Drossel
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Kurz erklärt
Drosseln sind eine weltweit verbreitete Familie von Singvögeln. In Deutschland gehören Amsel, Singdrossel, Misteldrossel, Wacholderdrossel, Ringdrossel und Rotdrossel dazu. Die heimischen Arten sind 19 bis 29 cm groß, suchen ihre Nahrung hüpfend am Boden und fressen Regenwürmer, Schnecken und Insekten, im Winter vor allem Beeren. Die Amsel ist mit über sieben Millionen Brutpaaren die häufigste Drossel Deutschlands.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Turdidae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 19 bis 29 cm |
| Körpergewicht | 64 bis 145 g |
| Ernährung | Allesfresser: Regenwürmer, Schnecken und Insekten, dazu Beeren und Früchte |
| Lebenserwartung | Meist rund 3 Jahre; Ringfund-Höchstalter der Amsel 15 Jahre |
| Sozialverhalten | Zur Brutzeit einzeln oder paarweise, außerhalb oft in Trupps |
| Herkunft | Weltweit außer in der Antarktis |
| Verbreitung | Alle Kontinente außer der Antarktis, Schwerpunkte in Südasien und Südamerika AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung der Amsel 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | Die Steckbriefwerte gelten für die sechs in Deutschland brütenden Drosselarten: 19 bis 29 cm Körperlänge (NABU), 64 bis 145 g Gewicht (BTO, Singdrossel bis Misteldrossel). Der Gefährdungsstatus bezieht sich auf die Amsel (Turdus merula), die BirdLife International 2024 als nicht gefährdet einstuft. |
Was ist eine Drossel?
Drosseln sind keine einzelne Art, sondern eine ganze Familie von Singvögeln. Ihr wissenschaftlicher Name lautet Turdidae. Die IOC World Bird List führt in dieser Familie 195 Arten in 17 Gattungen, fünf davon sind bereits ausgestorben. Es leben also rund 190 Drosselarten auf der Erde.
Mit Abstand am artenreichsten ist die Gattung Turdus mit 106 Arten. Zu ihr gehören fast alle Drosseln, die in Deutschland brüten, auch die Amsel. Wer hierzulande "Drossel" sagt, meint meistens eine dieser sechs Arten: Amsel, Singdrossel, Misteldrossel, Wacholderdrossel, Ringdrossel und Rotdrossel.
Aussehen und Körperbau
Drosseln sind mittelgroße, kompakt gebaute Singvögel mit kräftigen Beinen, einem eher schlanken Schnabel und großen Augen. Die heimischen Arten messen nach Angaben des NABU 19 bis 29 cm. Die kleinste ist die Rotdrossel mit 19 bis 23 cm, die größte die Misteldrossel mit 26 bis 29 cm. Sie gilt als die größte Drossel Europas.
Beim Gewicht liegen die Arten weiter auseinander, als es aussieht. Der British Trust for Ornithology hat von lebenden Vögeln folgende Werte gemessen (Mittelwert, in Klammern die Spanne zwischen dem 5. und 95. Perzentil):
| Art | Gewicht erwachsener Vögel |
|---|---|
| Singdrossel | 75 g (64-90 g) |
| Amsel | 101,8 g (87-122 g) |
| Misteldrossel | 125,9 g (108-145 g) |
Bei den meisten Drosselarten sehen Männchen und Weibchen gleich aus. Die Amsel ist die große Ausnahme: Das Männchen ist tiefschwarz und trägt einen gelben Schnabel sowie einen gelben Augenring, das Weibchen ist schlicht braun mit heller, braun gestrichelter Kehle. Auch die Ringdrossel lässt sich unterscheiden: Das Männchen ist schwarz mit einem auffälligen weißen Brustband, dem der Vogel seinen wissenschaftlichen Artnamen torquatus verdankt, übersetzt "mit einer Halskette geschmückt".
Typisch für viele Drosseln ist die gefleckte Unterseite. Bei der Singdrossel steht eine Reihe dunkler, tropfenförmiger Flecken auf cremeweißem Grund, bei der Misteldrossel sind die Flecken runder und größer.
Die sechs Drosselarten in Deutschland
Amsel (Turdus merula), 23-29 cm: die häufigste Drossel und einer der häufigsten Vögel überhaupt. Der NABU schätzt den Bestand in Deutschland auf 7,65 bis 9,3 Millionen Brutpaare, der Trend ist mit plus 14 Prozent stabil. Früher war die Amsel ein scheuer Waldvogel, heute brütet sie in Gärten, Parks und mitten in Städten.
Singdrossel (Turdus philomelos), 20-22 cm: 1,7 bis 2,1 Millionen Brutpaare in Deutschland. Sie ist Standvogel und Kurzstreckenzieher und überwintert vor allem in Südeuropa und Nordafrika. Berühmt ist sie für ihre "Drosselschmiede" (siehe unten).
Misteldrossel (Turdus viscivorus), 26-29 cm: 175.000 bis 345.000 Brutpaare. Sie frisst gern Mistelbeeren, scheidet die Samen unverdaut aus und verbreitet die Pflanze dadurch. Ihre Mistelbäume verteidigt sie aggressiv gegen Nahrungskonkurrenten.
Wacholderdrossel (Turdus pilaris), 22-27 cm: 64.000 bis 125.000 Brutpaare, der Bestand ist um 59 Prozent zurückgegangen. Sie brütet gern in kleinen Kolonien. Nähert sich ein Greifvogel, greifen die Drosseln gemeinsam an und bespritzen ihn mit Kot, bis er zeitweise nicht mehr fliegen kann.
Ringdrossel (Turdus torquatus), 24-27 cm: mit 2.500 bis 4.600 Brutpaaren die seltenste heimische Drossel. Sie lebt im Gebirge, in lichten Nadelwäldern und an Geröllhängen mit Latschenkiefern.
Rotdrossel (Turdus iliacus), 19-23 cm: Sie brütet in Nord- und Osteuropa und ist bei uns vor allem von Oktober bis Anfang April zu sehen. Erkennungsmerkmal sind die rostroten Flanken. Auf dem Zug fliegt sie in großen Trupps.
Verbreitung und Lebensraum
Drosseln kommen auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. Nach der IOC World Bird List brüten die meisten Arten in Südasien (40), in Südamerika (37) und in Afrika (26); auch auf pazifischen Inseln gibt es Drosseln. In Europa und Nordasien zusammen brüten 24 Arten.
Der typische Lebensraum ist der Wald, doch viele Arten sind flexibel. Amseln bewohnen Wälder ebenso wie Siedlungen, Parks und Gärten. Singdrosseln leben in Laub-, Misch- und Nadelwäldern sowie in Parks und Gärten. Misteldrosseln bevorzugen Nadel- und Mischwälder und steigen in Bergregionen bis unter die Baumgrenze. Die Ringdrossel ist als einzige heimische Art ein reiner Gebirgsvogel.
Ernährung
Drosseln sind Allesfresser mit einem klaren Jahresrhythmus. Im Frühjahr und Sommer bestimmen Regenwürmer, Schnecken und Insekten den Speiseplan, im Herbst und Winter Beeren, Früchte und Sämereien.
Die Nahrung suchen sie meist hüpfend am Boden. Wer eine Amsel im Garten beobachtet, sieht die typische Jagdtechnik: ein paar Hüpfer, dann ein abruptes Innehalten mit schräg gelegtem Kopf, dann ein gezielter Stich in den Boden.
Die Singdrossel hat eine Spezialität entwickelt: Gehäuseschnecken schlägt sie so lange gegen einen Stein, bis das Haus zerbricht. Solche Plätze mit Haufen zerschlagener Schneckenhäuser heißen Drosselschmieden.
Weil Drosseln Beerensamen unverdaut wieder ausscheiden, verbreiten sie zahlreiche Sträucher und Bäume. Bei der Misteldrossel und der Mistel ist dieser Zusammenhang besonders eng.
Gesang
Der Name Singdrossel ist Programm, aber auch die Amsel gehört zu den besten Sängern Europas. Ihr Balzgesang ist volltönend und melodisch: klare, sprunghafte Flötentöne wechseln mit kurzem Zwitschern und kleinen Trillern. Bei Gefahr warnt sie laut mit einem metallischen "pli-pli-pli-pli-pli".
Amseln singen von Februar bis etwa Ende Juni, vor allem um ihr Revier abzustecken und Weibchen anzulocken. Die beste Zeit zum Zuhören beginnt rund 45 Minuten vor Sonnenaufgang.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Drosseln bauen napfförmige Nester, die sie häufig mit Erde oder Lehm verstärken. Je nach Art liegt das Nest in Sträuchern, Bäumen, Gebäudenischen oder am Boden.
Für die Amsel liegen durch die Ringfunde des British Trust for Ornithology genaue Zahlen vor:
- Gelege: typischerweise 3 bis 4 Eier, im Mittel 3,86; beobachtet wurden 2 bis 7 Eier
- Eier: etwa 29 x 21 mm groß und rund 7,2 g schwer
- Brutdauer: 12 bis 14 Tage, ausschließlich vom Weibchen
- Nestlingszeit: 13,5 bis 16 Tage
- Bruten pro Jahr: in der Regel 2 bis 3, im Ausnahmefall 5
Die Singdrossel legt im Schnitt 4 Eier und brütet rund 14 Tage, die Jungen bleiben 13,5 bis 15 Tage im Nest. Drosselküken kommen nackt und blind zur Welt und werden von beiden Eltern gefüttert, auch noch eine Weile nachdem sie das Nest verlassen haben.
Feinde, Alter und Gefährdung
Katzen, Sperber, Elstern und Eichelhäher zählen zu den wichtigsten Feinden heimischer Drosseln. Der Warnruf der Amsel gilt vor allem der schleichenden Katze.
Drosseln werden im Schnitt nicht alt: Vögel, die das Brutalter erreichen, leben laut BTO typischerweise rund drei Jahre. Einzelne Tiere schaffen deutlich mehr. Der älteste beringte Amselvogel war 15 Jahre und 2 Monate alt, die älteste Singdrossel 11 Jahre.
Alle sechs heimischen Arten gelten als nicht gefährdet. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft Amsel und Misteldrossel (jeweils 2024), die Rotdrossel (2025), die Ringdrossel (2019), die Singdrossel (2018) und die Wacholderdrossel (2016) als "Least Concern" ein. Bei der Rotdrossel ist das neu: Sie galt lange als "potenziell gefährdet" und wurde erst mit der Einschätzung von 2024 wieder heruntergestuft. Das heißt aber nicht, dass überall alles gut läuft: In Großbritannien ist der Bestand der Singdrossel zwischen 1967 und 2024 um 45 Prozent gesunken, der der Amsel um 21 Prozent. Auch die Wacholderdrossel hat in Deutschland stark abgenommen.
Häufige Fragen zur Drossel
Ist die Amsel eine Drossel?
Ja. Die Amsel heißt wissenschaftlich Turdus merula und gehört zur Gattung Turdus, der größten Gattung innerhalb der Drosselfamilie. Ein alter Name für sie lautet Schwarzdrossel.
Wie groß wird eine Drossel?
Das hängt von der Art ab. Die sechs in Deutschland brütenden Drosseln sind 19 bis 29 cm lang. Am kleinsten ist die Rotdrossel, am größten die Misteldrossel, die zugleich die größte Drossel Europas ist.
Was frisst eine Drossel?
Im Sommer vor allem Regenwürmer, Schnecken und Insekten, im Herbst und Winter Beeren, Früchte und Sämereien. Die Nahrung suchen Drosseln überwiegend hüpfend am Boden.
Was ist eine Drosselschmiede?
Ein Stein oder ein harter Gegenstand, an dem eine Singdrossel Schneckenhäuser aufschlägt. Rund um solche Plätze liegen oft viele zerbrochene Gehäuse. Die Drossel kommt so an das weiche Tier im Inneren.
Wie viele Drosselarten gibt es?
Die IOC World Bird List führt 195 Arten der Familie Turdidae, fünf davon sind ausgestorben. Es gibt also rund 190 lebende Drosselarten, verteilt auf 17 Gattungen und alle Kontinente außer der Antarktis.
Wie unterscheide ich Singdrossel und Misteldrossel?
An der Größe und an den Flecken. Die Singdrossel ist mit 20 bis 22 cm deutlich kleiner und hat tropfenförmige Flecken auf cremefarbenem Grund. Die Misteldrossel wird 26 bis 29 cm groß, wirkt heller und trägt rundere, größere Flecken auf weißlicher Brust.
Ähnliche Tiere
- Amsel - die bekannteste Drossel Deutschlands
- Singdrossel - Meisterin der Drosselschmiede
- Wanderdrossel - die "American Robin" Nordamerikas
- Rotkehlchen - kleiner Gartenvogel, der ebenfalls am Boden nach Würmern sucht
- Spatz - genauso häufig in Gärten und Parks anzutreffen
- Nachtigall - der berühmteste Sänger unter den heimischen Vögeln
- Vögel - alle Vögel im Lexikon
- Tiere mit D - weitere Tiere, die mit D beginnen
Quellen
- Gill, F., Donsker, D. & Rasmussen, P. (Hrsg.): IOC World Bird List v15.2
- Amsel - Vogelporträt des NABU
- Singdrossel - Vogelporträt des NABU
- Misteldrossel - Vogelporträt des NABU
- Blackbird - BirdFacts, British Trust for Ornithology
- Song Thrush - BirdFacts, British Trust for Ornithology
- BirdLife International (2024): Turdus merula. The IUCN Red List of Threatened Species 2024
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) neben eine Drossel: Die Drossel ist um einiges größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt sie mit ihren 19 bis 29 cm aber wiederum geradezu winzig. Genauer gesagt ist die Drossel etwa 10-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze und rund 5-mal kleiner als ein Kind.
Gewichtsvergleich
Eine Drossel bringt 64 bis 145 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als ein Fußball (430 g). Anders ausgedrückt: Die Drossel wiegt so viel wie etwa 14 1-Euro-Münzen.