Biber
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Kurz erklärt
Der Europäische Biber ist das größte Nagetier Europas. Mit Schwanz wird er etwa 1,30 Meter lang und bis zu 30 Kilogramm schwer. Mit seinen scharfen Nagezähnen fällt er Bäume, baut Burgen und staut mit Dämmen Bäche auf. Biber fressen nur Pflanzen. In Deutschland waren sie fast ausgerottet, heute leben hier wieder über 40.000 Biber.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Castor fiber |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge bis etwa 90 cm, dazu die bis 40 cm lange Kelle; Gesamtlänge etwa 1,30 m, höchstens rund 1,35 m |
| Körpergewicht | Ausgewachsen bis etwa 30 kg, damit kann ein Biber schwerer werden als ein Reh |
| Ernährung | Reiner Pflanzenfresser: im Sommer vor allem Kräuter, Gräser, Wasserpflanzen und Blätter, im Winter Rinde und Zweige von Weiden, Pappeln und anderen Gehölzen |
| Lebenserwartung | Im Durchschnitt etwa 10 Jahre, in Ausnahmefällen bis zu 25 Jahre |
| Sozialverhalten | Lebt in Familien aus einem Elternpaar und den Jungen der letzten zwei Jahre; jede Familie verteidigt ein Revier von etwa 1 bis 5 km Uferlänge |
| Herkunft | Europa und Asien |
| Verbreitung | Europa und Asien; in Deutschland heute über 40.000 Tiere, davon rund 25.000 in Bayern AsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021) |
| Sonstiges | In Deutschland streng geschützt (Bundesnaturschutzgesetz, Anhang II und IV der FFH-Richtlinie), Rote Liste Deutschland: Vorwarnliste. Nicht zu verwechseln mit dem nordamerikanischen Kanadischen Biber (Castor canadensis), einer eigenen Art. |
Der Europäische Biber
Der Europäische Biber (Castor fiber), auch Eurasischer Biber genannt, ist das größte Nagetier Europas. Weltweit ist nur das Capybara aus Südamerika größer. Biber leben an Flüssen, Bächen und Seen und sind perfekt an das Leben im und am Wasser angepasst.
Der Biber gehört zu den wenigen Tieren, die ihren Lebensraum selbst gestalten: Er fällt Bäume, gräbt Baue, errichtet Burgen und staut mit Dämmen ganze Bäche auf. Deshalb nennt man ihn oft einen Baumeister.
Es gibt zwei Biberarten: den Europäischen Biber in Europa und Asien und den Kanadischen Biber (Castor canadensis) in Nordamerika. Beide sehen sich sehr ähnlich, sind aber verschiedene Arten. Diese Seite beschreibt den Europäischen Biber, der auch in Deutschland lebt.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein ausgewachsener Biber ist mit Schwanz etwa 1,30 m lang, sehr große Tiere erreichen etwa 1,35 m. Davon entfallen bis zu 40 cm auf den Schwanz, die sogenannte Kelle. Ein Biber wiegt bis etwa 30 kg und kann damit schwerer werden als ein Reh.
Die Kelle: Der Schwanz des Bibers ist breit, flach und keulenförmig. Er ist nicht behaart, sondern mit Schuppen bedeckt. Im Wasser dient er als Ruder. Außerdem speichert der Biber darin Fett.
Nagezähne: Die Nagezähne des Bibers sind sehr groß. Sie wachsen ständig nach und schärfen sich selbst. Sie tragen eine dicke Schmelzschicht, die orangerot gefärbt ist.
Fell: Das Fell ist sehr dicht, braun und wasserabweisend. Es schützt den Biber im kalten Wasser vor dem Auskühlen. Damit es wasserdicht bleibt, pflegt der Biber es mit einem Sekret, dem Bibergeil.
Angepasst an das Wasser: Zwischen den Zehen der Hinterfüße spannen sich Schwimmhäute, die Vorderfüße haben keine. Beim Tauchen kann der Biber Ohren und Nasenlöcher verschließen. Eine dünne, durchsichtige Haut, die Nickhaut, schützt dabei seine Augen. Ein Tauchgang kann bis zu 20 Minuten dauern.
Biber, Nutria, Bisam oder Otter?
Am Wasser sieht man manchmal Tiere, die man mit dem Biber verwechseln kann. Das beste Erkennungsmerkmal ist der Schwanz:
- Biber: Schwanz flach und breit wie eine Kelle, Körper bis 90 cm, bis 30 kg
- Nutria (Biberratte): Schwanz rund, Körper bis 65 cm, bis 10 kg, auffällig weiße Tasthaare
- Bisam (Bisamratte): Schwanz rund bis seitlich abgeplattet, Körper bis 35 cm, bis 2,3 kg
- Fischotter (Otter): Raubtiergebiss statt Nagezähnen, Schwimmhäute an allen vier Pfoten, frisst Fische, Muscheln und Krebse
Verbreitung und Lebensraum
Der Europäische Biber war ursprünglich in ganz Eurasien verbreitet, also in Europa und weiten Teilen Asiens. Durch die Jagd verschwand er aus den meisten Gebieten. In Westeuropa überlebten nur kleine Restbestände, zum Beispiel an der Rhone in Frankreich, in Südnorwegen und an der Mittelelbe in Deutschland. Dank Schutz und Wiederansiedlung lebt er heute wieder in vielen Gebieten seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets.
Lebensraum: Wichtig ist für den Biber vor allem Wasser, das er kaum verlässt. Er lebt an großen Flüssen und Seen ebenso wie an kleinen Bächen, Gräben und Fischteichen, manchmal mitten in der Stadt. Am liebsten mag er Flussauen mit Weichholzauen, also Ufern, an denen Weiden und Pappeln wachsen. Rauschendes Wasser mag der Biber nicht, deshalb versucht er oft, Abflüsse abzudichten. Zur Nahrungssuche entfernt er sich meist nicht weiter als 50 m vom Ufer.
Ernährung
Biber sind reine Pflanzenfresser. Fische oder andere Tiere fressen sie nicht.
- Im Sommer fressen sie vor allem Kräuter, Gräser, Wasserpflanzen und Blätter. Nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz stehen rund 235 verschiedene krautige Pflanzen sowie Gehölze auf ihrem Speiseplan.
- Im Winter fressen sie vor allem Rinde und Zweige von weichen Hölzern wie Weiden und Pappeln, aber auch von vielen anderen Bäumen und Sträuchern.
Ein Biber braucht etwa 2 bis 3 kg Nahrung pro Tag, die Reste, die er liegen lässt, eingerechnet.
Warum fällt der Biber Bäume? Biber nagen Bäume um, um an Rinde, Zweige und Blätter zu kommen. Die Äste nutzen sie außerdem als Baumaterial für ihre Dämme und Burgen. Rund um ihre Reviere findet man deshalb typisch abgenagte Stämme und Äste von Weiden, Pappeln und anderen Ufergehölzen.
Vorräte für den Winter: Biber fressen sich einen Winterspeck an. Außerdem legen sie in der Nähe ihres Baus einen Vorrat aus Ästen unter Wasser an, von dem sie in der nahrungsarmen Winterzeit leben. Einen Winterschlaf halten sie nicht, denn auch im Winter fressen sie weiter.
Baumeister am Wasser: Baue, Burgen und Dämme
Erdbaue: Häufig graben Biber ihre Wohnung in eine Uferböschung. Der Eingang liegt unter Wasser und ist so geschützt.
Burgen: Wo sich kein Bau in das Ufer graben lässt, bauen Biber aus Ästen und Reisig eine Biberburg. Auch hier liegt der Eingang unter Wasser.
Dämme: Damit die Eingänge immer unter Wasser liegen, stauen Biber Bäche mit Dämmen aus Ästen auf. Den gewünschten Wasserstand regeln sie je nach der Wassermenge, die durchströmt. Die Wasserfläche wird größer, und das Wasser fließt langsamer.
Gut für viele andere Tiere: Durch die Dämme entstehen neue Lebensräume für viele Tiere, die auf Gewässer angewiesen sind, zum Beispiel für Amphibien. Weil der Biber Bäume fällt, entstehen rund um seine Reviere offene Flächen und artenreiche Feuchtwiesen, sogenannte Biberwiesen, die zum Beispiel Rehe und Hirsche zum Fressen nutzen.
Verhalten und Lebensweise
Familienleben: Biber leben in Familien. Eine Familie besteht aus einem Elternpaar, das monogam lebt, und den Jungen aus dem aktuellen und dem vorigen Jahr.
Reviere: Jede Familie besetzt ein Revier und verteidigt es gegen fremde Biber. Je nach Nahrungsangebot umfasst es etwa 1 bis 5 km Uferstrecke, in guten Gebieten reichen rund 2 km. Weil in einem Revier immer nur eine Familie lebt, kann die Zahl der Biber in einem Gebiet nicht unbegrenzt wachsen. Junge Biber müssen sich deshalb ein freies Revier suchen. Bei Kämpfen zwischen Rivalen werden Biber manchmal tödlich verletzt.
Aktivität: Biber sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Paarung und Geburt: Nach einer Tragzeit von etwa drei Monaten kommen die Jungen zwischen April und Juni zur Welt, meist Ende Mai oder Anfang Juni. Ein Wurf besteht aus zwei bis vier Jungen.
Aufwachsen: Schon nach etwa drei Wochen fressen die Jungen krautige Pflanzen und Blätter. Stärkere Äste benagen sie erst mit etwa zehn Monaten.
Auszug mit zwei Jahren: Die jungen Biber bleiben etwa zwei Jahre bei ihren Eltern. Dann verlassen sie das Revier, wandern meist entlang von Gewässern und suchen sich einen Partner und ein eigenes Revier. Geschlechtsreif werden Biber mit zweieinhalb bis vier Jahren.
Die Rückkehr des Bibers nach Deutschland
Fast ausgerottet: Früher lebte der Biber in ganz Deutschland. Doch Menschen jagten ihn wegen seines dichten Fells, seines Fleisches und wegen des Bibergeils, das als Heilmittel galt. Im 19. Jahrhundert war er in Bayern und fast in ganz Europa verschwunden. In Deutschland überlebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur ein kleines Vorkommen an der Mittelelbe.
Wiederansiedlung: Ab 1966 setzten Naturschützer des BUND Naturschutz mit Genehmigung der Behörden in Bayern rund 120 Biber aus Russland, Polen, Frankreich und Skandinavien aus, vor allem an der Donau. 1969 wurden die ersten frei lebenden jungen Biber in Bayern beobachtet. Auch in anderen Bundesländern wurden Biber angesiedelt, meist mit Erfolg.
Heute: Die Rückkehr des Bibers ist eine Erfolgsgeschichte. In Deutschland leben heute nach Angaben des BUND Naturschutz über 40.000 Biber. Nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums aus dem Jahr 2024 ist der Bestand in Bayern zuletzt von etwa 22.000 Tieren in 6.000 Revieren auf etwa 25.000 Tiere in rund 7.500 Revieren gewachsen. Genau gezählt werden Biber nicht, die Zahlen sind Schätzungen. In vielen Regionen Bayerns lebt der Biber inzwischen an jedem geeigneten Gewässer.
Schutzstatus: Der Biber ist in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und steht in Anhang II und IV der europäischen FFH-Richtlinie. In der Roten Liste Deutschlands steht er auf der Vorwarnliste. Im Bericht an die EU wird sein Erhaltungszustand in der kontinentalen und der alpinen Region Deutschlands als günstig bewertet, in der atlantischen Region als ungünstig.
Feinde und Gefährdung
Gefahren: Für Biber in Deutschland sind heute vor allem Menschen gefährlich:
- Tod im Straßenverkehr und auf Bahngleisen
- Ausbau von Gewässern und Bebauung von Flussauen
- Ertrinken in Fischreusen
- Hochwasser, bei dem Jungtiere im Bau ertrinken können
- illegale Tötung und die Zerstörung von Dämmen und Bauen
Gefährdungsstatus weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Europäische Biber als nicht gefährdet (Least Concern) (Batbold et al., 2021).
Konflikte: Wo Felder, Wälder oder Wege bis direkt ans Wasser reichen, kommt es manchmal zu Konflikten, zum Beispiel wenn Biberdämme Flächen unter Wasser setzen. Bayern hat deshalb ein Bibermanagement eingerichtet. Für Schäden stehen dort jedes Jahr 660.000 Euro zur Verfügung. In Konfliktfällen können die Behörden Ausnahmen genehmigen und Biber entnehmen lassen. Breite, naturnahe Uferstreifen helfen, viele Konflikte zu vermeiden.
Europäischer und Kanadischer Biber
Der Kanadische Biber (Castor canadensis) stammt aus Nordamerika. Äußerlich ist er dem Europäischen Biber in Größe und Gewicht sehr ähnlich, und auch seine Lebensweise ist fast gleich. Trotzdem sind beide eigene Arten: Der Kanadische Biber hat 40 Chromosomen, der Europäische Biber 48. Deshalb können sich die beiden Arten nicht miteinander kreuzen.
In Europa wurde der Kanadische Biber früher ausgesetzt oder ist aus Gehegen entkommen. Größere Bestände gibt es heute in Finnland, kleinere auch in Deutschland, vor allem in Rheinland-Pfalz. Das ist ein Problem: Der Kanadische Biber wird früher geschlechtsreif und bekommt mehr Junge. Wo beide Arten zusammen vorkommen, kann er den Europäischen Biber verdrängen. Er steht deshalb auf der Liste der invasiven Arten der EU, und seine weitere Ausbreitung soll verhindert werden.
Häufige Fragen zum Biber
Wie groß und schwer wird ein Biber?
Ein erwachsener Europäischer Biber wird mit Schwanz etwa 1,30 m lang, der Schwanz allein misst bis zu 40 cm. Er wiegt bis etwa 30 kg. Damit ist er das größte Nagetier Europas.
Was frisst ein Biber?
Biber fressen nur Pflanzen. Im Sommer sind das vor allem Kräuter, Gräser, Wasserpflanzen und Blätter, im Winter hauptsächlich Rinde und Zweige von Weiden, Pappeln und anderen Gehölzen. Fische fressen Biber nicht.
Warum bauen Biber Dämme?
Der Eingang zu ihrer Wohnung soll immer unter Wasser liegen, damit er geschützt ist. Mit Dämmen stauen Biber das Wasser so hoch auf, dass das auch in Bächen mit wenig Wasser gelingt. Den Wasserstand regeln sie dabei selbst.
Hält der Biber Winterschlaf?
Nein. Biber fressen sich einen Winterspeck an und legen unter Wasser einen Vorrat aus Ästen an. Auch im Winter fressen sie, vor allem Rinde und Zweige.
Wie viele Biber gibt es in Deutschland?
In Deutschland leben nach Schätzungen des BUND Naturschutz über 40.000 Biber. Allein in Bayern sind es laut Umweltministerium etwa 25.000 Tiere in rund 7.500 Revieren. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nur noch einen kleinen Rest an der Mittelelbe.
Wie lange kann ein Biber tauchen?
Ein Biber kann bis zu 20 Minuten unter Wasser bleiben. Dabei verschließt er Ohren und Nasenlöcher, und eine durchsichtige Nickhaut schützt seine Augen. Sein dichtes Fell hält ihn auch im kalten Wasser warm.
Ähnliche Tiere
- Biberratte - die Nutria, oft mit dem Biber verwechselt, hat aber einen runden Schwanz
- Bisamratte - ein viel kleineres Nagetier am Wasser
- Otter - ein Marder, der am Wasser lebt und Fische jagt
- Capybara - das einzige Nagetier, das größer ist als der Biber
- Riesenbiber - ein ausgestorbener Verwandter aus der Eiszeit
- Schnabeltier - lebt ebenfalls im Wasser und hat einen breiten, flachen Schwanz
Quellen
- Biber (Castor fiber) - Artenportrait, Bundesamt für Naturschutz
- Biber Steckbrief - BUND Naturschutz in Bayern
- Europäischer Biber: Verbreitung und Rückkehr - BUND Naturschutz in Bayern
- Schriftliche Anfrage „Biber in Bayern“ und Antwort des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, Drucksache 19/1453 (2024) - Bayerischer Landtag
- Castor canadensis - Kanadischer Biber - Neobiota Austria
- Batbold, J. et al. (2021): Castor fiber. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Ein Biber erreicht eine Körpergröße von 90 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Biber ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Biber bringt 30 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg).