Ceratopsia

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Montiertes Skelett eines Triceratops im Museum mit großem Nackenschild, zwei langen Stirnhörnern und kurzem Nasenhorn
EvaK / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.5

Kurz erklärt

Die Ceratopsia waren eine große Gruppe pflanzenfressender Dinosaurier, oft Horndinosaurier genannt. Viele von ihnen hatten einen Hornschnabel, einen knöchernen Nackenkragen und Hörner auf dem Kopf. Der bekannteste ist Triceratops, der etwa 9 Meter lang wurde. Die frühesten Ceratopsier hatten dagegen noch keinen großen Nackenkragen.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCeratopsia
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Überordnung: Dinosaurier (Dinosauria)
  • Ordnung: Vogelbeckensaurier (Ornithischia)
  • Art: Gruppe mit über 70 bekannten Arten, zum Beispiel Triceratops, Protoceratops und Psittacosaurus
KörpergrößeJe nach Art sehr unterschiedlich: Psittacosaurus etwa 2 m, Triceratops etwa 9 m lang
KörpergewichtPsittacosaurus etwa 50 kg, Triceratops etwa 10 t
ErnährungPflanzenfresser; zähe Pflanzen wurden mit Schnabel abgezwickt und mit scherenartig schneidenden Backenzähnen zerkleinert
LebenserwartungUnbekannt
SozialverhaltenVon mehreren Arten sind Gruppen junger oder erwachsener Tiere bekannt, zum Beispiel von Protoceratops; Triceratops wird dagegen meist einzeln gefunden
HerkunftAsien
Verbreitung Fossilien unter anderem aus China, der Mongolei und Russland sowie aus den USA AsienNordamerika
EntdeckungTriceratops: erste Hornzapfen 1887 gefunden, 1889 von Othniel Charles Marsh benannt
SonstigesAusgestorben. Lebten vom Oberjura bis in die Oberkreide; Triceratops lebte vor 68 bis 66 Millionen Jahren. Größen und Gewichte sind Schätzungen.

Was sind Ceratopsier?

Die Ceratopsia, auf Deutsch auch Ceratopsier oder Horndinosaurier genannt, waren eine große Gruppe pflanzenfressender Dinosaurier. Man kennt heute über 70 Arten. Sie alle hatten große, auffällig verzierte Schädel, die sich von Art zu Art stark unterschieden.

Die Ceratopsier gehören zu den Vogelbeckensauriern (Ornithischia), einer der beiden großen Gruppen der Dinosaurier. Ihre nächsten Verwandten sind die Pachycephalosauria, die auf zwei Beinen liefen. Zusammen bilden beide Gruppen die Marginocephalia. Die Ceratopsier selbst liefen meist auf vier Beinen.

Drei Beispiele zeigen, wie verschieden Ceratopsier waren:

  • Psittacosaurus ("Papageienechse"): etwa 2 Meter lang, lebte vor 120 bis 100 Millionen Jahren in Asien und lief auf zwei oder vier Beinen.
  • Protoceratops: ein Ceratopsier mit dünnem, breitem Kragen, der in der Mongolei sehr häufig gefunden wurde.
  • Triceratops ("dreihörniges Gesicht"): etwa 9 Meter lang und rund 10 Tonnen schwer, lebte vor 68 bis 66 Millionen Jahren in Nordamerika.

Aussehen und Körperbau

Schnabel und Rostralknochen: Typisch für alle Ceratopsier ist ein besonderer Knochen, den nur sie besitzen: der Rostralknochen. Dazu kam ein großer, dreieckiger Kopf. Triceratops hatte vorn einen Schnabel wie ein Papagei.

Kragen und Hörner: Die Verzierungen am Schädel sahen bei jeder Art anders aus. Fachleute unterscheiden:

  • den Nackenkragen, gebildet aus vergrößerten Knochen am Hinterkopf
  • Hörner auf der Nase und über den Augen
  • spitze Wangenstacheln
  • kleine Knochenzacken am Rand des Kragens

Beim Triceratops war der Kragen fast einen Meter breit. Sein Schädel gehört zu den größten aller bekannten Landtiere. Bei manchen Ceratopsiern wie Chasmosaurus war der Kopf so schwer, dass der Schwerpunkt des Körpers weit nach vorn rutschte. Solche Tiere konnten nur auf vier Beinen laufen.

Echte Hörner waren länger: Von den Hörnern sind meist nur die knöchernen Hornzapfen erhalten. Zu Lebzeiten waren sie von Keratin überzogen, dem gleichen Stoff, aus dem unsere Haare und Fingernägel bestehen. Die Hörner waren deshalb länger und spitzer, als die Fossilien vermuten lassen.

Haut: Von Triceratops kennt man Hautabdrücke. Sie zeigen große, kieselartige Schuppen.

Vom kleinen Vorfahren zum Riesen

Die ersten Ceratopsier: Ein sehr früher Ceratopsier ist Yinlong downsi aus dem Oberjura. Er wurde in Xinjiang im Nordwesten Chinas gefunden und 2006 beschrieben. Yinlong hatte schon einen Rostralknochen, aber nur einen sehr kleinen Kragen am Hinterkopf, längst nicht so groß wie bei späteren Arten. In seinem Brustkorb lagen sieben Magensteine, jeder 1 bis 1,5 Zentimeter groß. Auch bei Psittacosaurus kennt man solche verhältnismäßig großen Magensteine.

Schritt für Schritt: Den typischen Körperbau mit vier Beinen und Nackenkragen entwickelten die Ceratopsier erst in der Unterkreide. Zuerst wurde die Schnauze kürzer und der Hinterkopf breiter, dann wurden Schnauze und Unterkiefer höher. Erst zum Schluss wuchs der Kragen nach hinten.

Hörner und große Kragen: Frühe Ceratopsier wie Psittacosaurus hatten vergrößerte Wangenstacheln und nur kleine Ansätze eines Kragens. Große Kragen und Hörner tauchten erst später auf. Ihre größte Vielfalt erreichten sie bei den Centrosaurinae vor 80 bis 70 Millionen Jahren. Wenn eine Linie einmal Hörner oder einen Kragen entwickelt hatte, verlor sie diese nie wieder ganz.

Zwei große Familienzweige: Unter den großen Ceratopsiern unterscheidet man zwei Gruppen, die Centrosaurinae und die Chasmosaurinae. Bei Centrosaurus aus der ersten Gruppe war das Nasenhorn groß und die Hörner über den Augen klein. Bei Triceratops aus der zweiten Gruppe war es umgekehrt: zwei große Hörner über den Augen und ein kleineres Nasenhorn.

Wofür hatten Ceratopsier Kragen und Hörner?

Diese Frage beschäftigt die Forschung seit Langem. Für solche auffälligen Körperteile bei ausgestorbenen Tieren gibt es mehrere Erklärungen:

  • Abwehr von Raubtieren
  • mechanische Stütze
  • Regulierung der Körpertemperatur
  • Signale an Artgenossen, etwa bei der Partnerwahl oder im Wettstreit
  • Erkennen der eigenen Art

Kein Erkennungszeichen für die eigene Art: Eine Studie von 2018 verglich die Schädelmerkmale von 46 Ceratopsier-Arten. Wenn Kragen und Hörner vor allem dazu gedient hätten, die eigene Art von anderen zu unterscheiden, müssten Arten, die zur gleichen Zeit am gleichen Ort lebten, besonders verschieden aussehen. Das war nicht der Fall. Als mögliche Erklärung bleiben vor allem Signale an Artgenossen, etwa bei der Partnerwahl oder im Wettbewerb um Rang. Dafür spricht, dass der Schädelschmuck bei Protoceratops beim Heranwachsen überproportional stark wuchs. Einen Unterschied zwischen Männchen und Weibchen kennt man allerdings bei keiner Ceratopsier-Art.

Kämpfe mit Hörnern: Eine Untersuchung von 2009 suchte an Schädeln nach verheilten Verletzungen. Bei Triceratops fanden sich deutlich mehr Verletzungen an einem Knochen des Kragens als bei Centrosaurus. Das passt zu der Vorstellung, dass Triceratops mit seinen Hörnern gegen Artgenossen kämpfte und der Kragen dabei als Schutzschild diente. Centrosaurus nutzte seinen Kopfschmuck dagegen vielleicht eher zum Vorzeigen.

Schutz vor Raubtieren: Ein Triceratops-Fossil von 1997 hat ein Horn, das abgebissen wurde. Die Bissspuren passen zu Tyrannosaurus. Das Horn verheilte danach, das Tier hat den Angriff also überlebt. Der Kragen könnte den Hals geschützt haben. Allerdings zeigen manche Kragen Bisslöcher von Tyrannosaurus, ganz sicher war der Schutz also nicht.

Ernährung

Die Ceratopsier waren Pflanzenfresser. Triceratops konnte mit seinem scharfen Schnabel Pflanzen abzwicken. Er fraß wahrscheinlich vor allem niedrig wachsende Pflanzen. Weil er den Kopf anheben konnte, erreichte er vermutlich auch etwas höhere Zweige.

Kauen wie ein Säugetier: Die meisten pflanzenfressenden Reptilien können nicht richtig kauen, ihre Zähne treffen beim Zubeißen nicht genau aufeinander. Bei den Ceratopsiern war das anders. Frühe Ceratopsier hatten flach gestellte Backenzähne, die wie Scheren arbeiteten. Spätere Ceratopsier wie Protoceratops und Triceratops entwickelten steil stehende, schneidende Backenzähne, mit denen sie zähe, sperrige Pflanzenteile zerkleinern konnten.

Zähne, die sich beim Fressen selbst formten: Die Zähne von Triceratops bestanden aus mehreren verschiedenen Geweben, ähnlich kompliziert aufgebaut wie Säugetierzähne. Beim Fressen nutzten sich diese Gewebe unterschiedlich schnell ab. So entstand in der Mitte jeder Schneidefläche eine Vertiefung, ähnlich wie bei manchen Schwert- und Messerklingen. Sie verringerte die Reibung beim Kauen.

Leben in Gruppen?

Von vielen Ceratopsiern hat man Massengräber gefunden, in denen mehrere Tiere einer Art zusammen lagen. Fast immer sind darunter Jungtiere. Solche Funde kennt man von Psittacosaurus, Protoceratops und verschiedenen großen Ceratopsiern.

Besonders gut untersucht ist Protoceratops: Man kennt Gruppen von kleinen Jungtieren, von halbwüchsigen Tieren und von ausgewachsenen Tieren. Schon früher war ein vermutliches Nest mit 15 Jungtieren beschrieben worden, 2014 kam eine Gruppe aus vier Jungtieren hinzu. Offenbar hielten sich Protoceratops in jedem Alter gern mit ähnlich großen Artgenossen zusammen. Die Forschenden warnen aber davor, aus solchen Funden vorschnell auf ein echtes Familien- oder Herdenleben zu schließen.

Triceratops war in dieser Hinsicht eine Ausnahme: Seine Fossilien werden meist einzeln gefunden. Vielleicht lebte er einen großen Teil seines Lebens allein.

Protoceratops aus der Mongolei

Protoceratops andrewsi wurde 1923 beschrieben und stammt aus der Djadochta-Formation der Oberkreide in der Mongolei. Er gehört zu den häufigsten Ceratopsiern der Mongolei, von ihm kennt man Hunderte Fossilien aus allen Altersstufen. Sein dünner, breiter Kragen und ein Höcker auf der Nase bildeten sich erst im Laufe des Wachstums aus. Weil so viele Tiere unterschiedlichen Alters erhalten sind, lässt sich bei Protoceratops besonders gut nachvollziehen, wie ein Dinosaurier heranwuchs.

Triceratops: der berühmteste Ceratopsier

Lebenszeit und Fundort: Triceratops lebte in der Oberkreide vor 68 bis 66 Millionen Jahren im heutigen Nordamerika, Fossilien stammen aus den USA. Er war ein Zeitgenosse von Tyrannosaurus.

Entdeckung: 1887 fand der amerikanische Paläontologe Othniel Charles Marsh zwei Hornzapfen. Er hielt sie zunächst für die Hörner eines riesigen Bisons und nannte das Tier Bison alticornis. Erst weitere Funde zeigten, dass sie zu einem dreihörnigen Dinosaurier gehörten. 1889 gab Marsh ihm den Namen Triceratops.

Wie viele Arten? Später fand man viele unterschiedlich geformte Triceratops-Schädel und glaubte an zahlreiche Arten. Heute geht man von nur zwei Arten aus, Triceratops horridus und Triceratops prorsus. Die Unterschiede zwischen den Schädeln zeigen wohl vor allem, dass einzelne Tiere recht verschieden aussehen konnten.

Kein Nashorn: Triceratops erinnert mit Nasenhorn und massigem Körper an ein Nashorn. Verwandt sind die beiden aber nicht: Triceratops war ein Dinosaurier, Nashörner sind Säugetiere. Ähnliche Lebensweisen haben bei beiden zu ähnlichen Formen geführt. Fachleute nennen das konvergente Evolution.

Verbreitung und Zeitalter

Die Ceratopsier lebten über einen langen Zeitraum. Der frühe Vertreter Yinlong stammt aus dem Oberjura, Psittacosaurus aus der Unterkreide vor 120 bis 100 Millionen Jahren. Triceratops lebte noch in der Oberkreide vor 68 bis 66 Millionen Jahren. Heute gibt es keine Ceratopsier mehr.

Die hier vorgestellten Arten wurden in Asien und Nordamerika gefunden: Yinlong in China, Psittacosaurus in China, der Mongolei und Russland, Protoceratops in der Mongolei und Triceratops in den USA.

Häufige Fragen zu den Ceratopsia

Was bedeutet der Name Triceratops?

Triceratops bedeutet "dreihörniges Gesicht". Der Name passt: Triceratops hatte zwei lange Hörner über den Augen und ein kürzeres Horn auf der Nase.

Wie groß waren Ceratopsier?

Das hing stark von der Art ab. Psittacosaurus war etwa 2 Meter lang und wog rund 50 Kilogramm. Triceratops erreichte etwa 9 Meter Länge und rund 10 Tonnen Gewicht.

Was haben Ceratopsier gefressen?

Ceratopsier waren Pflanzenfresser. Triceratops zwickte Pflanzen mit seinem Schnabel ab und zerkleinerte sie mit Zahnreihen, die wie Scheren arbeiteten. Anders als die meisten Reptilien konnten Ceratopsier richtig kauen.

Wofür war der Kragen des Triceratops gut?

Ganz sicher weiß man es nicht. Verheilte Verletzungen sprechen dafür, dass Triceratops mit Artgenossen kämpfte und der Kragen dabei schützte. Außerdem dienten Kragen und Hörner wahrscheinlich als Signal an Artgenossen, etwa bei der Partnerwahl.

War Triceratops mit dem Nashorn verwandt?

Nein. Triceratops war ein Dinosaurier, Nashörner sind Säugetiere. Die Ähnlichkeit entstand, weil beide ähnlich lebten. Das nennt man konvergente Evolution.

Wann lebten die Ceratopsier?

Die ersten Ceratopsier lebten im Oberjura, der frühe Vertreter Yinlong stammt aus dieser Zeit. Triceratops lebte vor 68 bis 66 Millionen Jahren in der Oberkreide.

Ähnliche Tiere

  • Tyrannosaurus rex - lebte zur gleichen Zeit wie Triceratops, seine Bissspuren fand man an Triceratops-Fossilien
  • Stegosaurus - ein weiterer pflanzenfressender Dinosaurier
  • Brachiosaurus - ein riesiger pflanzenfressender Dinosaurier
  • Velociraptor - ein kleiner Raubdinosaurier aus der Kreidezeit
  • Nashorn - ein Säugetier, das Triceratops durch konvergente Evolution ähnelt

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Ceratopsia
2 bis 9 m

Eine Ceratopsia erreicht eine Körpergröße von 2 bis 9 m. Damit passt sie bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und ein Haus (10 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Ceratopsia ist etwa 3-mal so groß wie ein Erwachsener.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Ceratopsia
50 kg bis 10 t

Eine Ceratopsia bringt 50 kg bis 10 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Schulbus (12 t). Anders ausgedrückt: Die Ceratopsia wiegt so viel wie etwa 201 Kinder.