Breitmaulnashorn
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Kurz erklärt
Das Breitmaulnashorn ist das größte Nashorn und nach den Elefanten das zweitgrößte Landtier. Mit seinen breiten Lippen rupft es in der afrikanischen Savanne kurzes Gras ab. Es gibt zwei Unterarten: Vom Südlichen Breitmaulnashorn leben noch gut 15.000 Tiere, vom Nördlichen nur noch zwei Weibchen. Die größte Gefahr ist die Wilderei wegen des Horns.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Ceratotherium simum |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 3,60 bis 4,20 m, Schwanz 80 bis 100 cm, Schulterhöhe 1,70 bis 1,85 m |
| Körpergewicht | Bullen etwa 2.300 kg, Kühe etwa 1.800 kg |
| Ernährung | Pflanzenfresser: fast ausschließlich kurze Gräser |
| Lebenserwartung | In Zoos im Median etwa 36,5 Jahre |
| Sozialverhalten | Erwachsene Bullen meist allein in festen Revieren; Kühe mit Kalb, Jungtiere oft in kleinen Gruppen |
| Herkunft | Afrika |
| Verbreitung | Südliches Breitmaulnashorn vor allem in Südafrika, außerdem in weiteren Ländern im südlichen und östlichen Afrika; Nördliches Breitmaulnashorn in freier Wildbahn ausgestorben Afrika |
| Entdeckung | 1817 von Burchell beschrieben |
| Gefährdung | NT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020) |
| Sonstiges | Zwei Unterarten: Südliches Breitmaulnashorn (C. s. simum) und Nördliches Breitmaulnashorn (C. s. cottoni). Ende 2024 lebten in Afrika rund 15.750 Breitmaulnashörner, fast alle davon Südliche. Vom Nördlichen Breitmaulnashorn leben nur noch zwei Weibchen in Kenia. Manche Forschende betrachten das Nördliche Breitmaulnashorn als eigene Art. |
Das größte Nashorn der Welt
Das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) ist die größte der fünf Nashornarten und nach den Elefanten das zweitgrößte Säugetier an Land. Es lebt in den Savannen und Graslandschaften Afrikas. Wie die Tapire gehört es zu den Unpaarhufern. Seinen Namen verdankt es der breiten, geraden Oberlippe, mit der es Gras abrupft. Auch der wissenschaftliche Artname simum bedeutet „stupsnasig“ oder „plattnasig“ und spielt auf dieses breite Maul an.
Im Englischen heißt es „White Rhino“, also weißes Nashorn, obwohl es grau ist. Woher dieser Name stammt, ist ungeklärt. Oft wird behauptet, er gehe auf ein afrikaanses Wort zurück, das vom niederländischen „wijd“ (weit) abstammt. Dafür gibt es aber keinen Beleg.
Fachleute unterscheiden zwei Unterarten, deren Schicksal sehr unterschiedlich verlaufen ist: das Südliche Breitmaulnashorn, das sich von weniger als 100 Tieren auf viele Tausend erholt hat, und das Nördliche Breitmaulnashorn, von dem nur noch zwei Weibchen leben.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Breitmaulnashörner sind gewaltige Tiere:
- Gewicht: Bullen wiegen etwa 2.300 kg, Kühe etwa 1.800 kg.
- Länge: Kopf und Rumpf messen 3,60 bis 4,20 m, dazu kommt der 80 bis 100 cm lange Schwanz.
- Schulterhöhe: 1,70 bis 1,85 m
Körperform: Der Körper ist massig, die Beine sind kurz und stämmig. An den Füßen ist die mittlere Zehe am größten und trägt das meiste Gewicht. Auf dem Nacken sitzt ein auffälliger Buckel. Den großen Kopf trägt das Breitmaulnashorn meist tief über dem Boden, auch beim Laufen.
Haut und Haare: Die graue Haut ist dick und fast nackt. Haare wachsen nur am Rand der Ohren und an der Schwanzspitze.
Hörner: Auf der Schnauze sitzen zwei unterschiedlich große Hörner hintereinander. Das längste gemessene Horn war 1,66 m lang. Die Hörner bestehen aus Keratin, also aus demselben Stoff wie Haare und Fingernägel. Sie haben keinen Knochenkern, sind nicht fest mit dem Schädel verwachsen und wachsen ein Leben lang nach. Bullen haben oft kürzere, dickere Hörner, manche Kühe längere und dünnere.
Sinne: Breitmaulnashörner sehen schlecht. Bewegte Dinge erkennen sie leichter als unbewegte. Dafür hören und riechen sie sehr gut.
Breitmaul oder Spitzmaul?
In Afrika lebt eine zweite Nashornart, das Spitzmaulnashorn. So unterscheidest du die beiden:
| Merkmal | Breitmaulnashorn | Spitzmaulnashorn |
|---|---|---|
| Oberlippe | breit und gerade, zum Grasabrupfen | spitz und beweglich, zum Greifen von Zweigen |
| Größe | größer, das größte Nashorn | kleiner |
| Kopfhaltung beim Ruhen | tief am Boden | erhoben |
Verbreitung und Lebensraum
Früher waren Breitmaulnashörner in vielen Teilen Afrikas verbreitet, wo es Grasland gab. Felszeichnungen, Fossilien und Knochenfunde zeigen das, sogar in Teilen der heutigen Sahara. In geschichtlicher Zeit gab es zwei getrennte Vorkommen: das der Nördlichen Unterart im östlichen Zentralafrika und das der Südlichen Unterart im südlichen Afrika.
Das Südliche Breitmaulnashorn lebt heute vor allem in Südafrika. Unter anderem in Eswatini (früher Swasiland), Simbabwe, Namibia, Botswana und Kenia wurde es wieder angesiedelt, in Sambia neu eingeführt. Das Nördliche Breitmaulnashorn wurde in freier Wildbahn zuletzt 2008 in der Demokratischen Republik Kongo gesichtet und gilt dort als ausgestorben.
Breitmaulnashörner leben in Grasland und Savannen mit Schattenbäumen. Dichte Wälder, dichtes Buschland und offene Ebenen ganz ohne Bäume meiden sie.
Ernährung
Das Breitmaulnashorn ist ein Pflanzenfresser und frisst fast nur kurze Gräser. Obere Schneidezähne hat es nicht. Stattdessen klemmt es die Halme zwischen Ober- und Unterlippe ein und rupft sie dicht über dem Boden ab, ähnlich wie ein Rasenmäher. In einer älteren Untersuchung stammten 95 Prozent der Nahrung von nur 12 Pflanzenarten.
In der Trockenzeit trinken Breitmaulnashörner alle ein bis vier Tage. Um zum Wasser zu gelangen, laufen sie auf festen Pfaden bis zu 5 km weit.
Verhalten und Lebensweise
Breitmaulnashörner sind tags und nachts aktiv. Am meisten fressen sie am frühen Morgen und am späten Nachmittag, in der Mittagshitze ruhen sie im Schatten. Sie ruhen meist im Liegen, nicht im Stehen. An heißen Tagen suhlen sie sich gern im Schlamm. Das kühlt und schützt vor Parasiten.
Reviere: Erwachsene Bullen sind Einzelgänger und verteidigen feste Reviere. Die Grenzen markieren sie mit Urin, den sie in kurzen Stößen nach hinten spritzen. Außerdem nutzen alle Nashörner eines Gebiets gemeinsame Kothaufen. Revierbullen verteilen ihren Kot dort, indem sie kräftig mit den Hinterbeinen scharren.
Gruppen: Kühe leben mit ihrem Kalb zusammen, manchmal schließen sich nicht verwandte Jungtiere an. Halbwüchsige Tiere bilden oft eigene kleine Gruppen. Breitmaulnashörner sind weniger angriffslustig als Spitzmaulnashörner. Streiten zwei Revierbullen, stoßen und reiben sie die Hörner aneinander.
Tempo: Auf dem Weg zum Wasser laufen Breitmaulnashörner gemächlich mit etwa 3 bis 3,8 km/h. Auf der Flucht erreichen sie etwa 29 km/h, gereizte Bullen greifen sogar mit bis zu 40 km/h an.
Vogelfreunde: Madenhacker, Kuhreiher und andere Vögel begleiten die Nashörner. Madenhacker picken Insekten von der Haut und warnen mit schrillen Rufen vor Gefahr.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Ein Revierbulle bleibt ein bis zwei Wochen in der Nähe einer paarungsbereiten Kuh und versucht, sie am Verlassen seines Reviers zu hindern. Breitmaulnashörner können sich das ganze Jahr über paaren, im südlichen Afrika gibt es aber Häufungen von Oktober bis Dezember.
- Tragzeit: etwa 16 Monate
- Wurfgröße: ein Kalb
- Geburtsgewicht: 40 bis 60 kg
- Erste Schritte: Nach etwa drei Tagen ist das Kalb gut auf den Beinen.
- Säugezeit: Schon im ersten Lebensmonat frisst das Kalb Gras, gesäugt wird es noch etwa ein Jahr lang.
- Bei der Mutter: zwei bis drei Jahre, bis das nächste Kalb geboren wird
- Geschlechtsreife: Kühe mit etwa 7 Jahren (erstes Kalb mit 6,5 bis 7 Jahren), Bullen mit 10 bis 12 Jahren
Junge Kälber laufen meist vor ihrer Mutter her und reagieren sofort, wenn sie die Richtung ändert. Erwachsene Nashörner haben außer dem Menschen kaum Feinde, Löwen können aber Kälber erbeuten. In Zoos werden Breitmaulnashörner im Median etwa 36,5 Jahre alt.
Zwei Unterarten, zwei Geschichten
Das Südliche Breitmaulnashorn: eine Erfolgsgeschichte mit Rückschlägen
Um 1895 gab es vom Südlichen Breitmaulnashorn nur noch einen einzigen Bestand mit weniger als 100 Tieren in Südafrika. Strenge Schutzmaßnahmen ließen die Zahl wachsen. Ab 1961 wurden Nashörner in andere Gebiete des südlichen Afrikas umgesiedelt. Im Jahr 2010 lebten wieder rund 20.000 Tiere in der Wildnis, und das Breitmaulnashorn war die häufigste Nashornart der Welt. Fachleute zählen diese Rettung zu den größten Erfolgen im Artenschutz.
Seitdem ist die Zahl wieder gesunken. Laut einem Bericht der IUCN und der Organisation TRAFFIC lebten Ende 2024 noch 15.752 Breitmaulnashörner in Afrika, 11,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Als Gründe nennt der Bericht neben der Wilderei auch die Spätfolgen von Dürren, politische Veränderungen und Schwierigkeiten im Management sowie ungenaue frühere Zählungen.
Das Nördliche Breitmaulnashorn: nur noch zwei Weibchen
Das Nördliche Breitmaulnashorn lebte in Zentralafrika. Zwischen 1960 und 2010 ging sein Bestand um 99,8 Prozent zurück. Am 19. März 2018 starb Sudan, das letzte Männchen. Seitdem gibt es nur noch zwei Tiere: Najin und ihre Tochter Fatu. Beide wurden im Safaripark Dvůr Králové in Tschechien geboren und leben heute im Schutzgebiet Ol Pejeta in Kenia. Keine der beiden kann ein Kalb austragen.
Ein internationales Forschungsprojekt namens BioRescue versucht trotzdem, die Unterart zu retten. Es wird vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Berlin geleitet und vom deutschen Forschungsministerium gefördert. So gehen die Forschenden vor:
- Eizellen entnehmen: Fatu wurden seit 2019 immer wieder Eizellen entnommen, bis August 2025 bei 21 Eingriffen.
- Embryonen erzeugen: In einem Labor in Italien werden die Eizellen mit eingefrorenem Sperma verstorbener Bullen befruchtet. Bis August 2025 entstanden so 38 Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns.
- Leihmütter: Die Embryonen werden Südlichen Breitmaulnashorn-Kühen eingesetzt. Ende 2023 gelang erstmals überhaupt eine Nashorn-Schwangerschaft nach künstlicher Befruchtung, damals noch mit einem Embryo der Südlichen Unterart.
- Stammzellen: Forschende in Japan und Berlin wollen aus Stammzellen Eizellen herstellen, damit die künftige Population genetisch vielfältiger wird.
Bis April 2026 wurden sechs Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns übertragen. Zu einer dauerhaften Schwangerschaft hat noch keiner geführt. Langfristiges Ziel ist es, Nördliche Breitmaulnashörner wieder in ihrem ursprünglichen Lebensraum anzusiedeln.
Wilderei und Horn
Die Rote Liste der IUCN stuft das Breitmaulnashorn als Art insgesamt als potenziell gefährdet (NT, 2020) ein. Die größte Gefahr ist die Wilderei. Gewildert wird wegen des Horns, das vor allem in Asien als angebliches Heilmittel, etwa gegen Fieber, gehandelt wird. Im Jemen wurden aus Horn verzierte Dolchgriffe geschnitzt. Dabei besteht Nashorn chemisch im Wesentlichen aus demselben Stoff wie Haare. Eine heilende Wirkung ist nicht belegt.
Breitmaulnashörner sind für Wilderer ein leichtes Ziel: Sie sehen schlecht, bewegen sich in festen Gewohnheiten und kehren immer wieder zu denselben Ruhe- und Wasserstellen zurück.
Aktuelle Lage: Die Wildereirate bei afrikanischen Nashörnern sank 2024 auf 2,15 Prozent, den niedrigsten Wert seit 2011. In den ersten drei Monaten des Jahres 2025 wurden in Südafrika aber wieder mindestens 83 Südliche Breitmaulnashörner gewildert, davon mindestens 52 im Kruger-Nationalpark. Südafrika ist am stärksten vom illegalen Hornhandel betroffen, die wichtigsten Handelsverbindungen führen nach Malaysia und Vietnam. Manche Schutzgebiete wie der Kruger-Nationalpark entfernen den Nashörnern zusätzlich zu Anti-Wilderei-Einsätzen vorsorglich die Hörner.
Schutz: Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) stehen die Südlichen Breitmaulnashörner aus Südafrika und Eswatini in Anhang II, alle anderen Bestände beider Unterarten in Anhang I.
Häufige Fragen zum Breitmaulnashorn
Wie schwer ist ein Breitmaulnashorn?
Bullen wiegen etwa 2.300 kg, Kühe etwa 1.800 kg. Damit ist das Breitmaulnashorn das schwerste Nashorn und nach den Elefanten das schwerste Landtier.
Warum heißt es Breitmaulnashorn?
Es hat eine breite, gerade Oberlippe, mit der es kurzes Gras wie ein Rasenmäher abrupft. Das Spitzmaulnashorn hat dagegen eine spitze, bewegliche Lippe, mit der es Blätter und Zweige greift.
Wie viele Breitmaulnashörner gibt es noch?
Ende 2024 lebten in Afrika 15.752 Breitmaulnashörner, fast alle davon Südliche Breitmaulnashörner. Vom Nördlichen Breitmaulnashorn gibt es nur noch zwei Weibchen in Kenia.
Woraus besteht das Horn eines Nashorns?
Das Horn besteht aus Keratin, demselben Stoff wie Haare und Fingernägel. Es hat keinen Knochenkern und wächst ein Leben lang nach. Eine Heilwirkung, wie sie manche Menschen glauben, ist nicht nachgewiesen.
Kann das Nördliche Breitmaulnashorn noch gerettet werden?
Das ist ungewiss. Das Projekt BioRescue hat Embryonen im Labor erzeugt und setzt sie Südlichen Breitmaulnashörnern als Leihmüttern ein. Bis April 2026 ist daraus noch keine dauerhafte Schwangerschaft entstanden.
Wie schnell kann ein Breitmaulnashorn laufen?
Auf der Flucht erreicht ein Breitmaulnashorn etwa 29 km/h. Gereizte Bullen können bei einem Angriff auf kurzer Strecke bis zu 40 km/h schnell werden.
Ähnliche Tiere
- Nashorn - Überblick über die fünf Nashornarten
- Spitzmaulnashorn - die zweite afrikanische Nashornart
- Panzernashorn - das Nashorn mit einem Horn aus Indien und Nepal
- Afrikanischer Elefant - das einzige Landtier, das größer ist
- Flusspferd - ein weiterer großer Pflanzenfresser Afrikas
Quellen
- Emslie, R. (2020): Ceratotherium simum. The IUCN Red List of Threatened Species 2020
- Poaching of African rhinos down - but drought and other threats drive losses globally. IUCN-Pressemitteilung, 7. August 2025
- White Rhinoceros (Ceratotherium simum) Fact Sheet - San Diego Zoo Wildlife Alliance Library
- Ceratotherium simum (White Rhinoceros) - Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology
- BioRescue scientists produced three new embryos and began using northern white rhino embryos in embryo transfers - BioRescue/Leibniz-IZW, 25. August 2025
- New embryo boosts survival chances for the Northern White Rhino - BioRescue, 2026
Größenvergleich
Ein Breitmaulnashorn erreicht eine Körpergröße von 3,6 bis 4,2 m. Damit passt es bequem zwischen einen Elefanten (3,5 m) und eine Giraffe (5,5 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Breitmaulnashorn bringt 1,8 bis 2,3 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Auto (1,5 t), aber leichter als ein Elefant (5 t).