Dornteufel

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Stacheliger gelb-brauner Dornteufel läuft mit hochgerecktem Schwanz über roten Wüstensand
User:Bäras / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Dornteufel ist eine kleine Echse aus den Sandwüsten Australiens, die von Kopf bis Schwanz mit Stacheln bedeckt ist. Er frisst ausschließlich Ameisen. Wasser leitet er über winzige Rillen in seiner Haut bis zum Maul. Trotz seines Namens ist er für Menschen völlig harmlos.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameMoloch horridus
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere
  • Familie: Agamen (Agamidae)
  • Unterfamilie: Amphibolurinae
  • Gattung: Moloch
  • Art: Dornteufel
KörpergrößeBis etwa 20 cm mit Schwanz, Kopf-Rumpf etwa 8 bis 11 cm
Körpergewicht28 bis 89 g
ErnährungAusschließlich Ameisen
LebenserwartungMindestens 6 Jahre, bis etwa 20 Jahre (Angaben uneinheitlich)
SozialverhaltenEinzelgänger ohne festes Revier
HerkunftAustralien
Verbreitung Trockengebiete in Western Australia, Northern Territory, South Australia und im äußersten Westen von Queensland Australien
EntdeckungErstbeschreibung 1841 durch John Edward Gray
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2017)

Name und Verwandtschaft

Der Dornteufel (Moloch horridus) heißt auch Moloch. Auf Englisch nennt man ihn „thorny devil“ oder „mountain devil“. Der britische Zoologe John Edward Gray beschrieb die Art im Jahr 1841 anhand von Tieren aus Western Australia. Den Gattungsnamen Moloch wählte er vermutlich nach einer furchterregenden Gottheit aus alten Überlieferungen. Das lateinische Wort horridus bedeutet „rau“ oder „schrecklich“ und passt zu den vielen Stacheln.

Der Dornteufel gehört zur Familie der Agamen und ist die einzige Art seiner Gattung. Er ähnelt stark den Krötenechsen aus den Wüsten Nordamerikas, die ebenfalls stachelig sind und Ameisen fressen. Nah verwandt sind die beiden aber nicht. Sie haben sich unabhängig voneinander in ähnlichen Lebensräumen ähnlich entwickelt. Fachleute nennen das konvergente Evolution.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Der Dornteufel ist eine kleine, gedrungene Echse. Von der Schnauze bis zur Schwanzspitze misst er bis zu etwa 20 Zentimeter. Die Kopf-Rumpf-Länge, also ohne Schwanz, liegt bei etwa 8 bis 11 Zentimetern. Weibchen sind größer als Männchen:

WeibchenMännchen
Kopf-Rumpf-Länge (Durchschnitt)etwa 9,1 cmetwa 7,9 cm
Gewicht (Durchschnitt)etwa 45 getwa 31 g
Höchstwertebis 11 cm und knapp 89 gbis 9,6 cm und 49 g

Das Gewicht schwankt im Lauf des Jahres stark. Innerhalb weniger Monate können Dornteufel bis zu 30 Prozent ihres Körpergewichts verlieren oder zunehmen. Weibchen wachsen nach dem ersten Lebensjahr schneller als Männchen, bis sie etwa fünf Jahre alt sind.

Stacheln: Kopf, Rücken, Beine und Schwanz sind dicht mit großen, spitzen Stacheln besetzt. Sogar der Bauch trägt kegelförmige Schuppen. Die Stacheln sind verhornte Schuppen ohne Knochen im Inneren. Nur zwei Stacheln am Kopf sitzen auf kleinen Knochenhöckern des Schädels.

Der falsche Kopf: Im Nacken sitzt ein stacheliger Buckel. Wird der Dornteufel angegriffen, steckt er seinen echten Kopf zwischen die Vorderbeine. Dann zeigt er dem Angreifer den Buckel, der wie ein zweiter Kopf wirkt.

Farbwechsel: Die bräunliche bis gelbliche Färbung tarnt die Echse auf dem Wüstenboden sehr gut. Der Dornteufel kann seine Farbe mit der Temperatur ändern. Morgens, wenn es noch kühl ist, ist er eher braun oder olivfarben. Wird es am Nachmittag warm, färbt er sich hellgelb.

Zähne für Ameisen: Jeder Zahn im Unterkiefer greift genau zwischen zwei Zähne des Oberkiefers. So entsteht eine Art Schere, die die harten Ameisen zerschneidet. Vorne im Kiefer fehlen einige Zähne. Die Beute nimmt der Dornteufel mit der Zunge auf.

Verbreitung und Lebensraum

Der Dornteufel lebt nur in Australien. Er kommt in den Trockengebieten im Westen und in der Mitte des Kontinents vor: in Western Australia, im Northern Territory, in South Australia und im äußersten Westen von Queensland. Die Art gilt als häufig, ihr Bestand als stabil. Umstritten ist nur, ob das Verbreitungsgebiet in Western Australia wirklich ohne Lücken bis an die Küste reicht.

Lebensraum: Der Dornteufel braucht sandigen Boden. Er lebt in Sandebenen und zwischen Sanddünen sowie im Mallee-Buschland, das sind niedrige Eukalyptus-Sträucher. Typisch für seine Heimat ist das stachelige Spinifex-Gras. Auf felsigem oder hartem Boden kommt er nicht vor.

Ernährung

Der Dornteufel ist ein extremer Spezialist: Er frisst ausschließlich Ameisen. Am häufigsten frisst er Ameisen der Gattungen Iridomyrmex und Crematogaster. Die Iridomyrmex-Ameisen erwischt er auf ihren Straßen am Boden, die Crematogaster-Ameisen vor allem auf ihren Wegen an einem bestimmten Strauch. Daneben wurden weitere Ameisengattungen in seiner Nahrung gefunden.

Lauern statt jagen: Der Dornteufel sucht sich einen Platz in der Nähe von Sträuchern, an dem eine Ameisenstraße vorbeiführt. Dort wartet er und leckt eine Ameise nach der anderen mit seiner klebrigen Zunge auf. Im Durchschnitt schafft er knapp drei Ameisen pro Minute, gemessen wurde aber auch eine pro Sekunde. Aktiv frisst er erst bei Temperaturen über 24 °C. In manchen Gegenden fressen Dornteufel nur am Vormittag bis 11 Uhr und am späten Nachmittag, nicht in der Mittagshitze.

Wie viele Ameisen? Ameisen enthalten wenig Nährstoffe, dafür schwer verdauliches Chitin und Ameisensäure. Der Dornteufel muss deshalb große Mengen fressen und hat einen großen Magen. Wie viele es genau sind, lässt sich nur schätzen. Forschende schätzen, dass ein Dornteufel etwa 750 Ameisen am Tag frisst. Die australische Naturschutzorganisation Bush Heritage nennt bis zu tausend Ameisen an einem Tag. Aus der Nahrung kann er etwa 59 Prozent der verwertbaren Energie nutzen.

Seinen Kot setzt der Dornteufel an bestimmten Stellen ab, getrennt von seinen Fressplätzen. Die Kotkügelchen sind oval, schwarz und glänzend.

Wie trinkt der Dornteufel?

In der Wüste regnet es selten. Der Dornteufel hat deshalb eine besondere Art zu trinken: Zwischen seinen Schuppen verlaufen feine Rillen, die über den ganzen Körper miteinander verbunden sind. Berührt die Haut Wasser, saugen sich die Rillen voll, ähnlich wie ein Stück Küchenpapier. Diese sogenannte Kapillarwirkung transportiert das Wasser sogar an den Beinen nach oben. Die Rillen enden an den Mundwinkeln. Dort nimmt der Dornteufel das Wasser mit Kieferbewegungen auf.

Wichtig ist: Das Wasser gelangt nicht durch die Haut in den Körper. Die Haut leitet es nur zum Maul, getrunken wird wie bei anderen Tieren auch.

Ein Forschungsteam hat untersucht, woher das Wasser kommen kann:

  • Pfützen und Regen: Steht der Dornteufel in Wasser, füllen sich die Rillen und er kann trinken. Um die Rillen zu füllen, braucht er eine Wassermenge von gut 3 Prozent seines Körpergewichts.
  • Feuchter Sand: Auf feuchtem Sand stehen reicht nicht zum Trinken. Dornteufel schaufeln sich aber feuchten Sand auf den Rücken. Versuche mit Nachbildungen der Haut zeigen, dass sich die Rillen so füllen können.
  • Tau: Oft liest man, der Dornteufel trinke Tau. In den Versuchen reichte das Wasser, das sich auf seiner Haut niederschlug, aber nicht zum Trinken.

Die Forschenden halten Regen und feuchten Sand deshalb für die wichtigsten Wasserquellen.

Verhalten und Lebensweise

Der Dornteufel ist tagaktiv und lebt als Einzelgänger. Feste Reviere verteidigt er nicht. Die Wohngebiete verschiedener Tiere überschneiden sich stark.

Aktiv im Frühling und Herbst: Dornteufel sind vor allem im Herbst (März bis Mai) und vom späten Winter bis zum Frühsommer (August bis Dezember) unterwegs. Auf der Südhalbkugel sind die Jahreszeiten umgekehrt. In den heißesten Monaten (Januar und Februar) und den kältesten (Juni und Juli) ziehen sie sich fast ganz in selbst gegrabene Baue zurück. Ein solcher Bau ist klein, gerade groß genug für ein Tier, und liegt bis zu 10 Zentimeter unter der Oberfläche.

Ein Tag im Leben: Morgens kommt der Dornteufel aus seinem Versteck unter einem Strauch und wärmt sich auf dem Sand. Dann läuft er zu seinem Kotplatz und auf demselben Weg zurück, manchmal mit einem Zwischenstopp an einer Ameisenstraße. Im Schnitt legte ein Tier in einer Studie etwa 78 Meter am Tag zurück, einzelne Tiere über 500 Meter. Manche Dornteufel blieben über drei Jahre hinweg in einem Umkreis von 100 Metern.

Wie er sich schützt: Der Dornteufel läuft langsam und ruckartig, mit einem schaukelnden Gang. Nähert sich ein Feind, erstarrt er, oft mitten im Schritt. Durch seine Tarnfarbe ist er dann kaum zu entdecken. Er kann sich außerdem mit Luft aufpumpen, damit er schwerer zu packen ist. Dazu kommt der Trick mit dem falschen Kopf.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Dornteufel pflanzen sich einmal im Jahr fort. Paarung und Eiablage finden vor allem zwischen August und Dezember statt, also im australischen Frühling. Paarungen wurden aber auch im Herbst beobachtet. Fachleute vermuten deshalb, dass Weibchen Spermien bis zum nächsten Frühling aufbewahren können.

  1. Werbung: Viel ist darüber nicht bekannt. Beobachtungen zeigen, dass Männchen sich Weibchen nähern und mit dem Kopf nicken.
  2. Nestbau: Das Weibchen gräbt einen eigenen Brutbau, der bis zu 15 Zentimeter lang ist und bis zu 22 Zentimeter tief unter die Oberfläche reicht. Oft liegt er an Sandhängen, die nach Süden zeigen.
  3. Eiablage: Das Weibchen legt 3 bis 10 Eier, meist etwa 8. Dabei verliert es viel Gewicht, bei beobachteten Weibchen waren es 37 bis 42 Prozent. Danach schüttet es den Bau zu und glättet die Oberfläche, damit nichts mehr auf das Nest hinweist.
  4. Schlupf: Nach 90 bis 132 Tagen, im Durchschnitt nach 118 Tagen, schlüpfen die Jungen. Sie wiegen im Durchschnitt nur 1,8 Gramm. Vermutlich fressen sie ihre Eischale, bevor sie sich an die Oberfläche graben.

Lebenserwartung: Dornteufel werden mindestens 6 Jahre alt. Das Animal Diversity Web und Bush Heritage nennen bis zu 20 Jahre in freier Natur, laut IUCN wurde dieses Alter in Menschenobhut erreicht.

Feinde und Gefährdung

Trotz der Stacheln hat der Dornteufel Feinde. Belegt sind zum Beispiel die Australische Trappe, ein großer Laufvogel, und Greifvögel wie der Schwarzbrustmilan und der Habichtfalke. Auch Warane und Schlangen gelten als Feinde.

Auf der Roten Liste der IUCN ist der Dornteufel als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft (IUCN, 2017). Weil er vollständig von Ameisen und intakten Wüstenlandschaften abhängt, können ihm aber vor Ort veränderte Buschfeuer, eingeschleppte Tierarten und die Zerstörung seines Lebensraums schaden.

Besonderheiten

  • Einzigartig: Der Dornteufel ist die einzige Art seiner Gattung.
  • Nur Ameisen: Er frisst keine andere Beute und gilt deshalb als reiner Ameisenspezialist.
  • Trinken über die Haut: Seine Hautrillen leiten Wasser bis zum Maul. Forschende untersuchen solche Oberflächen, um daraus Ideen für Technik zu gewinnen.
  • Doppelgänger in Amerika: Die nordamerikanischen Krötenechsen sehen ähnlich aus, sind aber nicht nah verwandt.

Häufige Fragen zum Dornteufel

Ist der Dornteufel giftig oder gefährlich?

Nein. Der Dornteufel hat kein Gift und ist für Menschen harmlos. Sein Maul ist klein und seine Zähne sind auf Ameisen spezialisiert. Die Stacheln dienen nur dazu, Fressfeinde abzuschrecken.

Wo lebt der Dornteufel?

Nur in Australien, in den sandigen Trockengebieten von Western Australia, dem Northern Territory, South Australia und dem äußersten Westen von Queensland. Er braucht lockeren Sandboden, in den er sich eingraben kann.

Wie groß wird ein Dornteufel?

Mit Schwanz wird er bis etwa 20 Zentimeter lang, ohne Schwanz etwa 8 bis 11 Zentimeter. Weibchen sind größer und wiegen bis knapp 89 Gramm, Männchen höchstens 49 Gramm.

Was frisst ein Dornteufel?

Ausschließlich Ameisen. Er wartet neben einer Ameisenstraße und leckt die Tiere einzeln mit der Zunge auf. Forschende schätzen, dass er etwa 750 Ameisen am Tag frisst.

Was ist das Besondere am Dornteufel?

Er ist von Kopf bis Schwanz mit Stacheln bedeckt, hat einen falschen Kopf im Nacken und kann seine Farbe ändern. Außerdem leitet er Wasser über feine Rillen in der Haut bis zum Maul.

Ist der Dornteufel eine Echse?

Ja. Der Dornteufel ist eine Echse aus der Familie der Agamen, zu der zum Beispiel auch die Bartagame gehört. Er ist die einzige Art seiner Gattung Moloch.

Ähnliche Tiere

  • Bartagame - eine andere Agame aus Australien
  • Kragenechse - eine australische Agame mit großem Hautkragen
  • Ameisenigel - ein stacheliges australisches Säugetier, das Ameisen und Termiten frisst
  • Numbat - ein Beuteltier aus Australien, das sich auf Termiten spezialisiert hat
  • Inlandtaipan - ein anderes Reptil aus dem trockenen Inneren Australiens

Quellen

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Dornteufel
28 bis 89 g

Würde man den Dornteufel auf eine Waage stellen, zeigte sie 28 bis 89 g an. Eine 1-Euro-Münze (7,5 g) wäre da deutlich leichter. Eine Tafel Schokolade hingegen bringt 100 g auf die Waage - etwas mehr als der Dornteufel. Genau genommen wiegt der Dornteufel etwa so viel wie 8 1-Euro-Münzen.