Brillenpinguin

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Zwei Brillenpinguine mit schwarz-weißem Gefieder watscheln am Boulders Beach aus der Brandung an den Sandstrand, ein dritter schwimmt im Wasser
Jopparn / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Brillenpinguin, auch Afrikanischer Pinguin genannt, lebt an den Küsten von Südafrika und Namibia. Er wird 60 bis 70 cm lang und frisst vor allem Sardellen und Sardinen. Seit 2024 gilt er als vom Aussterben bedroht: 2023 brüteten nur noch knapp 10.000 Paare, vor 100 Jahren lebten noch Millionen Tiere.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameSpheniscus demersus
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Pinguine (Sphenisciformes)
  • Familie: Pinguine (Spheniscidae)
  • Gattung: Spheniscus
  • Art: Brillenpinguin
KörpergrößeKörperlänge 60 bis 70 cm, Männchen und Weibchen fast gleich groß
KörpergewichtMännchen im Mittel etwa 3,3 kg, Weibchen etwa 3 kg; das Gewicht schwankt stark mit der Mauser
ErnährungFleischfresser: vor allem Schwarmfische wie Sardellen und Sardinen, außerdem Tintenfische und weitere Fischarten, selten Krebstiere
LebenserwartungIn Menschenobhut im Median etwa 18 Jahre
SozialverhaltenBrütet und ruht in Kolonien; Paare bleiben meist zusammen
HerkunftSüdliches Afrika
Verbreitung Küsten und vorgelagerte Inseln von Namibia und Südafrika Afrika
Entdeckung1758 von Linnaeus beschrieben
GefährdungCR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesAuch Afrikanischer Pinguin genannt. 2023 brüteten weltweit knapp 10.000 Paare, rund 90 Prozent davon in Südafrika. In Südafrika seit 2007 gesetzlich geschützt; im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) in Anhang II gelistet.

Der Pinguin aus Afrika

Wer an Pinguine denkt, denkt oft an Eis und Schnee. Der Brillenpinguin (Spheniscus demersus) lebt dagegen an den Küsten des südlichen Afrikas, in Südafrika und Namibia. Nirgendwo sonst auf der Welt kommt er wild vor. Im Englischen heißt er „African penguin“, also Afrikanischer Pinguin.

Seine Kolonien liegen vor allem auf flachen, felsigen Inseln vor der Küste. In jüngerer Zeit sind auch einige Kolonien auf dem Festland entstanden, darunter die Kolonie am Boulders Beach in Südafrika.

Leider ist der Brillenpinguin heute in großer Gefahr. Seit 2024 führt ihn die Rote Liste der IUCN als vom Aussterben bedroht (CR).

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Brillenpinguine werden 60 bis 70 Zentimeter lang. Männchen wiegen im Durchschnitt etwa 3,3 Kilogramm, Weibchen etwa 3 Kilogramm. Wie schwer ein Tier ist, hängt stark von der Jahreszeit ab: Während der Mauser verlieren sie viel Gewicht. Männchen und Weibchen sehen fast gleich aus.

Gefieder: Der Rücken ist schwarz, Brust und Bauch sind weiß. Ein schmales schwarzes Band zieht sich quer über die Brust bis zu den Flanken. Über jedem Auge liegt ein Streifen nackter Haut. Schnabel, Beine und Füße sind schwarz. Die dicht überlappenden Federn halten Wasser und Wind ab und wärmen.

Jungvögel: Frisch flügge Jungvögel haben einen blaugrauen Rücken, der vor der ersten Mauser bräunlich wird. Küken tragen zuerst braune Daunen, die später dunkler werden. Gesicht, Kehle und Bauch der Küken sind weiß.

Verbreitung und Lebensraum

Brillenpinguine brüten im Süden von Namibia sowie an der Westküste, der Südwestküste und am Ostkap von Südafrika. Fast 90 Prozent der Brutpaare leben heute in Südafrika.

An Land nutzen sie flache, mit Felsen übersäte Inseln und einige jüngere Festlandkolonien. Zum Fressen schwimmen sie aufs Meer hinaus: von den Inseln aus 50 Kilometer und mehr, vom Festland aus meist bis 15 Kilometer weit.

Ernährung

Brillenpinguine fressen vor allem Schwarmfische, die im offenen Meer leben. Am wichtigsten sind Sardellen und Sardinen. Außerdem erbeuten sie Tintenfische und mindestens 15 weitere Fischarten, Krebstiere nur selten. Es gibt Hinweise, dass sich ihre Nahrung mit den Jahreszeiten ändert.

Ob es den Brillenpinguinen gut geht, hängt eng davon ab, wie viele Sardinen und Sardellen es im Meer gibt.

Auf Tauchgang: Bei der Jagd tauchen Brillenpinguine meist 15 bis 23 Meter tief und bleiben 87 bis 275 Sekunden unter Wasser. Dabei rudern sie mit den Flügeln und steuern mit Schwanz, Füßen und Flügeln. Wenn sie in Bögen aus dem Wasser springen, schaffen sie etwa 12 Kilometer pro Stunde.

Tagesablauf: Die meisten erwachsenen Pinguine schwimmen bei Sonnenaufgang los und kehren am späten Nachmittag oder in der Dämmerung zurück. Einer der Eltern bleibt immer bei Eiern und Küken.

Fasten in der Mauser: Während der Mauser, wenn sie ihr Gefieder wechseln, fasten Brillenpinguine bis zu 18 Tage lang.

Verhalten und Lebensweise

Brillenpinguine leben in großen Kolonien, in denen sie brüten und sich ausruhen. Sie putzen sich oft gegenseitig das Gefieder. Das verringert vermutlich Streit in der dichten Kolonie. Auf See stimmen kleine Gruppen ihre Jagd manchmal aufeinander ab.

An Land laufen sie aufrecht mit leicht abgespreizten Flügeln. Über Spalten zwischen Felsen hüpfen sie, steile Hänge rutschen sie hinunter.

Fortpflanzung und Nachwuchs

  • Brutzeit: Brillenpinguine können fast das ganze Jahr über brüten.
  • Paare: Die meisten Brillenpinguine leben monogam, es gibt aber Ausnahmen. Zur Balz gehören Verbeugungen und Umarmungen.
  • Nester: Ursprünglich graben sie Bruthöhlen. Daneben nutzen sie einfache Mulden am Boden und überdachte Nester, die sie meist mit Material auspolstern.
  • Eier: Die Eier sind kalkweiß und wiegen 99 bis 118 Gramm. Das erste Ei ist meist etwas größer als das zweite.
  • Brüten: Beide Eltern brüten 38 bis 41 Tage lang abwechselnd, eine Schicht dauert meist ein bis zwei Tage.
  • Küken: Ein frisch geschlüpftes Küken wiegt etwa 60 Gramm. Beide Eltern füttern es, bis es fast flügge ist.
  • Flügge: Mit 70 bis 80 Tagen und einem Gewicht von 1.750 bis 3.000 Gramm verlässt der Jungvogel das Nest.
  • Erste eigene Brut: Die meisten Brillenpinguine brüten mit vier Jahren zum ersten Mal, manche schon mit zwei, andere erst mit sieben Jahren.

Warum Bruthöhlen so wichtig sind: In einer Höhle bleiben Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausgeglichen, und die Eier und Küken sind vor Feinden geschützt. In offenen Nestern überhitzen die Eltern in der Sonne leicht. Dann verlassen sie das Nest zeitweise oder ganz, und Möwen können Eier und Küken rauben. Bei kaltem Regen und Sturm droht den Küken in offenen Nestern Unterkühlung.

Lebenserwartung: In Zoos werden Brillenpinguine im Median etwa 18 Jahre alt.

Feinde

Erwachsene Brillenpinguine werden häufig von Südafrikanischen Seebären (Arctocephalus pusillus pusillus) erbeutet, einer Robbenart. Die Seebären verdrängen die Pinguine außerdem von Brutplätzen. Auf See können auch Haie sie fangen. Eier und Küken fallen Möwen, Ibissen, Schlangen und Katzen zum Opfer.

Gefährdung: Warum es immer weniger Brillenpinguine gibt

Die Rote Liste der IUCN hat den Brillenpinguin 2024 von „stark gefährdet“ auf „vom Aussterben bedroht“ (CR) hochgestuft. Nach Angaben von BirdLife International sind bereits 97 Prozent des Bestands verloren gegangen.

Die Zahlen:

JahrBrutpaare
199344.300
201917.700
20239.900

Allein zwischen 1993 und 2023 ging die Zahl der Brutpaare um 78 Prozent zurück. 2023 fiel sie erstmals unter 10.000. Ein Beispiel für den Absturz ist Dassen Island: Dort lebten 1910 schätzungsweise 1,45 Millionen Brillenpinguine, die mindestens zwei Jahre alt waren. 1990 waren es nur noch etwa 30.000, ein Verlust von 98 Prozent.

Eier als Nahrungsmittel

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Pinguineier im großen Stil gesammelt und verkauft. Auf Dassen Island wurde dabei vermutlich fast die Hälfte aller gelegten Eier eingesammelt. Das war der wichtigste Grund für den frühen Rückgang. Ende der 1960er-Jahre wurde das Eiersammeln eingestellt.

Guano-Abbau

Früher gruben die Pinguine ihre Bruthöhlen in Guano, die Ablagerungen aus Seevogelkot. Dieser Guano wurde auf den Inseln abgebaut. Seitdem müssen viele Brillenpinguine in offenen Nestern brüten, wo sie unter Hitze leiden und Eier und Küken weniger geschützt sind. An manchen Stellen hinterließ der Abbau Mulden, in denen Nester überflutet werden. In Südafrika endete der Guano-Abbau in den 1970er-Jahren, doch seine Folgen wirken bis heute.

Fischerei und Klimawandel

Heute ist Nahrungsmangel das größte Problem. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fangen große Fischereiflotten mit Ringwadennetzen genau die Schwarmfische, die auch die Pinguine brauchen.

  • In Namibia wurden die Fischbestände in den 1960er-Jahren überfischt. Bis in die 1970er-Jahre brach daraufhin der Pinguinbestand zusammen. Weder die Pinguine noch die Sardinen haben sich dort bis heute erholt.
  • In Südafrika schrumpft der Sardinenbestand seit Mitte der 2000er-Jahre durch Klimawandel und Fischerei.
  • Durch wärmeres Wasser und veränderte Meeresströmungen müssen junge Pinguine in Gebieten mit wenig Futter suchen. Immer weniger Jungvögel überleben.

Öl, Lärm und Krankheiten

  • Ölverschmutzung: 1994 verschmutzte Öl die Kolonien auf Dassen Island und Robben Island, etwa 10.000 Pinguine waren betroffen. Nach der „Treasure“-Ölpest im Jahr 2000 wurden 3.350 Küken gerettet und von Hand aufgezogen.
  • Schiffslärm: Seit 2016 werden in der Algoa Bay Schiffe auf offenem Meer betankt. Danach brach die Kolonie auf St. Croix Island zusammen, die damals größte Brillenpinguin-Kolonie der Welt. Gleichzeitig nahm der Unterwasserlärm durch Schiffe stark zu.
  • Vogelgrippe: 2018 und 2021 erkrankten Brillenpinguine an der Vogelgrippe.

Schutzmaßnahmen

In Südafrika ist der Brillenpinguin seit 2007 gesetzlich geschützt. 2013 wurde ein eigener Schutzplan veröffentlicht. Eine Auswertung nach zehn Jahren zeigte, was am besten wirkt:

  • Pflegestationen: Verletzte, verölte oder verlassene Pinguine und Küken werden aufgepäppelt und wieder freigelassen. Ohne diese Hilfe wäre der Brutbestand 2023 vermutlich etwa 7 Prozent kleiner gewesen.
  • Künstliche Nester: Seit 2001 bekommen Pinguine Nistkästen, zuerst aus Holz auf Robben Island, später aus Glasfaser und Keramik. Insgesamt steigern künstliche Nester den Bruterfolg um etwa 16,5 Prozent.
  • Schutz vor Räubern: Auf einigen Inseln werden Dominikanermöwen (Larus dominicanus) getötet, die Eier und Küken fressen.

Am schwersten ist es, für mehr Futter zu sorgen. Rund um einige Inseln gibt es Sperrzonen für die Ringwadenfischerei. Nach neueren Studien reichen sie aber nicht aus, um die Pinguine zu schützen. Die Organisationen BirdLife South Africa und SANCCOB klagen deshalb gegen die südafrikanische Regierung. Sie fordern Sperrzonen, die besser zu den wichtigsten Futtergebieten der Pinguine passen und sechs große Kolonien abdecken. Außerdem baut BirdLife South Africa bei De Hoop wieder eine Kolonie auf.

Boulders Beach: Pinguine am Badestrand

Die Kolonie am Boulders Beach bei Simon's Town gibt es erst seit 1985. Ende der 1990er-Jahre brüteten dort schon mehr als 900 Paare. Gewachsen ist die Kolonie vor allem durch junge Pinguine aus anderen Kolonien, die zum ersten Mal brüteten. 70 bis 80 Prozent dieser Zuwanderer kamen vermutlich von Dyer Island.

Die Kolonie ist eine große Touristenattraktion: Schon zwischen September 1995 und Februar 1996 besuchten 160.000 Menschen den Strand, die meisten wegen der Pinguine. Wer die Tiere dort in großen Gruppen sieht, unterschätzt allerdings leicht, wie bedroht sie sind. Die größten Gefahren lauern auf dem Meer, wo man sie nicht sieht.

Häufige Fragen zum Brillenpinguin

Wie groß ist ein Brillenpinguin?

Ein Brillenpinguin wird 60 bis 70 Zentimeter lang. Männchen wiegen im Mittel etwa 3,3 Kilogramm, Weibchen etwa 3 Kilogramm.

Wo lebt der Brillenpinguin?

Nur im südlichen Afrika, an den Küsten und auf den Inseln von Südafrika und Namibia. Fast 90 Prozent der Brutpaare leben in Südafrika.

Was frisst ein Brillenpinguin?

Vor allem Sardellen und Sardinen, dazu Tintenfische und andere Fische. Für die Jagd tauchen Brillenpinguine meist 15 bis 23 Meter tief.

Warum ist der Brillenpinguin vom Aussterben bedroht?

Früher wurden seine Eier gesammelt und der Guano abgebaut, in dem er brütete. Heute fehlt ihm vor allem Futter, weil Fischerei und Klimawandel die Bestände von Sardinen und Sardellen schrumpfen lassen. Dazu kommen Ölverschmutzung, Schiffslärm und Krankheiten.

Wie viele Brillenpinguine gibt es noch?

2023 brüteten weltweit nur noch knapp 10.000 Paare. 1993 waren es noch 44.300 Paare, vor rund 100 Jahren lebten noch Millionen Brillenpinguine.

Wo kann man Brillenpinguine in Südafrika sehen?

Viele Besucher sehen sie am Boulders Beach bei Simon's Town, wo es seit 1985 eine Kolonie gibt. Auch die Kolonie bei Stony Point wird besucht.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Brillenpinguin
60 bis 70 cm

Ein Brillenpinguin erreicht eine Körpergröße von 60 bis 70 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Brillenpinguin ist etwa 3-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Brillenpinguin
3 bis 3,3 kg

Ein Brillenpinguin bringt 3 bis 3,3 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Brillenpinguin wiegt so viel wie etwa 7 Fußbälle.