Capybara
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Kurz erklärt
Das Capybara ist das größte Nagetier der Welt. Es wird rund einen Meter lang, wiegt 35 bis 66 Kilogramm und lebt in Südamerika immer in der Nähe von Wasser. Augen, Ohren und Nasenlöcher sitzen oben auf dem Kopf, deshalb kann es fast vollständig untergetaucht schwimmen. Bei Gefahr bleibt es bis zu fünf Minuten unter Wasser.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Hydrochoerus hydrochaeris |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 1,06 bis 1,34 m |
| Körpergewicht | 35 bis 66 kg |
| Ernährung | Pflanzenfresser: vor allem Gräser und Wasserpflanzen, dazu Rinde und Früchte |
| Lebenserwartung | In freier Natur im Schnitt 6 Jahre, höchstens etwa 10, in Menschenobhut bis 12 Jahre |
| Sozialverhalten | Gruppen von meist rund 10 Tieren, in der Trockenzeit auch deutlich größere Ansammlungen |
| Herkunft | Südamerika |
| Verbreitung | Südamerika östlich der Anden, von Kolumbien und Venezuela bis Nordargentinien Südamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1766 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN) |
| Sonstiges | Größtes lebendes Nagetier der Welt. Die IUCN führt das Capybara als nicht gefährdet (LC). Die Angaben zu Größe und Gewicht stammen aus dem Animal Diversity Web; die Schulterhöhe liegt bei etwa 50 bis 60 cm. Eine zweite, kleinere Art ist das Panama-Capybara (Hydrochoerus isthmius). |
Aussehen und Körperbau
Das Capybara ist das größte Nagetier der Welt. Nach Angaben des Animal Diversity Web wiegt es 35 bis 66 Kilogramm und wird 106 bis 134 Zentimeter lang. An der Schulter misst es etwa 50 bis 60 Zentimeter: Der San Diego Zoo nennt 50 cm, das Animal Diversity Web bis zu 60 cm. Damit ist es ungefähr so groß wie ein mittelgroßer Hund, nur viel gedrungener gebaut. Weibchen werden etwas größer und schwerer als Männchen.
Körper wie ein Fass: Der Körper ist tonnenförmig und hat keinen Schwanz. Die Vorderbeine sind etwas kürzer als die Hinterbeine, weshalb der Rücken leicht nach hinten ansteigt. Das Fell ist grob und dünn, oben rotbraun, am Bauch gelblich braun, im Gesicht manchmal fast schwarz.
Alles oben am Kopf: Augen, Ohren und Nasenlöcher sitzen weit oben auf dem Kopf, ähnlich wie beim Flusspferd oder beim Kaiman. Ein Capybara kann deshalb fast vollständig untergetaucht bleiben und trotzdem sehen, hören und riechen, was an Land passiert.
Füße zum Schwimmen: Zwischen den Zehen sitzen kleine Schwimmhäute. Vorn hat das Capybara vier Zehen, hinten drei. Diese Füße taugen zum Schwimmen ebenso wie zum Laufen.
Nagezähne: Wie alle Nagetiere hat das Capybara Schneidezähne, die lebenslang nachwachsen. Es kaut seitlich, ähnlich wie ein Kamel, und nicht auf und ab wie der Mensch. So bekommt es auch zähe Pflanzenfasern klein.
Duftbeule der Männchen: Männchen tragen oben auf der Schnauze eine kahle Beule, die Morillo-Drüse. Sie sondert eine weiße Flüssigkeit ab, die das Tier an Büschen und Bäumen abstreift. Der Geruch wirkt wie ein Ausweis: Er verrät den Rang des Männchens.
Verbreitung und Lebensraum
Capybaras leben in Südamerika östlich der Anden, von Kolumbien und Venezuela bis nach Nordargentinien. Sie kommen nur dort vor, wo ganzjährig Wasser erreichbar ist.
Am liebsten besiedeln sie überschwemmte Grasländer, Sumpfränder und Tieflandwälder mit guten Weideflächen. Daneben leben sie in Trockenwäldern, in Buschland und in offenen Savannen, immer entlang von Flüssen, Teichen und Seen. Wasser ist für sie kein Zusatz, sondern Lebensgrundlage: Ihre Haut trocknet leicht aus, deshalb brauchen sie regelmäßig eine Bademöglichkeit.
Ernährung
Capybaras sind Weidegänger. Sie fressen vor allem Gräser und Wasserpflanzen, gelegentlich auch Rinde und Früchte. Ein erwachsenes Tier nimmt am Tag rund 2,7 bis 3,6 Kilogramm frisches Gras auf. Dabei sind sie wählerisch: Nach Angaben des San Diego Zoo bestehen drei Viertel ihrer Nahrung aus nur drei bis sechs Pflanzenarten. In der Trockenzeit, wenn Gras und Wasserpflanzen vertrocknen, weichen sie auf Schilf, Körner, Melonen und Kürbisse aus.
Zwei Besonderheiten fallen auf. Erstens fressen Capybaras ihren eigenen Kot. Jeden Morgen nehmen sie einen Teil der Nahrung vom Vortag noch einmal auf. Über die Darmbakterien darin holen sie mehr Nährstoffe aus der faserreichen Kost heraus. Zweitens würgen sie Nahrung hoch und kauen sie erneut, obwohl sie mit Wiederkäuern wie der Kuh oder der Giraffe nicht näher verwandt sind.
Verhalten und Lebensweise
Capybaras leben in Gruppen von meist rund zehn erwachsenen Tieren beiderlei Geschlechts. Eine solche Gruppe besteht nach Angaben des San Diego Zoo aus einem ranghohen Männchen, einem oder mehreren Weibchen, weiteren rangniederen Männchen und mehreren Jungtieren. Die Gruppen schwanken zwischen 3 und 30 Tieren, in der Trockenzeit sammeln sich an den letzten Wasserstellen auch deutlich größere Ansammlungen.
Jede Gruppe verteidigt ein Revier mit Weide- und Suhlplätzen. Unter den Männchen gilt eine strenge Rangordnung, die meist durch Verfolgen und nur selten durch Kämpfe durchgesetzt wird. Das Gruppenleben ist überlebenswichtig: Einzelne Tiere werden von den guten Weideflächen verdrängt und finden kaum einen Partner. Einzelgänger sind deshalb selten. Die Zusammensetzung einer Gruppe bleibt über Jahre ziemlich stabil, ein Revier kann über drei Jahre lang von derselben Gruppe gehalten werden.
Weil Capybaras so groß sind, macht ihnen Hitze zu schaffen. Die heißeste Tageszeit verbringen sie im Wasser oder im Schlamm, gefressen wird vor allem morgens und abends. Fühlen sie sich bedroht, warten sie bis zur Dunkelheit.
Rufe spielen in der Gruppe eine große Rolle. Jungtiere geben fast ununterbrochen Laute von sich, und auch erwachsene Tiere verständigen sich viel über Stimme. Entdeckt ein Tier eine Gefahr, bellt es, und oft stürzt die ganze Gruppe ins Wasser.
In vielen Gegenden Südamerikas sind Capybaras die einzigen großen Pflanzenfresser. Wo sie in großer Zahl weiden, verändern sie das Bild der Vegetation deutlich. Außerdem sind sie für einige Vogelarten nützlich: Die Vögel picken Parasiten aus dem Fell oder folgen den grasenden Tieren und fangen die Insekten, die dabei aufgescheucht werden.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Capybaras pflanzen sich das ganze Jahr über fort, mit einem Höhepunkt zu Beginn der Regenzeit. Die Paarung findet im Wasser statt. Ranghohe Männchen versuchen, die Weibchen für sich zu beanspruchen, was in großen Gruppen kaum gelingt: Weibchen paaren sich sowohl mit ranghohen als auch mit rangniederen Männchen.
Nach etwa 150 Tagen Tragzeit kommen 2 bis 8 Junge zur Welt, im Schnitt vier. Die Neugeborenen wiegen rund 1 bis 1,5 Kilogramm und sind weit entwickelt. Mit etwa drei Monaten werden sie entwöhnt, nach ungefähr einem Jahr sind sie selbstständig. Weibchen können mit rund 18 Monaten Nachwuchs bekommen.
In freier Natur werden Capybaras im Schnitt sechs Jahre alt, höchstens etwa zehn. In Menschenobhut sind bis zu zwölf Jahre belegt.
Feinde und Gefährdung
Capybaras stehen auf dem Speiseplan vieler großer Jäger. Zu ihren Feinden zählen der Jaguar, die Anakonda, Kaimane und der Mensch, für Jungtiere außerdem der Ozelot und die Harpyie. Beim Grasen halten die Tiere ständig Ausschau. Bei Gefahr fliehen sie ins Wasser und bleiben dort bis zu fünf Minuten untergetaucht, nur Augen und Nasenlöcher schauen heraus.
Die IUCN führt das Capybara als nicht gefährdet. Begründet wird das mit dem großen Bestand, dem weiten Verbreitungsgebiet und dem häufigen Vorkommen in Schutzgebieten. Einzelne örtliche Bestände gehen allerdings durch zu starke Bejagung zurück, dazu kommen Lebensraumverlust und Wilderei.
Capybaras werden wegen ihres Fleisches und ihres Leders gejagt; beides gilt als hochwertig. In Südamerika ist das Fleisch besonders in der Fastenzeit gefragt, also in den 40 Tagen vor Ostern: Die katholische Kirche ließ es als Ersatz für Rind- und Schweinefleisch zu. Nach Angaben des Animal Diversity Web dürfte die Lebensweise im Wasser frühe Geistliche dazu gebracht haben, das Tier für fischähnlich zu halten. Weil Capybaras Gras wirksamer verwerten als eingeführte Rinder und sich in kleiner Zahl leicht an den Menschen gewöhnen, gibt es Vorschläge, sie gezielt zu halten und so die illegale Jagd einzudämmen.
Häufige Fragen zum Capybara
Wie groß und wie schwer wird ein Capybara?
Ein ausgewachsenes Capybara wird 106 bis 134 Zentimeter lang und wiegt 35 bis 66 Kilogramm. An der Schulter misst es etwa 50 bis 60 Zentimeter. Weibchen sind etwas größer als Männchen.
Ist das Capybara wirklich das größte Nagetier der Welt?
Ja. Kein anderes heute lebendes Nagetier wird so schwer. Zum Vergleich: Der Biber bleibt deutlich darunter.
Warum heißt das Capybara auch Wasserschwein?
Weil es die meiste Zeit am und im Wasser verbringt und mit seinem gedrungenen Körper an ein Schwein erinnert. Verwandt ist es mit Schweinen aber nicht: Es gehört zu den Nagetieren und damit in die Verwandtschaft der Meerschweinchen.
Wie lange kann ein Capybara tauchen?
Bis zu fünf Minuten. So entkommt es Feinden, die es an Land nicht abschütteln könnte.
Was frisst ein Capybara?
Vor allem Gräser und Wasserpflanzen, dazu gelegentlich Rinde und Früchte. Ein erwachsenes Tier frisst täglich rund 2,7 bis 3,6 Kilogramm Gras und nimmt morgens einen Teil seines Kots wieder auf, um mehr Nährstoffe zu gewinnen.
Leben Capybaras allein oder in Gruppen?
In Gruppen von meist rund zehn Tieren. Einzelgänger haben es schwer, weil sie von den besten Weideflächen verdrängt werden und kaum einen Partner finden.
Können Capybaras Schäden anrichten?
Ja, gelegentlich. Sie fallen in Gärten und Felder ein und fressen dort zum Beispiel Melonen, Getreide oder Zuckerrohr. Für Landwirte in ihrem Verbreitungsgebiet sind sie deshalb nicht nur ein gern gesehener Gast.
Ist das Capybara gefährdet?
Nein. Die IUCN stuft es als nicht gefährdet ein. Örtlich gehen Bestände aber durch Jagd zurück.
Ähnliche Tiere
- Meerschweinchen - nächste Verwandte in derselben Familie
- Biber - zweitgrößtes Nagetier und ebenfalls am Wasser zu Hause
- Flusspferd - gleiche Anordnung von Augen, Ohren und Nase
- Jaguar - wichtigster Feind des Capybaras
- Anakonda - Jäger derselben Feuchtgebiete
- Kaiman - teilt Lebensraum und Jagdgründe
- Säugetiere - alle Säugetiere im Lexikon
- Tiere mit C - weitere Tiere, die mit C beginnen
Quellen
Größenvergleich
Ein Capybara erreicht eine Körpergröße von 1,06 bis 1,34 m. Damit passt es bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Das Capybara ist etwa 5-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Capybara bringt 35 bis 66 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg).