Borneo-Zwergelefant

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Borneo-Zwergelefantenkuh frisst Gras, darunter steht ihr Jungtier, am grünen Waldrand
Bernard DUPONT from FRANCE / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Kurz erklärt

Der Borneo-Zwergelefant ist eine Unterart des Asiatischen Elefanten und lebt nur im Nordosten der Insel Borneo. Mit etwa 2,5 Metern Höhe gilt er als kleinster lebender Elefant. Nach Schätzung der IUCN gibt es nur noch rund 1.000 Tiere in freier Natur. Weil sein Regenwald für Holz und Ölpalm-Plantagen verschwindet, ist er stark gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameElephas maximus borneensis
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Rüsseltiere (Proboscidea)
  • Familie: Elefanten (Elephantidae)
  • Gattung: Elephas
  • Art: Asiatischer Elefant (Elephas maximus)
KörpergrößeHöhe bis etwa 2,5 m; kleiner als alle anderen Asiatischen Elefanten
KörpergewichtKeine gesicherten Messwerte; Borneo-Elefanten sind kleiner als andere Asiatische Elefanten, deren Bullen bis 6.000 kg und Kühe bis 4.160 kg wiegen (WWF)
ErnährungPflanzenfresser, besonders gern Gräser; Asiatische Elefanten fressen bis zu 150 kg Pflanzen am Tag
Lebenserwartung60 bis 70 Jahre in freier Wildbahn (Angabe für Asiatische Elefanten)
SozialverhaltenHerden aus Kühen und Jungtieren, angeführt von einer erwachsenen Kuh; Bullen leben meist allein
HerkunftBorneo; umstritten ist, ob die Elefanten seit der Eiszeit heimisch sind oder vor einigen hundert Jahren von Menschen gebracht wurden
Verbreitung Nur im Nordosten Borneos: vor allem im malaysischen Bundesstaat Sabah, ein kleiner Bestand im Bezirk Nunukan in Nord-Kalimantan (Indonesien) Asien
EntdeckungErstbeschreibung 1950 durch Paulus Deraniyagala
GefährdungEN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesUnterart des Asiatischen Elefanten, deren Eigenständigkeit lange umstritten war. Die IUCN bewertet den Borneo-Elefanten seit 2024 gesondert als stark gefährdet (EN); die Art Asiatischer Elefant insgesamt gilt ebenfalls als stark gefährdet (EN, 2020).

Was ist ein Borneo-Zwergelefant?

Der Borneo-Zwergelefant (Elephas maximus borneensis), kurz auch Borneo-Elefant genannt, ist eine Unterart des Asiatischen Elefanten. Er lebt nur auf der Insel Borneo und dort nur in einem kleinen Gebiet im Nordosten. Mit einer Höhe von etwa 2,5 Metern gilt er als kleinster lebender Elefant. Knapp dahinter folgt der Afrikanische Waldelefant.

Wissenschaftlich beschrieben wurde der Borneo-Elefant 1950 von dem sri-lankischen Zoologen Paulus Deraniyagala. Damals wurden viele Elefanten-Unterarten aufgestellt, die sich später nicht bestätigten. Auch beim Borneo-Elefanten stritten Fachleute jahrzehntelang darüber, ob er eine eigene Unterart ist oder zum Indischen oder zum Sumatra-Elefanten gehört. Im Artenlexikon des WWF heißt es, die Auffassungen darüber gingen auseinander. Eine Untersuchung von mehr als 120 Elefantenschädeln aus Museen weltweit kam aber zu dem Ergebnis, dass die Elefanten Borneos eine eigene Unterart bilden. Die IUCN bewertete ihn 2024 zum ersten Mal als eigene Unterart.

Aussehen und Körperbau

Borneo-Elefanten sehen aus wie kleine Asiatische Elefanten. Die Schädeluntersuchung zeigte einige Unterschiede zu ihren Verwandten:

  • Kleinerer Körper: Sie sind deutlich kleiner als andere Asiatische Elefanten. Der WWF nennt eine Höhe von weniger als 2,5 Metern, das Natural History Museum in London 2,5 Meter.
  • Breiteres Gesicht: Ihr Kopf ist kleiner und breiter.
  • Engere Rüsselöffnung: Die Öffnung im Schädel, an der der Rüssel ansetzt, ist schmaler.

Warum die Borneo-Elefanten so klein sind, ist noch unklar. Möglicherweise ist es der Beginn eines Inseleffekts, also einer Anpassung an das Leben auf einer Insel. Auch ihre geringe genetische Vielfalt könnte eine Rolle spielen.

Verlässliche Gewichtsangaben für Borneo-Elefanten gibt es in den hier genutzten Quellen nicht. Zum Vergleich: Asiatische Elefanten allgemein erreichen laut WWF als Bullen bis zu 6.000 Kilogramm und als Kühe bis zu 4.160 Kilogramm. Diese Werte beziehen sich aber vor allem auf den größeren Indischen Elefanten.

Verbreitung und Lebensraum

Borneo-Elefanten leben auf nur etwa 5 Prozent der Insel, ganz im Nordosten. Die meisten Tiere leben im malaysischen Bundesstaat Sabah. Ein kleiner Bestand lebt jenseits der Grenze im Bezirk Nunukan in der indonesischen Provinz Nord-Kalimantan. Aus anderen Teilen Borneos gibt es keine historischen Berichte über Elefanten.

Ihr Lebensraum ist der tropische Regenwald im Tiefland. Mit Satellitenhalsbändern ausgestattete Elefantenkühe hielten sich die meiste Zeit unterhalb von 300 Metern Höhe auf, und zwar zu 65 bis 95 Prozent in sogenannten Dipterokarpenwäldern. Wichtig sind außerdem dauerhaft verfügbare Wasserstellen.

Heute leben die Elefanten nur noch auf weniger als der Hälfte der Fläche, die sie vor einigen Jahrzehnten bewohnten.

Woher kommen die Elefanten auf Borneo?

Diese Frage beschäftigt Fachleute seit langem. Es gibt zwei Erklärungen:

  1. Eingeführt: Lange war die Meinung verbreitet, die Elefanten stammten von Tieren ab, die die Ostindien-Kompanie 1750 dem Sultan von Sulu schenkte und die später nach Borneo gebracht wurden. Eine andere Vermutung lautet, dass Elefanten aus Java Ende des 14. Jahrhunderts als Geschenk an den Sultan von Sulu kamen und von dort aus Borneo besiedelten. Dann könnten die Borneo-Elefanten Nachfahren der Java-Elefanten sein.
  2. Einheimisch: Während der Eiszeiten lag der Meeresspiegel tiefer. Borneo, Sumatra und die Malaiische Halbinsel waren durch Land verbunden, Elefanten konnten zu Fuß einwandern. Zuletzt bestanden solche Landverbindungen vor etwa 18.000 Jahren.

Was sagt die Genetik? Eine DNA-Studie von 2003 fand heraus, dass sich die Borneo-Elefanten deutlich von allen anderen Asiatischen Elefanten unterscheiden. Ihre Linie hat sich nach dieser Studie vor etwa 300.000 Jahren abgespalten. Die Forschenden schlossen daraus, dass die Elefanten nicht vom Menschen eingeführt wurden, sondern seit der Eiszeit auf Borneo leben.

Ganz geklärt ist die Frage damit aber nicht. Kritiker weisen darauf hin, dass bei sorgfältigen Ausgrabungen in Höhlen auf Borneo, etwa in der Niah-Höhle in Sarawak und der Madai-Höhle in Sabah, keine gesicherten Elefantenfunde gemacht wurden. Bekannt ist nur ein einzelner fossiler Zahn aus einer Höhle in Brunei. Auch das Natural History Museum schreibt 2024, es sei noch unklar, wie die Elefanten auf die Insel kamen: Sie könnten bei niedrigem Meeresspiegel eingewandert sein oder sich auf einer Nachbarinsel entwickelt haben und dann von Menschen nach Borneo gebracht worden sein.

Ernährung

Borneo-Elefanten sind Pflanzenfresser. Besonders gern fressen sie schnell wachsende Gräser, wie sie zum Beispiel an den fruchtbaren Ufern des Flusses Kinabatangan wachsen. Wie alle Asiatischen Elefanten verbringen sie einen Großteil des Tages mit Fressen, laut WWF 17 bis 19 Stunden. Ein Asiatischer Elefant kann bis zu 150 Kilogramm frische Pflanzen am Tag fressen.

Elefanten sind wichtig für den Regenwald: Sie verbreiten Samen und schaffen Lichtungen.

Verhalten und Lebensweise

Borneo-Elefanten leben in Herden, die von einer erfahrenen Kuh angeführt werden. Bei Asiatischen Elefanten verlassen junge Bullen die Herde mit etwa zehn Jahren und leben danach meist allein.

Eine Studie mit Satellitenhalsbändern an fünf Elefantenkühen in Sabah zeigte, wie viel Platz die Tiere brauchen:

  • Im zusammenhängenden Wald nutzte eine Herde ein Gebiet von 250 bis 400 Quadratkilometern im Jahr.
  • In einem zerstückelten Wald waren es rund 600 Quadratkilometer.
  • Im intakten Wald legten die Elefanten im Schnitt 1,3 Kilometer am Tag zurück, im zerstückelten Wald 1,8 Kilometer, also rund 40 Prozent mehr.

Wo der Wald zerschnitten ist, müssen die Elefanten weitere Wege gehen, um Futter und Wasser zu finden. Dabei kommen sie öfter in Dörfer und Plantagen. Eine Herde legte an einem Tag mehr als 9,5 Kilometer zurück, nachdem sie aus der Nähe des Dorfes Sukau vertrieben worden war.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Über die Fortpflanzung speziell der Borneo-Elefanten ist wenig veröffentlicht. Für Asiatische Elefanten gilt laut WWF:

  • Die Tragzeit dauert etwa 22 Monate, also fast zwei Jahre.
  • Ein Kalb wiegt bei der Geburt 80 bis 110 Kilogramm und wird mehrere Jahre gesäugt.
  • Bis eine Kuh wieder trächtig wird, vergehen im Schnitt vier bis fünf Jahre.
  • Kühe bekommen ihr erstes Kalb meist mit 13 bis 16 Jahren, Bullen werden mit 10 bis 15 Jahren geschlechtsreif.
  • In freier Wildbahn werden Asiatische Elefanten 60 bis 70 Jahre alt.

Weil Elefanten so selten Nachwuchs bekommen, erholen sich ihre Bestände nur langsam.

Gefährdung und Schutz: Elefanten und Ölpalmen

Die IUCN stuft den Borneo-Elefanten seit 2024 als stark gefährdet (EN) ein. Sie schätzt, dass nur noch rund 1.000 Tiere in freier Natur leben. Eine ältere Schätzung von 2010 kam auf etwa 2.040 Elefanten. Die Schätzungen gehen also auseinander. Fest steht: Der Bestand ist in den letzten 75 Jahren stark geschrumpft.

Die wichtigsten Gefahren:

  • Abholzung und Plantagen: Zuerst wurden große Teile der Wälder Borneos für Holz abgeholzt. Danach entstanden riesige Ölpalm-Plantagen. In Sabah wuchs die Fläche mit Ölpalmen von etwa 38.400 Hektar in den 1970er-Jahren auf rund 715.700 Hektar im Jahr 1997. Übrig blieben oft kleine Waldstücke, die für Elefanten zu klein sind.
  • Konflikte mit Menschen: Auf der Suche nach Futter geraten Elefanten in Felder, Dörfer und junge Plantagen. Bauern verlieren ihre Ernte, und manche Elefanten werden aus Rache getötet. Konflikte mit Ölpalm-Plantagen sind seit Anfang der 1990er-Jahre belegt. 2013 starben im Waldreservat Gunung Rara 14 Elefanten, der bisher schwerste bekannte Vorfall in Sabah. 2018 wurden 31 tote Elefanten gefunden, unter anderem an den Folgen von Verletzungen durch Schlingen und Schüsse sowie an Krankheiten.
  • Zäune: Große Plantagen bauten Elektrozäune an ihren Grenzen, oft ohne Rücksicht auf die Wanderwege der Elefanten. So entstanden Engstellen, an denen sich die Tiere drängen und es öfter zu Konflikten kommt.
  • Weitere Gefahren: Bergbau, neue Straßen wie der Pan-Borneo-Highway, Wilderei wegen Elfenbein, Unfälle mit Fahrzeugen und Gifte aus der Landwirtschaft, die Elefanten versehentlich aufnehmen.

Schutz: In Sabah ist der Elefant eine „vollständig geschützte Art“. Für die Jahre 2020 bis 2029 gibt es einen eigenen Aktionsplan für den Borneo-Elefanten. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Plantagenunternehmen im Südosten Sabahs stellte 2013 rund 1.067 Hektar Land als Wildtierkorridor zur Verfügung, der zwei Waldgebiete verbindet. Statt die ganze Plantage einzuzäunen, schützt es nur junge Ölpalmen bis acht Jahre mit Zäunen. In älteren Ölpalm-Beständen richten Elefanten kaum Schaden an und dürfen sie durchqueren.

Häufige Fragen zum Borneo-Zwergelefanten

Wie groß ist ein Borneo-Zwergelefant?

Er wird etwa 2,5 Meter hoch, nach Angaben des WWF sogar etwas weniger. Damit ist er der kleinste lebende Elefant. Andere Asiatische Elefanten können als Bullen bis zu 3,4 Meter Schulterhöhe erreichen.

Wie viele Borneo-Zwergelefanten gibt es noch?

Die IUCN schätzte 2024, dass noch etwa 1.000 Borneo-Elefanten in freier Natur leben. Fast alle leben im malaysischen Bundesstaat Sabah, einige wenige im angrenzenden Nord-Kalimantan.

Sind Borneo-Elefanten auf Borneo heimisch?

Das ist noch nicht endgültig geklärt. Eine DNA-Studie von 2003 spricht dafür, dass sie seit der Eiszeit auf Borneo leben. Andere Forschende vermuten, dass Menschen sie vor einigen hundert Jahren auf die Insel brachten, zum Beispiel als Geschenk an den Sultan von Sulu.

Warum ist der Borneo-Zwergelefant gefährdet?

Sein Regenwald wurde zuerst abgeholzt und dann vielerorts in Ölpalm-Plantagen umgewandelt. In den übrigen Waldstücken finden die Elefanten zu wenig Platz. Wenn sie auf Futtersuche in Felder und Dörfer kommen, werden manche getötet.

Was frisst ein Borneo-Zwergelefant?

Er frisst Pflanzen, am liebsten Gräser. Asiatische Elefanten fressen bis zu 150 Kilogramm Pflanzen am Tag und sind dafür 17 bis 19 Stunden beschäftigt.

Was ist der Unterschied zum Asiatischen Elefanten?

Der Borneo-Zwergelefant ist eine Unterart des Asiatischen Elefanten. Er ist kleiner, hat einen kleineren, breiteren Kopf und unterscheidet sich genetisch deutlich von den Elefanten auf dem Festland und auf Sumatra.

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Quellen