Dilophosaurus
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Kurz erklärt
Der Dilophosaurus war ein schlanker Raubdinosaurier mit zwei dünnen Knochenkämmen auf dem Kopf. Er lebte vor rund 184 Millionen Jahren im heutigen Arizona (USA), wurde etwa 7 Meter lang und rund 400 Kilogramm schwer. Damals war er das größte bekannte Landtier Nordamerikas. Gift spucken und einen Halskragen aufstellen konnte er nicht, das hat sich der Film „Jurassic Park“ ausgedacht.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Dilophosaurus wetherilli |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 7 m |
| Körpergewicht | 400 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: kleinere und größere Tiere, vielleicht auch Fische |
| Lebenserwartung | Unbekannt |
| Sozialverhalten | Unbekannt |
| Herkunft | Arizona (USA) |
| Verbreitung | Skelette nur aus dem Norden Arizonas (Kayenta-Formation); ob Fußspuren aus anderen Gegenden von ihm stammen, ist unsicher Nordamerika |
| Entdeckung | Erste Knochen 1940 von Jesse Williams entdeckt, 1942 ausgegraben; 1954 als Megalosaurus wetherilli beschrieben, seit 1970 Dilophosaurus |
| Sonstiges | Ausgestorben. Lebte im Unterjura vor rund 184 Millionen Jahren (Alter der Fundschichten nicht genau bekannt). Länge und Gewicht gelten für das größte bekannte Tier und sind Schätzungen. |
Was war der Dilophosaurus?
Der Dilophosaurus war ein Raubdinosaurier aus dem frühen Jura. Sein Name bedeutet „Zweikamm-Echse“. Er bezieht sich auf die beiden dünnen Knochenkämme auf seinem Kopf, sein auffälligstes Merkmal.
Er gehörte zu den Theropoden, also zu den zweibeinigen, meist fleischfressenden Dinosauriern. Der Dilophosaurus war einer der ersten großen Raubdinosaurier. Nach einer Studie von 2020 war er das größte bekannte Tier, das zu seiner Zeit in Nordamerika an Land lebte.
Es gibt nur eine Art: Dilophosaurus wetherilli. Der Artname ehrt John Wetherill, einen Entdecker und Hobby-Archäologen. Eine Art aus China, die 1993 als Dilophosaurus sinensis beschrieben wurde, gehört heute zur Gattung Sinosaurus. Früher stellte man den Dilophosaurus in eine eigene Familie, die Dilophosauridae. Ob diese Gruppe wirklich zusammengehört, ist inzwischen umstritten.
Entdeckung
Die ersten Skelette: Im Jahr 1940 entdeckte der Navajo Jesse Williams Knochen im Norden Arizonas, in der Nähe von Tuba City im Gebiet der Navajo Nation. 1942 führte er Forschende der University of California zu der Stelle. Dort lagen drei Skelette in einem Dreieck beieinander. Das erste war fast vollständig, das dritte stark verwittert.
Ein Name mit Umweg: Der Paläontologe Samuel Welles hielt die Tiere zunächst für eine neue Art des Megalosaurus und nannte sie 1954 Megalosaurus wetherilli. 1964 fand er in der Nähe ein größeres Skelett. Beim Präparieren merkte man, dass das Tier zwei Kämme auf dem Kopf trug. Auch beim ersten Skelett erkannte man nun die Reste der Kämme, die man vorher für verschobene Wangenknochen gehalten hatte. 1970 bekam der Dinosaurier deshalb einen eigenen Gattungsnamen: Dilophosaurus. Nach dem Natural History Museum war er der erste Raubdinosaurier, den man mit Schädelkämmen fand.
Weitere Funde: 2001 erkannte ein Forscher in einer Museumssammlung Reste weiterer Tiere, die schon 1978 gefunden worden waren. Darunter waren Knochen eines sehr jungen Dilophosaurus. 2020 beschrieben Adam Marsh und Timothy Rowe alle bekannten Skelette neu. Marsh nannte den Dilophosaurus den „am besten bekannten schlecht bekannten Dinosaurier“: Er war berühmt, aber kaum genau untersucht.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Das größte bekannte Tier war etwa 7 Meter lang und wog rund 400 Kilogramm. Das entspricht ungefähr der Größe eines Braunbären. Sein Schädel war 59 Zentimeter lang. Das kleinere erste Skelett war etwa 6 Meter lang und wog rund 283 Kilogramm.
Höhe: Beim kleineren Skelett lag die Hüfte etwa 1,36 Meter über dem Boden. Mit erhobenem Hals und Kopf war das Tier deutlich höher. Eine genaue Kopfhöhe nennen die Fachstudien nicht.
Die Kämme: Auf dem Schädel saßen zwei hohe, dünne und gebogene Knochenkämme, die parallel von vorn nach hinten verliefen. Zu Lebzeiten waren sie wahrscheinlich mit Horn überzogen. Dadurch könnten sie größer gewesen sein oder eine andere Form gehabt haben als die Knochen, die man heute sieht.
Kiefer und Zähne: Die Schnauze war schmal. Im Oberkiefer gab es hinter der Spitze einen deutlichen Knick mit einer Lücke zwischen den Zähnen. Die Zähne waren lang, gebogen, schmal und hatten meist gesägte Kanten.
Körper: Der Dilophosaurus war schlank und leicht gebaut. Der Hals war lang, seine Wirbel waren hohl und sehr leicht. Die Arme waren kräftig. An jeder Hand saßen vier Finger: Der erste war kurz, aber stark und trug eine große Kralle, der vierte war nur noch ein kleiner Rest. Die Beine waren kräftig, die Zehen trugen große Krallen.
Federn? Ob der Dilophosaurus Federn hatte, ist unklar. Eine versteinerte Ruhespur eines ähnlichen Raubsauriers zeigt Abdrücke, die manche Forschende als Federn deuten. Andere halten sie für Spuren im Sand.
Wofür waren die Kämme da?
Als Waffe taugten die Kämme nicht, dafür waren sie viel zu dünn und zerbrechlich. Am wahrscheinlichsten ist, dass sie der Verständigung dienten. Die Tiere könnten sich daran gegenseitig erkannt oder damit Partner beeindruckt haben, ähnlich wie manche heutige Vögel mit Kämmen und Helmen. Ob die Kämme bunt waren, weiß niemand, denn Farben sind bei diesen Fossilien nicht erhalten. Ob sich Männchen und Weibchen in den Kämmen unterschieden, ist ebenfalls unbekannt.
Mythos aus Jurassic Park: Gift und Halskragen
Viele kennen den Dilophosaurus aus dem Film „Jurassic Park“ von 1993. Dort spuckt ein kleiner Dinosaurier Gift und spreizt einen großen Kragen um den Hals. Beides ist erfunden:
- Giftspucken: Die Idee stammt aus dem Roman „Jurassic Park“ von Michael Crichton aus dem Jahr 1990. Crichton wollte zeigen, dass ein aus altem Erbgut zurückgeholter Dinosaurier unerwartet gefährlich sein könnte. Für Gift beim Dilophosaurus gibt es keinen Beweis aus Fossilien.
- Halskragen: Den Kragen fügte das Designteam des Films hinzu, ähnlich dem Kragen einer heutigen Kragenechse. Auch dafür gibt es keine Belege.
- Größe: Im Film ist der Dilophosaurus nur etwa 1,2 Meter hoch. Man machte ihn kleiner, damit er nicht mit den Velociraptoren verwechselt wird. Das Filmteam ging selbst davon aus, dass das echte Tier etwa 3 Meter hoch war.
In einem Buch über die Entstehung des Films wird der Dilophosaurus als die einzige ernsthafte Abweichung von der Wissenschaft bezeichnet.
Ernährung
Der Dilophosaurus war ein Fleischfresser. Was genau er jagte, wurde lange diskutiert:
- Kleine Beute und Fische: Wegen der Lücke im Oberkiefer hielten Forschende seinen Biss früher für schwach. Einige vermuteten deshalb, dass er vor allem kleinere Tiere jagte. Andere wiesen auf Ähnlichkeiten mit fischfressenden Tieren hin, zum Beispiel den Spinosauriern und dem Gangesgavial. In der Nähe gab es damals einen großen See mit vielen Fischen.
- Auch große Beute: Die Neubeschreibung von 2020 zeigte, dass der Oberkiefer viel stabiler gebaut war als gedacht. Mit den kräftigen Armen konnte der Dilophosaurus wohl auch größere Tiere packen.
- Ein möglicher Hinweis: Am Skelett des pflanzenfressenden Dinosauriers Sarahsaurus fand man mögliche Bissspuren, die vom Dilophosaurus stammen könnten.
Weil er leicht gebaut war und wohl gut rennen konnte, halten ihn die meisten Forschenden für einen aktiven Jäger und nicht für einen Aasfresser.
Lebensweise
Der Dilophosaurus lief auf zwei Beinen. Versteinerte Fährten zeigen, wie ähnliche Raubsaurier sich bewegten. Eine versteinerte Spur, die vielleicht von einem Dilophosaurus stammt, zeigt ein Tier, das am Ufer eines Sees stehen blieb und sich hinsetzte. Ob solche Fußspuren wirklich vom Dilophosaurus stammen, ist aber oft nicht sicher.
Ein zähes Tier: Das erste Skelett zeigt acht verletzte oder krankhaft veränderte Knochen an Schulter und Armen, darunter Brüche und Knochenwucherungen. Laut einer Studie von 2016 hat kein anderer bis dahin beschriebener Raubdinosaurier so viele und so verschiedene Schäden an Schultergürtel und Armen. Alle Verletzungen waren verheilt. Das Tier hat also Monate oder sogar Jahre damit überlebt.
Wachstum und Fortpflanzung
Über die Fortpflanzung des Dilophosaurus ist nichts bekannt. Eier oder Nester wurden nicht gefunden. Wie andere Dinosaurier legte er vermutlich Eier.
Einiges weiß man über das Wachstum. Die meisten gefundenen Skelette stammen von jungen Tieren, nur das größte von einem ausgewachsenen. Der Aufbau der Knochen deutet darauf hin, dass der Dilophosaurus schnell wuchs. Nach einer älteren Schätzung legte er in jungen Jahren vielleicht 30 bis 35 Kilogramm pro Jahr zu. Die Knochen eines sehr jungen Tieres gehören zu den frühesten Funden eines jungen Raubdinosauriers in Nordamerika.
Zeitalter und Umwelt
Der Dilophosaurus lebte im Unterjura. Das Natural History Museum gibt ein Alter von rund 184 Millionen Jahren an. Das genaue Alter der Gesteinsschicht, der Kayenta-Formation, ist allerdings schwierig zu bestimmen, andere Angaben liegen teils deutlich höher, bei bis zu etwa 196 Millionen Jahren. Einige Millionen Jahre vorher hatte ein großes Massenaussterben am Ende der Trias einen großen Teil des Lebens auf der Erde ausgelöscht.
Im Norden Arizonas gab es damals eine Wüste mit Flüssen. Je nach Jahreszeit wanderten Sanddünen in die feuchteren Gebiete hinein und wieder hinaus, in denen die meisten Tiere lebten. Mit dem Dilophosaurus lebten dort der Pflanzenfresser Sarahsaurus, der kleine gepanzerte Scutellosaurus, der kleinere Raubsaurier Megapnosaurus, frühe Verwandte der Krokodile, Schildkröten, Frösche, ein Flugsaurier und frühe Verwandte der Säugetiere.
Häufige Fragen zum Dilophosaurus
Wie groß war der Dilophosaurus?
Das größte bekannte Tier war etwa 7 Meter lang und rund 400 Kilogramm schwer, also etwa so groß wie ein Braunbär. Ein kleineres Skelett war 6 Meter lang und wog rund 283 Kilogramm.
Wie hoch war der Dilophosaurus?
Beim kleineren Skelett lag die Hüfte etwa 1,36 Meter hoch. Mit Hals und Kopf war er deutlich höher. Im Film „Jurassic Park“ wurde er auf 1,2 Meter verkleinert, das Filmteam selbst schätzte das echte Tier auf rund 3 Meter.
Konnte der Dilophosaurus wirklich Gift spucken?
Nein. Das Giftspucken hat der Autor Michael Crichton für seinen Roman erfunden, der Halskragen stammt vom Filmteam. In den Fossilien gibt es für beides keine Belege.
Was hat der Dilophosaurus gefressen?
Er war ein Fleischfresser und jagte vermutlich sowohl kleinere als auch größere Tiere. Manche Forschende halten es für möglich, dass er auch Fische fing.
Wann und wo lebte der Dilophosaurus?
Er lebte vor rund 184 Millionen Jahren im Unterjura. Seine Skelette wurden nur im Norden Arizonas (USA) gefunden, in einer damals wüstenartigen Landschaft mit Flüssen.
Wofür hatte der Dilophosaurus Kämme auf dem Kopf?
Vermutlich zum Erkennen von Artgenossen oder um Partner zu beeindrucken. Zum Kämpfen waren die dünnen Knochenkämme zu zerbrechlich.
Ähnliche Tiere
- Spinosaurus - ein viel späterer Raubsaurier, der sicher viel Fisch fraß
- Tyrannosaurus rex - der bekannteste Raubdinosaurier, lebte über 100 Millionen Jahre später
- Velociraptor - ebenfalls ein Raubdinosaurier, bekannt aus „Jurassic Park“
- Eoraptor - ein kleiner Raubdinosaurier aus der Trias, über 40 Millionen Jahre älter
- Gangesgavial - ein heutiges Krokodil, mit dessen Kiefer man den Dilophosaurus verglichen hat
Quellen
- Dilophosaurus - Dino Directory, Natural History Museum London
- Marsh, A. D. & Rowe, T. B. (2020): A comprehensive anatomical and phylogenetic evaluation of Dilophosaurus wetherilli. Journal of Paleontology 94 (S78), 1-103
- Senter, P. & Juengst, S. L. (2016): Record-Breaking Pain: The Largest Number and Variety of Forelimb Bone Maladies in a Theropod Dinosaur. PLOS ONE 11, e0149140
- Dilophosaurus - Wikipedia (englisch)
Größenvergleich
Ein Dilophosaurus erreicht eine Körpergröße von 7 m. Damit passt er bequem zwischen eine Giraffe (5,5 m) und ein Haus (10 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Dilophosaurus bringt 400 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Dilophosaurus wiegt so viel wie etwa 5 Erwachsene.