Dsungarischer Zwerghamster
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Kurz erklärt
Der Dsungarische Zwerghamster ist ein kleiner Hamster aus den Steppen Kasachstans und Sibiriens. Er ist nur 7 bis 9 Zentimeter lang und hat einen dunklen Streifen auf dem Rücken. Im Winter wird sein Fell fast weiß. Als Heimtier ist er beliebt, er muss aber allein gehalten werden und braucht ein großes Gehege mit tiefer Einstreu zum Graben.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Phodopus sungorus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 7 bis 9 cm, dazu ein Stummelschwanz von 0,5 bis 1,5 cm |
| Körpergewicht | 22 bis 25 g (wild lebende Tiere) |
| Ernährung | In der Natur vor allem Samen und grüne Pflanzenteile, selten Insekten; als Heimtier Zwerghamster-Saatenmischung, etwas Frischfutter, Heu und einmal pro Woche tierisches Eiweiß |
| Lebenserwartung | 1,5 bis 3 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; Tierärzte raten dringend zur Einzelhaltung |
| Herkunft | Kasachstan und Südwestsibirien |
| Verbreitung | Wald- und Grassteppen sowie Halbwüsten im Norden, in der Mitte und im Osten Kasachstans und im angrenzenden Südwesten Sibiriens, dazu ein abgetrenntes Vorkommen in Süd-Mittelsibirien; als Heimtier weltweit Asien |
| Entdeckung | 1773 von Pallas als Mus sungorus beschrieben |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016) |
| Sonstiges | Im Heimtierhandel wurden Dsungarische Zwerghamster häufig mit Campbell-Zwerghamstern verpaart. Viele Tiere sind deshalb Hybriden, deren Art sich nicht sicher bestimmen lässt. |
Ein kleiner Hamster aus der Steppe
Der Dsungarische Zwerghamster (Phodopus sungorus) ist ein kleiner Hamster aus den Steppen Asiens. Er gehört zur Gattung der Kurzschwanz-Zwerghamster (Phodopus) und damit zur Unterfamilie der Hamster. Kurz wird er oft "Dsungare" genannt. Im Englischen heißt er unter anderem "Russian Winter White Dwarf Hamster" oder "Siberian Hamster".
Wissenschaftlich beschrieben hat ihn der Naturforscher Pallas im Jahr 1773, damals noch als Mus sungorus. Das Tier, nach dem die Art beschrieben wurde, stammte aus der Gegend von Semipalatinsk im Osten Kasachstans.
Als Heimtiere werden vor allem drei Zwerghamster gehalten: der Dsungarische Zwerghamster, der Campbell-Zwerghamster und der Roborowski-Zwerghamster. Dazu kommen Mischlinge aus Dsungaren und Campbells.
Dsungare oder Campbell? Der Unterschied
Der Dsungarische Zwerghamster und der Campbell-Zwerghamster (Phodopus campbelli) sind nah verwandt. Untersuchungen des Erbguts zeigen, dass sie Schwesterarten sind. Früher hielt man sie für dieselbe Art. Heute trennen die meisten Fachleute sie, weil sich ihre Chromosomen im Aufbau unterscheiden. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) führt den Campbell dagegen als Unterart (Phodopus sungorus campbelli).
| Merkmal | Dsungarischer Zwerghamster | Campbell-Zwerghamster |
|---|---|---|
| Heimat | Kasachstan, Südwestsibirien | Mongolei, Nordchina, Südsibirien |
| Größe (Kopf-Rumpf) | 7 bis 9 cm | 7,9 bis 10,3 cm |
| Gewicht (Wildtiere) | 22 bis 25 g | 23 bis 28 g |
| Ohren | außen dunkelbraun, innen weiß | schwarz mit weißem Rand, kleiner |
| Rückenstreifen | schwarz, deutlich abgesetzt | schmal |
| Bauch | weiß | cremefarben |
| Winterfell | weiß mit grauem Rückenstreifen | höchstens etwas heller |
Hybriden im Handel: Nach Angaben der TVT wurden Campbell-Zwerghamster in der Zucht häufig mit Dsungarischen Zwerghamstern verpaart. Deshalb gibt es viele Mischlinge, und bei manchen Tieren aus Zoohandlung oder Zucht lässt sich die Art kaum sicher bestimmen. Bei der Zucht von gescheckten Campbell-Zwerghamstern können Nachkommen mit missgebildeten oder fehlenden Augen entstehen. Die TVT stuft solche Verpaarungen als Qualzucht ein.
Aussehen und Körperbau
- Größe: Kopf und Rumpf messen 7 bis 9 cm. Der Schwanz ist nur 0,5 bis 1,5 cm lang und im Fell kaum zu sehen.
- Gewicht: Wild lebende Tiere wiegen 22 bis 25 g.
- Körper: Der Körper ist rund, die Füße sind kurz und breit.
- Sommerfell: Kopf und Rücken sind aschgrau bis dunkelbraun. Ein schwarzer Rückenstreifen zieht sich vom Kopf zwischen den Augen bis zum Schwanz. Lippen, Wangen, Beine, Schwanz und Bauch sind weiß. Die Ohren sind außen dunkelbraun und innen weiß.
- Winterfell: Im Winter wird das Fell weiß, nur der Rückenstreifen bleibt dunkelgrau.
- Sinne: Geruchs-, Tast- und Hörsinn sind sehr gut. Die Augen sehen dagegen schlecht. Artgenossen erkennen sich deshalb am Geruch und nicht am Aussehen.
Das Winterfell: Weiß durch kürzere Tage
Der Fellwechsel ist eine Besonderheit des Dsungarischen Zwerghamsters. Im Sommer ist das Fell weniger dicht und deutlich dunkler. Im Winter wird es dichter und viel heller.
Gesteuert wird der Wechsel über Hormone, und den Takt gibt die Tageslänge vor. Sobald der Tag kürzer als 14 Stunden ist, beginnt der Wechsel vom Sommer- zum Winterfell. Auch bei Heimtieren lässt sich der Fellwechsel beobachten.
Verbreitung und Lebensraum
Der Dsungarische Zwerghamster lebt im Norden, in der Mitte und im Osten Kasachstans und im angrenzenden Südwesten Sibiriens in Russland. Ein kleineres, abgetrenntes Vorkommen gibt es in Süd-Mittelsibirien.
Lebensraum: Er bewohnt Waldsteppen, Grassteppen und Halbwüsten. Dort gräbt er Baue mit 2 bis 6 Eingängen. Die Nestkammer liegt im Sommer 20 bis 30 cm tief, im Winter bis zu einem Meter unter der Erde. In einer eigenen Vorratskammer lagert er Futter.
Ernährung
In der Natur frisst der Dsungarische Zwerghamster vor allem Samen und grüne Pflanzenteile. Insekten fressen wild lebende Tiere eher selten. Futter trägt er in seinen Bau und legt dort Vorräte an.
Futter für Heimtiere nach dem Merkblatt der TVT:
- Körner: Eine spezielle Saatenmischung für Zwerghamster mit kleinen, fettarmen Saaten. Faustregel: ein Teelöffel pro Tag. Goldhamsterfutter mit großen Körnern und fettreichen Saaten ist ungeeignet.
- Frischfutter: Täglich etwas Kräuter, Gemüsegrün oder Salat, dazu kleine Mengen Gemüse wie Gurke. Obst sollte nicht gefüttert werden, weil es im Verdacht steht, Diabetes auszulösen.
- Eiweiß: Einmal pro Woche tierisches Eiweiß, zum Beispiel eine kleine Heuschrecke oder etwas Magerquark. Eine vegane Ernährung ist nicht artgerecht.
- Immer verfügbar: Heu, frisches Wasser und ungespritzte Zweige zum Nagen.
- Keine Leckerlis mit Zucker: Joghurtdrops oder Hamsterkekse enthalten oft Zucker oder Honig. Zwerghamster verdauen Kohlenhydrate schlechter als Goldhamster und neigen erblich bedingt zu Diabetes.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: In der Natur wird der Zwerghamster erst spät in der Dämmerung munter und ist dann etwa drei bis vier Stunden aktiv. Als Heimtier ist er teilweise auch tagsüber wach. Im Schlaf sollte man ihn nie stören.
Unterwegs: Wild lebende Männchen legen pro Nacht im Durchschnitt etwa 70 m zurück, Weibchen etwa 60 m. Die Streifgebiete der Weibchen überlappen sich nicht. Im Dunkeln finden sich die Tiere sicher zurecht, indem sie Duftspuren aus einer Drüse am Bauch und aus Harntropfen folgen.
Verständigung: Zwerghamster verständigen sich vor allem über ihre Körpersprache. Bei der Paarung und bei der Aufzucht der Jungen nutzen sie Ultraschall, den Menschen nicht hören können. Quieken, Fauchen oder Knurren hört man nur, wenn sich zwei Tiere streiten.
Starre bei Kälte: Bei niedrigen Temperaturen, wenig Licht oder Futtermangel können Zwerghamster in eine Starre fallen, den sogenannten Torpor. Sie reagieren dann kaum noch und werden manchmal fälschlich für tot gehalten. Mit Wärme und Licht wachen sie wieder auf. Im Winter sollten Heimtiere deshalb nicht in ungeheizten Räumen stehen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
In der Natur liegt die Hauptfortpflanzungszeit von April bis September, manche Weibchen bekommen auch im Winter Junge. Ein Weibchen kann in einer Saison 3 bis 6 Würfe haben.
- Tragzeit: etwa 18 bis 22 Tage
- Wurfgröße: bis zu zehn Junge
- Aufzucht: Die Jungen bleiben etwa 4 Wochen bei der Mutter. In der Natur helfen auch die Männchen bei der Aufzucht.
- Geschlechtsreife: Laut TVT sind Zwerghamster schon mit 5 bis 6 Wochen geschlechtsreif. Für Weibchen des Dsungarischen Zwerghamsters in Menschenobhut nennt das Handbook of the Mammals of the World etwa 4 Monate.
Das Geschlecht erkennt man am Abstand zwischen After und Geschlechtsöffnung, der bei Männchen deutlich größer ist.
Lebenserwartung: Zwerghamster werden 1,5 bis 3 Jahre alt.
Gefährdung
Die IUCN stuft den Dsungarischen Zwerghamster als nicht gefährdet (Least Concern) ein (Cassola, 2016). In den Roten Büchern einiger russischer Regionen, etwa Tscheljabinsk, Kurgan, Omsk und Tjumen, wird er mit unzureichender Datenlage geführt.
Haltung als Heimtier: Was Tierärzte empfehlen
Die TVT hat ein Merkblatt zur Haltung von Zwerghamstern veröffentlicht (Merkblatt Nr. 162, Stand April 2025). Es gilt für alle Zwerghamster der Gattung Phodopus einschließlich Hybriden und Zuchtformen. Die wichtigsten Punkte:
- Einzeln halten: Alle Zwerghamster leben in der Natur als Einzelgänger. Die TVT rät deshalb dringend zur Einzelhaltung.
- Keine Schmusetiere: Zwerghamster sollte man nur berühren, wenn sie selbst Kontakt suchen. Mit der Hand eingefangen geraten sie in Stress und beißen womöglich. Besser ist ein Glas oder eine Papprolle.
- Großes Gehege: Mindestens 100 × 50 × 50 cm, gern mit zusätzlichen Etagen und flachen Rampen. Geeignet sind Nagarien, Aquarien oder Terrarien mit Gitterabdeckung. Klassische Gitterkäfige sind weniger geeignet.
- Tief graben: Mindestens 25 cm Einstreu, wenigstens 20 cm davon grabfähig. Tiefen von 40 cm nutzen die Tiere gern. Ein Drittel Heu in der Einstreu macht die Gänge stabil.
- Ausstattung: Mindestens drei Häuschen zum Fressen, Schlafen und als Toilette, ein Sandbad mit mindestens 20 cm Seitenlänge und ein Laufrad mit mindestens 25 cm Durchmesser und geschlossener Lauffläche.
- Temperatur: Wohl fühlen sich Zwerghamster bei 18 bis 24 Grad. Höhere Temperaturen können zu einem Hitzschlag führen.
- Kontrolle: Zähne, Krallen, Fell und Gewicht sollte man einmal pro Woche prüfen, am einfachsten mit einer Küchenwaage. Durchfall, struppiges Fell oder Bewegungsunlust sind ein Grund, sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt zu gehen.
- Tabu: Hamsterkugeln und Hamstergeschirre sind tierschutzwidrig. Watte als Nestmaterial ist ungeeignet, weil sie Gliedmaßen abschnüren kann.
Zwerghamster haben kein Gefühl für Höhe und stürzen leicht vom Tisch oder aus der Hand. Neben Zoohandel und Züchtern kann man sie auch aus dem Tierheim oder von einer Hamsterhilfe übernehmen.
Häufige Fragen zum Dsungarischen Zwerghamster
Wie groß und schwer wird ein Dsungarischer Zwerghamster?
Kopf und Rumpf messen 7 bis 9 cm, der Schwanz nur 0,5 bis 1,5 cm. Wild lebende Tiere wiegen 22 bis 25 g.
Warum wird mein Zwerghamster im Winter weiß?
Das ist ein natürlicher Fellwechsel. Wird der Tag kürzer als 14 Stunden, wechselt der Dsungarische Zwerghamster vom dunkleren Sommerfell zum helleren, dichteren Winterfell.
Kann man Dsungarische Zwerghamster zu zweit halten?
Die TVT rät dringend davon ab. Zwerghamster sind in der Natur Einzelgänger. Es gibt zwar Berichte über Tiere, die paarweise zusammenleben, das bleibt aber eine Ausnahme.
Wie erkennt man einen Campbell-Zwerghamster?
Der Campbell ist etwas größer, hat kleinere Ohren mit weißem Rand, einen schmaleren Rückenstreifen und einen cremefarbenen Bauch. Im Winter wird er höchstens etwas heller, aber nicht weiß. Weil viele Heimtiere Mischlinge sind, ist die Bestimmung oft schwierig.
Wie alt wird ein Dsungarischer Zwerghamster?
Zwerghamster werden 1,5 bis 3 Jahre alt.
Warum darf ein Zwerghamster kein Obst fressen?
Zwerghamster verdauen Zucker und andere Kohlenhydrate schlecht und neigen von Natur aus zu Diabetes. Die TVT rät deshalb, kein Obst und keine zuckerhaltigen Leckerlis zu füttern.
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Quellen
- Cassola, F. (2016): Phodopus sungorus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016
- Wilson, D.E., Mittermeier, R.A. & Lacher, T.E. (Hrsg.) (2017): Phodopus sungorus. Handbook of the Mammals of the World, Band 7: Rodents II, Lynx Edicions (via Plazi)
- Wilson, D.E., Mittermeier, R.A. & Lacher, T.E. (Hrsg.) (2017): Phodopus campbelli. Handbook of the Mammals of the World, Band 7: Rodents II, Lynx Edicions (via Plazi)
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2025): Merkblatt Nr. 162 - Heimtiere: Zwerghamster
Größenvergleich
Mit 7 bis 9 cm gehört der Dsungarische Zwerghamster zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch einiges an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Würde man den Dsungarischen Zwerghamster auf eine Waage stellen, zeigte sie 22 bis 25 g an. Eine 1-Euro-Münze (7,5 g) wäre da deutlich leichter. Eine Tafel Schokolade hingegen bringt 100 g auf die Waage - um ein Vielfaches mehr als der Dsungarische Zwerghamster. Genau genommen wiegt der Dsungarische Zwerghamster etwa so viel wie 3 1-Euro-Münzen.