Dugong

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Grauer Dugong von vorn beim Fressen auf einer Seegraswiese, die breite Schnauze am sandigen Meeresboden, daneben zwei gelb-schwarz gestreifte Fische
Julien Willem / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Dugong ist eine Seekuh, die in warmen, flachen Küstengewässern des Indischen Ozeans und des westlichen Pazifiks lebt. Er wird bis zu 4 m lang, frisst fast nur Seegras und hat als einzige lebende Seekuh eine gegabelte Schwanzflosse wie ein Wal. Seine nächsten Verwandten an Land sind die Elefanten. Weil Dugongs sich nur sehr langsam vermehren und oft in Fischernetzen sterben, gelten sie als gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameDugong dugon
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Seekühe (Sirenia)
  • Familie: Gabelschwanzseekühe (Dugongidae)
  • Gattung: Dugong
  • Art: Dugong
KörpergrößeErwachsene 2,4 bis 4 m lang, meist um 3 m
KörpergewichtErwachsene 230 bis 400 kg
ErnährungPflanzenfresser: fast nur Seegras, bei Seegrasmangel auch Algen
Lebenserwartung70 Jahre und mehr (geschätzt anhand von Wachstumsschichten in den Stoßzähnen)
SozialverhaltenMutter und Kalb oder kleine Gruppen, selten Herden mit bis zu 200 Tieren
HerkunftIndopazifik
Verbreitung Flache tropische und subtropische Küstengewässer von Ostafrika bis Vanuatu in mindestens 48 Ländern; größter Bestand in Nordaustralien, zweitgrößter im Persischen Golf AfrikaAsienAustralienMeer
EntdeckungWissenschaftlich beschrieben 1776 (Müller)
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019)
SonstigesEinzige heute lebende Art der Gabelschwanzseekühe. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) in Anhang I gelistet.

Was ist ein Dugong?

Der Dugong (Dugong dugon) ist ein großes, gemütlich wirkendes Säugetier, das sein ganzes Leben im Wasser verbringt. Er gehört zur Ordnung der Seekühe (Sirenia). Der Name „Seekuh“ führt allerdings in die Irre: Mit Kühen ist der Dugong nicht näher verwandt. Seine nächsten Verwandten an Land sind die Elefanten und die Schliefer, zum Beispiel der Klippschliefer.

Der wissenschaftliche Name der Seekühe, Sirenia, kommt von den Sirenen, Meeresnymphen aus alten Sagen. Vermutlich gehen Geschichten über Meerjungfrauen zum Teil auf Seekühe zurück. Ein deutscher Name für den Dugong lautet Gabelschwanzseekuh.

Dugong, Manati und Stellers Seekuh: Wer ist wer?

Heute gibt es nur noch vier Arten von Seekühen. Drei davon sind Manatis, auch Rundschwanzseekühe genannt. Sie leben an den tropischen Küsten auf beiden Seiten des Atlantiks und im Amazonasgebiet, der Amazonas-Manati sogar nur im Süßwasser. Die vierte Art ist der Dugong. Er ist der einzige heute lebende Vertreter der Familie der Gabelschwanzseekühe und lebt fast nur im Meer.

So unterscheidet man Dugong und Manati:

MerkmalDugongManati (Rundschwanzseekuh)
Schwanzflossegegabelt, ähnlich wie bei einem Walrund wie ein Paddel
Körperformschlanker, stromlinienförmigerrundlicher
Lebensraumfast nur im MeerKüsten und Süßwasser, eine Art nur im Süßwasser
VerbreitungIndischer Ozean und westlicher PazifikAtlantikküsten Amerikas und Westafrikas, Amazonasgebiet

Stellers Seekuh: Die engste Verwandte des Dugongs war die riesige Stellers Seekuh. Sie gehörte ebenfalls zur Familie der Gabelschwanzseekühe, war aber viel größer als jede heute lebende Seekuh. Als einzige Seekuh lebte sie nicht in tropischen Gewässern, sondern im kalten Beringmeer. Der Mensch hat sie im 18. Jahrhundert durch Jagd ausgerottet. Seitdem ist der Dugong der letzte Überlebende seiner Familie.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Erwachsene Dugongs werden 2,4 bis 4 Meter lang, meist etwa 3 Meter. Sie wiegen 230 bis 400 Kilogramm. Männchen und Weibchen sehen äußerlich fast gleich aus.

Körper: Der Körper ist massig und rundlich, die dicke Haut ist graubraun. Wenn Algen darauf wachsen, kann sich die Farbe verändern. Hinten trägt der Dugong eine abgeflachte, gegabelte Schwanzflosse wie ein Wal. Mit ihr treibt er sich an. Die Vorderbeine sind zu kurzen, paddelartigen Flossen geworden. Eine Rückenflosse wie Delfine hat er nicht.

Kopf und Schnauze: Die breite, flache Schnauze zeigt schräg nach unten. So kann der Dugong bequem am Meeresboden grasen. Die Oberlippe ist sehr beweglich und mit Tastborsten besetzt. Mit ihnen spürt er das Seegras. Auch am übrigen Körper wachsen einzelne Borsten.

Stoßzähne: Alle Dugongs haben Stoßzähne, die aus den Schneidezähnen entstehen. Sichtbar sind sie meist nur bei erwachsenen Männchen und bei alten Weibchen.

Sinne: Augen und Ohren sind klein. Der Dugong sieht schlecht, hört dafür aber sehr gut. Seine Ohren haben keine Ohrmuscheln.

Atmung: Die beiden Nasenlöcher liegen oben auf der Schnauze. Beim Tauchen verschließen Klappen die Öffnungen. Alle paar Minuten kommt der Dugong zum Atmen an die Oberfläche.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitung: Dugongs leben in warmen Küstengewässern von Ostafrika über die Küsten des Indischen Ozeans und den Persischen Golf bis nach Australien und zu Inseln im Westpazifik wie Vanuatu. Ihr Gebiet reicht etwa vom 26. Grad nördlicher bis zum 26. Grad südlicher Breite. Es umfasst mindestens 48 Länder und rund 140.000 Kilometer tropische Küste.

Viele kleine Bestände: Das Verbreitungsgebiet ist zerstückelt. Der größte Bestand lebt im Norden Australiens, zwischen der Shark Bay in Westaustralien und der Moreton Bay in Queensland. Der zweitgrößte Bestand lebt im Persischen Golf.

Lebensraum: Dugongs bevorzugen breite, flache Buchten und Gewässer, die von Inseln vor der Küste geschützt werden. Sie halten sich meist in etwa 10 Metern Tiefe auf, tauchen aber gelegentlich bis 39 Meter tief, um zu fressen. Wichtig sind große Seegraswiesen. Dugongs brauchen warmes Wasser. Unter etwa 19 °C wird es für sie gefährlich.

Ernährung: Rasenmäher der Seegraswiesen

Dugongs sind Pflanzenfresser und ernähren sich fast nur von Seegras. Seegras ist keine Alge, sondern eine Blütenpflanze, die unter Wasser wächst. Besonders gern fressen Dugongs Seegräser, die wenig Fasern und viel Stickstoff enthalten und leicht verdaulich sind. Nur wenn Seegras knapp ist, fressen sie auch Algen.

So fressen sie: Mit der kräftigen Oberlippe reißen Dugongs ganze Seegraspflanzen samt Wurzeln aus dem Boden. Geht das nicht, rupfen sie die Blätter ab. Beim Grasen wirbeln sie Sand auf. Auf dem Meeresboden bleiben deutliche Furchen zurück, die man sogar von der Wasseroberfläche aus sehen kann.

Gut für die Wiese: Das Grasen der Dugongs wirbelt Nährstoffe auf, und ihr Kot düngt den Boden. So kann das Seegras schneller nachwachsen. Kurzfristig verringert starkes Grasen aber den Lebensraum für andere Tiere, die im Seegras leben.

Verhalten und Lebensweise

Gruppen: Dugongs sind gesellig. Kleine Gruppen bestehen meist aus einer Mutter mit ihrem Kalb. Manchmal sieht man Herden mit bis zu 200 Tieren, aber das ist selten. Eine Seegraswiese kann so viele Tiere nicht lange ernähren.

Unterwegs: Dugongs ziehen nicht regelmäßig wie Zugvögel. Manche bleiben fast ihr ganzes Leben in einem Gebiet, andere schwimmen weite Strecken, wenn eine Seegraswiese abgefressen ist.

Verständigung: Unter Wasser verständigen sich Dugongs mit Zwitschern, Pfeifen, Bellen und Trillern. Mütter und Kälber berühren sich oft mit der Schnauze.

Scheu und neugierig: Dugongs sind scheu. Werden sie gestört, schwimmen sie schnell davon. Nähert man sich vorsichtig, beobachten sie Taucher oder Boote manchmal aus größerer Entfernung, kommen aber selten näher. Weil sie oft in trübem Wasser leben und schwer zu halten sind, weiß man über ihr Verhalten noch wenig.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarung: Dugongs können sich das ganze Jahr über paaren. Ein paarungsbereites Weibchen wird oft von mehreren Männchen verfolgt, die heftig um sie kämpfen. In Westaustralien hat man beobachtet, dass Männchen an bestimmten Stellen ein Revier verteidigen und dort um Weibchen werben.

Tragzeit und Geburt: Nach einer Tragzeit von etwa 12 bis 14 Monaten bringt das Weibchen ein einziges Junges zur Welt, oft in sehr flachem Wasser. Das Kalb ist bei der Geburt etwa 1,2 Meter lang und wiegt rund 30 Kilogramm.

Aufwachsen: Schon kurz nach der Geburt knabbert das Kalb an Seegras, wird aber etwa 18 Monate lang gesäugt. Die Zitzen liegen unter den Vorderflossen. Das Kalb bleibt dicht bei der Mutter und schwimmt oft unter oder sogar auf ihr. Oft bleibt es mehrere Jahre bei ihr.

Langsame Vermehrung: Weibchen bekommen ihr erstes Junges frühestens mit etwa sechs Jahren, manche erst mit 17. Danach vergehen zwischen zwei Geburten zweieinhalb bis sieben Jahre. Selbst unter besten Bedingungen kann ein Bestand deshalb höchstens um etwa 5 Prozent im Jahr wachsen.

Alter: Dugongs werden sehr alt. Forschende zählen dazu Wachstumsschichten in den Stoßzähnen, ähnlich wie Jahresringe bei Bäumen. So wurde ein Alter von 70 Jahren und mehr festgestellt.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Erwachsene Dugongs haben wegen ihrer Größe und dicken Haut wenige Feinde. Haie, Schwertwale und Krokodile erbeuten aber vor allem junge Tiere.

Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Dugong als gefährdet (Vulnerable, IUCN 2019). Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen steht er in Anhang I. Der internationale Handel mit Dugongs und Teilen von ihnen ist damit verboten.

Gefahren durch den Menschen:

  • Fischernetze: Dugongs verfangen sich in Stell- und Hainetzen und ertrinken, weil sie nicht mehr zum Atmen auftauchen können.
  • Boote: Sie werden von Booten und Schiffen gerammt.
  • Jagd: In manchen Regionen werden Dugongs wegen ihres Fleisches, ihres Öls und ihrer Stoßzähne gejagt.
  • Lebensraumverlust: Wenn Seegraswiesen zerstört werden, verlieren Dugongs ihre Nahrung.

Weil sich Dugongs so langsam vermehren, erholen sich ihre Bestände nach Verlusten nur sehr schwer. In Australien sind Dugongs vergleichsweise häufig und überall gesetzlich geschützt. In vielen anderen Teilen ihres Verbreitungsgebiets ist ihre Lage deutlich unsicherer.

Häufige Fragen zum Dugong

Was ist der Unterschied zwischen Dugong und Seekuh?

Der Dugong ist selbst eine Seekuh. Zu den Seekühen gehören außer ihm noch drei Arten von Manatis. Den Dugong erkennt man an seiner gegabelten Schwanzflosse, Manatis haben eine runde Schwanzflosse wie ein Paddel.

Wie groß und schwer wird ein Dugong?

Ein erwachsener Dugong wird 2,4 bis 4 Meter lang, meist etwa 3 Meter. Er wiegt 230 bis 400 Kilogramm.

Was frisst ein Dugong?

Fast nur Seegras, das er mit seiner beweglichen Oberlippe samt Wurzeln vom Meeresboden reißt. Nur wenn Seegras knapp ist, frisst er auch Algen.

Wo lebt der Dugong?

In warmen, flachen Küstengewässern des Indischen Ozeans und des westlichen Pazifiks, von Ostafrika bis zu den Inseln des Westpazifiks. Die meisten Dugongs leben vor der Nordküste Australiens.

Wie alt wird ein Dugong?

Dugongs können 70 Jahre und älter werden. Ihr Alter bestimmt man anhand von Wachstumsschichten in den Stoßzähnen.

Warum ist der Dugong gefährdet?

Viele Dugongs ertrinken in Fischernetzen, werden von Booten verletzt oder gejagt, und ihre Seegraswiesen verschwinden. Weil ein Weibchen nur alle zweieinhalb bis sieben Jahre ein Junges bekommt, können die Bestände solche Verluste kaum ausgleichen.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Dugong
2,4 bis 4 m

Ein Dugong erreicht eine Körpergröße von 2,4 bis 4 m. Damit passt er bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und eine Giraffe (5,5 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Dugong
230 bis 400 kg

Ein Dugong bringt 230 bis 400 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Dugong wiegt so viel wie etwa 4 Erwachsene.