Bisamratte

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Bisamratte mit nassem dunkelbraunem Fell und langem, schuppigem Schwanz läuft über eine Eisfläche, ihr Spiegelbild ist im Eis zu sehen
David Menke / Wikimedia Commons / Public domain

Kurz erklärt

Die Bisamratte, kurz Bisam, ist keine echte Ratte, sondern eine große Wühlmaus. Sie lebt an Teichen, Seen, Flüssen und Gräben, schwimmt ausgezeichnet und frisst vor allem Wasserpflanzen. Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika. Seit etwa 1905 hat sie sich von Böhmen aus über fast ganz Europa ausgebreitet und gilt heute als invasive Art, weil sie Deiche untergräbt und seltene Muscheln frisst.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameOndatra zibethicus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
  • Familie: Wühler (Cricetidae)
  • Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
  • Gattung: Ondatra
  • Art: Bisamratte (Bisam)
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge bis 40 cm, dazu ein 20 bis 25 cm langer, seitlich abgeplatteter Schwanz
KörpergewichtMeist etwa 0,7 bis 1,8 kg, höchstens rund 2 kg; in Nordamerika im Durchschnitt etwa 1 kg
ErnährungÜberwiegend Pflanzenfresser: Wasser- und Uferpflanzen wie Rohrkolben, Binsen, Schachtelhalme und Laichkräuter, besonders deren Wurzeln; bei Nahrungsmangel und im Winter auch Muscheln, Krebse, Frösche und Fische
LebenserwartungEtwa 3 bis 4 Jahre
SozialverhaltenLebt in Revieren; das Weibchen versorgt die Jungen im Nest, bis sie nach etwa sechs Wochen selbstständig sind
HerkunftNordamerika
Verbreitung Ursprünglich Nordamerika von der Arktis bis Nordmexiko; eingeführt in Europa, im Norden Asiens bis China und Japan sowie in Südamerika (Argentinien und Chile) AsienEuropaNordamerikaSüdamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1766 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesSeit 2017 auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten der EU (Unionsliste). In Deutschland in allen Bundesländern nachgewiesen und seit dem Ersten Weltkrieg bekämpft.

Was ist eine Bisamratte?

Die Bisamratte (Ondatra zibethicus), in Fachtexten meist einfach Bisam genannt, ist ein Nagetier, das am und im Wasser lebt. Trotz ihres Namens ist sie keine echte Ratte. Sie gehört zu den Wühlmäusen und ist damit näher mit Feldmaus und Wasserratte verwandt als mit der Hausratte. Mit dem Biber ist sie nicht eng verwandt, obwohl sie wie er Burgen baut.

Ihre Heimat ist Nordamerika. Anfang des 20. Jahrhunderts brachten Menschen sie nach Europa. Seitdem hat sie sich über fast den ganzen Kontinent und bis nach Asien ausgebreitet. In Europa gilt sie als invasive Art.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz (BfN) wird die Bisamratte ohne Schwanz bis zu 40 cm lang und bis zu 2 kg schwer. Der Schwanz misst 20 bis 25 cm. Die meisten Tiere wiegen etwa 0,7 bis 1,8 kg. In Nordamerika wiegt ein ausgewachsenes Tier im Durchschnitt etwa 1 kg.

Körperform: Die Bisamratte wirkt rundlich und gedrungen. Der kurze, dicke Kopf geht fast ohne sichtbaren Hals in den Körper über. Die kleinen Ohren verschwinden fast ganz im Fell.

Fell: Das Fell ist dicht und wasserabweisend. Unter den langen, glänzenden Deckhaaren liegt eine kurze, seidige Unterwolle, die Luft festhält. Das wärmt und lässt die Bisamratte im Wasser gut treiben. Die Farbe reicht von Schwarz über Dunkelbraun bis zu helleren Tönen, der Bauch ist heller.

Angepasst an das Wasser: Der Schwanz ist fast nackt, schuppig und seitlich abgeplattet. Beim Schwimmen dient er als Ruder, unter Wasser hilft er beim Antrieb. Die Hinterfüße haben keine Schwimmhäute. Stattdessen sitzen an den Rändern der Zehen steife Haare, die Schwimmborsten, die den Fuß zu einem Paddel machen. Die Nagezähne stehen vor den Lippen, und die Lippen schließen sich dahinter. So kann die Bisamratte unter Wasser Stängel und Wurzeln abbeißen, ohne dass Wasser in den Mund läuft.

Bisamratte, Biber oder Nutria?

Im Wasser sind die drei Nager schwer zu unterscheiden. Das beste Merkmal ist der Schwanz:

  • Bisamratte: Schwanz schmal und seitlich abgeplattet, wie ein hochkant gestelltes Lineal
  • Biber: viel größer, Schwanz breit und von oben nach unten abgeplattet, die Kelle
  • Nutria (Biberratte): größer als die Bisamratte, Schwanz rund

Verbreitung und Lebensraum

Heimat Nordamerika: Dort ist die Bisamratte eines der am weitesten verbreiteten Säugetiere. Sie lebt vom Nordpolarmeer bis zum Golf von Mexiko und von der Pazifik- bis zur Atlantikküste.

Eingeführt in Europa: Die Ausbreitung in Europa begann 1905, als in der Nähe von Prag einzelne Tiere freigelassen wurden. Später entkamen weitere Bisamratten aus Pelzfarmen in Frankreich und Belgien. Ohne weitere Hilfe eroberten sie in wenigen Jahrzehnten weite Teile Europas und breiteten sich nach Norden und Osten aus. Heute leben Bisamratten auch im Norden Asiens, in China und Japan. Außerdem wurden sie nach Südamerika gebracht und kommen heute in Argentinien und Chile vor.

In Deutschland: Der erste Nachweis in freier Natur stammt laut BfN aus dem Jahr 1914. Heute ist die Bisamratte in Deutschland weit verbreitet und in allen Bundesländern nachgewiesen.

Lebensraum: Die Bisamratte braucht Gewässer mit reichem Pflanzenwuchs am Ufer: Sümpfe, Teiche, Seen, langsam fließende Bäche, Flüsse und Gräben. Sie kommt auch an salzigem Wasser vor, das von den Gezeiten beeinflusst wird. Ideal ist Wasser, das so tief ist, dass es im Winter nicht bis zum Grund zufriert, aber flach genug, damit Wasserpflanzen wachsen, nach kanadischen Angaben etwa 1 bis 2 m.

Ernährung

Die Bisamratte frisst vor allem Pflanzen. Am liebsten mag sie Rohrkolben, dazu Binsen, Schachtelhalme, Laichkräuter, Seggen und Weiden. Besonders wichtig sind die Wurzeln der Wasserpflanzen. Sie nagt die Pflanzen ab und trägt sie zu einem geschützten Fressplatz.

Auch Tiere: Wenn Pflanzen knapp sind, frisst die Bisamratte auch Muscheln, Krebse, Frösche und Fische. In Europa geschieht das vor allem im Winter. Für seltene Arten wie die Flussperlmuschel, die Bachmuschel oder den Edelkrebs kann das zum Problem werden.

Fressen unter dem Eis: Im Winter sucht die Bisamratte ihr Futter unter der Eisdecke. Sie legt dafür große Strecken tauchend zurück. Entspannt kann sie bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben, weil sie ihren Herzschlag verlangsamt und Sauerstoff in den Muskeln speichert.

Verhalten und Lebensweise

Baue und Burgen: Wo das Ufer fest ist, gräbt die Bisamratte Gänge und Höhlen in die Böschung. Der Eingang liegt unter Wasser. In flachen Sümpfen baut sie stattdessen Burgen aus Pflanzen und Schlamm. Eine einfache Burg ist etwa 0,5 bis 1 m hoch und hat eine Wohnkammer. Größere Burgen mit mehreren Kammern werden bis zu 1,5 m hoch und 1,8 m breit.

Winter: Im Herbst bessert die Bisamratte ihre Burg aus. Nach dem Zufrieren nagt sie Löcher ins Eis und deckt sie mit Pflanzen ab. Diese kleinen Hügel dienen ihr als Rast- und Fressplätze bei den Tauchgängen. Der Winter ist für sie eine ruhige Zeit: Sie verbringt ihn vor allem mit Schlafen und Fressen, geschützt vor Kälte und den meisten Feinden.

Aktivität und Verständigung: Bisamratten sind vor allem in der Dämmerung aktiv. Männchen und Weibchen haben zwei Drüsen an der Unterseite des Schwanzansatzes, die einen gelblichen, nach Moschus riechenden Stoff bilden. Damit markieren sie Wege, Burgen und Kotplätze. Daher kommt der englische Name „Muskrat“, Moschusratte. Die Tiere leben in Revieren.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarungszeit: Im Norden paaren sich Bisamratten im Frühjahr und Sommer, im Süden ihres Verbreitungsgebiets das ganze Jahr über. In Kanada beginnt die Paarung nach der Eisschmelze im März, April oder Mai. Feste Paare bilden die Tiere nicht.

Viele Würfe: Die Tragzeit dauert 25 bis 30 Tage. Ein Wurf umfasst je nach Quelle 4 bis 8 oder 5 bis 10 Junge. Oft bekommt ein Weibchen einen Monat nach dem ersten Wurf schon den nächsten und manchmal noch einen dritten. Je nach Region und Nahrung sind zwei bis sechs Würfe im Jahr möglich. In Kanada kommen die letzten Jungen im August zur Welt.

Die Jungen: Neugeborene Bisamratten sind blind, nackt und hilflos, entwickeln sich aber schnell. Nach einer Woche haben sie ein dünnes Fell, nach zwei Wochen öffnen sie die Augen. Mit drei Wochen schwimmen und tauchen sie und werden entwöhnt. Mit etwa sechs Wochen sind sie selbstständig. Im Frühjahr nach ihrer Geburt pflanzen sie sich selbst fort.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Bisamratten werden von vielen Tieren gejagt. In Nordamerika ist das vor allem der Mink, außerdem Füchse, Kojoten, Wölfe, Waschbären, Greifvögel, Eulen, Hechte und Schnappschildkröten. Auch Fuchs, Iltis und Hermelin, die in Europa leben, erbeuten Bisamratten.

Kurzes Leben: Die meisten Bisamratten sterben jung. Mit drei bis vier Jahren gelten sie bereits als alt.

Schwankende Bestände: In Nordamerika brechen die Bestände etwa alle sieben bis zehn Jahre stark ein und erholen sich danach wieder. Die Ursache ist noch nicht geklärt.

Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Bisamratte als nicht gefährdet (Least Concern) (Cassola, 2016). In Kanada war sie trotz starker Pelzjagd nie gefährdet.

Die Bisamratte als invasive Art in Europa

Seit dem 2. August 2017 steht die Bisamratte auf der Unionsliste der EU. Das ist eine Liste invasiver Arten, die der Natur in Europa schaden. Für solche Arten gelten Verbote für Haltung, Handel und Transport, und die Länder müssen die Folgen eindämmen.

Welche Schäden richtet sie an?

  • Deiche und Ufer: Ihre Gänge können Ufer, Deiche, Dämme und Wege unterhöhlen, bis sie einbrechen. Das ist beim Hochwasserschutz ein großes Problem.
  • Pflanzen: Wo viele Bisamratten leben, fressen sie Röhricht und Wasserpflanzen stellenweise kahl.
  • Seltene Tiere: Sie fressen gefährdete Muscheln und Krebse.
  • Krankheiten: Bisamratten können Zwischenwirt des Fuchsbandwurms sein. In seltenen Fällen haben sich Bisamfänger beim Abhäuten mit Krankheiten wie Leptospirose oder Tularämie angesteckt.

Was wird getan? In Deutschland wird die Bisamratte seit dem Ersten Weltkrieg bekämpft, heute ist das Aufgabe der Bundesländer. Sie wird fast nur mit Fallen gefangen, oft von hauptberuflichen und ehrenamtlichen Bisamfängern. Wie groß der Aufwand ist, zeigt ein Beispiel: In Niedersachsen wurden 2016 rund 120.700 Bisamratten gefangen. Nach Einschätzung der Bundesländer gelingt das Ausrotten aber höchstens für kurze Zeit und an einzelnen Orten, weil immer neue Tiere einwandern. Ein wichtiges Ziel ist deshalb, dass Bisamratten keine neuen Inseln in Nord- und Ostsee besiedeln.

Häufige Fragen zur Bisamratte

Ist die Bisamratte eine Ratte?

Nein. Die Bisamratte ist eine große Wühlmaus. Nur ihr langer, fast nackter Schwanz erinnert an eine Ratte.

Wie groß wird eine Bisamratte?

Ohne Schwanz wird sie bis zu 40 cm lang, der Schwanz misst 20 bis 25 cm. Sie wiegt meist 0,7 bis 1,8 kg, höchstens etwa 2 kg.

Was frisst eine Bisamratte?

Vor allem Wasser- und Uferpflanzen wie Rohrkolben, Binsen und Schachtelhalme, besonders deren Wurzeln. Bei Futtermangel und im Winter frisst sie auch Muscheln, Krebse, Frösche und Fische.

Wie kam die Bisamratte nach Europa?

1905 wurden bei Prag einzelne Bisamratten freigelassen. Später entkamen weitere Tiere aus Pelzfarmen in Frankreich und Belgien. Von dort breiteten sie sich selbst über fast ganz Europa aus.

Warum ist die Bisamratte schädlich?

Ihre Gänge untergraben Deiche und Ufer, was den Hochwasserschutz gefährdet. Außerdem frisst sie Röhricht und seltene Muscheln. Deshalb steht sie auf der EU-Liste invasiver Arten.

Wie unterscheidet man Bisamratte und Nutria?

Die Nutria ist deutlich größer und hat einen runden Schwanz. Der Schwanz der Bisamratte ist seitlich abgeplattet.

Ähnliche Tiere

  • Biber - ein viel größerer Nager, der ebenfalls Burgen baut
  • Biberratte - die Nutria, eine weitere eingeschleppte Art am Wasser
  • Wasserratte - eine heimische Wühlmaus, die am Wasser lebt
  • Ratte - die echten Ratten, mit denen die Bisamratte nur den Namen teilt
  • Waschbär - eine weitere invasive Art aus Nordamerika

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Bisamratte
40 cm

Eine Bisamratte erreicht eine Körpergröße von 40 cm. Damit passt sie bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Bisamratte
700 g bis 2 kg

Eine Bisamratte bringt 700 g bis 2 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Die Bisamratte wiegt so viel wie etwa 3 Fußbälle.