Bilche

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Haselmaus mit orangebraunem Fell und großen schwarzen Augen klettert zwischen Blättern und orangeroten Beeren
Danielle Schwarz / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Bilche, auch Schläfer oder Schlafmäuse genannt, sind kleine Nagetiere mit meist buschigem Schwanz. Sie klettern geschickt, sind nachts unterwegs und verschlafen bei uns den halben Winter oder länger. In Deutschland leben vier Arten: Siebenschläfer, Haselmaus, Gartenschläfer und Baumschläfer. Der Gartenschläfer ist in vielen Gegenden verschwunden und heute stark gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameGliridae
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Unterklasse: Höhere Säugetiere
  • Überordnung: Euarchontoglires
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Unterordnung: Hörnchenverwandte
  • Familie: Bilche (Gliridae)
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge je nach Art bis etwa 19 cm, dazu ein oft fast ebenso langer Schwanz; Baumschläfer 8 bis 13 cm; Gartenschläfer 12 bis 17 cm plus 10 bis 14 cm Schwanz
KörpergewichtHaselmaus 15 bis 35 g, Baumschläfer 18 bis 34 g, Gartenschläfer 50 bis 120 g (vor dem Winterschlaf bis 130 g); der Siebenschläfer ist der größte heimische Bilch
ErnährungAllesfresser: Früchte, Nüsse, Samen, Knospen und Pollen, dazu Insekten und andere Wirbellose; manche Arten auch Vogeleier, Jungvögel oder junge Mäuse
LebenserwartungJe nach Art meist bis etwa 4 bis 6 Jahre; Siebenschläfer in freier Wildbahn bis 12 Jahre
SozialverhaltenMeist Einzelgänger; manche Arten überwintern zu mehreren in einem Nest
HerkunftAlte Welt: Europa, Asien und Afrika
Verbreitung Afrika südlich der Sahara, Europa bis Südskandinavien, Asien bis Südchina und Japan; in Deutschland Siebenschläfer, Haselmaus, Gartenschläfer und Baumschläfer AfrikaAsienEuropa
SonstigesGruppenseite ohne eigene Gefährdungseinstufung. Rote Liste der IUCN: Siebenschläfer und Haselmaus nicht gefährdet (LC, 2021), Baumschläfer nicht gefährdet (LC, 2016), Gartenschläfer gefährdet (VU, 2024). In Deutschland gilt der Gartenschläfer als stark gefährdet (Rote Liste 2020).

Was sind Bilche?

Bilche sind eine Familie der Nagetiere. Man nennt sie auch Schläfer oder Schlafmäuse, weil die Arten aus kühleren Gegenden einen langen Winterschlaf halten. Obwohl manche Bilche „Maus“ im Namen tragen, wie die Haselmaus, sind sie keine echten Mäuse. Im Aussehen erinnern viele eher an kleine Eichhörnchen.

Weltweit gibt es knapp 30 Bilcharten in neun Gattungen. Fachleute teilen sie in drei Unterfamilien ein. Früher war die Familie viel größer: Seit dem Eozän sind mehr als 30 Bilch-Gattungen ausgestorben.

Bilche leben nur in der Alten Welt: in Afrika südlich der Sahara, in Europa bis nach Südskandinavien und in Asien bis nach Südchina und Japan. Sie bewohnen Wälder, Gebüsche, Savannen, Ufer, Felsen, Gärten und Felder.

In Deutschland kommen vier Arten vor. Diese Seite stellt die Familie vor und beschreibt die heimischen Bilche. Ausführlich geht es um den größten von ihnen auf der Seite Siebenschläfer.

Die heimischen Bilche im Überblick

ArtErkennungsmerkmalGewichtRote Liste Deutschland 2020
Siebenschläfer (Glis glis)größter heimischer Bilch, buschiger Schwanz(siehe Siebenschläfer)ungefährdet
Haselmaus (Muscardinus avellanarius)kleinster Bilch Europas, goldgelb bis orange15 bis 35 gVorwarnliste
Gartenschläfer (Eliomys quercinus)schwarze „Zorro-Maske“ um die Augen, schwarz-weiße Schwanzquaste50 bis 120 gstark gefährdet
Baumschläfer (Dryomys nitedula)graubraun bis gelblich braun, buschiger, flacher Schwanz18 bis 34 gextrem selten

Aussehen und Körperbau

Bilche sind kleine bis mittelgroße Nagetiere. Je nach Art messen sie ohne Schwanz bis zu etwa 19 Zentimeter. Ihr Körper ist kompakt, das Fell dicht und weich. Die meisten Arten haben einen buschig behaarten Schwanz. Nur zwei Gattungen haben einen spärlich behaarten Schwanz.

Die Beine sind eher kurz, die Füße breit und mit kurzen, gebogenen Krallen versehen. An den Vorderfüßen haben Bilche vier Finger, an den Hinterfüßen fünf Zehen. Die meisten Arten sind gute Kletterer. Bilche haben scharfe Sinne: Sie sehen, hören, riechen und tasten gut. Einige Arten tragen auffällige schwarze Zeichnungen im Gesicht.

Der Gartenschläfer hat einen besonderen Schutz vor Feinden: Seine Schwanzhaut hat eine Sollbruchstelle. Packt ein Feind ihn am Schwanz, reißt die Haut ab, und der Bilch kann entkommen.

Ernährung

Bilche sind Allesfresser. Sie fressen Früchte, Nüsse und Samen, aber auch Insekten und andere wirbellose Tiere. Manche Arten plündern Vogelnester und fressen Eier oder Jungvögel, gelegentlich auch kleine Nagetiere.

Anders als die meisten anderen Nagetiere haben Bilche keinen Blinddarm. Deshalb können sie faserreiche Pflanzenteile kaum verdauen. Sie sind auf energiereiche Kost angewiesen, etwa auf Beeren, Samen und tierisches Futter. Im Winter gibt es davon kaum etwas. Das ist ein wichtiger Grund für ihren langen Winterschlaf.

Verhalten und Winterschlaf

Bilche sind nachts und in der Dämmerung aktiv. Tagsüber schlafen sie in kugelförmigen Nestern aus Pflanzenteilen, die in Bäumen, Sträuchern, Felsspalten, Bauen anderer Tiere oder sogar in Häusern liegen. Bei Gefahr beißen sie kräftig zu, fauchen oder springen hoch in die Luft. Ihre häufigsten Feinde sind Eulen.

Im Herbst fressen sich die Bilche aus kühleren Gegenden eine dicke Fettschicht an. Dann fallen sie in einen langen Winterschlaf. Ihr Herz schlägt dabei sehr langsam, die Atmung setzt minutenlang aus, und ihre Körpertemperatur sinkt fast auf den Gefrierpunkt. Beim Gartenschläfer kann sie sogar auf minus 1 Grad fallen, sein Herz schlägt dann nur noch zweimal pro Minute. Manche Bilche legen Vorräte an und wachen im Winter gelegentlich auf, um davon zu fressen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Bilche bekommen ihre Jungen im Frühling und Sommer. Ein Weibchen bringt ein- bis zweimal im Jahr 2 bis 10 Junge zur Welt, je nach Art. Die Tragzeit dauert 21 bis 30 Tage. Die Jungen kommen nackt und blind in einem weich gepolsterten Nest zur Welt. Nach etwa drei Wochen öffnen sie die Augen, nach vier bis sechs Wochen sind sie selbstständig. Bei Haselmaus und Gartenschläfer kümmert sich nur die Mutter um die Jungen.

In Jahren mit wenig Nahrung können Siebenschläfer ganz auf Nachwuchs verzichten. Das spart Kraft und ist vermutlich ein Grund, warum sie in freier Wildbahn bis zu 12 Jahre alt werden können. Andere Bilche werden meist höchstens vier bis sechs Jahre alt.

Haselmaus: Kletterkünstlerin in der Strauchschicht

Die Haselmaus ist der kleinste Bilch Europas. Sie wiegt nur 15 bis 35 Gramm und ähnelt in der Größe einer Wald- oder Gelbhalsmaus. Ihr Fell ist ockerfarben bis leuchtend gelb-orange, Kehle und Bauch sind weiß. Der gut 6 Zentimeter lange, dicht behaarte Schwanz ist etwa so lang wie der Körper.

Haselmäuse leben in naturnahen Wäldern, an Waldrändern und in Hecken mit dichten Sträuchern. Sie klettern selbst an dünnsten Zweigen und glatten Stämmen. Dabei können sie ihre Finger und eine Zehe gegenüberstellen und so fest zugreifen, obwohl sie keinen echten Daumen haben. Den Tag verschlafen sie in faustgroßen Kugelnestern aus Laub und Gras.

Ihr Speiseplan wechselt mit den Jahreszeiten: im Frühjahr Pollen und Knospen, im Sommer Beeren und Früchte, im Herbst fetthaltige Samen wie Haselnüsse und Bucheckern, dazu Insekten. Haselnüsse öffnet die Haselmaus auf ganz eigene Weise: Sie nagt ein kreisrundes Loch in die Schale und führt die Nagezähne dabei parallel zur Lochkante. An solchen Nüssen erkennt man sicher, dass hier eine Haselmaus lebt.

Fast ein halbes Jahr verbringt die Haselmaus im Winterschlaf in einem Nest am Boden. Zwischen zwei Atemzügen können dann bis zu elf Minuten liegen. Weibchen bekommen nach 22 bis 24 Tagen Tragzeit zwei bis fünf Junge, die bei der Geburt nur 2 bis 3 Gramm wiegen. Haselmäuse werden bis zu sechs Jahre alt.

Gartenschläfer: der kleine „Zorro“

Den Gartenschläfer erkennt man an seiner schwarzen Augenmaske, die bis zu den großen Ohren reicht. Sein Rücken ist rotbraun bis grau, der Bauch weiß. Der Schwanz endet in einer schwarz-weißen Quaste. Der Körper misst 12 bis 17 Zentimeter, der Schwanz 10 bis 14 Zentimeter.

Trotz seines Namens lebte der Gartenschläfer ursprünglich in felsigen Nadel- und Mischwäldern. In Deutschland kommt er heute in zwei sehr unterschiedlichen Lebensräumen vor: In den Hochlagen von Harz, Fichtelgebirge und Bayerischem Wald lebt er in Wäldern mit Felsen und Totholz. Im Südwesten, etwa in den Tälern von Rhein und Mosel, lebt er dagegen in Gärten, Weinbergen und Obstwiesen, oft mitten in Ortschaften. Er klettert sogar an Hauswänden hoch, verbringt aber mehr Zeit am Boden als andere Bilche.

Gartenschläfer fressen Käfer, Tausendfüßer, Spinnen, Würmer und Schnecken ebenso wie Beeren und Früchte, manchmal auch junge Mäuse, kleine Vögel oder Eier. In der Paarungszeit im Frühjahr pfeifen, murmeln und keckern sie die ganze Nacht. Ab Mai bekommen die Weibchen meist vier bis sechs Junge. Von Oktober bis April halten Gartenschläfer Winterschlaf.

Warum der Gartenschläfer verschwindet

Die Bestände des Gartenschläfers sinken dramatisch. In den letzten 30 Jahren ist er aus etwa der Hälfte seines früheren Verbreitungsgebiets verschwunden. In Deutschland gilt er nach der Roten Liste von 2020 als stark gefährdet. In Sachsen ist er seit 2007 ausgestorben oder verschollen. Weltweit stuft ihn die Rote Liste der IUCN seit 2024 als gefährdet (VU) ein.

Um die Gründe zu finden, führten der BUND, die Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung bis 2024 sechs Jahre lang das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ durch. Viele Menschen halfen als Bürgerforschende mit. Die Ergebnisse:

  • In seinen natürlichen Lebensräumen, den Wäldern, findet der Gartenschläfer offenbar nicht mehr genug Nahrung und Verstecke.
  • Er lebt deshalb zunehmend in Städten, während die Bestände in den Mittelgebirgen drastisch zurückgehen.
  • Rattengift und Pflanzenschutzmittel spielen offenbar eine Rolle. Keiner der untersuchten Gartenschläfer war frei von Schadstoffen.

Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung bieten Monokulturen aus Nadelbäumen zu wenig Deckung und zu wenig Käfer, Raupen, Schnecken, Beeren oder Früchte. Auch der Verlust natürlicher Streuobstwiesen und die Zersiedelung der Landschaft haben seinen Lebensraum verändert. In Gärten und Siedlungen lauern weitere Gefahren: Viele Tiere ertrinken in offenen Regentonnen, verfangen sich in Netzen an Obstbäumen, fressen Giftköder oder werden von Hauskatzen erbeutet. Wer Regentonnen abdeckt, auf Rattengift verzichtet und Hecken, Wildsträucher und Steinhaufen stehen lässt, hilft dem Gartenschläfer direkt.

Baumschläfer und Siebenschläfer

Der Baumschläfer ist in Deutschland der seltenste Bilch. Er ist nur aus Bayern bekannt. Seit 1988 wurde er hier nur noch zweimal nachgewiesen: 1993 bei Garmisch-Partenkirchen und 2010 im Landkreis Rosenheim. Die Rote Liste stuft ihn als extrem selten ein. Der Baumschläfer ähnelt dem Gartenschläfer, ist aber kleiner: Ohne Schwanz misst er 8 bis 13 Zentimeter und wiegt 18 bis 34 Gramm. Er lebt in dichten Laub- und Mischwäldern, klettert sehr geschickt und springt bis zu zwei Meter weit von Ast zu Ast. Vermutlich reagiert er empfindlich auf zunehmende Trockenheit.

Der Siebenschläfer ist der größte heimische Bilch und erinnert wie viele Bilche an ein kleines Eichhörnchen. Seinen Namen verdankt er einem rund siebenmonatigen Winterschlaf. In Deutschland gilt er als ungefährdet. In Teilen Europas werden Siebenschläfer wegen ihres Fells und ihres Fleisches gefangen, das dort als Delikatesse gilt. Mehr über ihn steht auf der Seite Siebenschläfer.

Häufige Fragen zu Bilchen

Welche Bilche gibt es in Deutschland?

In Deutschland leben vier Bilcharten: Siebenschläfer, Haselmaus, Gartenschläfer und Baumschläfer. Der Baumschläfer ist extrem selten und nur aus Bayern bekannt.

Ist die Haselmaus eine Maus?

Nein. Die Haselmaus ähnelt zwar in der Größe einer Maus, gehört aber zur Familie der Bilche. Anders als echte Mäuse hat sie einen dicht behaarten Schwanz und hält einen langen Winterschlaf.

Wie lange halten Bilche Winterschlaf?

Das hängt von der Art ab. Haselmäuse schlafen fast ein halbes Jahr, Gartenschläfer von Oktober bis April. Der Siebenschläfer schläft rund sieben Monate.

Was fressen Bilche?

Bilche sind Allesfresser. Sie fressen Früchte, Nüsse, Samen, Knospen und Insekten, manche Arten auch Vogeleier oder junge Mäuse. Faserreiche Pflanzenteile können sie kaum verdauen, weil ihnen ein Blinddarm fehlt.

Warum ist der Gartenschläfer gefährdet?

In den Wäldern findet er nicht mehr genug Nahrung und Verstecke. Dazu kommen Rattengift, Pflanzenschutzmittel und Gefahren in Gärten wie offene Regentonnen und Hauskatzen. In 30 Jahren ist er aus etwa der Hälfte seines Verbreitungsgebiets verschwunden.

Wie erkenne ich einen Gartenschläfer?

Am besten an der schwarzen Augenmaske, die wie bei Zorro um die Augen bis zu den Ohren reicht, und an der schwarz-weißen Quaste am Schwanzende. Der Siebenschläfer hat keine solche Maske.

Ähnliche Tiere

  • Siebenschläfer - der größte heimische Bilch, ausführlich vorgestellt
  • Eichhörnchen - sieht manchen Bilchen ähnlich, hält aber keinen Winterschlaf
  • Gleithörnchen - ein nachtaktiver Kletterer unter den Hörnchen
  • Murmeltier - ein Nagetier, das ebenfalls monatelang Winterschlaf hält
  • Maus - echte Mäuse, mit denen die Haselmaus oft verwechselt wird
  • Hamster - ein weiteres Nagetier, das Vorräte anlegt

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Bilche
19 cm

Stell dir vor, du stellst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) neben einen Bilche: Der Bilche ist um einiges größer. Neben einem Fußball (22 cm) wirkt er mit seinen 19 cm aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist der Bilche etwa 8-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.