Binturong
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Kurz erklärt
Der Binturong ist ein zotteliges, schwarzes Raubtier aus den Regenwäldern Süd- und Südostasiens. Er sieht aus wie eine Mischung aus Bär und Katze, gehört aber zu den Schleichkatzen. Mit seinem langen Greifschwanz hält er sich beim Klettern an Ästen fest. Er frisst vor allem Früchte, und sein Urin riecht nach Popcorn.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Arctictis binturong |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 60 bis 97 cm, dazu ein fast ebenso langer Schwanz von 50 bis 89 cm |
| Körpergewicht | Meist 9 bis 20 kg, Weibchen etwa 20 Prozent schwerer als Männchen; der Smithsonian's National Zoo nennt 11 bis 36 kg |
| Ernährung | Allesfresser, vor allem Früchte wie Feigen; dazu kleine Säugetiere, Vögel, Fische, Insekten, Eier, Aas, Blätter und Triebe |
| Lebenserwartung | In freier Wildbahn etwa 16 bis 18 Jahre, in Zoos bis 25 Jahre |
| Sozialverhalten | Meist Einzelgänger; Weibchen leben zeitweise mit ihren Jungen zusammen |
| Herkunft | Süd- und Südostasien |
| Verbreitung | Von Indien, Nepal und Bhutan über China und Hinterindien bis Malaysia, die Philippinen und Indonesien (Sumatra, Java) Asien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1821 durch Raffles |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016) |
Was ist ein Binturong?
Der Binturong (Arctictis binturong) ist ein Raubtier aus Asien. Wer ihn zum ersten Mal sieht, weiß oft nicht, ob er einen Bären, eine Katze oder gar einen Affen vor sich hat. Deshalb heißt er auch Marderbär oder Bärenkatze, auf Englisch „bearcat“. Mit Bären oder Katzen ist er aber nicht näher verwandt.
Tatsächlich gehört der Binturong zur Familie der Schleichkatzen (Viverridae). In dieser Familie ist er der größte Vertreter. Zu seinen Verwandten zählen zum Beispiel die Zibetkatzen und die Ginsterkatzen. Er ist die einzige Art seiner Gattung Arctictis.
Woher kommt der Name? Das Wort „Binturong“ stammt aus einer örtlichen Sprache. Was es ursprünglich bedeutet hat, weiß heute niemand mehr, denn diese Sprache ist ausgestorben.
Aussehen und Körperbau
Der Binturong ist etwa so groß wie ein mittelgroßer Hund. Sein Körper ist niedrig, breit und muskulös. Er hat ein Gesicht wie eine Katze und einen Körper, der an einen Bären erinnert.
Fell: Das lange, raue und zottelige Fell ist meist schwarz oder dunkelbraun. Oft haben die Haare weiße, silberne oder rostrote Spitzen. Dadurch wirkt der Binturong grau meliert. Auffällig sind die langen, steifen weißen Schnurrhaare, die Haarbüschel an den Ohren und die rotbraunen Augen.
Größe und Gewicht: Kopf und Rumpf sind zusammen 60 bis 97 cm lang. Dazu kommt ein Schwanz von 50 bis 89 cm, also fast noch einmal so lang wie der Körper. Die meisten Binturongs wiegen 9 bis 20 kg. Die Angaben schwanken je nach Quelle: Der Zoo San Diego nennt 13 bis 22 kg, der Smithsonian's National Zoo in Washington 11 bis 36 kg.
Weibchen sind größer: Beim Binturong sind die Weibchen etwa 20 Prozent größer und schwerer als die Männchen, und sie sind auch das dominante Geschlecht.
Füße: Der Binturong läuft wie ein Bär oder ein Mensch mit der ganzen Fußsohle auf dem Boden. Am Boden watschelt er deshalb ähnlich wie ein Bär. Seine Pfoten haben Ballen und lange Krallen, mit denen er sich an Ästen festhält.
Der Greifschwanz
Das wichtigste Werkzeug des Binturongs ist sein Greifschwanz. Er ist an der Wurzel sehr dick und muskulös. Das letzte Drittel kann greifen wie eine zusätzliche Hand. An der Schwanzspitze sitzt eine lederartige Stelle, die beim Festhalten an Ästen hilft.
Einzigartig: Der Binturong ist das einzige Säugetier aus Afrika, Asien und Europa mit einem Greifschwanz. Unter allen Raubtieren der Welt gibt es nur zwei Arten mit Greifschwanz: den Binturong und den Kinkajou.
Kopfüber klettern: Der Binturong kann seine Fußgelenke um 180 Grad drehen. So greifen seine Krallen auch dann, wenn er mit dem Kopf voran einen Baumstamm hinunterklettert. Der Schwanz hält ihn dabei zusätzlich am Ast fest. Junge Binturongs hat man schon nur am Schwanz hängend beobachtet. Erwachsene sind dafür zu schwer und halten sich zusätzlich mit einer oder zwei Pfoten fest.
Verbreitung und Lebensraum
Der Binturong lebt in den tropischen Wäldern Süd- und Südostasiens. Sein Verbreitungsgebiet umfasst Indien, Nepal, Bhutan, Bangladesch, China, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, Malaysia, die Philippinen und Indonesien. Auf den indonesischen Inseln Java und Sumatra ist er seltener.
Lebensraum: Er ist ein Baumbewohner und hält sich vor allem in den Kronen hoher, dichter Tropenwälder auf. In Laos bewohnt er ausgedehnte immergrüne Wälder, auf den Philippinen auch ursprüngliche und nachgewachsene Tieflandwälder mit Grasflächen. Er klettert und schläft in den Bäumen, kommt aber auch oft auf den Boden.
Ernährung
Der Binturong zählt zwar zu den Raubtieren und hat scharfe Zähne und Krallen, er frisst aber vor allem Früchte. Besonders wichtig sind Feigen, zum Beispiel die Früchte der Würgefeige.
Daneben frisst er, was er findet: kleine Säugetiere wie Nagetiere, Vögel, Fische, Würmer und Insekten, außerdem Eier, Aas, Blätter und junge Triebe. Er ist also ein Allesfresser.
Gärtner des Regenwalds: Mit seinem Kot verteilt der Binturong die Samen der Früchte im Wald. Manche Samen von Würgefeigen keimen sogar besser, nachdem sie durch seinen Darm gewandert sind. Fachleute sehen ihn deshalb als Schlüsselart für seinen Lebensraum.
Verhalten und Lebensweise
Nachts unterwegs: Binturongs sind vor allem nachtaktiv. In einer Studie waren sie besonders früh am Morgen zwischen 4 und 6 Uhr und abends zwischen 20 und 22 Uhr aktiv. Tagsüber schlafen sie hoch oben in den Bäumen, oft mit dem Schwanz um einen Ast gewickelt. Manchmal sonnen sie sich auch.
Langsame Kletterer: Binturongs klettern langsam und bedächtig durch die Äste. Für weite Sprünge von Baum zu Baum sind sie zu schwer. Meistens steigen sie deshalb auf den Boden hinab, um zum nächsten Baum zu gelangen. Sie können gut schwimmen und tauchen sogar nach Nahrung.
Einzelgänger: Binturongs leben meist allein und treffen sich nur zur Paarung. Manchmal bleibt ein Weibchen längere Zeit mit seinen Jungen zusammen. In einer Studie war das Streifgebiet eines Binturongs im Schnitt 6,2 km² groß. Die Gebiete überlappten sich zu etwa 35 Prozent. Die Tiere gehen sich eher aus dem Weg, als ihr Revier zu verteidigen.
Viele Laute: Zufriedene Binturongs schnauben, glucksen oder schnurren sogar. Fühlen sie sich gestört oder bedroht, stoßen sie Schreie wie eine Katze aus, fauchen, grunzen oder heulen.
Warum riecht der Binturong nach Popcorn?
Das ist wohl die bekannteste Besonderheit des Binturongs: Er riecht nach frischem Popcorn. Der Geruch kommt aus seinem Urin. Ein Forschungsteam aus den USA hat 2016 den Urin von 33 Binturongs aus Zoos untersucht. Darin fanden sie den Stoff 2-Acetyl-1-pyrrolin, kurz 2-AP. Derselbe Stoff gibt Popcorn seinen typischen Duft. Normalerweise entsteht er bei hohen Temperaturen. Die Forscher bezeichnen ihn deshalb als ungewöhnlichen Duftstoff für ein Säugetier.
Der Stoff kam bei allen untersuchten Tieren vor, bei Männchen aber in größerer Menge als bei Weibchen. Die Forscher vermuten, dass der Duft anderen Binturongs verrät, ob ein Männchen oder ein Weibchen hier war und ob es paarungsbereit ist.
Duftmarken: Binturongs setzen ihren Geruch als Botschaft ein. Neben dem Urin nutzen sie Duftdrüsen am Hinterteil. Wenn ein Binturong seinen Schwanz durch die Äste zieht, hinterlässt er eine Duftspur. So zeigt er anderen Binturongs, dass hier schon jemand wohnt.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Binturongs können sich das ganze Jahr über paaren. Oft bekommen die Weibchen zweimal im Jahr Nachwuchs.
Keimruhe: Weibliche Binturongs haben eine besondere Fähigkeit. Nach der Paarung nistet sich das befruchtete Ei nicht sofort in der Gebärmutter ein, sondern erst Tage oder Monate später. So kann das Weibchen die Geburt auf eine günstige Zeit legen. Fachleute nennen das verzögerte Einnistung oder Keimruhe.
Tragzeit und Geburt: Hat sich das Ei eingenistet, dauert die Tragzeit etwa 90 bis 92 Tage. Meist kommen zwei Junge zur Welt, manchmal bis zu sechs. Die Jungen wiegen bei der Geburt etwa 142 g und haben noch geschlossene Augen. In den ersten Tagen klammern sie sich im dichten Fell der Mutter fest.
Aufwachsen: Mit sechs bis acht Wochen sind die Jungen so groß wie eine Hauskatze, haben ein raues Fell und beginnen, feste Nahrung zu fressen und ihre Umgebung zu erkunden. Manchmal bleibt das Männchen nach der Geburt bei Weibchen und Jungen. Geschlechtsreif werden Binturongs mit etwa zweieinhalb Jahren.
Lebenserwartung: In freier Wildbahn werden Binturongs etwa 16 bis 18 Jahre alt, in Zoos bis zu 25 Jahre.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Weil er so groß ist und meist in den Bäumen lebt, hat der Binturong nur wenige natürliche Feinde. Bekannt sind der Tiger und der Rothund (Dhole).
Bedrohung durch den Menschen: Viel gefährlicher ist der Mensch. Die größte Gefahr ist der Verlust der Wälder, die für Holz und Ackerflächen gerodet werden. Damit verschwinden auch die Fruchtbäume, von denen der Binturong lebt. Außerdem werden Binturongs für ihr Fleisch gejagt, für die traditionelle asiatische Medizin und den Pelzhandel getötet oder als Haustiere gefangen.
Rote Liste: Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Binturong als gefährdet (Vulnerable) ein (IUCN, 2016). Zoos, zum Beispiel in den USA, halten ihn in Zuchtprogrammen, um die Art zu erhalten.
Häufige Fragen zum Binturong
Ist der Binturong ein Bär oder eine Katze?
Weder noch. Der Binturong gehört zur Familie der Schleichkatzen und ist deren größter Vertreter. Namen wie Marderbär oder Bärenkatze beschreiben nur sein Aussehen.
Warum riecht ein Binturong nach Popcorn?
Sein Urin enthält den Stoff 2-Acetyl-1-pyrrolin, der auch Popcorn seinen Duft gibt. Mit diesem Geruch markieren Binturongs ihr Gebiet und verständigen sich mit Artgenossen.
Was frisst ein Binturong?
Obwohl er ein Raubtier ist, frisst der Binturong vor allem Früchte, besonders Feigen. Dazu kommen kleine Tiere wie Nagetiere, Vögel, Fische und Insekten sowie Eier, Aas und Blätter.
Wie groß wird ein Binturong?
Der Körper wird 60 bis 97 cm lang, der Schwanz noch einmal 50 bis 89 cm. Die meisten Binturongs wiegen 9 bis 20 kg, die Weibchen sind größer als die Männchen.
Kann ein Binturong mit dem Schwanz greifen?
Ja. Das letzte Drittel seines Schwanzes kann greifen wie eine Hand. Der Binturong ist das einzige Säugetier der Alten Welt mit einem Greifschwanz.
Ist der Binturong vom Aussterben bedroht?
Die IUCN stuft ihn als gefährdet ein (2016). Das ist die erste der drei Gefährdungsstufen, die höchste Stufe „vom Aussterben bedroht“ gilt für ihn nicht. Seine Bestände leiden vor allem unter der Abholzung der Wälder, unter Jagd und unter dem Handel mit Wildtieren.
Ähnliche Tiere
- Malaiische Zibetkatze - eine weitere Schleichkatze aus Südostasien
- Afrikanische Zibetkatze - eine Schleichkatze aus Afrika
- Fossa - ein katzenähnliches Raubtier aus Madagaskar
- Roter Panda - ebenfalls ein Baumbewohner aus Asien
- Waschbär - der Binturong wird manchmal mit einem Waschbären ohne Maske verglichen
Quellen
- Binturong - San Diego Zoo Wildlife Alliance
- Binturong - Smithsonian's National Zoo and Conservation Biology Institute
- Arctictis binturong, binturong - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Binturong - Tier-Lexikon des Erlebnis-Zoo Hannover
- Greene, L. K. et al. (2016): Reproductive endocrine patterns and volatile urinary compounds of Arctictis binturong: discovering why bearcats smell like popcorn. The Science of Nature 103, 37
- Willcox, D. H. A. et al. (2016): Arctictis binturong. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Binturong: Der Binturong ist um einiges größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 60 bis 97 cm aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist der Binturong etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Binturong bringt 9 bis 20 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Binturong wiegt so viel wie etwa 4 Hauskatzen.