Blässhuhn
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Kurz erklärt
Das Blässhuhn ist ein schwarzer Wasservogel mit weißem Schnabel und einem weißen Fleck auf der Stirn, der Blesse. Obwohl es Huhn heißt und wie eine Ente schwimmt, gehört es zu den Rallen und ist näher mit dem Kranich verwandt. Statt Schwimmhäuten hat es breite Lappen an den Zehen. Man sieht es das ganze Jahr auf Seen, Teichen und Flüssen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Fulica atra |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 36 bis 42 cm |
| Körpergewicht | Im Mittel 880 g; Männchen durchschnittlich etwa 970 g, Weibchen etwa 750 g (BTO, Großbritannien) |
| Ernährung | Allesfresser, überwiegend pflanzlich: Wasserpflanzen, Algen, Gras und Getreide; dazu Weichtiere, Insekten, Krebstiere, kleine Fische und Abfälle |
| Lebenserwartung | Im Durchschnitt etwa 5 Jahre nach Erreichen des Brutalters; ältester beringter Vogel in Großbritannien 15 Jahre und 3 Monate (BTO) |
| Sozialverhalten | Zur Brutzeit Paare mit eigenem Revier, außerhalb der Brutzeit in Trupps, im Winter oft zu Hunderten oder Tausenden |
| Herkunft | Europa, Nordafrika, Asien und Australien |
| Verbreitung | Von Europa und Nordafrika über Mittel- und Südasien bis China und Australien; in Deutschland ganzjährig AfrikaAsienEuropaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019) |
| Sonstiges | In Deutschland brüten 61.000 bis 105.000 Paare, die Art gilt hier als nicht gefährdet (NABU). Die Gattung der Blässhühner (Fulica) umfasst etwa zehn Arten. |
Was ist ein Blässhuhn?
Das Blässhuhn (Fulica atra), oft auch Blesshuhn geschrieben, ist einer der bekanntesten Wasservögel in Mitteleuropa. Fast auf jedem See, Teich oder Kanal kann man es beobachten, auch mitten in der Stadt. Sein Name kommt von der Blesse: So heißt der weiße Fleck auf der Stirn, der zusammen mit dem weißen Schnabel aus dem schwarzen Gefieder heraussticht.
Trotz seines Namens ist das Blässhuhn kein Huhn und auch keine Ente. Es gehört zur Familie der Rallen und ist laut NABU näher mit dem Kranich verwandt als mit Hühnern. Die meisten Rallen leben versteckt im Schilf. Das Blässhuhn ist dagegen laut, gesellig und schwimmt gern auf offenem Wasser. Nach Angaben der Schweizerischen Vogelwarte ist es von allen Rallen am stärksten ans Wasser gebunden und selbst in der Mitte größerer Seen zu finden.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Blässhuhn ist 36 bis 42 cm groß. In Großbritannien wiegen erwachsene Blässhühner im Mittel 880 g. Männchen sind mit durchschnittlich etwa 970 g schwerer als Weibchen mit etwa 750 g.
Gefieder: Der Körper ist rundlich und breit. Das Gefieder ist schiefergrau, der Kopf schwarz.
Kopf: Auffällig sind der weiße Schnabel mit leicht rosa Spitze und das weiße Stirnschild. Die Augen haben eine rote Iris. Das Stirnschild besteht aus durchblutetem, verhorntem Gewebe und kann nachwachsen, wenn es abgenutzt ist. Es ist ein Signal an Artgenossen: Tiere in guter Verfassung haben ein größeres, gesünderes Schild.
Füße: Besonders sind die großen Füße mit den langen Zehen. Statt Schwimmhäuten wie bei Enten trägt jede Zehe breite Schwimmlappen. Beim Paddeln spreizen sie sich auf, beim Zurückziehen des Fußes klappen sie zusammen. So schwimmt und taucht das Blässhuhn sehr gut. Mit diesen Füßen kann es sogar gut über Seerosen laufen. In der Gattung der Blässhühner, zu der weltweit etwa zehn Arten gehören, haben alle Arten solche Lappen. Darin unterscheiden sie sich von den übrigen Rallen.
Verbreitung und Lebensraum
Das Blässhuhn lebt in großen Teilen der Alten Welt: von Europa über Mittel- und Südasien bis nach China und Australien. Auch in Nordafrika brütet es.
In Deutschland kann man Blässhühner das ganze Jahr beobachten. Der NABU bezeichnet sie als Jahresvögel und Kurzstreckenzieher. Im Winter kommen Vögel aus dem Nordosten dazu und überwintern bei uns. Blässhühner aus kalten Gegenden ziehen nach Süden, wenn ihre Seen zufrieren. Die meisten Blässhühner in gemäßigten Regionen bleiben aber das ganze Jahr in ihrem Gebiet.
Lebensraum: Blässhühner besiedeln stehende und langsam fließende Süßgewässer mit Schwimmpflanzen oder Pflanzen am Ufer, zum Beispiel Seen, Teiche, Kanäle, Flüsse und Sumpfland. Am liebsten sind ihnen flache Gewässer mit Pflanzen, die aus dem Wasser ragen. Mit nährstoffreichen Seen und Stadtteichen kommen sie gut zurecht. Im Winter sammeln sie sich auf eisfreien Gewässern und erscheinen auch an der Meeresküste. Auf den großen Seen in Süddeutschland und der Schweiz überwintern sie in großen Scharen, oft zusammen mit Enten.
Ernährung
Das Blässhuhn ist ein Allesfresser, frisst aber vor allem Pflanzen. Auf dem Speiseplan stehen Wasserpflanzen, Algen, Schilf, Gras und Getreide. Dazu kommen Weichtiere wie Schnecken und Muscheln, Insekten, Krebstiere und kleine Fische. An Stadtteichen nimmt es auch Abfälle. Gelegentlich erbeutet es sogar Eier und Küken anderer Wasservögel.
So sucht es Futter: Das Blässhuhn hat viele Methoden. Es gründelt wie eine Ente, schabt Algen ab oder taucht. Beim Tauchen reißt es am Grund Pflanzen ab und frisst sie erst, wenn es wieder an der Oberfläche ist. Darum lebt es am liebsten auf eher flachen Gewässern. Im Winter weidet es auch an Land und rupft kurzes Gras in der Nähe des Ufers.
Verhalten und Lebensweise
Laut und gesellig: Blässhühner fallen durch ihre Rufe auf. Typisch ist ein lautes „tück“, seltener ein scharfes „pix“. Weibchen lassen außerdem ein bellendes „köw“ hören. Außerhalb der Brutzeit leben Blässhühner in Trupps. Im Winter bilden sie oft dichte Schwärme aus Hunderten oder sogar Tausenden Vögeln.
Streit ums Revier: Zur Brutzeit ändert sich das. Jedes Paar verteidigt dann sein Revier sehr heftig. Bei Kämpfen schlagen die Rivalen mit den Flügeln aufs Wasser, liegen dabei teils fast auf dem Rücken und versuchen, sich mit ihren großen Füßen zu treten. Lautes Platschen auf dem Teich ist deshalb oft ein Zeichen für einen Revierstreit.
Schwimmen und Fliegen: Zum Abflug braucht es einen langen Anlauf: Es rennt platschend über die Wasseroberfläche und schlägt kräftig mit den Flügeln, bis es abhebt. Ist es einmal in der Luft, fliegt es gut. Vögel aus dem Norden legen auf dem Zug nach Süden Hunderte Kilometer zurück.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Das Nest: Das Paar baut sein Nest gemeinsam in der Ufervegetation, oft am oder im Schilf. Meist ist es ein schwimmender Haufen aus Halmen, Schilf und Blättern von Wasserpflanzen.
Eier: In Großbritannien legt ein Weibchen meist 5 bis 7 Eier, beobachtet wurden 3 bis 11. Andere Quellen nennen 4 bis 12 oder 6 bis 10 Eier. Ein Ei ist etwa 52 mm lang und wiegt rund 36 g. Meist gibt es eine Brut im Jahr, ausnahmsweise zwei.
Brüten: Männchen und Weibchen brüten abwechselnd, etwa 21 bis 24 Tage lang. Die Küken schlüpfen nicht alle gleichzeitig, sondern nacheinander.
Die Küken: Junge Blässhühner sehen ihren Eltern kaum ähnlich. Sie tragen schwarze Daunen mit orangen oder gelben Spitzen, Kopf und Hals wirken rostrot. Schon kurz nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Ist die Brut groß und das Futter knapp, teilen die Eltern die Küken manchmal auf, und jeder Elternteil kümmert sich um eine Gruppe. In mageren Zeiten kann es passieren, dass die Eltern das schwächste Küken töten. Ältere Junge sind braun mit hellem Vorderhals. Nach etwa 55 bis 60 Tagen können sie fliegen.
Kuckucks-Trick: Manche Weibchen legen zusätzliche Eier in das Nest eines Nachbarpaares, ähnlich wie es der Kuckuck tut.
Feinde und Gefährdung
Feinde: Im Winter sind Blässhühner eine bevorzugte Beute des Seeadlers.
Lebensdauer: Nach Ringfunden in Großbritannien wird ein Blässhuhn, das das Brutalter erreicht, im Durchschnitt etwa 5 Jahre alt. Die meisten brüten zum ersten Mal mit zwei Jahren. Der älteste dort beringte Vogel wurde 15 Jahre und 3 Monate alt. Dieser Rekord stammt aus dem Jahr 1978.
Situation in Deutschland: Laut NABU brüten in Deutschland 61.000 bis 105.000 Paare. Die Art gilt als nicht gefährdet, der Bestand ist mit einem Minus von 8 Prozent stabil.
Weltweit: Das Blässhuhn gehört zu den Gewinnern der vom Menschen veränderten Landschaft, weil es gut mit nährstoffreichen Seen und Stadtteichen zurechtkommt. Die Bestände sind meist stabil oder wachsen. Auf der Roten Liste der IUCN gilt es als nicht gefährdet (Least Concern), so die Einstufung von BirdLife International aus dem Jahr 2019.
Häufige Fragen zum Blässhuhn
Ist das Blässhuhn eine Ente?
Nein. Das Blässhuhn schwimmt zwar wie eine Ente, gehört aber zur Familie der Rallen und zur Ordnung der Kranichvögel. Statt Schwimmhäuten hat es Schwimmlappen an den Zehen.
Warum heißt das Blässhuhn so?
Wegen der Blesse, dem weißen Fleck auf der Stirn. Fachleute nennen ihn Stirnschild. Mit Hühnern ist das Blässhuhn trotz seines Namens nicht näher verwandt.
Was frisst ein Blässhuhn?
Vor allem Pflanzen: Wasserpflanzen, Algen, Schilf, Gras und Getreide. Dazu frisst es Schnecken, Muscheln, Insekten, Krebstiere und kleine Fische. Sein Futter holt es sich oft tauchend vom Grund.
Wie groß und wie schwer wird ein Blässhuhn?
Ein Blässhuhn ist 36 bis 42 cm groß. Erwachsene Vögel wiegen im Mittel knapp 900 g, Männchen sind etwas schwerer als Weibchen.
Wo brütet das Blässhuhn?
Im Schilf und in Pflanzen am Ufer von Seen, Teichen und langsam fließenden Gewässern. Das Nest schwimmt meist auf dem Wasser. Beide Eltern bauen es und brüten die Eier aus.
Kann ein Blässhuhn fliegen?
Ja. Zum Starten braucht es aber einen langen Anlauf, bei dem es über das Wasser rennt. In der Luft fliegt es gut, und Vögel aus dem Norden ziehen im Winter Hunderte Kilometer nach Süden.
Ähnliche Tiere
- Teichrallen - die Teichralle wird oft mit dem Blässhuhn verwechselt
- Kranich - ein Verwandter aus der Ordnung der Kranichvögel
- Ente - mit Enten teilt sich das Blässhuhn im Winter oft die Gewässer
- Schwan - ein weiterer bekannter Wasservogel an Seen und Teichen
Quellen
- Blässhuhn - NABU Vogelporträt
- Coot (Fulica atra) - BirdFacts, British Trust for Ornithology
- Taylor, B., Kirwan, G. M. & Goodman, D. D. (2026): Eurasian Coot (Fulica atra), version 1.1. Birds of the World, Cornell Lab of Ornithology
- Bleßhühner - Lexikon der Biologie, Spektrum.de
- Blässhuhn - Vögel der Schweiz, Schweizerische Vogelwarte
- BirdLife International (2019): Fulica atra. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben ein Blässhuhn: Das Blässhuhn ist größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt es mit seinen 36 bis 42 cm aber wiederum deutlich kleiner.
Gewichtsvergleich
Ein Blässhuhn bringt 630 g bis 1,21 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg).