Diplodocus

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Montiertes Diplodocus-Skelett mit langem, schräg erhobenem Hals in der Ausstellungshalle eines Naturkundemuseums
Ryan Schwark / Wikimedia Commons / CC0

Kurz erklärt

Der Diplodocus war ein Langhals-Dinosaurier, der vor etwa 152 bis 145 Millionen Jahren im Westen Nordamerikas lebte. Mit rund 26 Metern gehörte er vermutlich zu den längsten Dinosauriern, auch dank seines sehr langen, peitschenartigen Schwanzes. Trotzdem wog er nur etwa 15 Tonnen. Abgüsse seines Skeletts stehen in Museen auf der ganzen Welt, der bekannteste heißt Dippy.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameDiplodocus
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Überordnung: Dinosaurier (Dinosauria)
  • Ordnung: Echsenbeckensaurier (Saurischia)
  • Unterordnung: Sauropoden (Sauropoda)
  • Familie: Diplodocidae
  • Gattung: Diplodocus
  • Art: Mehrere Arten; gut belegt sind Diplodocus carnegii und Diplodocus hallorum
KörpergrößeEtwa 26 m lang (Natural History Museum London), ein Teil davon entfällt auf den sehr langen Schwanz
KörpergewichtEtwa 15 t (Schätzung des Natural History Museum London)
ErnährungPflanzenfresser: weiche Pflanzen und Blätter; die Abnutzung der Zähne spricht für Fressen in Bodennähe
LebenserwartungUnbekannt
SozialverhaltenUnbekannt
HerkunftWestliches Nordamerika
Verbreitung Alle Funde stammen aus der Morrison-Formation im Westen der USA, unter anderem aus Wyoming Nordamerika
Entdeckung1878 von Othniel Charles Marsh benannt; das bekannteste Skelett (Diplodocus carnegii, CM 84) stammt aus Albany County in Wyoming (USA)
SonstigesAusgestorben. Lebte im Oberjura vor etwa 152 bis 145 Millionen Jahren. Länge und Gewicht sind Schätzungen. Abgüsse des Carnegie-Skeletts stehen unter anderem in London, Berlin, Paris, Wien und Madrid.

Was war der Diplodocus?

Der Diplodocus war ein riesiger Sauropode. So heißen die pflanzenfressenden Dinosaurier mit sehr langem Hals, die auf vier Beinen liefen. Er lebte im Oberjura vor etwa 152 bis 145 Millionen Jahren im Westen des heutigen Nordamerikas. Mit rund 26 Metern gehörte er vermutlich zu den längsten Dinosauriern überhaupt.

Der Name Diplodocus bedeutet „Doppelbalken“. Er bezieht sich auf kleine Knochen an der Unterseite des Schwanzes. Bei vielen anderen Dinosauriern sind diese Knochen gerade und spitz. Beim Diplodocus haben sie zwei Äste und sehen aus wie ein umgedrehtes „V“. Der Forscher Othniel Charles Marsh, der die Gattung 1878 benannte, hielt dieses Merkmal für einzigartig. Später fand man es aber auch bei vielen anderen Langhals-Dinosauriern.

Welche Diplodocus-Arten gibt es?

Im Lauf der Zeit wurden mehrere Arten zur Gattung Diplodocus gestellt. 2015 verglichen die Paläontologen Emanuel Tschopp, Octávio Mateus und Roger Benson die Originalfunde aller bis dahin beschriebenen Arten dieser Dinosaurierfamilie und viele weitere gut erhaltene Skelette Knochen für Knochen. Ihr Ergebnis:

  • Diplodocus carnegii ist sehr gut belegt, vor allem durch das fast vollständige Skelett mit der Sammlungsnummer CM 84 aus Wyoming. Das Original steht im Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh (USA).
  • Diplodocus hallorum wurde zuerst als eigene Gattung Seismosaurus beschrieben und galt als einer der größten Sauropoden überhaupt. Diese Größenschätzung beruhte aber vor allem auf Schwanzwirbeln, die an der falschen Stelle eingeordnet worden waren. Heute zählt die Art zu Diplodocus.
  • Diplodocus longus ist die Art, mit der Marsh die Gattung 1878 begründete. Ihr Originalfund besteht nur aus zwei fast vollständigen und einigen bruchstückhaften Schwanzwirbeln. Nach Tschopp und seinen Kollegen reicht das nicht, um die Art sicher zu erkennen. Sie schlugen deshalb vor, Diplodocus carnegii zur neuen Typusart zu machen, also zur Art, die die Gattung festlegt. Dieser Vorschlag setzte sich aber nicht durch: Das Natural History Museum führt weiterhin Diplodocus longus als Typusart.

Dieselbe Untersuchung stellte eine weitere frühere Art, „Diplodocus“ hayi, in eine eigene neue Gattung namens Galeamopus. Außerdem kamen die Forscher zu dem Schluss, dass der berühmte Brontosaurus wieder als eigene Gattung gelten kann.

Aussehen und Körperbau

Länge: Das Natural History Museum in London gibt für den Diplodocus eine Länge von 26 Metern an. Seine enorme Länge verdankte er zum Teil dem extrem langen Schwanz.

Gewicht: Das Museum schätzt sein Gewicht auf etwa 15 Tonnen. Damit war er für seine Länge eher leicht gebaut. Die riesigen Titanosaurier der Oberkreide, zum Beispiel der Patagotitan, waren nach Angaben des Museums viel größer und schwerer.

Hals: Mit dem langen Hals erreichte der Diplodocus Pflanzen weit oben und weit unten und konnte damit auch trinken. Wie er den Hals hielt, war lange umstritten. Viele Forschende gehen heute davon aus, dass kräftige Bänder von der Hüfte bis zum hinteren Hals liefen. Sie hätten den Hals waagerecht halten können, ohne dass Muskeln dafür arbeiten mussten. Für solche Bänder spricht, dass die Rückenwirbel in der Mitte gespalten sind. In der Lücke war Platz für sie.

Schwanz: Der Schwanz war sehr lang und peitschenartig. Der Diplodocus brauchte ihn vermutlich zur Verteidigung. Forschungen zeigten, dass Diplodocus-Schwänze nicht über den Boden schleiften, sondern in der Luft gehalten wurden.

Rücken: Möglicherweise trug der Diplodocus entlang des Rückens schmale, spitze Stacheln aus Knochen.

Maul und Zähne: Die Schnauze war breit und vorn fast gerade abgeschnitten. Die Zähne saßen nur ganz vorn im Maul und standen in einer Reihe wie die Zinken eines Kamms. An den Seiten der Kiefer fehlten Zähne. Mit den Zähnen packte und rupfte er die Pflanzen wahrscheinlich nur ab, zum Kauen dienten sie nicht.

Ständig neue Zähne: Hinter jedem Zahn wuchsen bis zu fünf Ersatzzähne heran. Eine Untersuchung der Wachstumslinien im Zahnbein ergab, dass ein neuer Zahn etwa 185 Tage zum Wachsen brauchte. Im Durchschnitt wurde jeder Zahn etwa alle 35 Tage ersetzt. Nach dieser Studie hatten der Diplodocus und seine nahen Verwandten zusammen mit einigen Titanosauriern den schnellsten bekannten Zahnwechsel unter den Dinosauriern und ihren Verwandten wie den Krokodilen.

Ernährung

Der Diplodocus war ein Pflanzenfresser. Er fraß weiche Pflanzen und Blätter von Bäumen.

Fressen in Bodennähe: Wie genau er fraß, haben Forschende aus der Form der Schnauze und aus winzigen Kratzern und Grübchen auf den Zähnen abgeleitet. Frühere Untersuchungen deuteten solche Spuren als Hinweis darauf, dass er in Baumkronen fraß oder Blätter von Zweigen abstreifte. Eine Studie von John Whitlock aus dem Jahr 2011 kam zu einem anderen Ergebnis: Die breite, eckige Schnauze und die Abnutzungsspuren passen am besten zu einem Tier, das Pflanzen in Bodennähe abweidete, ohne lange auszuwählen. Solche Fresser lebten vor allem in offenen, savannenartigen Landschaften.

Energie sparen: Eine Erklärung für den langen Hals ist, dass der Diplodocus so viele Pflanzen erreichen konnte, ohne seinen schweren Körper bewegen zu müssen. Das hätte ihm viel Energie gespart.

Platz für alle: Neben dem Diplodocus lebte in derselben Gegend der Sauropode Camarasaurus. Er hatte viel größere Zähne, die er seltener wechselte, etwa alle 62 Tage. Die Unterschiede deuten darauf hin, dass beide Riesen unterschiedliche Pflanzen fraßen oder auf unterschiedliche Weise fraßen. Das hat ihnen vermutlich geholfen, im selben Gebiet nebeneinander zu leben.

Lebensraum und Zeitalter

Alle bisher bekannten Diplodocus-Knochen stammen aus der Morrison-Formation. Das ist eine Gesteinsschicht aus dem Oberjura, die sich über mehrere Bundesstaaten im Westen der USA erstreckt. Das Skelett CM 84 wurde in den Sheep-Creek-Steinbrüchen im Albany County in Wyoming ausgegraben.

Zur Zeit des Diplodocus war es dort heiß und trocken, ähnlich wie in einer Savanne. Neben Baumfarnen und Palmfarnen gab es Frösche, Eidechsen, Schildkröten und Flugsaurier. In der Morrison-Formation fand man auch viele andere bekannte Dinosaurier aus dem Jura, zum Beispiel den Raubsaurier Allosaurus, den Brontosaurus und den Stegosaurus.

Lebensweise und Fortpflanzung

Über das Leben des Diplodocus ist vieles unsicher. Warum Sauropoden einen so langen Hals hatten, weiß niemand genau. Neben der Energiespar-Erklärung gibt es die Idee, dass der lange Hals ein Gegengewicht zum langen Schwanz bildete. Viele Forschende sind davon aber nicht überzeugt.

Ob der Diplodocus in Herden lebte, wie alt er wurde und wie seine Nester aussahen, lässt sich aus den Funden nicht sicher ablesen. Was man allgemein über die Fortpflanzung der Sauropoden weiß, steht auf unserer Seite zum Brachiosaurus.

Dippy und die Abgüsse in aller Welt

Dass man den Diplodocus in vielen Museen der Welt sehen kann, liegt an dem reichen Unternehmer Andrew Carnegie. Nach dem Fund von Diplodocus carnegii ließ er Abgüsse des Skeletts herstellen und verschenkte die meisten davon selbst an große Naturkundemuseen.

Dippy in London: Der britische König Eduard VII. sah in Carnegies Schloss in Schottland ein Bild des Skeletts und wünschte sich eine Kopie. 1905 schenkte Carnegie dem Natural History Museum in London den ersten Abguss. Der Abguss wurde unter dem Spitznamen „Dippy“ berühmt. Von 1979 bis Anfang 2017 stand Dippy in der großen Eingangshalle, der Hintze Hall. 1993 wurde sein Schwanz vom Boden angehoben, passend zu den neuen Forschungsergebnissen. Der Abguss besteht aus 292 Knochen. Etwa alle zwei Jahre reinigten ihn zwei Fachleute zwei Tage lang.

Im Januar 2017 verließ Dippy das Museum für eine Reise durch Großbritannien. Nach einer kurzen Rückkehr 2022 ist er heute als Dauerleihgabe in der Herbert Art Gallery & Museum in Coventry zu sehen. Seit Juli 2024 steht im Garten des Londoner Museums ein Diplodocus in voller Größe aus Bronze. Kinder aus Gruppen der Umgebung halfen bei der Namenssuche, er heißt „Fern“.

Weitere Abgüsse: Nachbildungen des Carnegie-Skeletts stehen laut dem Carnegie Museum in den großen Naturkundemuseen von Berlin, Paris, Madrid, Wien, Bologna, Sankt Petersburg, La Plata (Argentinien) und Mexiko-Stadt.

Nicht verwechseln: Das riesige Skelett, das im Lichthof des Museums für Naturkunde in Berlin alle anderen überragt, ist kein Diplodocus. Es gehört zum Giraffatitan, der früher Brachiosaurus brancai hieß. Mit 13,27 Metern Höhe ist es laut Museum das größte montierte Dinosaurierskelett der Welt. Seine Knochen stammen vom Tendaguru-Hügel im heutigen Tansania.

Häufige Fragen zum Diplodocus

Wie groß und schwer war der Diplodocus?

Der Diplodocus war etwa 26 Meter lang und wog nach Schätzung des Natural History Museum in London rund 15 Tonnen. Einen Teil der Länge machte der sehr lange Schwanz aus. Genaue Werte kennt niemand, denn Länge und Gewicht werden aus Skeletten berechnet.

Was hat der Diplodocus gefressen?

Er war ein Pflanzenfresser und fraß weiche Pflanzen und Blätter. Die Form seiner Schnauze und die Spuren auf seinen Zähnen sprechen dafür, dass er vor allem Pflanzen in Bodennähe abweidete. Mit dem langen Hals erreichte er aber auch höher wachsende Pflanzen.

Wann lebte der Diplodocus?

Er lebte im Oberjura, vor etwa 152 bis 145 Millionen Jahren. Seine Fossilien stammen alle aus dem Westen der USA.

War der Diplodocus der größte Dinosaurier?

Er war einer der längsten, aber nicht der größte. Der Giraffatitan war deutlich höher gebaut. Titanosaurier aus der Kreidezeit wie Patagotitan und Dreadnoughtus waren viel größer und schwerer.

Wo kann man einen Diplodocus sehen?

Das Originalskelett von Diplodocus carnegii steht im Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh. Abgüsse gibt es unter anderem in Berlin, Paris, Madrid und Wien. Der berühmte Londoner Abguss Dippy ist derzeit in Coventry ausgestellt, im Garten des Natural History Museum steht die Bronzefigur Fern.

Wie sahen die Zähne des Diplodocus aus?

Seine Zähne saßen wie ein Kamm vorn in der breiten Schnauze. Damit rupfte er Pflanzen ab, zum Kauen dienten sie wahrscheinlich nicht. Etwa alle 35 Tage wuchs an jeder Stelle ein neuer Zahn nach.

Ähnliche Tiere

  • Brachiosaurus - Langhals-Dinosaurier aus derselben Zeit und Gegend, aber mit langen Vorderbeinen
  • Barosaurus - ein naher Verwandter aus der Familie der Diplodocidae
  • Patagotitan - einer der schwersten bekannten Sauropoden
  • Stegosaurus - gepanzerter Pflanzenfresser, der in der Morrison-Formation lebte
  • Giraffe - erreicht mit ihrem langen Hals ebenfalls Blätter in großer Höhe

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Diplodocus
26 m

Der Diplodocus ist mit 26 m ein wahrer Riese der Tierwelt. Er übertrifft sogar den Blauwal (25 m), das größte Vergleichsobjekt auf unserer Skala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Diplodocus
15 t

Ein Diplodocus bringt 15 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Schulbus (12 t), aber leichter als ein Blauwal (150 t).