Deutscher Wachtelhund
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Kurz erklärt
Der Deutsche Wachtelhund ist ein mittelgroßer, langhaariger Jagdhund aus Deutschland. Er ist ein Stöberhund: Er sucht im dichten Wald und im Schilf selbstständig nach Wild und treibt es laut bellend zum Jäger. Es gibt ihn in Braun oder als Schimmel mit weiß gemischtem Fell. Weil er so jagdbegeistert ist, wird er fast nur an Jäger und Förster abgegeben.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Canis lupus familiaris |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 45 bis 54 cm |
| Körpergewicht | 18 bis 25 kg |
| Lebenserwartung | Etwa 12 bis 14 Jahre |
| Herkunft | Deutschland |
| Sonstiges | FCI-Standard Nr. 104, Gruppe 8 (Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde), Sektion 2 Stöberhunde, mit Arbeitsprüfung. Widerristhöhe: Rüden 48 bis 54 cm, Hündinnen 45 bis 52 cm. Gewicht etwa 18 bis 25 kg, Hündinnen etwas leichter. |
Was für ein Hund ist der Wachtelhund?
Der Deutsche Wachtelhund, unter Jägern oft kurz „Wachtel“ genannt, ist ein Jagdgebrauchshund. Der internationale Hundeverband FCI führt ihn unter der Nummer 104 in der Gruppe 8 bei den Stöberhunden, und zwar als Rasse „mit Arbeitsprüfung“. Der Zuchtverein betont, dass er streng nach Jagdleistung züchtet.
Ein Stöberhund sucht im dichten Gelände, etwa in Dickungen, Hecken oder im Schilf, selbstständig nach Wild. Hat er eine Spur gefunden, folgt er ihr und gibt dabei Laut, er bellt also. Man nennt das spurlaut. So weiß der Jäger immer, wo sein Hund gerade ist und dass Wild kommt. Anders als Vorstehhunde bleibt der Wachtelhund nicht stehen, wenn er Wild wittert. Auf diese Anlage hat man bei der Zucht von Anfang an nicht geachtet.
Aussehen und Körperbau
Der Deutsche Wachtelhund ist ein mittelgroßer, langhaariger und sehr muskulöser Hund mit kräftigen Knochen. Er ist länger als hoch. Der FCI-Standard gibt als Verhältnis von Körperlänge zu Widerristhöhe 1,2 zu 1 an. Hochbeinig soll er auf keinen Fall wirken.
Größe und Gewicht
- Rüden: 48 bis 54 Zentimeter Widerristhöhe
- Hündinnen: 45 bis 52 Zentimeter Widerristhöhe
- Gewicht: etwa 18 bis 25 Kilogramm, je nach Größe. Hündinnen sind bei gleicher Größe etwas leichter als Rüden.
Die Widerristhöhe misst man vom Boden bis zum höchsten Punkt der Schulter.
Kopf und Ohren
Der Kopf ist edel mit einem flachen, mäßig breiten Schädel und nur wenig ausgeprägtem Stopp, also dem Übergang von der Stirn zum Nasenrücken. Der Fang ist kräftig und so lang wie der Oberkopf. Die mittelbraunen Augen sollen möglichst dunkel sein. Die Ohren sind hoch und breit angesetzt und hängen flach dicht hinter den Augen herab. Legt man sie nach vorn, reichen sie bis zur Nase.
Fell
Das Haar ist kräftig, liegt dicht an und ist meist wellig, gelegentlich auch lockig oder glatt. Darunter wächst eine dichte Unterwolle. Am Nacken, an den Ohren und auf der Kruppe ist es oft lockig. Die Rückseiten der Beine und die Rute sind gut befedert, häufig gibt es eine kleine Halskrause. Auch der Bauch soll dicht behaart sein, denn der Hund arbeitet in nassem und dornigem Gelände. Dünnes oder seidiges Haar gilt nach dem Standard als Fehler.
Einen „Kurzhaar-Wachtelhund“ gibt es übrigens nicht. Der Standard beschreibt ausschließlich langhaarige Hunde.
Farben: braun, Braunschimmel und Rotschimmel
Nach Farben wird oft gesucht, und hier hat der Wachtelhund eine Besonderheit: Er wird in zwei getrennten Farbschlägen gezüchtet.
- Einfarbig braun, seltener auch rot. Oft haben diese Hunde weiße oder geschimmelte Abzeichen an Brust und Zehen.
- Braunschimmel, seltener Rotschimmel. Bei ihnen sind braune oder rote Haare dicht mit weißen gemischt. Der Kopf ist oft einfarbig braun oder rot, dazu kommen größere Flecken, die Jäger „Platten“ nennen, manchmal bis hin zu einem „Mantel“ über den ganzen Rücken. Zu diesem Farbschlag gehören auch Schecken mit weißer Grundfarbe und großen braunen oder roten Platten sowie Tiger, bei denen die weiße Grundfarbe mit braunen oder roten Tupfen gesprenkelt ist.
In beiden Farbschlägen können rote Abzeichen über den Augen, am Fang und an den Beinen vorkommen, der sogenannte Brand. Mit „rot“ sind alle rötlichen Töne gemeint, von fuchs- über reh- bis hirschrot. Schwarz ist nicht erlaubt: Schwarze Haarfarbe gilt nach dem FCI-Standard als disqualifizierender Fehler, solche Hunde sind von der Zucht ausgeschlossen.
Herkunft und Geschichte
Stöberhunde, die dem heutigen Wachtelhund ähneln, lassen sich in der Jagdliteratur schon seit Jahrhunderten nachweisen. Auch der Name „Wachtelhund“ ist alt. Um 1900 kamen aber nur noch wenige solcher Hunde vor. Friedrich Roberth rief 1897 dazu auf, die verbliebenen Hunde zu sammeln. Am Hubertustag 1903, dem 3. November, gründete eine kleine Runde den Wachtelhundclub. Er besteht heute als Verein für Deutsche Wachtelhunde e. V. (VDW) und ist im Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) der einzige Zuchtverein für diese Rasse.
Als Stammvater der Rasse gilt der Rüde „Lord Augusta“ aus Staufenberg in Oberbayern. Die Hündin „Baby auf der Schanze“ brachte die Braunschimmelfarbe in die Zucht. Die Ausgangsbasis war klein: Nach Angaben des VDW gehen die Hunde auf die sogenannten „10 Patriarchen“ zurück.
Entscheidend für das Überleben der Rasse war der Forstmann Rudolf Frieß. Er prägte die Zucht über Jahrzehnte und setzte durch, dass die Farbschläge Braun und Braunschimmel getrennt gezüchtet wurden. So blieben trotz der wenigen Ausgangstiere zwei nicht miteinander verwandte Linien erhalten, und die Züchter konnten Inzuchtschäden vermeiden. Früher galten die Braunen als „Kurzjager“, die näher am Jäger suchten, die Braunschimmel als besonders ausdauernde „Weitjager“. Heute ist dieser Unterschied nicht mehr zuverlässig, weil beide Schläge mehrfach miteinander verpaart wurden.
In den 1930er-Jahren wurden jährlich etwa 500 Welpen eingetragen, im Zweiten Weltkrieg nur noch rund 100. Ab 1950 waren es in West- und Ostdeutschland zusammen wieder etwa 700 pro Jahr. Im Jahr 2017 kamen im VDW 604 Welpen zur Welt. Auch in Österreich, der Schweiz, Schweden, Tschechien und Slowenien gibt es Vereine für die Rasse. In den USA führt der American Kennel Club den Wachtelhund seit 2011 in seinem Foundation Stock Service, einer Vorstufe zur Anerkennung.
Wesen und Charakter
Der FCI-Standard beschreibt den Wachtelhund als lebhaft und jagdlich sehr passioniert, freundlich und umweltsicher, sehr gelehrig und anpassungsfähig, weder ängstlich noch aggressiv. Aggressive oder übermäßig ängstliche Hunde sind von der Zucht ausgeschlossen.
Seine jagdlichen Eigenschaften zählt der Standard genau auf. Der Wachtelhund hat einen starken Finderwillen, folgt Spuren und Fährten sicher und gibt zuverlässig Laut. Er hat eine feine Nase, bringt gern und geht gern ins Wasser. Gegenüber Wild und Raubwild ist er scharf, das heißt, er packt auch zu. Bei guter Ausbildung jagt er selbstständig, aber kontrolliert in weiten Bögen und kommt zum Jäger zurück.
Der VDW beschreibt, dass Wachtelhunde beim Stöbern meist etwa 20 bis 40 Minuten jagen und sich dann wieder bei ihrem Menschen einfinden. Er ist also kein Hund, der ständig bei Fuß läuft. Gerade diese Selbstständigkeit ist bei der Jagd erwünscht, im Alltag ohne Jagd kann sie aber zum Problem werden.
Einsatz bei der Jagd
Seine Hauptaufgabe ist das Stöbern im Wald, zum Beispiel bei Drück- und Stöberjagden auf Schalenwild wie Rehe, Hirsche und Wildschweine. Findet er Wildschweine, die sich nicht aus ihrem Versteck bewegen, verbellt er sie ausdauernd und ruft so den Hundeführer herbei.
Daneben ist er vielseitig:
- Schweißarbeit: Er sucht verletztes Wild auf der Blutspur, die Jäger „Schweiß“ nennen.
- Wasserarbeit: Er stöbert im Schilf und bringt geschossene Enten und Gänse aus dem Wasser.
- Verlorenbringen: Er sucht und apportiert geschossenes Niederwild, sogar Hasen und, gut trainiert, einen Fuchs.
Nur zwei Aufgaben übernimmt er nicht: das Vorstehen und die Arbeit im Fuchs- oder Dachsbau.
Haltung: Ist der Wachtelhund ein Familienhund?
Kurz gesagt: nur, wenn er auch jagen darf. Der Wachtelhund ist freundlich zu Menschen und kann gut im Haus mit der Familie leben. Er wurde und wird aber nach dem Rassestandard „ausschließlich von Jägern für Jäger“ gezüchtet. Welpen werden deshalb in der Regel nur an Jäger und Förster abgegeben. Ohne jagdliche Arbeit wäre er mit seinem starken Jagdtrieb und seinem Bewegungsdrang dauerhaft unterfordert.
Wer einen Wachtelhund führt, braucht Zeit für Ausbildung und Prüfungen. Der VDW bietet ein gestuftes Prüfungswesen an, von der Jugendprüfung, bei der Nase, Spurlaut und Wasserfreude getestet werden, bis zur Gebrauchsprüfung mit Stöbern, Wasserarbeit, Apport und Schweißarbeit über Nacht.
Welpen und Züchter
Wer als Jäger einen Welpen sucht, kann sich an die Landesgruppen oder den Zuchtleiter des VDW wenden. Diese vermitteln Züchteradressen und kennen aktuelle Würfe. Wartezeiten sind möglich. Die Welpen ziehen mit acht bis neun Wochen zu ihren neuen Besitzern. In den ersten Wochen ist viel Kontakt wichtig, denn in dieser Zeit lernt der Hund, sich an seinen Menschen zu binden und mit anderen Hunden umzugehen. Der VDW empfiehlt Welpenspieltage.
Junge Wachtelhunde sollten sich viel frei bewegen dürfen, aber keinen Laufzwang haben. Laufen am Fahrrad, viele Treppen und sehr glatte Böden sind in der Wachstumszeit ungünstig, weil Überlastung Gelenkschäden fördern kann. Schwimmen gilt dagegen als schonende Bewegung.
Pflege
Das lange Fell mit dichter Unterwolle braucht mäßig viel Pflege. Regelmäßiges Bürsten hält es sauber, und nach einem Einsatz im Wald lohnt sich ein Blick auf Kletten und kleine Verletzungen. Die langen, behaarten Ohren brauchen besondere Aufmerksamkeit: Zu enge Gehörgänge gelten im Standard als Fehler, weil sie für Ohrenentzündungen anfällig machen. Man sollte die Ohren deshalb regelmäßig kontrollieren.
Die Rute darf nach dem FCI-Standard in den ersten drei Lebenstagen um höchstens ein Drittel gekürzt werden, damit sie sich bei der Arbeit nicht wund schlägt. In Ländern, in denen das Kupieren verboten ist, bleibt sie naturbelassen.
Gesundheit und Lebenserwartung
Der VDW nennt einige gesundheitliche Probleme, die in der Vergangenheit auftraten: In einigen braunen Linien kam Kryptorchismus vor, also Hoden, die nicht in den Hodensack absteigen. Durch konsequenten Zuchtausschluss spielt er heute keine Rolle mehr. Außerdem trat Hüftgelenksdysplasie (HD) auf, vor allem bei schwereren braunen Hunden. Seit 1970 ist das Röntgen der Hüften für Zuchthunde im VDW Pflicht. Seit Ende der 1980er-Jahre hilft zusätzlich eine Zuchtwertschätzung bei der Auswahl der Elterntiere.
Der FCI-Standard wertet Hautveränderungen wie Dermatitis und Atopie als schwere Fehler. Ein ein- oder ausgerolltes Augenlid (Entropium oder Ektropium) führt zum Ausschluss von der Zucht. So sollen diese Probleme nicht weitervererbt werden.
Die Lebenserwartung wird in Rasseporträts, zum Beispiel beim American Kennel Club, mit etwa 12 bis 14 Jahren angegeben.
Häufige Fragen zum Deutschen Wachtelhund
Wie groß und schwer wird ein Deutscher Wachtelhund?
Rüden werden 48 bis 54 Zentimeter hoch, Hündinnen 45 bis 52 Zentimeter. Das Gewicht liegt je nach Größe bei etwa 18 bis 25 Kilogramm.
Welche Farben gibt es beim Wachtelhund?
Es gibt zwei Farbschläge: einfarbig braun (selten rot) und Schimmel. Zu den Schimmeln gehören Braunschimmel und Rotschimmel sowie Schecken und Tiger mit weißer Grundfarbe. Schwarz ist im Standard nicht zugelassen.
Wie ist der Charakter des Wachtelhundes?
Freundlich, lebhaft, sehr lernfreudig und anpassungsfähig, dabei weder ängstlich noch aggressiv. Vor allem aber ist er ein leidenschaftlicher Jäger mit starkem Finderwillen, der selbstständig arbeitet.
Kann man einen Wachtelhund ohne Jagd halten?
Das ist nicht vorgesehen. Der Zuchtverein züchtet den Wachtelhund ausschließlich für Jäger, und Welpen gehen in der Regel nur an Jäger und Förster. Ohne jagdliche Arbeit wäre er mit seinem starken Jagdtrieb unterfordert.
Wie alt wird ein Deutscher Wachtelhund?
Rasseporträts, etwa beim American Kennel Club, nennen eine Lebenserwartung von etwa 12 bis 14 Jahren.
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Quellen
- FCI-Standard Nr. 104: Deutscher Wachtelhund, Fédération Cynologique Internationale (PDF)
- Geschichte des Vereins - Verein für Deutsche Wachtelhunde e. V.
- Jagdliche Eignung - Verein für Deutsche Wachtelhunde e. V.
- Tipps zum Welpenkauf - Verein für Deutsche Wachtelhunde e. V.
- Deutscher Wachtelhund - Dog Breed Information, American Kennel Club
- Deutscher Wachtelhund - Wikipedia
Größenvergleich
Ein Deutscher Wachtelhund erreicht eine Körpergröße von 45 bis 54 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Deutscher Wachtelhund bringt 18 bis 25 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Der Deutscher Wachtelhund wiegt so viel wie etwa 5 Hauskatzen.