Dorsch
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Kurz erklärt
Dorsch und Kabeljau sind derselbe Fisch: Gadus morhua. An der Ostsee heißt er Dorsch, an der Nordsee Kabeljau. Er lebt dicht über dem Meeresboden, kann mehr als 40 kg schwer und anderthalb Meter lang werden und erkennt seine Beute mit einem Bartfaden am Kinn. Weil er jahrzehntelang zu stark befischt wurde, sind viele Bestände heute klein.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Gadus morhua |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 40 cm bis 1,5 m |
| Körpergewicht | 40 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: Krebstiere, Würmer, Muscheln und Fische |
| Lebenserwartung | Über 20 Jahre |
| Sozialverhalten | Je nach Bedingungen einzeln oder in großen Schwärmen |
| Herkunft | Nordatlantik |
| Verbreitung | Nordatlantik von North Carolina über Grönland und Island bis zum Nordpolarmeer, dazu Nordsee und Ostsee EuropaNordamerikaMeer |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 1996) |
| Sonstiges | Angegeben ist der Richtwert des Deutschen Angelfischerverbands für sehr große Tiere; das schwerste je gemeldete Exemplar wog 96 kg. Die meisten gefangenen Dorsche wiegen nur wenige Kilogramm. Die Größenangabe reicht von der Länge bei der Geschlechtsreife bis zum üblichen Höchstmaß. Die weltweite IUCN-Einstufung stammt von 1996; die einzelnen Bestände stehen sehr unterschiedlich da. |
Dorsch oder Kabeljau: derselbe Fisch
Viele Menschen denken, Dorsch und Kabeljau seien zwei verschiedene Fische. Das stimmt nicht. Beide Namen bezeichnen dieselbe Art, den Atlantischen Kabeljau (Gadus morhua).
Der Unterschied liegt nur in der Region: An der Ostsee heißt der Fisch Dorsch, an der Nordsee Kabeljau. Manchmal nennen Menschen an der Nordsee auch junge, noch nicht geschlechtsreife Tiere „Dorsch“, aber das ist keine biologische Einteilung.
Beide Wörter haben eine Geschichte. „Kabeljau“ geht vermutlich auf das spanisch-portugiesische bacalhao zurück: Auf der Iberischen Halbinsel wurde der vor Neufundland gefangene Fisch eingesalzen und gehandelt. „Dorsch“ ähnelt dem norwegischen torsk, das vom altnordischen Wort für getrockneten Fisch kommt. Der Ostseeraum handelte traditionell mit Skandinavien, die Nordseehäfen mit dem Süden Europas, und so blieben beide Namen im Deutschen erhalten.
Aussehen und Körperbau
Der Dorsch hat einen langgestreckten, spindelförmigen Körper und einen großen Kopf. Typisch für die Familie der Dorsche sind:
- Drei Rückenflossen und zwei Afterflossen. Die meisten anderen Fische haben nur eine Afterflosse und ein bis zwei Rückenflossen.
- Bauchflossen ganz vorn, sogar vor den Brustflossen.
- Weiche Flossenstrahlen, keine Stacheln.
- Ein deutlich sichtbarer Bartfaden an der Spitze des Unterkiefers. Barteln schmecken die Beute, deshalb sind sie bei Arten, die am Boden jagen, besonders kräftig.
- Eine auffällig weißliche Seitenlinie, die den Dorsch von ähnlichen Arten unterscheidet.
- Ein leicht nach unten gerichtetes Maul, passend zur Suche nach Nahrung am Grund.
Färbung: Sie ist sehr unterschiedlich. Auf bräunlich-gelblichem, grauem oder grünlichem Grund sitzen unregelmäßige dunkle Flecken. In den Algenwäldern Norwegens gibt es auffallend rötliche Tiere, die „Tangdorsche“ genannt werden. Sie sind keine eigene Art, sondern Fische, die viele Krebstiere fressen und deren roten Farbstoff in die Haut einlagern.
Größe und Gewicht: Der Deutsche Angelfischerverband gibt an, dass der Kabeljau mehr als 40 kg schwer und anderthalb Meter lang werden kann. Solche Riesen sind heute selten, weil große Tiere zuerst gefangen werden. Das Animal Diversity Web nennt als Höchstmaß 150 bis 200 cm und als schwerstes je gemeldetes Tier 96 kg. Die meisten Dorsche in Nord- und Ostsee sind deutlich kleiner.
Augen: Sie sind groß, denn der Dorsch verlässt sich stark aufs Sehen. Weil er oft in trübem Wasser lebt, hat er die Sinneszellen für rotes und ultraviolettes Licht verloren und dafür die Zahl der Zellen für blaues und grünes Licht verdoppelt. So sieht er auch bei schlechter Sicht noch gut.
Verbreitung und Lebensraum
Der Dorsch ist eine Leitart der kühlen Schelfmeere des Nordatlantiks. Sein Gebiet reicht vom US-Bundesstaat North Carolina über die Ostküste Kanadas, Grönland und Island bis zur Westküste Europas und vom Nordpolarmeer bis zum Ärmelkanal, einschließlich Nord- und Ostsee.
Er lebt bodennah, Fachleute sagen benthopelagisch. Man findet ihn in knietiefem Wasser am Strand ebenso wie in 1.000 Metern Tiefe. Küstennah hält er sich gern an Riffen, Steinfeldern und Schiffswracks auf, wo es Nahrung und Verstecke gibt. Im offenen Meer legt er dagegen weite Strecken zurück.
Am wohlsten fühlt sich der Dorsch bei etwa 10 Grad Celsius. Bei Wassertemperaturen über rund 15 Grad weicht er in kühlere, tiefere Bereiche aus. In den kalten Gewässern vor Grönland und in der Barentssee lebt er am unteren Ende seines Temperaturbereichs, dort kann das Wasser null Grad haben.
Der Dorsch in der Ostsee
Die Ostsee ist für einen Meeresfisch ein schwieriger Lebensraum, denn ihr Wasser ist viel salzärmer als der Atlantik. Der Stoffwechsel des Dorsches ist eigentlich auf rund 35 Gramm Salz pro Liter eingestellt. Trotzdem haben sich hier zwei Bestände angepasst:
- Der Dorsch der westlichen Ostsee lebt von den dänischen Belten bis Bornholm und kommt mit 8 bis 20 Gramm Salz pro Liter zurecht.
- Der Dorsch der östlichen Ostsee lebt vom Arkonabecken nördlich von Rügen bis nach Finnland und erträgt noch niedrigere Salzgehalte.
Beide Bestände sind genetisch klar voneinander zu unterscheiden. Im Arkonabecken überschneiden sie sich: Der Westdorsch hält sich eher im flacheren Wasser auf, der Ostdorsch eher tiefer.
Die Anpassung an das Brackwasser kostet Energie. Deshalb wachsen Ostseedorsche langsamer als ihre Verwandten im Atlantik. Besonders heikel sind die Eier: Sie schweben nur in salz- und sauerstoffreichem Wasser. In den tiefen Becken der östlichen Ostsee gibt es wegen der Überdüngung oft zu wenig Sauerstoff, an der Oberfläche ist das Wasser zu salzarm. Die Schicht dazwischen, in der die Eier überleben können, schrumpft manchmal auf wenige Meter.
Ernährung
Der Dorsch ist ein Raubfisch, kein Allesfresser. Was er frisst, ändert sich mit dem Alter:
- Larven brauchen große Mengen tierisches Plankton, vor allem Ruderfußkrebse. Reicht das Futter nicht, sterben sie.
- Ab einer Länge von 5 bis 6 cm gehen die Jungfische vom Freiwasser zum Leben am Boden über. Ein bis zwei Jahre lang fressen sie vor allem kleine Bodenkrebse, Würmer und Muscheln.
- Mit der Geschlechtsreife wird Fisch immer wichtiger, zum Beispiel Lodde, Hering, Sandaal, Sprotte oder auch verwandte Arten wie Schellfisch und Seelachs.
- Sehr große Dorsche erbeuten sogar ausgewachsene Plattfische.
Am aktivsten ist der Dorsch in der Dämmerung. Dann sind tagaktive und nachtaktive Beutetiere gleichermaßen im Nachteil, während er mit seinen großen Augen noch gut sieht.
Beim Zuschnappen reißt er das Maul blitzschnell auf. Dadurch entsteht ein Sog, der die Beute einsaugt. Fachleute nennen das Saugschnappen. Kauen kann er nicht: Seine Zähne halten die Beute nur fest, geschluckt wird sie am Stück. Schwarmfische überrascht er, indem er sich von unten nähert und dann senkrecht nach oben schießt. Bei solchen Sprints legt er leicht 10 bis 20 Meter in kürzester Zeit zurück.
Wanderungen und Lebensweise
Ob der Dorsch allein oder im Schwarm lebt, hängt von den Bedingungen ab. Küstennahe Tiere ruhen tagsüber gern in Gruppen an Steinen oder Wracks und gehen abends getrennt auf Jagd. Wo es sehr viele Dorsche gibt, bilden sie Schulen von vielen Tausend Tieren.
Zwischen Fressplätzen und Laichplätzen liegen oft große Entfernungen. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wies der norwegische Meeresforscher Johan Hjort mit Fischmarkierungen nach, dass Kabeljau aus der Barentssee über 1.000 Kilometer nach Süden zu den Lofoten zieht, um dort zu laichen. Die Eier treiben anschließend mit dem Golfstrom wieder nach Norden.
Küstenfische wandern dagegen oft nur wenige Dutzend Kilometer. Fischer berichten außerdem von „Wohndorschen“: einzelnen, wohl besonders durchsetzungsfähigen Tieren, die dauerhaft einen guten Platz an einem Wrack oder Stein verteidigen und ihn nur zur Laichzeit verlassen.
Fortpflanzung
Dorsche laichen einmal im Jahr, meist im ersten Quartal. So schlüpfen die Larven zur Zeit der Frühjahrs-Planktonblüte, wenn es genug Nahrung gibt. Die Tiere kehren jedes Jahr zu denselben Laichplätzen zurück, meist unterseeische Plateaus mit Kies oder Steinen, die so groß wie mehrere Fußballfelder sein können.
Das Balzverhalten ist erstaunlich aufwendig:
- Bei Dunkelheit besetzen dominante Männchen kleine Reviere.
- Sie erzeugen mit der Schwimmblase und besonderen Trommelmuskeln grunzende Geräusche und spreizen dabei ihre Flossen.
- Ein Männchen umkreist das Weibchen wiederholt und drängt Rivalen weg.
- Überzeugt es das Weibchen, steigen beide vom Boden auf, schwimmen Bauch an Bauch und geben gleichzeitig Eier und Spermien ab.
Weibchen wählen also aus, und zwar nach Größe, Grunzgeräuschen und Bewegungen des Männchens.
Ein Weibchen kann pro Laichzeit mehrere Millionen Eier produzieren, die US-Behörde NOAA nennt für große Weibchen 3 bis 9 Millionen. Abgegeben werden sie nicht auf einmal: Der Dorsch ist ein Portionslaicher und verteilt sein Laichgeschäft über mehrere Wochen. Das erhöht die Chance, dass wenigstens ein Teil des Nachwuchses auf gute Bedingungen trifft.
Große, alte, gut genährte Weibchen sind besonders wertvoll: Sie legen mehr und größere Eier, und aus größeren Eiern schlüpfen Larven mit mehr Reserven.
Wachstum und Alter
Dorsche wachsen für Kaltwasserfische schnell. Eine im Frühjahr geschlüpfte Larve kann zum Jahresende schon 20 cm lang sein, danach kommen ungefähr 10 cm pro Lebensjahr dazu. Geschlechtsreif werden die Fische meist mit zwei bis drei Jahren bei einer Länge von etwa 30 bis 40 cm.
Ein Dorsch kann über 20 Jahre alt werden. Das Alter lässt sich an Wachstumsringen ablesen, allerdings nicht gut an den Schuppen, weil die Dorschschuppe zusätzliche Muster trägt. Fachleute nutzen deshalb die Gehörsteine, die Otolithen.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde des Dorsches sind Robben wie Sattelrobbe und Seehund sowie Haie. Eier und Larven werden von Sprotten und Heringen gefressen, junge Dorsche unter anderem von Wittlingen und von erwachsenen Artgenossen.
Der größte Einfluss geht vom Menschen aus. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt den Atlantischen Kabeljau als gefährdet (VU). Diese Einstufung stammt allerdings aus dem Jahr 1996 und ist damit sehr alt. Fachleute kritisieren, dass eine einzige weltweite Bewertung der Lage nicht gerecht wird, weil sich die einzelnen Bestände stark unterscheiden.
- Neufundland: Nach jahrzehntelanger intensiver Fischerei brach der Bestand dort Anfang der 1990er Jahre zusammen. Rund 40.000 Fischer allein in Neufundland verloren ihre Arbeit. Bis heute hat sich der Bestand nicht erholt, unter anderem weil sich das Nahrungsnetz verändert hat.
- Östliche Ostsee: Seit Mitte 2019 war in den EU-Gewässern vom Arkonabecken bis zur Danziger Bucht kaum noch gezielte Dorschfischerei erlaubt, seit 2020 ist sie im gesamten Verbreitungsgebiet verboten. Die EU-Quote darf nur für Beifang genutzt werden, und im südlichen Teil ist auch das Angeln verboten.
- Westliche Ostsee: Auch hier ist der Bestand sehr klein. Obwohl der Fischereidruck seit 2017 gering ist, erholt er sich nicht. Fachleute vermuten, dass inzwischen die Umweltbedingungen wichtiger sind als die Fischerei: Ab Juli ist das Oberflächenwasser zu warm und das tiefe Wasser zu sauerstoffarm.
- Nordsee: Seit etwa 1998 kommt weniger Nachwuchs durch als früher. Forschende des Thünen-Instituts bringen das mit steigenden Wassertemperaturen in Verbindung.
Häufige Fragen zum Dorsch
Was ist der Unterschied zwischen Dorsch und Kabeljau?
Es gibt keinen. Beides sind Namen für dieselbe Art, Gadus morhua. An der Ostsee heißt der Fisch Dorsch, an der Nordsee Kabeljau. Gelegentlich wird an der Nordsee auch der junge, noch nicht geschlechtsreife Fisch Dorsch genannt.
Wie groß und wie schwer wird ein Dorsch?
Er kann anderthalb Meter lang und mehr als 40 kg schwer werden, in Ausnahmefällen noch größer. Das schwerste je gemeldete Tier wog 96 kg. Solche Riesen sind heute selten, die meisten gefangenen Dorsche wiegen nur wenige Kilogramm.
Was frisst ein Dorsch?
Junge Dorsche fressen Plankton, danach kleine Krebse, Würmer und Muscheln. Erwachsene Tiere jagen vor allem Fische wie Hering, Sprotte, Sandaal und Lodde. Ganz große Dorsche erbeuten sogar Plattfische. Kauen können sie nicht, sie schlucken ihre Beute am Stück.
Warum gibt es so wenig Dorsch in der Ostsee?
Beide Ostseebestände sind sehr klein. Beim Dorsch der östlichen Ostsee ist gezielte Fischerei seit 2020 komplett verboten. Neben der früheren Überfischung spielen heute Sauerstoffmangel in der Tiefe, zu wenig Salz und zu warmes Oberflächenwasser die entscheidende Rolle.
Wie alt wird ein Dorsch?
Über 20 Jahre. Sein Alter lesen Fachleute an Wachstumsringen in den Gehörsteinen ab, den sogenannten Otolithen. Weil große, alte Tiere zuerst gefangen werden, gibt es heute in vielen Beständen kaum noch sehr alte Dorsche.
Wie viele Eier legt ein Dorsch?
Ein Weibchen kann pro Laichzeit mehrere Millionen Eier bilden, bei großen Weibchen sind es nach Angaben der NOAA 3 bis 9 Millionen. Es gibt sie nicht auf einmal ab, sondern über mehrere Wochen verteilt. Nur ein winziger Bruchteil der Eier wird erwachsen.
Ähnliche Tiere
- Quappe - der einzige Dorschverwandte, der nur im Süßwasser lebt
- Scholle - Plattfisch aus demselben Lebensraum
- Steinbutt - weiterer Plattfisch aus Nord- und Ostsee
- Lachs - wandernder Speisefisch des Nordatlantiks
- Kegelrobbe - Robbe aus Nord- und Ostsee
- Fische - Überblick über alle Fische im Lexikon
- Tiere mit D - weitere Tiere, die mit D beginnen
Quellen
- Deutscher Angelfischerverband (2024): Fisch des Jahres 2024 - Der Dorsch oder Kabeljau (Gadus morhua)
- Gadus morhua (Atlantic cod) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Atlantic Cod - NOAA Fisheries
- Sobel, J. (1996): Gadus morhua. The IUCN Red List of Threatened Species
- Norderhaug, K. M. et al. (2024): The International Union for Conservation of Nature Red List does not account for intraspecific diversity. ICES Journal of Marine Science 81
Größenvergleich
Ein Dorsch erreicht eine Körpergröße von 40 cm bis 1,5 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Dorsch ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Dorsch bringt 40 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg).