Dünengazelle

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Männliche Dünengazelle mit langem, geringeltem Horn und hellbraunem Fell auf sandigem Boden
Ted / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Kurz erklärt

Die Dünengazelle ist eine zierliche, sehr helle Gazelle aus der Sahara in Nordafrika. Männchen und Weibchen tragen lange, dünne Hörner. Sie lebt in großen Sanddünengebieten und deckt einen großen Teil ihres Wasserbedarfs über ihre Pflanzennahrung. Die Art ist stark gefährdet: In freier Natur leben vermutlich nur noch einige hundert erwachsene Tiere.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameGazella leptoceros
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Hornträger (Bovidae)
  • Unterfamilie: Antilopinae
  • Gattung: Gazellen (Gazella)
  • Art: Dünengazelle
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge etwa 88 bis 110 cm, Schulterhöhe etwa 65 bis 75 cm, Schwanz etwa 12 bis 20 cm
KörpergewichtMännchen etwa 20 bis 27 kg, Weibchen etwa 14 bis 18 kg
ErnährungPflanzenfresser: Blätter, Triebe, Blüten und Früchte von Sträuchern und niedrigen Wüstenpflanzen, dazu Gräser und Kräuter
LebenserwartungIn freier Natur nicht genau bekannt (geschätzt bis etwa 14 Jahre), in Menschenobhut bis 16 Jahre belegt
SozialverhaltenKleine Gruppen, meist 1 bis 5 Tiere
HerkunftSahara (Nordafrika)
Verbreitung Sandwüsten der nördlichen Sahara in Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten; frühere Vorkommen in Niger und Tschad heute unbestätigt Afrika
EntdeckungErstbeschreibung 1842 durch Frédéric Cuvier
GefährdungEN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesHellste aller Gazellenarten; beide Geschlechter tragen Hörner

Was ist eine Dünengazelle?

Die Dünengazelle ist eine Gazelle aus der Familie der Hornträger, zu der auch Rinder, Ziegen und Antilopen gehören. Ihr wissenschaftlicher Name Gazella leptoceros bedeutet so viel wie „Gazelle mit dünnem Horn“: leptós heißt im Griechischen dünn, keras bedeutet Horn. Im Englischen heißt sie deshalb „slender-horned gazelle“, außerdem ist der arabische Name Rhim verbreitet. In Tunesien und Ägypten nennt man sie auch „ghazal abiad“, die weiße Gazelle.

Die Dünengazelle ist ein Spezialist für Sandwüsten. Sie lebt nur in der Sahara und wurde 1842 von dem französischen Zoologen Frédéric Cuvier wissenschaftlich beschrieben. Unterarten werden heute nicht mehr unterschieden.

Verwandtschaft: Die Gattung Gazella umfasst nach heutiger Einteilung 21 Arten, die von der Sahara bis in die Wüste Gobi verbreitet sind. Die engsten Verwandten der Dünengazelle sind die Cuvier-Gazelle aus dem Atlasgebirge und die Sandgazelle von der Arabischen Halbinsel. Genetische Untersuchungen zeigen, dass diese drei Formen sehr nah miteinander verwandt sind. Ob sie getrennte Arten sind, ist unter Fachleuten noch nicht abschließend geklärt. Für den Artenschutz werden sie weiterhin getrennt betrachtet.

Aussehen und Körperbau

Die Dünengazelle ist eine mittelgroße Gazelle mit schlankem Körper und langen Beinen. Kein anderes Mitglied der Gattung ist so hell gefärbt wie sie.

Größe und Gewicht: Vermessene Männchen aus Ägypten hatten eine Kopf-Rumpf-Länge von 88,5 bis knapp 100 cm und eine Schulterhöhe von etwa 70 bis 75 cm. Andere Quellen nennen eine Körperlänge von 100 bis 110 cm. Der Schwanz misst etwa 12 bis 20 cm. Für ausgewachsene Männchen werden 20 bis 27 kg angegeben, für Weibchen 14 bis 18 kg. Drei ausgewachsene Männchen aus Ägypten brachten allerdings nur 16,5 bis 17,5 kg auf die Waage. Tiere aus Algerien und Tunesien sind nach Schädelmessungen etwas größer als die aus Ägypten.

Fell: Das kurze Fell ist hell sandfarben bis fast weiß. Kehle, Brust, Bauch und Hinterteil sind weiß. An den Flanken verläuft ein nur schwach dunklerer Streifen mit verwaschenen Rändern. Auch die typischen Gesichtsstreifen der Gazellen sind bei der Dünengazelle blass und sandfarben. Ein auffälliger Kontrast ist der braunschwarze Schwanz. Männchen und Weibchen sehen sich in der Färbung sehr ähnlich.

Ohren: Die Ohren sind lang, schmal und spitz. Sie messen 13 bis 15 cm.

Hörner: Beide Geschlechter tragen Hörner. Bei den Männchen stehen sie fast senkrecht und nah beieinander auf dem Kopf, sind fast gerade und leicht nach hinten gebogen. Ausgewachsene Männchen haben 24 bis 30 Ringe auf den Hörnern, die zur glatten Spitze hin flacher werden. Die Hörner werden meist rund 30 bis 40 cm lang. Das längste bekannte Horn stammt aus Ägypten und maß 41,2 cm. Die Hörner der Weibchen sind deutlich dünner, fast gerade und schwächer geringelt. Sie erreichen aber fast die Länge der männlichen Hörner, etwa 78 bis 84 Prozent davon.

Hufe: Die Hufe der Dünengazelle sind länger und stärker gespreizt als bei verwandten Gazellen. Lange galt das als besondere Anpassung an den Sand. Fachleute erklären es heute eher mit der Abnutzung: Auf weichem Sand werden die Hufe weniger abgerieben und wachsen deshalb länger. Tiere aus steinigen Wüstengebieten hatten kürzere Hufe. Die Hufe sind zudem sehr schmal, anders als die breiten Hufe der Mendesantilope, die im selben Gebiet lebt. Die Fußspuren der Dünengazelle sind größer und spitzer als die der Dorkasgazelle.

Verwechslungsgefahr: Die einzige andere Gazelle in ihrem Lebensraum ist die Dorkasgazelle. Sie ist meist kräftiger braun gefärbt, hat einen deutlichen dunklen Flankenstreifen und bei den Männchen leierförmig geschwungene Hörner.

Verbreitung und Lebensraum

Die Dünengazelle kommt nur in der Sahara in Nordafrika vor. Früher lebte sie verstreut in weiten Teilen der Wüste bis zum Nil. Sicher nachgewiesen wurde sie zwischen 2000 und 2020 nur noch in vier Ländern: Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten. Ihr bekanntes Verbreitungsgebiet wurde auf rund 182.000 Quadratkilometer geschätzt, doch innerhalb dieser Fläche leben die Tiere nur an wenigen Stellen.

Die wichtigsten Vorkommen liegen in zwei riesigen Sandmeeren, den sogenannten Ergs, südlich des Atlasgebirges:

  • im Großen Westlichen Erg im Nordwesten Algeriens
  • im Großen Östlichen Erg, der sich über die Grenze zwischen Algerien und Tunesien erstreckt

In Ägypten ist die Art aus dem größten Teil der Westlichen Wüste verschwunden. Die jüngsten Nachweise stammen aus der Qattara-Senke und dem Gebiet westlich der Oase Siwa an der Grenze zu Libyen. Aus Libyen selbst gibt es keine gesicherten aktuellen Daten. In Niger und im Tschad lebte die Dünengazelle noch in den 1970er-Jahren. Neuere Meldungen von dort sind nicht bestätigt.

Lebensraum: Die Dünengazelle bewohnt die extrem trockene nördliche Sahara. Sie bevorzugt große Sanddünengebiete, in denen zwischen den Dünenketten Senken und flache Kies- oder Sandebenen liegen. Sie kommt aber auch in harten, steinigen Wüsten und auf Steinebenen neben den Dünen vor.

Ernährung

Die Dünengazelle ist ein Pflanzenfresser. Sie frisst Sträucher und niedrige Wüstenpflanzen. Dabei ist sie wählerisch: Sie sucht gezielt nach Blüten, Früchten und jungen Blättern. Außerdem stehen Gräser, Kräuter und das Laub von Büschen auf ihrem Speiseplan. Die Abnutzung ihrer Zähne ähnelt der von Tieren, die vor allem Blätter und Zweige fressen.

Wenig Trinkwasser: In den Sandwüsten gibt es fast kein offenes Wasser. Die Dünengazelle deckt einen großen Teil ihres Wasserbedarfs über saftige Pflanzen und Tau. Sie frisst vor allem nachts und am frühen Morgen, wenn die Pflanzen mehr Wasser enthalten als in der Tageshitze. Wo es Wasserstellen gibt, etwa an Oasen und in Trockentälern, wurde sie aber auch beim Trinken beobachtet.

Verhalten und Lebensweise

Dünengazellen leben allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen von höchstens etwa fünf Tieren. Früher wurden auch Herden von 10 bis 20 Tieren beschrieben. Die Gazellen legen auf der Suche nach Futter große Strecken zurück. Sie sind Nomaden: Sie wandern durch die Wüste dorthin, wo gerade nach Regen Pflanzen wachsen.

Aktiv in der kühlen Zeit: Nach Beobachtungen sind die Tiere vor allem nachts und in der Dämmerung unterwegs. In der Mittagshitze suchen sie Schatten.

Umgang mit der Hitze: In einer Untersuchung an Gazellen in Menschenobhut in Saudi-Arabien stieg die Körpertemperatur im Sommer deutlich an, ohne dass es den Tieren schadete. Die Forscher vermuten, dass die Tiere so Wasser sparen: Wer sich etwas aufheizen lässt, muss weniger schwitzen oder hecheln. Ob die untersuchten Tiere wirklich Dünengazellen waren, ist allerdings nicht ganz sicher, denn ihre Herkunft war unbekannt.

Streit unter Männchen: In Menschenobhut können Männchen aggressiv werden und miteinander kämpfen, vor allem wenn Weibchen in der Nähe sind.

Fortpflanzung und Nachwuchs

In freier Natur bekommen Dünengazellen ihre Jungen vor allem im Winter und im frühen Frühling. Im Nationalpark Sidi Toui in Tunesien kamen die Jungen von Februar bis April zur Welt, in einer Zuchtstation in Algerien die meisten im Februar. Die Paarungszeit fällt in Tunesien vermutlich in den August und September, in Algerien in die Monate September bis November. In Zoos außerhalb Afrikas ist die Fortpflanzung weniger an Jahreszeiten gebunden.

  1. Tragzeit: Sie dauert etwa 5,5 Monate. Im Zoo Hannover wurden 156 und 169 Tage gemessen.
  2. Ein Junges oder Zwillinge: Bei Tieren aus Ägypten kommt meist nur ein Junges zur Welt. Bei den westlichen Beständen in Algerien und Tunesien werden häufiger Zwillinge beschrieben.
  3. Geburt: Die Geburt dauert meist höchstens anderthalb Stunden. Ein im Zoo Hannover geborenes Männchen wog 1,8 kg.
  4. Versteckt im Sand: In den ersten zwei Wochen liegen die Jungtiere gut versteckt, während die Mutter frisst. Drei- bis viermal am Tag kommt sie zurück, säugt das Junge und putzt es.
  5. Selbstständig werden: Mit etwa vier Wochen probieren die Jungen feste Nahrung. Mit vier bis sechs Monaten sind sie entwöhnt. Das Geburtsgewicht verdoppelt sich schon im ersten Lebensmonat.

Sehr früh erwachsen: Die Jungen entwickeln sich schnell. Ein Weibchen im Zoo Hannover wurde schon mit gut fünf Monaten trächtig. Junge Männchen zeigen mit acht bis zehn Monaten Anzeichen der Geschlechtsreife und werden dann von älteren Männchen nicht mehr geduldet. Weibchen bekamen in Zoos bis zu einem Alter von elf Jahren Nachwuchs.

Lebenserwartung: Wie alt Dünengazellen in freier Natur werden, ist nicht genau bekannt. Die Datenbank AnAge schätzt bis etwa 14 Jahre. In Menschenobhut wurden Männchen bis 14 Jahre und Weibchen bis 16 Jahre alt.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Früher wurde die Dünengazelle vom Geparden gejagt. Heute kommen am Rand ihres Verbreitungsgebiets noch Afrikanischer Goldwolf, Afrikanischer Wildhund, Leopard und Streifenhyäne als Feinde in Frage. Die blasse Fellfarbe tarnt die Gazelle im Sand.

Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Dünengazelle als stark gefährdet (IUCN, 2016). Die IUCN schätzt, dass nur noch 300 bis 600 erwachsene Tiere in freier Natur leben. Sie verteilen sich auf zerstückelte Gebiete in Tunesien, Algerien, Libyen und Ägypten. Die Art steht außerdem in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES), der kommerzielle Handel mit ihr ist also verboten.

Die größten Gefahren sind:

  • Jagd: Früher fing man Dünengazellen mit Fallen und jagte sie mit Hunden. Heute erreichen Wilderer mit Geländewagen, Quads und Motorrädern selbst entlegene Dünengebiete. Das Fleisch ist gefragt, und wegen ihrer Seltenheit ist die Art bei Trophäenjägern begehrt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden über den tunesischen Hafen Gabès jedes Jahr 500 bis 600 Hornpaare gehandelt.
  • Unsichere Lage: In vielen Gebieten erschweren Sicherheitsprobleme den Schutz der Tiere und die Arbeit von Forschern.
  • Störung und Lebensraumverlust durch den Menschen.

In Tunesien leben Dünengazellen in Schutzgebieten wie dem Nationalpark Sidi Toui. Auch Zoos halten die Art und züchten sie, zum Beispiel in Nordamerika mit Tieren, die ursprünglich aus Tunesien stammen.

Häufige Fragen zur Dünengazelle

Wie groß wird eine Dünengazelle?

Eine Dünengazelle ist etwa 88 bis 110 cm lang und an der Schulter etwa 65 bis 75 cm hoch. Dazu kommt ein 12 bis 20 cm langer Schwanz. Männchen wiegen etwa 20 bis 27 kg, Weibchen 14 bis 18 kg.

Was frisst die Dünengazelle?

Sie frisst Pflanzen: Blätter, Triebe, Blüten und Früchte von Sträuchern und niedrigen Wüstenpflanzen, außerdem Gräser und Kräuter. Am liebsten sucht sie sich junge, saftige Pflanzenteile aus.

Muss die Dünengazelle trinken?

Wenig. Sie nimmt einen großen Teil ihres Wassers mit der Nahrung auf und frisst vor allem nachts und am frühen Morgen, wenn die Pflanzen mehr Wasser enthalten. Wo es Wasserstellen gibt, trinkt sie aber auch.

Wo lebt die Dünengazelle?

In den großen Sandwüsten der nördlichen Sahara. Sicher nachgewiesen ist sie heute nur noch in Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten. Die wichtigsten Vorkommen liegen in den Sandmeeren Großer Westlicher Erg und Großer Östlicher Erg.

Warum ist die Dünengazelle so hell?

Ihr blasses, sandfarbenes Fell tarnt sie im Wüstensand. Früher hieß es oft, das helle Fell schütze vor allem vor Hitze, weil es die Sonne zurückwirft. Fachleute halten die Tarnung heute für den wichtigeren Grund.

Wie viele Dünengazellen gibt es noch?

Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt den Bestand auf nur 300 bis 600 erwachsene Tiere in freier Natur. Die Art gilt deshalb als stark gefährdet. Genau zählen lassen sich die Tiere in den riesigen, schwer zugänglichen Dünengebieten allerdings nicht.

Ähnliche Tiere

  • Damagazelle - eine größere Gazelle aus der Sahara und dem Sahel, die ebenfalls stark bedroht ist
  • Fennek - der Wüstenfuchs lebt in denselben Sandwüsten der Sahara
  • Springbock - eine Gazellenverwandte aus dem südlichen Afrika
  • Impala - eine Antilope aus den Savannen Ost- und Südafrikas
  • Antilope - Überblick über die Gruppe, zu der auch die Gazellen gezählt werden

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Dünengazelle
88 cm bis 1,1 m

Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben eine Dünengazelle: Die Dünengazelle ist um einiges größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt sie mit ihren 88 cm bis 1,1 m aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist die Dünengazelle etwa 5-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Dünengazelle
14 bis 27 kg

Eine Dünengazelle bringt 14 bis 27 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Die Dünengazelle wiegt so viel wie etwa 5 Hauskatzen.