Dornhai

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Zwei junge Dornhaie mit grauem, weiß gepunktetem Körper und großen Augen schwimmen über sandigem Grund
Ecomare/Salko de Wolf / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Dornhai ist ein kleiner, schlanker Hai mit weißen Punkten und einem spitzen Stachel vor jeder Rückenflosse. Er wird meist 70 bis 100 cm lang und lebt in kühlen Küstenmeeren, auch in der Nordsee. Ein Weibchen ist bis zu zwei Jahre trächtig und bekommt nur wenige Junge, deshalb trifft die Überfischung Dornhaie besonders hart. In Deutschland kennt man sie vor allem als Schillerlocken.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameSqualus acanthias
Abstammung
  • Klasse: Knorpelfische (Chondrichthyes)
  • Unterklasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
  • Ordnung: Dornhaiartige (Squaliformes)
  • Familie: Dornhaie (Squalidae)
  • Gattung: Squalus
  • Art: Dornhai
KörpergrößeMeist 70 bis 100 cm; Weibchen werden größer als Männchen; als Höchstlänge nennen Fachquellen 124 cm (Florida Museum, Weibchen), 160 cm (Thünen-Institut) oder 200 cm (FishBase)
KörpergewichtErwachsene Weibchen meist 3,2 bis 4,5 kg; als Höchstgewicht nennen FishBase und Thünen-Institut 9,1 kg, das Florida Museum 9,8 kg
ErnährungFleischfresser: Schwarmfische wie Hering, Sardine und Makrele, außerdem Kabeljau, Plattfische, Tintenfische, Krebse, Borstenwürmer, Seegurken und Quallen
LebenserwartungHöchstalter bis 75 Jahre; im Nordatlantik werden die meisten Tiere 20 bis 24 Jahre alt (FishBase)
SozialverhaltenLebt in Schwärmen, die nach Größe und bei erwachsenen Tieren nach Geschlecht getrennt sind; wandert je nach Wassertemperatur
HerkunftKühle und gemäßigte Meere
Verbreitung Küstenmeere von Atlantik und Südpazifik: von Grönland bis Argentinien, von Island bis Marokko mit Nordsee, westlicher Ostsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer, an der Küste des südlichen Afrikas, um Australien und Neuseeland sowie vor Peru und Chile AfrikaEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralienMeer
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020)
SonstigesEnglisch spiny dogfish oder spurdog. Die Dornhaie im Nordpazifik gelten heute als eigene Art, der Gefleckte Dornhai (Squalus suckleyi). Geräucherte Bauchlappen kommen als Schillerlocken in den Handel.

Was ist ein Dornhai?

Der Dornhai (Squalus acanthias) ist ein kleiner Hai aus der Familie der Dornhaie. Wie alle Haie hat er ein Skelett aus Knorpel und gehört deshalb zu den Knorpelfischen. Seinen Namen hat er von den spitzen Stacheln vor seinen beiden Rückenflossen. Auch der wissenschaftliche Name acanthias bezieht sich auf diese Stacheln, er stammt vom griechischen Wort für Dorn.

Der Dornhai ist wahrscheinlich die häufigste Haiart der Welt. Auf Englisch heißt er spiny dogfish oder spurdog. Der Name „dogfish“ kommt von Fischern: Sie fanden, dass die Haie kleine Fische in Rudeln jagen wie Hunde.

Seit etwa 2010 unterscheiden Fachleute zwei Arten: den Dornhai, der in Atlantik und Südpazifik lebt, und den Gefleckten Dornhai (Squalus suckleyi) im Nordpazifik. Ältere Bücher fassen beide noch als eine Art zusammen.

Aussehen und Körperbau

Körperform: Der Dornhai ist lang gestreckt und schlank. Er hat eine kurze, spitze Schnauze und große Augen.

Farbe: Rücken und Seiten sind grau bis blaugrau, manchmal mit einem bräunlichen Schimmer. Auf den Seiten verteilen sich weiße Punkte. Bei jungen Dornhaien sind sie besonders deutlich zu sehen, mit dem Alter verblassen sie und verschwinden bei manchen Tieren ganz. Der Bauch ist hellgrau bis weiß.

Flossen und Stacheln: Der Dornhai hat zwei Rückenflossen, die erste ist deutlich größer als die zweite. Vor jeder Rückenflosse sitzt ein kräftiger Stachel. Eine Afterflosse fehlt ihm.

Zähne: Die Zähne im Ober- und Unterkiefer sind klein und ähnlich geformt. Ihre Spitzen sind zur Seite geneigt, sodass sie zusammen eine fast durchgehende Schneide bilden.

Größe: Die meisten Dornhaie sind 70 bis 100 cm lang. Weibchen werden größer als Männchen. Wie groß Dornhaie höchstens werden, geben Fachquellen unterschiedlich an: Das Florida Museum nennt für Weibchen 124 cm, das Thünen-Institut 160 cm und FishBase sogar 200 cm.

Gewicht: Erwachsene Weibchen wiegen meist 3,2 bis 4,5 kg. Als Höchstgewicht nennen FishBase und das Thünen-Institut 9,1 kg, das Florida Museum 9,8 kg.

Alter: Dornhaie wachsen langsam und können sehr alt werden. Als Höchstalter werden 75 Jahre angegeben. Im Nordatlantik werden die meisten Tiere aber nur 20 bis 24 Jahre alt.

Verbreitung und Lebensraum

Wo er lebt: Der Dornhai lebt in kühlen und gemäßigten Meeren. Im Westatlantik kommt er von Grönland und Kanada bis Florida und Kuba vor, außerdem vor Uruguay und Argentinien. Im Ostatlantik reicht sein Gebiet von Island bis Marokko. Dazu gehören die Nordsee, die westliche Ostsee, das Mittelmeer und das Schwarze Meer. Außerdem lebt er an der Küste des südlichen Afrikas, um Australien und Neuseeland sowie vor Peru und Chile.

Lebensraum: Dornhaie leben auf dem Festlandsockel und an den oberen Hängen zur Tiefsee, meist in flacheren Bereichen. Sie halten sich oft in Bodennähe auf, schwimmen aber auch im freien Wasser und an der Oberfläche. Laut FishBase wurden sie bis in fast 2.000 m Tiefe gefunden, meist leben sie in 50 bis 300 m Tiefe.

Wassertemperatur: Am wohlsten fühlen sich Dornhaie bei 7 bis 15 °C. Brackwasser vertragen sie und kommen deshalb auch in Buchten und Flussmündungen vor. Wird das Wasser dort zu salzarm oder zu warm, ziehen sie weiter. Im Süßwasser überleben sie nur wenige Stunden.

Ernährung

Der Dornhai ist ein Raubfisch, der frisst, was er findet. Am häufigsten jagt er Knochenfische:

  • Schwarmfische wie Hering, Sardinen und Makrelen
  • Kabeljau und verschiedene Plattfische
  • Tintenfische, Krebse und Borstenwürmer
  • Seegurken, Quallen und Rippenquallen

Feiner Sinn: Der Dornhai kann schwache elektrische Felder wahrnehmen, die von seiner Beute ausgehen.

Ärger mit Fischern: Fischer mögen den Dornhai oft nicht. Er frisst Fische aus ihren Netzen, beißt Netze kaputt und beschädigt Fanggeräte. Im Winter frisst der Dornhai dagegen vermutlich nur wenig, denn im Frühjahr wirken die Tiere an der Küste sehr dünn.

Verhalten und Lebensweise

Schwärme: Dornhaie leben in Schwärmen. Früher wurden Schwärme mit Tausenden Tieren beobachtet. Meist sind die Schwärme nach Größe getrennt, bei erwachsenen Tieren auch nach Geschlecht. Es gibt also Gruppen aus großen Weibchen und Gruppen aus Männchen.

Wanderungen: Viele Dornhaie wandern weite Strecken. Sie folgen dabei der Wassertemperatur, um in ihrem Wohlfühlbereich zu bleiben. Markierte Dornhaie aus der nördlichen Nordsee schwammen im Winter vor die Küste Norwegens und im Sommer zurück nach Schottland. Andere Dornhaie bleiben dagegen in einem Gebiet.

Verteidigung mit Stacheln: Wird ein Dornhai bedroht, krümmt er seinen Körper zu einem Bogen und schlägt mit den Stacheln nach dem Angreifer.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Lebendgebärend: Die Befruchtung findet im Körper des Weibchens statt. Die jungen Dornhaie entwickeln sich zuerst in Eiern, schlüpfen aber noch im Mutterleib und liegen danach frei im Eileiter. Die Jungen werden lebend geboren. Diese Art der Fortpflanzung nennt man ovovivipar.

Extrem lange Tragzeit: Ein Dornhai-Weibchen ist 18 bis 24 Monate trächtig. Laut FishBase ist das die längste bekannte Tragzeit aller Knorpelfische. Das Florida Museum zählt sie sogar zu den längsten Tragzeiten aller Wirbeltiere.

Junge: Ein Wurf besteht aus 1 bis 20 Jungtieren, meist sind es 4 bis 8. Größere und ältere Weibchen bekommen mehr und größere Junge. Bei der Geburt sind die kleinen Haie 20 bis 33 cm lang. Sie kommen mit dem Kopf voran zur Welt. Damit sie ihre Mutter nicht verletzen, stecken ihre Stacheln in einer Hülle aus Knorpel. Zur Geburt sammeln sich trächtige Weibchen in flachen, geschützten Buchten.

Spät erwachsen: Dornhaie brauchen viele Jahre, bis sie selbst Junge bekommen können. Männchen werden je nach Gebiet mit 6 bis 14 Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst mit 10 bis 35 Jahren.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Dornhaie wurden in den Mägen von Kabeljau und anderen großen Raubfischen gefunden, sogar in anderen Dornhaien. Auch größere Haie, Robben und Schwertwale fressen Dornhaie, allerdings seltener.

Warum Überfischung so gefährlich ist: Dornhaie wachsen langsam, werden spät erwachsen und bekommen nach langer Tragzeit nur wenige Junge. Das Thünen-Institut schätzt, dass sich ein Bestand frühestens nach 14 Jahren verdoppeln kann. Hinzu kommt, dass sich große Weibchen in Schwärmen sammeln. Solche Schwärme sind leicht zu fangen. Werden gezielt die großen Weibchen gefischt, fehlt der Nachwuchs.

Beispiel Nordostatlantik: Lange war der Dornhai für Fischer kaum interessant. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde er dann für Lebertran und als Speisefisch immer stärker befischt. In den 1960er-Jahren wurden im Nordostatlantik bis zu 60.000 Tonnen pro Jahr angelandet. Danach ging der Bestand stark zurück. Von 2011 bis 2022 durften Fischer in den Gewässern der EU und Großbritanniens keine Dornhaie mehr gezielt fangen. Ungewollt gefangene Tiere mussten sofort zurück ins Meer gesetzt werden.

Erholung: Weil deutlich weniger gefischt wurde, hat sich der Bestand im Nordostatlantik erholt. Nach Angaben des Thünen-Instituts ist er heute wieder in einem guten Zustand. Seit 2023 dürfen Fischer in den Gewässern der EU und Großbritanniens wieder gezielt Dornhaie fangen, mit festen Fangmengen. Dornhaie über 100 cm dürfen dort aber nicht angelandet werden. So sollen die großen Weibchen geschützt werden.

Rote Liste: Die Rote Liste der IUCN stuft den Dornhai weltweit als gefährdet (Vulnerable) ein (2020). Er steht außerdem in Anhang II der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten.

Dornhai und Mensch

Schillerlocken: In Deutschland kennt man den Dornhai vor allem als Delikatesse. Die geräucherten Bauchlappen werden als Schillerlocken verkauft. Das Fleisch kommt in Gelee eingelegt als „Seeaal“ in den Handel. In Großbritannien heißt der Dornhai im Fischhandel „rock salmon“ und wird für Fish and Chips verwendet. Laut Marktdaten des Thünen-Instituts lag der Verbrauch von Dornhai in Deutschland 2023 aber gerundet bei 0 Tonnen.

Quecksilber: Große Raubfische wie Haie reichern Methylquecksilber an. In einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wurden die höchsten Gehalte in geräuchertem Thunfisch, Dornhai und Rotbarsch gemessen. Das BfR rät Schwangeren und Stillenden, den Verzehr von Hai und anderen stark belasteten Fischen einzuschränken.

Gefährlich für Menschen? Im Wasser ist der Dornhai für Menschen nicht gefährlich. Wer einen gefangenen Dornhai anfasst, kann sich aber an den Stacheln verletzen. Über die Wunde kann ein Gift eindringen. Für die meisten Menschen ist es nur leicht reizend, in Ausnahmefällen kann es aber eine heftige allergische Reaktion auslösen.

Weitere Nutzung: Aus Dornhaien wurden außerdem Leberöl, Vitaminpräparate, Leder, Fischmehl und Dünger hergestellt.

Häufige Fragen zum Dornhai

Ist der Dornhai gefährlich?

Im Wasser nicht. Gefährlich sind nur seine Stacheln, wenn man einen gefangenen Dornhai anfasst. Das Gift in der Wunde ist für die meisten Menschen nur leicht reizend, selten kommt es zu einer starken allergischen Reaktion.

Was sind Schillerlocken?

Schillerlocken sind geräucherte Bauchlappen des Dornhais. Sie werden in Deutschland als Delikatesse verkauft. Das übrige Fleisch kommt als „Seeaal“ in den Handel.

Wie lange ist ein Dornhai trächtig?

18 bis 24 Monate, also bis zu zwei Jahre. Laut FishBase hat kein anderer bekannter Knorpelfisch eine so lange Tragzeit. Danach bringt das Weibchen meist 4 bis 8 lebende Junge zur Welt.

Gibt es Dornhaie in der Nordsee?

Ja. Die Nordsee gehört zum Verbreitungsgebiet, ebenso die westliche Ostsee. Nach starkem Rückgang durch Überfischung hat sich der Bestand im Nordostatlantik inzwischen wieder erholt.

Wie groß wird ein Dornhai?

Die meisten Dornhaie sind 70 bis 100 cm lang und wiegen wenige Kilogramm. Weibchen werden größer als Männchen. Als Höchstwerte nennen Fachquellen 124 bis 200 cm Länge und 9,1 bis 9,8 kg Gewicht.

Ist der Dornhai vom Aussterben bedroht?

Weltweit gilt er laut IUCN als gefährdet (2020). Der Grund ist Überfischung, die ihn wegen seiner langen Tragzeit und seiner wenigen Jungen besonders hart trifft. Im Nordostatlantik hat sich der Bestand nach einem Fangverbot erholt.

Ähnliche Tiere

  • Hornhai - ein weiterer kleiner Hai
  • Riesenhai - der zweitgrößte Fisch der Welt, ein Planktonfresser
  • Weißer Hai - der bekannteste große Raubhai
  • Hammerhai - Hai mit auffällig geformtem Kopf
  • Rochen - wie die Haie Knorpelfische
  • Dorsch - einer der Fische, die Dornhaie fressen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Dornhai
70 cm bis 1 m

Ein Dornhai erreicht eine Körpergröße von 70 cm bis 1 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Dornhai ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Dornhai
9,1 kg

Ein Dornhai bringt 9,1 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg).