaum. Normalerweise war er still. War er aufgeregt, stieß er eine Folge heiserer, hustender Bellaute aus. Bei der Jagd soll er ein doppeltes, kläffendes Bellen ausgestoßen haben, das sich alle paar Sekunden wiederholte. Berichten aus Zoos zufolge konnte er sich kurz auf die Hinterbeine stellen und dabei ein Stück hüpfen, ähnlich wie ein Känguru.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Über die Fortpflanzung ist wenig bekannt, denn in Zoos wurden Beutelwölfe nie erfolgreich gezüchtet. Die meisten Jungen kamen wohl im australischen Sommer zur Welt, also zwischen Dezember und März. Ein Wurf bestand aus bis zu vier Jungen, meist waren es zwei oder drei.

Die Jungen wuchsen im Beutel der Mutter heran und tranken dort an den vier Zitzen. Nach etwa drei Monaten verließen sie den Beutel, blieben aber noch mehrere Monate bei der Mutter, mindestens bis sie halb ausgewachsen waren. Wie lange die Tragzeit dauerte, weiß man nicht.

Auch zur Lebenserwartung gibt es nur Schätzungen. Der Tasmania Parks and Wildlife Service gibt für wilde Beutelwölfe etwa fünf bis sieben Jahre an, andere Schätzungen reichen bis zehn Jahre. In Zoos lebten Beutelwölfe nach Angaben der Parkverwaltung bis zu neun Jahre, das Animal Diversity Web nennt als Höchstalter in Gefangenschaft rund zwölfeinhalb Jahre.

Wie der Beutelwolf ausgerottet wurde

Ab 1824 hielten Siedler auf Tasmanien Schafe, und schon bald galt der Beutelwolf als Schädling. 1830 setzte die Van Diemen's Land Company eine Prämie für getötete Beutelwölfe aus, auch andere Firmen und Landbesitzer zahlten Kopfgeld. Von 1888 bis 1909 zahlte dann auch die Regierung von Tasmanien Kopfgeld. In dieser Zeit wurde laut IUCN für mehr als 2.200 getötete Tiere eine Prämie gezahlt. Das entspricht ungefähr der Zahl an Beutelwölfen, die vermutlich zu jeder Zeit auf der Insel lebten.

Dazu kam, dass Museen und Zoos Anfang des 20. Jahrhunderts viele Tiere fangen ließen. Möglicherweise spielte auch eine Krankheit eine Rolle, die der Hundestaupe ähnelte. Computermodelle zeigen allerdings, dass sich das Aussterben auch ganz ohne Krankheit erklären lässt: durch die Jagd und dadurch, dass die Beutetiere weniger wurden, weil sie mit den Schafen um Futter konkurrierten.

Um 1910 war der Beutelwolf bereits selten. Der letzte nachgewiesene Abschuss in freier Wildbahn stammt aus dem Jahr 1930. 1933 wurde im Florentine Valley eines der letzten Tiere gefangen und an den Zoo von Hobart verkauft. 1936 stellte Tasmanien den Beutelwolf endlich unter Schutz, doch es war zu spät: Am 7. September 1936 starb das letzte bekannte Tier im Zoo von Hobart. 1986 wurde die Art offiziell für ausgestorben erklärt. Die IUCN bestätigte den Status „ausgestorben“ (EX) zuletzt 2025.

Gibt es den Beutelwolf vielleicht noch?

Seit 1936 melden Menschen immer wieder, einen Beutelwolf gesehen zu haben, auf Tasmanien und sogar auf dem australischen Festland. Behörden, Naturschutzgruppen und Privatleute haben deshalb viele Suchaktionen gestartet. Ein überzeugender Nachweis wurde dabei nie gefunden: kein Foto, kein Kadaver, keine Spur, die sich eindeutig einem Beutelwolf zuordnen ließ. Zwischen 2014 und 2020 standen auf Tasmanien Wildkameras an 3.225 Orten. In mehr als 315.000 Kameranächten nahmen sie nichts auf, was ein Beutelwolf hätte sein können.

Forscher haben die Sichtungsmeldungen auch statistisch ausgewertet. Eine Studie von 2023 kam zu dem Ergebnis, dass die verlässlichsten Berichte auf ein Aussterben zwischen den 1940er- und den 1970er-Jahren hindeuten. Bezieht man auch unsichere Meldungen ein und rechnet mit Wahrscheinlichkeiten, könnte der Beutelwolf erst zwischen dem Ende der 1980er- und dem Anfang der 2000er-Jahre verschwunden sein. Eine kleine Restchance, dass Tiere länger überlebt haben, sahen die Forscher nur in der abgelegenen Wildnis im Südwesten Tasmaniens. Andere Fachleute halten dagegen keine einzige Sichtung nach 1936 für belegt. Nahezu alle Modelle kommen zu dem Schluss, dass der Beutelwolf heute ausgestorben ist.

Häufige Fragen zum Beutelwolf

Wann ist der Beutelwolf ausgestorben?

Das letzte bekannte Tier starb am 7. September 1936 im Zoo von Hobart auf Tasmanien. Der letzte nachgewiesene Abschuss in freier Wildbahn stammt von 1930. Offiziell für ausgestorben erklärt wurde die Art 1986.

Warum ist der Beutelwolf ausgestorben?

Hauptgrund war die Jagd. Siedler hielten den Beutelwolf für einen Schafräuber, und es gab Prämien für jedes getötete Tier. Dazu kamen Fänge für Zoos und Museen und der Verlust von Beutetieren. Auf dem Festland war er schon vor rund 2.000 Jahren verschwunden, vermutlich wegen der Konkurrenz durch den Dingo.

Warum heißt der Beutelwolf auch Tasmanischer Tiger?

Wegen der dunklen Querstreifen auf Rücken und Hinterteil, die an ein Tigerfell erinnern. Mit Tigern oder Wölfen war er aber nicht verwandt. Er war ein Beuteltier und damit näher mit Kängurus und dem Tasmanischen Teufel verwandt.

Wie groß war ein Beutelwolf?

Mit Schwanz war ein Beutelwolf etwa 1,2 bis knapp 2 Meter lang. Der Körper ohne Schwanz maß rund 100 bis 130 Zentimeter, die Schulterhöhe lag bei etwa 35 bis 60 Zentimetern. Ein ausgewachsenes Tier wog 15 bis 30 Kilogramm.

Gibt es den Beutelwolf noch?

Nach heutigem Wissen nein. Zwar gibt es bis heute Sichtungsmeldungen, doch keine davon konnte bestätigt werden. Auch Wildkameras an mehr als 3.000 Orten auf Tasmanien haben keinen Beutelwolf aufgenommen. Die IUCN führt ihn als ausgestorben.

Ähnliche Tiere

  • Tasmanischer Teufel - ein kleinerer Verwandter aus der Gruppe der Raubbeutler, lebt heute noch auf Tasmanien
  • Beutelmarder - ein weiterer fleischfressender Beutler aus Australien
  • Dingo - verdrängte den Beutelwolf vermutlich vom australischen Festland
  • Wolf - sieht dem Beutelwolf ähnlich, ist aber nicht mit ihm verwandt
  • Dodo - ein weiteres berühmtes Beispiel für ein vom Menschen ausgerottetes Tier
  • Stellers Seekuh - ebenfalls durch Jagd ausgerottet, nur 27 Jahre nach ihrer Entdeckung

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Beutelwolf
1 bis 1,3 m

Ein Beutelwolf erreicht eine Körpergröße von 1 bis 1,3 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Beutelwolf ist etwa 5-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Beutelwolf
15 bis 30 kg

Ein Beutelwolf bringt 15 bis 30 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Der Beutelwolf wiegt so viel wie etwa 6 Hauskatzen.