Blauwal

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Schwarz-Weiß-Luftaufnahme eines Blauwals, der mit seinem langen, schlanken Körper und der breiten Schwanzflosse dicht unter der Wasseroberfläche schwimmt
NOAA Fisheries (TBjornstad 11:17, 18 April 2007 (UTC)) / Wikimedia Commons / Public domain

Kurz erklärt

Der Blauwal ist das größte Tier der Erde. Er kann über 30 Meter lang und weit über 100 Tonnen schwer werden. Trotzdem frisst er fast nur Krill, winzige Krebstiere, die er mit seinen Barten aus dem Wasser siebt. Durch die Jagd im 20. Jahrhundert wäre er beinahe ausgestorben, heute ist er streng geschützt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameBalaenoptera musculus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Überordnung: Laurasiatheria
  • Ordnung: Wale
  • Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
  • Familie: Furchenwale (Balaenopteridae)
  • Gattung: Balaenoptera
  • Art: Blauwal
Körpergröße20 bis 33,5 m
KörpergewichtJe nach Unterart und Größe von rund 45 bis etwa 150 Tonnen und mehr, das schwerste gewogene Tier wog 190 Tonnen
ErnährungFleischfresser: fast nur Krill (kleine Krebstiere), selten Ruderfußkrebse und kleine Fische
LebenserwartungGeschätzt 80 bis 90 Jahre
SozialverhaltenMeist allein oder zu zweit, manchmal in kleinen Gruppen
HerkunftUnbekannt
Verbreitung Alle Ozeane außer dem Arktischen Ozean Meer
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungEN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018)
SonstigesDie Körpergröße ist die Gesamtlänge. Blauwale im Südpolarmeer werden größer als Blauwale im Nordatlantik und Nordpazifik, Weibchen größer als Männchen.

Was für ein Tier ist der Blauwal?

Der Blauwal (Balaenoptera musculus) ist kein Fisch, sondern ein Säugetier. Er atmet Luft durch ein Blasloch auf dem Kopf, bringt lebende Junge zur Welt und säugt sie mit Milch.

Blauwale gehören zu den Bartenwalen. Diese Wale haben keine Zähne, sondern Hornplatten im Oberkiefer, die Barten. Damit sieben sie ihre Nahrung aus dem Wasser. Innerhalb der Bartenwale zählt der Blauwal zur Familie der Furchenwale. Zu ihr gehören auch der Finnwal, der Buckelwal und der Zwergwal. Der Blauwal ist der größte von ihnen und das größte Tier, das heute auf der Erde lebt.

Früher stellten Biologen die Wale in eine eigene Ordnung. Heute wissen sie, dass Wale mit den Paarhufern verwandt sind, ihr nächster lebender Verwandter ist das Flusspferd. Viele Fachleute zählen die Wale deshalb zur Ordnung der Paarhufer.

Unterarten

Die Society for Marine Mammalogy erkennt vier Unterarten des Blauwals an (Stand 2026):

  • Nördlicher Blauwal (B. m. musculus): Nordatlantik und Nordpazifik
  • Antarktischer Blauwal (B. m. intermedia): Südpolarmeer, die größte Unterart
  • Zwergblauwal (B. m. brevicauda): vor allem nördlich des Südpolarmeers, besonders häufig vor Australien, Madagaskar und Neuseeland
  • Blauwal des nördlichen Indischen Ozeans (B. m. indica)

Blauwale im Südostpazifik vor Chile unterscheiden sich ebenfalls von den übrigen. Sie gelten als mögliche fünfte Unterart, haben aber noch keinen anerkannten wissenschaftlichen Namen. Die US-Behörde NOAA zählt sie deshalb als „unbenannte Unterart“ mit und spricht von fünf Unterarten. Wie Blauwale am besten eingeteilt werden, ist unter Forschern noch umstritten.

Aussehen und Körperbau

Länge: Ausgewachsene Blauwale sind meist 20 bis 30 Meter lang. Im Durchschnitt messen erwachsene Männchen etwa 25 Meter, Weibchen etwa 27 Meter. Weibchen sind also etwas größer. Im Nordatlantik und Nordpazifik werden Blauwale bis etwa 27 Meter lang, im Südpolarmeer bis etwa 33,5 Meter.

Gewicht: Wie schwer ein Blauwal ist, hängt stark von Unterart und Größe ab. Die US-Behörde NOAA gibt für Blauwale im Nordatlantik und Nordpazifik mehr als 100.000 Pfund an, das sind rund 45 Tonnen. Antarktische Blauwale wiegen laut NOAA mehr als 330.000 Pfund, also rund 150 Tonnen. Guinness World Records nennt für einen ausgewachsenen Blauwal etwa 160 Tonnen. Das ist ungefähr so viel wie 29 Afrikanische Elefanten zusammen.

Farbe: Die Haut ist blaugrau und hell gesprenkelt. Unter Wasser wirkt der Wal hellblau, daher kommt sein Name. Das Fleckenmuster ist bei jedem Tier anders, Forscher erkennen einzelne Blauwale daran wieder. Auf dem Bauch siedeln sich oft winzige Algen an. Sie färben ihn gelblich. Im Englischen heißt der Blauwal deshalb auch „sulphur-bottom“, also Schwefelbauch.

Körperform: Der Körper ist lang und schlank. Der Kopf ist breit und vorne abgerundet, der Oberkiefer ist der breiteste in seiner Gattung. Die Rückenfinne sitzt weit hinten und ist mit etwa 35 Zentimetern im Verhältnis zum Körper winzig. Vom Kinn bis über den Nabel verlaufen 50 bis 90 Kehlfurchen. Diese Hautfalten erlauben es dem Wal, seinen Kehlsack beim Fressen wie einen Ballon aufzublähen.

Blas: Wenn ein Blauwal an der Oberfläche ausatmet, steigt eine Fontäne aus Atemluft und Wassertröpfchen fast 10 Meter hoch.

Verbreitung und Lebensraum

Blauwale leben in allen Ozeanen außer dem Arktischen Ozean. Sie halten sich meist im offenen Meer auf. Wo genau sie sich aufhalten, hängt vor allem davon ab, wo es viel Krill gibt.

Die meisten Blauwale wandern mit den Jahreszeiten:

  • Im Sommer fressen sie in kalten Gewässern nahe den Polen, wo es große Krillschwärme gibt.
  • Im Winter ziehen sie in wärmere Meere Richtung Äquator. Dort paaren sie sich und bringen ihre Kälber zur Welt.

Nicht alle Blauwale wandern jedes Jahr. Im nördlichen Indischen Ozean lebt zum Beispiel ein Bestand, der das ganze Jahr in der Region bleibt. Im Golf von Kalifornien sieht man von Dezember bis März regelmäßig Mütter mit Kälbern. Forscher halten das Gebiet deshalb für eine wichtige Kinderstube.

Ernährung

Das größte Tier der Welt ernährt sich von einem der kleinsten: Krill. Das sind garnelenähnliche Krebstiere, die in riesigen Schwärmen leben. Im Südpolarmeer frisst der Blauwal vor allem den Antarktischen Krill, der kleiner als 7 Zentimeter ist. Gelegentlich erwischt er auch Ruderfußkrebse oder kleine Fische.

So frisst er: Der Blauwal schwimmt mit offenem Maul auf einen Krillschwarm zu. Dabei dehnt sich sein Kehlsack und füllt sich mit einer gewaltigen Menge Wasser samt Krill. Dann schließt er das Maul und drückt das Wasser mit der Zunge wieder hinaus. Die Barten halten den Krill zurück wie ein Sieb, und der Wal schluckt ihn herunter.

Wie viel? Ein erwachsener Blauwal frisst mehrere Tonnen Krill am Tag. Das Animal Diversity Web nennt 3 bis 4 Tonnen, laut NOAA können besonders große Tiere bis zu 6 Tonnen am Tag fressen. Meist sucht er seine Nahrung in weniger als 100 Metern Tiefe.

Verhalten und Lebensweise

Blauwale sind meist allein oder zu zweit unterwegs, manchmal auch in kleinen Gruppen. Beim Fressen und Wandern schwimmen sie etwa 8 Kilometer pro Stunde. Für kurze Zeit schaffen sie mehr als 30 Kilometer pro Stunde. Ein normaler Tauchgang dauert 10 bis 20 Minuten.

Laute Riesen: Blauwale gehören zu den lautesten Tieren der Erde. Sie erzeugen sehr tiefe Pulse, Brummen und Stöhnen. Manche Töne liegen bei nur 14 Hertz und damit unter dem, was Menschen hören können. Unter günstigen Bedingungen hören andere Wale diese Laute vermutlich noch in bis zu rund 1.600 Kilometern Entfernung. Forscher nehmen an, dass Blauwale sich so verständigen und sich vielleicht auch in der dunklen Tiefe orientieren.

Das Gehör ist gut entwickelt. Sehen und Riechen spielen dagegen nur eine kleine Rolle.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Über die Paarung der Blauwale weiß man nur wenig. Sie findet meist im Winter in den wärmeren Meeresgebieten statt.

  1. Tragzeit: Das Weibchen ist etwa 10 bis 12 Monate trächtig. Für ein so großes Tier ist das erstaunlich kurz.
  2. Geburt: Das Kalb kommt im Winter in warmem Wasser zur Welt. Es ist schon 6 bis 8 Meter lang und wiegt bis zu 3 Tonnen. Zwillinge sind sehr selten.
  3. Säugen: Das Kalb trinkt die Milch seiner Mutter und kann dabei bis zu 90 Kilogramm am Tag zunehmen.
  4. Entwöhnung: Nach etwa 6 bis 8 Monaten hört das Kalb auf zu saugen. Dann ist es rund 16 Meter lang.

Blauwale werden mit etwa 5 bis 15 Jahren geschlechtsreif. Ein Weibchen bekommt etwa alle 2 bis 3 Jahre ein Kalb. Um den Nachwuchs kümmert sich nur die Mutter.

Wie alt werden Blauwale? Forscher schätzen die Lebenserwartung auf 80 bis 90 Jahre. Das Alter toter Wale bestimmen sie zum Beispiel anhand von Ohrenschmalz-Pfropfen: Darin lagern sich wie bei Baumringen jedes Jahr neue Schichten ab.

Rekorde

  • Schwerster Blauwal: Ein Weibchen, das am 20. März 1947 im Südpolarmeer gefangen wurde, wog 190 Tonnen. Es war 27,6 Meter lang.
  • Längster Blauwal: Ein Weibchen, das 1909 an der Walfangstation Grytviken auf Südgeorgien angelandet wurde, war umgerechnet etwa 33,57 Meter lang.
  • Größtes Herz: Das Herz eines 24 Meter langen Blauwals, der 2014 an der Küste von Neufundland in Kanada angespült wurde, wog 199,5 Kilogramm. Es ist heute im Royal Ontario Museum in Kanada ausgestellt.
  • Riesige Lunge: Die Lungen eines Blauwals fassen zusammen etwa 5.000 Liter Luft.
  • Nicht das längste Tier: Der Blauwal ist das schwerste Tier der Erde, aber vermutlich nicht das längste. Laut Guinness World Records hält diesen Rekord ein Schnurwurm (Lineus longissimus): Ein Tier, das 1864 in Schottland angespült wurde, soll 55 Meter lang gewesen sein. Weil sich diese Würmer stark dehnen und zusammenziehen können, ist so eine Messung aber unsicher.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Ausgewachsene Blauwale haben wegen ihrer Größe kaum natürliche Feinde. Kälber können aber von Schwertwalen und großen Haien angegriffen werden.

Walfang: Lange blieben Blauwale von der Jagd weitgehend verschont, weil sie sehr groß und schnell sind und weit draußen im Meer leben. Erst neue Technik, die zwischen etwa 1860 und 1920 entwickelt wurde, machte die Jagd auf sie möglich. Im 20. Jahrhundert wurden schätzungsweise rund 350.000 Blauwale getötet, vor allem wegen ihres Fetts, aus dem man Öl gewann. In den 1960er-Jahren stand die Art kurz vor dem Aussterben. Nach der Fangsaison 1965/66 wurde der Blauwal unter Schutz gestellt. Seit 1986 gilt außerdem ein weltweites Verbot für den kommerziellen Walfang.

Heutige Gefahren: Die größten Gefahren sind heute Zusammenstöße mit Schiffen und das Verfangen in Fischereigeräten wie Netzen und Fallen. Weitere mögliche Gefahren sind Unterwasserlärm, Verschmutzung, die Veränderung des Lebensraums und der Klimawandel.

Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Blauwal als stark gefährdet (Endangered) (IUCN, 2018). Bei der Einstufung 2018 ging man von etwa 5.000 bis 15.000 erwachsenen Blauwalen weltweit aus. Das ist nur ein kleiner Teil des Bestands vor dem Walfang. Laut NOAA nehmen die Bestände weltweit aber wieder zu.

Häufige Fragen zum Blauwal

Wie groß ist ein Blauwal?

Ausgewachsene Blauwale sind meist 20 bis 30 Meter lang, Weibchen im Durchschnitt etwa 27 Meter, Männchen etwa 25 Meter. Im Südpolarmeer werden sie am größten, der längste bekannte Blauwal maß etwa 33,57 Meter. Ein durchschnittlicher Blauwal ist laut Guinness World Records etwa so lang wie zwei Doppeldeckerbusse hintereinander.

Wie schwer ist ein Blauwal?

Ein ausgewachsener Blauwal wiegt oft weit über 100 Tonnen, für Antarktische Blauwale nennt die NOAA rund 150 Tonnen und mehr. Blauwale aus dem Nordatlantik und Nordpazifik sind leichter. Der schwerste jemals gewogene Blauwal wog 190 Tonnen.

Was frisst ein Blauwal?

Blauwale fressen fast nur Krill, kleine garnelenähnliche Krebstiere. Sie filtern ihn mit ihren Barten aus dem Meerwasser. Ein erwachsenes Tier frisst mehrere Tonnen Krill am Tag.

Wo lebt der Blauwal?

Blauwale leben in allen Ozeanen außer dem Arktischen Ozean, meist im offenen Meer. Im Sommer fressen die meisten in kalten Gewässern nahe den Polen, im Winter ziehen sie in wärmere Meere, um ihre Jungen zu bekommen.

Wie alt wird ein Blauwal?

Forscher schätzen, dass Blauwale 80 bis 90 Jahre alt werden können. Das Alter bestimmen sie bei toten Walen zum Beispiel anhand der Schichten im Ohrenschmalz.

Ist der Blauwal das größte Tier der Welt?

Ja, der Blauwal ist das größte und schwerste heute lebende Tier. Bei der Länge wird er aber vermutlich übertroffen: Laut Guinness World Records soll ein Schnurwurm 55 Meter lang gewesen sein. Dieser Wurm ist allerdings dünn wie eine Schnur, und seine Länge lässt sich nur schwer genau messen.

Ähnliche Tiere

  • Finnwal - ein naher Verwandter und nach dem Blauwal der zweitgrößte Wal
  • Buckelwal - ebenfalls ein Furchenwal, bekannt für seine Gesänge
  • Zwergwal - ein deutlich kleinerer Verwandter aus der Familie der Furchenwale
  • Pottwal - der größte Zahnwal
  • Walhai - der größte Fisch, frisst ebenfalls Plankton

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Blauwal
20 bis 33,5 m

Der Blauwal ist mit 20 bis 33,5 m ein wahrer Riese der Tierwelt. Selbst ein Haus (10 m) wirkt daneben klein - der Blauwal ist etwa 3-mal so groß!

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Blauwal
45 bis 150 t

Der Blauwal ist mit 45 bis 150 t ein absolutes Schwergewicht der Tierwelt. Ein Schulbus (12 t) wirkt dagegen federleicht - der Blauwal wiegt etwa 8-mal so viel!