Buckelwal
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Kurz erklärt
Der Buckelwal ist ein großer Bartenwal, der meist 12 bis 15 Meter lang und 25 bis 30 Tonnen schwer wird. Er hat riesige Brustflossen, springt oft aus dem Wasser und ist berühmt für den langen Gesang der Männchen. Buckelwale leben in allen Ozeanen und wandern jedes Jahr Tausende Kilometer zwischen kalten Futtergebieten und warmen Meeren, in denen ihre Jungen zur Welt kommen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Megaptera novaeangliae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Meist 12 bis 15 m, sehr große Tiere bis etwa 18 m; die Brustflossen sind fast ein Drittel so lang wie der Körper |
| Körpergewicht | Meist 25 bis 30 t, sehr große Tiere bis etwa 40 t |
| Ernährung | Krill und kleine Schwarmfische; gefressen wird fast nur im Sommer in den Futtergebieten |
| Lebenserwartung | Nicht genau bekannt; Schätzungen reichen von etwa 70 Jahren (NAMMCO) bis 80 bis 90 Jahre (NOAA) |
| Sozialverhalten | Meist allein oder in kleinen, wechselnden Gruppen von 2 bis 5 Tieren; Mutter und Kalb bleiben etwa ein Jahr zusammen |
| Herkunft | Weltmeere |
| Verbreitung | Alle Ozeane; im Sommer in kühlen, nahrungsreichen Meeren nahe den Polen, im Winter in tropischen und subtropischen Paarungsgebieten Meer |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1781 durch Georg Heinrich Borowski |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018) |
| Sonstiges | In den USA gelten 4 der 14 Buckelwal-Populationen weiterhin als vom Aussterben bedroht und eine als bedroht. |
Was ist ein Buckelwal?
Der Buckelwal (Megaptera novaeangliae) ist ein Bartenwal. Er hat keine Zähne, sondern Hornplatten im Oberkiefer, mit denen er seine Nahrung aus dem Wasser siebt. Zusammen mit dem Blauwal, dem Finnwal und dem Zwergwal gehört er zur Familie der Furchenwale. Diese Wale haben lange Furchen an der Kehle, die sich beim Fressen wie eine Ziehharmonika ausdehnen.
Woher kommt der Name? Wenn ein Buckelwal zum Tauchen ansetzt, krümmt er seinen Rücken stark nach oben. Dabei entsteht ein deutlicher Buckel, und genau daher hat er seinen deutschen Namen. Der wissenschaftliche Gattungsname Megaptera ist griechisch und bedeutet „großer Flügel“. Er bezieht sich auf die riesigen Brustflossen. Der Artname novaeangliae heißt „aus Neuengland“, einer Region an der Ostküste der USA. Beschrieben hat den Buckelwal der Naturforscher Georg Heinrich Borowski im Jahr 1781.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Erwachsene Buckelwale sind meist 12 bis 15 Meter lang, sehr große Tiere erreichen etwa 18 Meter. Sie wiegen in der Regel 25 bis 30 Tonnen, besonders schwere Tiere bis etwa 40 Tonnen. Buckelwale sind damit kleiner als Blauwal und Finnwal, aber viel größer als der Zwergwal.
Brustflossen (Flipper): Das auffälligste Merkmal sind die Brustflossen. Sie sind fast ein Drittel so lang wie der ganze Körper und oft weiß gezeichnet. Ihre Vorderkante ist höckrig. Auf diesen Höckern sitzen häufig Seepocken, kleine Krebstiere, die sich an der Haut festsetzen.
Färbung: Der Rücken ist schwarz. Wie viel Weiß ein Tier am Bauch, an den Brustflossen und unter der Fluke hat, ist sehr verschieden. Buckelwale der Südhalbkugel sind meist heller gezeichnet als die der Nordhalbkugel.
Kopf: Auf dem Oberkiefer und dem Unterkiefer sitzen viele kleine Knoten, Fachleute nennen sie Tuberkel. Es sind Haarwurzeln, aus denen einzelne Haare wachsen. An der Kehle hat der Buckelwal je nach Tier 14 bis 35 Kehlfurchen. Im Maul hängen auf jeder Seite 270 bis 400 Barten.
Rückenfinne und Fluke: Die Rückenfinne ist klein und sitzt auf einem Wulst. Die Schwanzflosse, die Fluke, ist dagegen sehr groß: bis etwa 5,5 Meter breit, mit einer gezackten Hinterkante.
Jede Fluke ist einzigartig
Die Unterseite der Fluke hat bei jedem Buckelwal ein eigenes Muster aus Schwarz und Weiß, dazu Narben und Kerben. Dieses Muster funktioniert wie ein Fingerabdruck. Forschende fotografieren die Fluke, wenn ein Wal abtaucht, und erkennen das Tier so auch Jahre später an einem ganz anderen Ort wieder. Auf diese Weise hat man herausgefunden, wie weit Buckelwale wandern.
Verbreitung und Lebensraum
Buckelwale leben in allen Ozeanen der Welt. Die meisten Populationen verbringen das Jahr an zwei ganz verschiedenen Orten:
- Sommer: In kühlen, nahrungsreichen Meeren in Richtung der Pole. Dort fressen sie sich Fettreserven an.
- Winter: In warmen tropischen und subtropischen Meeren. Dort paaren sie sich und bringen ihre Kälber zur Welt.
Buckelwale halten sich oft in Küstennähe auf, zum Beispiel vor Hawaii, Mexiko, Mittelamerika oder Ostaustralien. Das offene, tiefe Meer durchqueren sie vor allem auf ihren Wanderungen. Eine Ausnahme ist eine Population im Arabischen Meer vor Oman, Iran und Pakistan. Diese Wale bleiben vermutlich das ganze Jahr in derselben Region.
Wanderungen
Buckelwale unternehmen eine der längsten Wanderungen aller Säugetiere. Manche Populationen legen zwischen ihren Paarungsgebieten und ihren Futtergebieten rund 8.000 Kilometer zurück, und das in jede Richtung. Manche Buckelwale aus dem Nordpazifik schwimmen von Alaska nach Hawaii. Für diese rund 4.800 Kilometer brauchen die schnellsten nur 28 Tage.
Ein Weibchen stellte einen besonderen Rekord auf: Es wurde zuerst vor Brasilien fotografiert und später vor Madagaskar wiedererkannt. Die kürzeste Strecke zwischen diesen beiden Orten beträgt mehr als 9.800 Kilometer. Das war die längste Wanderung eines einzelnen Säugetiers, die Forschende bis dahin nachweisen konnten.
Auf ihren Wanderungen schwimmen Buckelwale mit etwa 4 bis 14 Kilometern pro Stunde. Kurzzeitig schaffen sie bis zu 27 Kilometer pro Stunde.
Ernährung
Buckelwale fressen vor allem Krill, kleine garnelenähnliche Krebstiere, und kleine Schwarmfische wie Hering, Lodde und Sandaale. Im Nordatlantik spielen Fische eine größere Rolle, in der Antarktis dagegen der Krill.
Fressen im Sommer, fasten im Winter: Gefressen wird fast nur in den Futtergebieten im Sommer. Während der Wanderung und in den warmen Paarungsgebieten nehmen Buckelwale kaum etwas zu sich. Sie leben dann monatelang von ihrer dicken Fettschicht, dem Blubber.
So fressen Buckelwale: Der Wal schwimmt mit weit geöffnetem Maul in einen Schwarm hinein. Seine Kehle dehnt sich dabei stark aus und nimmt eine riesige Menge Wasser auf. Dann schließt er das Maul und presst das Wasser durch die Barten wieder hinaus. Die Beutetiere bleiben an den Barten hängen und werden geschluckt.
Das Blasennetz
Buckelwale haben eine besondere Jagdtechnik erfunden. Ein oder mehrere Wale tauchen unter einen Schwarm und lassen dabei Luft ab. Die aufsteigenden Luftblasen bilden einen Vorhang, ein sogenanntes Blasennetz, das die Beute zusammentreibt. Dann schießen die Wale mit offenem Maul durch die Mitte nach oben. Größere Gruppen stimmen sich dabei mit Lauten ab und jagen gemeinsam.
Verhalten und Lebensweise
Buckelwale leben überwiegend allein oder in kleinen Gruppen von zwei bis fünf Tieren. Diese Gruppen halten meist nicht lange zusammen. Beim gemeinsamen Jagen und in den Paarungsgebieten finden sich die Wale häufiger zusammen. Die engste Verbindung besteht zwischen einer Mutter und ihrem Kalb.
Tauchen: Die meisten Tauchgänge sind kurz. Bei der Nahrungssuche können Buckelwale aber bis zu 30 Minuten unter Wasser bleiben. Meist tauchen sie dabei nicht tiefer als 200 Meter.
Akrobaten: Buckelwale springen oft mit fast dem ganzen Körper aus dem Wasser und lassen sich zurückfallen. Außerdem schlagen sie mit den Brustflossen oder der Fluke auf die Wasseroberfläche. Dabei entsteht ein lauter Knall. Warum sie das tun, ist nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich dienen die Sprünge und Schläge auch der Verständigung.
Der Gesang der Buckelwale
Der Gesang der Buckelwale ist lang und kompliziert: Ein Gesang kann bis zu 30 Minuten dauern. Gesungen wird vor allem von den Männchen, besonders in den Paarungsgebieten. Ein Gesang besteht aus Strophen, die sich regelmäßig wiederholen.
Besonders erstaunlich: Alle Männchen einer Population singen dieselbe Version des Gesangs. Dieser Gesang verändert sich im Laufe der Zeit. Im Südpazifik haben Forschende elf Jahre lang beobachtet, wie sich immer wieder neue Gesänge von Ostaustralien aus nach Osten verbreiteten, von einer Population zur nächsten, wie eine Welle. Die Wale lernen die neuen Lieder also voneinander. Fachleute sehen darin eine Form von Kultur bei Tieren. Der Gesang dient vermutlich dazu, Weibchen anzulocken oder sich mit anderen Männchen zu messen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Geschlechtsreife: Buckelwale werden mit etwa 4 bis 10 Jahren geschlechtsreif.
Paarung: Die Paarung findet im Winter in den warmen Meeren statt. Die Männchen kämpfen dann oft heftig um die Weibchen: Sie stoßen mit den Köpfen zusammen, rammen sich und schlagen mit Flossen und Fluke. Ein Männchen paart sich in einer Saison oft mit mehreren Weibchen.
Tragzeit und Geburt: Die Tragzeit dauert etwa 11 bis 12 Monate. Deshalb kommt das Kalb ungefähr ein Jahr nach der Paarung wieder in den warmen Paarungsgebieten zur Welt. Ein neugeborenes Kalb ist schon 4 bis 5 Meter lang. Es gibt immer nur ein Kalb auf einmal.
Aufzucht: Das Kalb trinkt die Milch seiner Mutter und wächst schnell. Gesäugt wird es 6 Monate bis ein Jahr lang. Etwa ein Jahr bleibt es bei seiner Mutter und begleitet sie auf ihrer Wanderung.
Abstand zwischen den Geburten: Ein Weibchen bekommt im Durchschnitt alle 2 bis 3 Jahre ein Kalb.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Erwachsene Buckelwale haben kaum Feinde. Der einzige bekannte natürliche Feind ist der Schwertwal, und er erbeutet vor allem Kälber. Eine Auswertung von 115 Begegnungen ergab, dass Schwertwale, die Buckelwale angriffen, es nur auf Kälber abgesehen hatten.
Buckelwale als Beschützer: Manchmal drehen Buckelwale den Spieß um. Sie schwimmen gezielt zu jagenden Schwertwalen und stören deren Angriffe. Überraschend dabei: In den meisten beobachteten Fällen war die Beute gar kein Buckelwal, sondern zum Beispiel eine Robbe, ein Seelöwe oder ein anderer Wal. Manche dieser Tiere konnten dadurch entkommen. Warum Buckelwale das tun, ist noch unklar.
Walfang: Buckelwale wurden jahrhundertelang bejagt. Die meisten Bestände schrumpften dadurch um mehr als 95 Prozent. 1966 verbot die Internationale Walfangkommission den kommerziellen Fang von Buckelwalen, 1985 trat zusätzlich ein allgemeiner Stopp des kommerziellen Walfangs in Kraft.
Erholung: Seitdem haben sich viele Bestände gut erholt. Eine Schätzung aus dem Jahr 2018 kommt auf rund 135.000 Buckelwale weltweit.
Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN ist der Buckelwal als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft (Cooke, 2018). Das gilt für die Art als Ganzes. Einzelne Populationen sind weiterhin klein. In den USA werden 4 von 14 Populationen noch als vom Aussterben bedroht geführt, zum Beispiel die im Arabischen Meer und vor Mittelamerika.
Heutige Gefahren:
- Verfangen in Fischernetzen und Leinen: Die meisten Buckelwale geraten im Laufe ihres Lebens mindestens einmal in Fanggeräte.
- Zusammenstöße mit Schiffen
- Unterwasserlärm durch Schiffe und andere Quellen
- Störungen durch zu nahe Boote beim Whale-Watching
- Klimawandel, der die Menge und Verteilung der Beute verändern kann
Häufige Fragen zum Buckelwal
Wie groß und schwer wird ein Buckelwal?
Ein erwachsener Buckelwal ist meist 12 bis 15 Meter lang und wiegt 25 bis 30 Tonnen. Sehr große Tiere werden bis etwa 18 Meter lang und bis etwa 40 Tonnen schwer. Schon ein neugeborenes Kalb misst 4 bis 5 Meter.
Was frisst ein Buckelwal?
Er frisst Krill und kleine Schwarmfische, die er mit seinen Barten aus dem Wasser siebt. Zum Jagen nutzt er manchmal Blasennetze aus Luftblasen. Gefressen wird fast nur im Sommer, im Winter lebt er von seinen Fettreserven.
Warum singen Buckelwale?
Gesungen wird vor allem von Männchen in den Paarungsgebieten. Der Gesang dient wahrscheinlich dazu, Weibchen anzulocken oder anderen Männchen zu imponieren. Ganz geklärt ist die Frage aber nicht.
Warum springen Buckelwale aus dem Wasser?
Das ist noch nicht sicher erforscht. Die Sprünge und das Klatschen mit Flossen oder Fluke erzeugen laute Geräusche unter Wasser. Vermutlich dienen sie auch der Verständigung mit anderen Walen.
Wie alt wird ein Buckelwal?
Das weiß man nicht genau. Die Nordatlantische Meeressäugetier-Kommission NAMMCO nennt ein Höchstalter von etwa 70 Jahren. Die US-Meeresbehörde NOAA geht davon aus, dass Buckelwale 80 bis 90 Jahre alt werden können.
Ist der Buckelwal vom Aussterben bedroht?
Weltweit nicht mehr. Nach dem Ende des großen Walfangs haben sich die Bestände erholt, die IUCN stuft ihn seit 2018 als nicht gefährdet ein. Einige kleine Populationen, etwa im Arabischen Meer, sind aber weiterhin bedroht.
Ähnliche Tiere
- Blauwal - das größte Tier der Erde und ebenfalls ein Furchenwal
- Finnwal - ein größerer, schlanker Furchenwal
- Zwergwal - ein deutlich kleinerer Verwandter aus derselben Familie
- Pottwal - der größte Zahnwal, der in große Tiefen taucht
- Schwertwal - der wichtigste natürliche Feind der Buckelwalkälber
Quellen
- Humpback Whale - NOAA Fisheries
- Cooke, J. G. (2018): Megaptera novaeangliae. The IUCN Red List of Threatened Species
- Garland, E. C. et al. (2011): Dynamic Horizontal Cultural Transmission of Humpback Whale Song at the Ocean Basin Scale. Current Biology 21
- Stevick, P. T. et al. (2011): A quarter of a world away: female humpback whale moves 10 000 km between breeding areas. Biology Letters 7
- Pitman, R. L. et al. (2017): Humpback whales interfering when mammal-eating killer whales attack other species. Marine Mammal Science 33
- Humpback Whale - NAMMCO (North Atlantic Marine Mammal Commission)
Größenvergleich
Ein Buckelwal erreicht eine Körpergröße von 12 bis 18 m. Damit passt er bequem zwischen ein Haus (10 m) und einen Blauwal (25 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Buckelwal bringt 25 bis 40 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Schulbus (12 t), aber leichter als ein Blauwal (150 t). Anders ausgedrückt: Der Buckelwal wiegt so viel wie etwa 3 Schulbusse.