Blobfisch
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Kurz erklärt
Der Blobfisch ist ein Tiefseefisch aus dem Meer vor Australien. Er lebt in 600 bis 1.200 Metern Tiefe, wird je nach Quelle 30 bis 38 cm lang und bewegt sich kaum. Berühmt wurde er durch ein Foto eines gallertartigen, traurig wirkenden Klumpens. So sieht er aber nur an Land aus: In der Tiefe ist er ein ganz normal geformter Fisch.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Psychrolutes marcidus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 30 cm |
| Körpergewicht | Keine verlässlichen Angaben |
| Ernährung | Fleischfresser: vermutlich wirbellose Tiere vom Meeresboden |
| Lebenserwartung | Unbekannt |
| Sozialverhalten | Kaum erforscht |
| Herkunft | Unbekannt |
| Verbreitung | Tiefes Wasser vor Australien und Tasmanien, in 600 bis 1.200 m Tiefe AustralienMeer |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1926 durch Allan Riverstone McCulloch |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | FishBase nennt 30 cm als Maximallänge, die Datenbank Fishes of Australia 38 cm. Das weltbekannte Foto von „Mr Blobby“ zeigt eine andere Art derselben Familie. |
Warum sieht der Blobfisch so aus?
Fast jeder kennt das Bild: ein rosa-grauer Klumpen mit hängender Nase, Hautfalten und traurigem Blick. Dieses Foto ist der Grund dafür, dass der Blobfisch berühmt wurde. Nur zeigt es kein lebendes Tier in seiner Umgebung.
Der Blobfisch lebt in 600 bis 1.200 Metern Tiefe. Dort drückt das Wasser rund 60- bis 120-mal so stark wie an der Meeresoberfläche. Sein Körper ist an diesen Druck angepasst: weich, wasserreich und ohne kräftiges Skelett. Unter Wasser, in seiner Tiefe, sieht er aus wie ein ganz normaler, etwas dickköpfiger Fisch. Fotos und Videos von Tauchrobotern zeigen genau das.
Zieht ein Fischernetz das Tier an die Oberfläche, fällt dieser Druck plötzlich weg. Der weiche Körper hält seine Form nicht mehr, die lockere Haut sackt zusammen, und übrig bleibt der bekannte Klumpen. Das Australian Museum in Sydney schreibt dazu deutlich: Der Körper dieser Fische ist schlaff und einfach nicht dafür gemacht, außerhalb des Wassers zu sein. Der Blobfisch ist also nicht hässlich, er ist tot und aus seiner Welt gerissen.
Aussehen und Körperbau
Der wissenschaftliche Name lautet Psychrolutes marcidus. Der zweite Namensteil kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „welk“ oder „schlaff“ und beschreibt die lockere Haut.
- Größe: FishBase gibt als Maximallänge 30 cm an, die australische Fischdatenbank Fishes of Australia nennt 38 cm.
- Kopf: Er ist rund, groß und macht etwa 40 Prozent der Körperlänge aus. Daher heißt die Familie auf Deutsch Dickkopf-Groppen und auf Englisch „fathead sculpins“.
- Körper: Vorn sehr breit und abgeflacht, nach hinten schmaler werdend.
- Haut: Schuppenlos, glatt, locker und schlaff. Die Seitenlinie, ein Sinnesorgan der Fische, ist nur am Kopf deutlich zu erkennen.
- Farbe: Einheitlich blassbraun bis grau.
- Flossen: Die beiden Rückenflossen stecken in dicker Haut und wirken dadurch wie eine einzige lange Flosse. Die Brustflossen sind groß, die Bauchflossen klein.
- Zähne: Anders als oft behauptet ist der Blobfisch nicht zahnlos. In beiden Kiefern sitzen breite Bänder aus winzigen, bürstenartigen Zähnen.
Gallertgewebe statt Muskeln: Viele Tiefseefische tragen unter der Haut eine Schicht aus gallertartigem Gewebe. Eine Untersuchung an neun Arten ergab, dass dieses Gewebe zu rund 96,5 Prozent aus Wasser besteht und nur winzige Mengen Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate enthält. Fast alle untersuchten Proben schwammen in kaltem Meerwasser auf, waren also leichter als Wasser. Solches Gewebe ist für den Körper billig zu bilden und hilft beim Schweben. Genau das passt zum Blobfisch: viel Masse, wenig Muskeln, kaum Energieverbrauch.
Verbreitung und Lebensraum
Psychrolutes marcidus lebt nur vor Australien. Die Nachweise reichen von der Küste Queenslands im Osten bis vor Westaustralien und schließen die Gewässer um Tasmanien ein. Der Fisch hält sich am Kontinentalhang auf, also dort, wo der flache Schelf ins tiefe Meer abfällt, und lebt dort direkt am Boden.
Gesehen wird die Art selten. Die meisten Exemplare landen als unerwünschter Beifang in Schleppnetzen der Tiefseefischerei. Zur gleichen Familie gehören weitere Arten, die im Atlantik, im Indischen Ozean und im Pazifik zwischen etwa 100 und 2.800 Metern Tiefe leben.
Ernährung
Über die Nahrung des Blobfischs ist wenig bekannt. Das Australian Museum berichtet, dass im Magen von Fischen dieser Familie Schnecken gefunden wurden. Wahrscheinlich frisst der Blobfisch, was ihm vor das Maul kommt: kleine Krebstiere, Weichtiere und andere wirbellose Tiere, die am Meeresboden leben oder von oben herabsinken.
Zum Jagen ist er nicht gebaut. Ohne kräftige Muskeln kann er keiner Beute hinterherschwimmen. Die US-Meeresbehörde NOAA formuliert es in einer Sendung für Kinder so: Gefressen hat noch niemand einen Blobfisch gesehen, aber Fachleute nehmen an, dass er einfach sein großes Maul öffnet und kleine Teilchen hineintreiben lässt. Ein Tier, das Beute jagt, ist er jedenfalls nicht. Das spart Energie, und Energie ist in der Tiefsee knapp: Es gibt dort kein Sonnenlicht, keine Pflanzen und damit nur das Futter, das aus höheren Wasserschichten herabrieselt.
Fortpflanzung
Ehrliche Antwort: Man weiß es nicht. Laut Australian Museum sind weder die Eier noch die Larven des Blobfischs jemals beschrieben worden. Von anderen Arten der Familie auf der Nordhalbkugel ist bekannt, dass ihre Eier am Boden festkleben.
Gut dokumentiert ist dagegen das Verhalten eines nahen Verwandten, der Blob-Groppe (Psychrolutes phrictus) aus dem Nordpazifik. Mit dem Tauchroboter „Tiburon“ beobachteten Forschende des Monterey Bay Aquarium Research Institute zwischen 2000 und 2002 am Gorda-Steilhang vor Kalifornien Dutzende dieser Fische, die ihre Gelege bewachten. Die Eier liegen als große violette Flecken auf Felsblöcken, die Elterntiere direkt daneben oder darauf. Ein einzelnes Nest kann nach Schätzung der Forschenden bis zu 100.000 Eier enthalten. Es war das erste Mal, dass ein Tiefseefisch überhaupt beim Bewachen seiner Eier beobachtet wurde. Die Blob-Groppe wird etwa 60 cm lang und ist damit deutlich größer als der australische Blobfisch.
Wie der Blobfisch berühmt wurde
Mr Blobby, 2003: Auf der Forschungsfahrt NORFANZ zog das Schiff „Tangaroa“ im Juni 2003 am Norfolk-Rücken nordwestlich von Neuseeland aus 1.013 bis 1.340 Metern Tiefe einen Fisch an Bord. Die Besatzung taufte ihn „Mr Blobby“. Das Foto des 28,5 cm langen Tieres ging um die Welt. Zwei Dinge daran werden fast immer falsch erzählt: Erstens gehört Mr Blobby zu einer anderen Art derselben Familie, nämlich Psychrolutes microporos. Zweitens zeigt das berühmte Foto den frisch gefangenen Fisch. Beim späteren Konservieren straffte sich seine Haut, die „Knollennase“ schrumpfte, und das bekannte traurige Gesicht verschwand. Der Fisch liegt heute in der Fischsammlung des Australian Museum.
Hässlichstes Tier der Welt, 2013: Die britische Ugly Animal Preservation Society suchte 2013 in einer Internetabstimmung ein Maskottchen. Die Organisation verbindet Komik mit Wissenschaft und will auf bedrohte Arten aufmerksam machen, die nicht niedlich aussehen. Der Blobfisch setzte sich unter anderem gegen Kakapo, Axolotl und Nasenaffe durch, und zwar mit einem Vorsprung von fast 10.000 Stimmen. Seitdem trägt er den Titel „hässlichstes Tier der Welt“. Der Titel hat ihm genutzt: Kaum ein anderer Tiefseefisch ist heute so bekannt.
Gefährdung
Die Weltnaturschutzunion IUCN hat Psychrolutes marcidus bisher nicht bewertet (Status NE, Stand: September 2026). Das heißt nicht, dass die Art sicher ist, sondern nur, dass die Daten für eine Einstufung fehlen.
Fachleute sehen zwei Probleme. Erstens die Grundschleppnetzfischerei: Netze, die über den Meeresboden gezogen werden, fangen den Blobfisch als Beifang mit. Zweitens der Klimawandel: Fische dieser Familie sind Kaltwasserbewohner. Steigen die Meerestemperaturen, wird ihr Lebensraum kleiner. Untersucht ist das für die Gruppe bisher nicht.
Häufige Fragen zum Blobfisch
Wie sieht ein Blobfisch in Wirklichkeit aus?
In seiner Tiefe von 600 bis 1.200 Metern sieht er aus wie ein normaler Fisch mit dickem Kopf, großen Brustflossen und glatter Haut. Der bekannte Klumpen entsteht erst, wenn das Tier an die Oberfläche geholt wird und der Wasserdruck wegfällt.
Wie groß wird ein Blobfisch?
Meist bleibt er unter 30 cm. FishBase nennt 30 cm als Maximallänge, die Datenbank Fishes of Australia 38 cm. Verlässliche Angaben zum Gewicht gibt es nicht. Häufig genannte Zahlen von mehreren Kilogramm lassen sich mit keiner wissenschaftlichen Quelle belegen.
Wo lebt der Blobfisch?
Ausschließlich in den tiefen Gewässern rund um Australien, von Queensland über Tasmanien bis Westaustralien. Er lebt am Kontinentalhang direkt über dem Meeresboden. Andere Arten derselben Familie kommen weltweit vor.
Was frisst ein Blobfisch?
Vermutlich wirbellose Bodentiere wie kleine Krebse, Schnecken und Muscheln. Genau untersucht wurde das noch nicht. Sicher ist, dass er kein aktiver Jäger ist, sondern auf Beute wartet, die nah genug herankommt.
Warum heißt der Blobfisch „hässlichstes Tier der Welt“?
Diesen Titel bekam er 2013 bei einer Abstimmung der britischen Ugly Animal Preservation Society. Die Organisation suchte ein Maskottchen und wollte damit auf bedrohte Arten hinweisen, für die sich sonst niemand einsetzt, weil sie nicht niedlich aussehen. Der Blobfisch gewann mit deutlichem Vorsprung.
Ist der Blobfisch vom Aussterben bedroht?
Das weiß niemand sicher. Die IUCN hat die Art bisher nicht bewertet. Als Gefahren gelten Grundschleppnetze, in denen Blobfische als Beifang landen, und die Erwärmung der Meere.
Ähnliche Tiere
- Anglerfisch - Tiefseefisch, der Beute mit einer Leuchtangel anlockt
- Kugelfisch - kann sich bei Gefahr aufblähen
- Quastenflosser - lange verschollener Fisch aus der Tiefe
- Seegurke - lebt ebenfalls am Meeresboden
- Mondfisch - Fisch mit sehr ungewöhnlicher Körperform
- Fische - Überblick über alle Fische im Lexikon
- Tiere mit B - weitere Tiere, die mit B beginnen
Quellen
- Blobfish (aka Mr Blobby) - Australian Museum
- Bray, D. J. (2025): Psychrolutes marcidus - Fishes of Australia, Museums Victoria
- Psychrolutes marcidus, Smooth-head blobfish - FishBase
- Nurseries in the deep sea - Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI)
- Gerringer, M. E. et al. (2017): Distribution, composition and functions of gelatinous tissues in deep-sea fishes. Royal Society Open Science 4
- Drazen, J. C. et al. (2003): Aggregations of egg-brooding deep-sea fish and cephalopods on the Gorda Escarpment. The Biological Bulletin 205
- You May Not Want To Look: Blobfish Named 'Ugliest Animal' - NPR (2013)
Größenvergleich
Ein Blobfisch erreicht eine Körpergröße von 30 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 4-mal so groß.