Eichhörnchen
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Kurz erklärt
Das Eichhörnchen ist ein flinkes Nagetier, das in Bäumen lebt. Es hat einen buschigen Schwanz, lange Pinsel an den Ohren und ein Fell, das von Hellrot bis fast Schwarz reichen kann. Eichhörnchen fressen vor allem Nüsse und Samen, verstecken im Herbst Vorräte und halten keinen Winterschlaf, sondern nur Winterruhe. Sie schlafen in kugeligen Nestern, den Kobeln.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Sciurus vulgaris |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 20 bis 25 cm, dazu ein buschiger Schwanz von etwa 15 bis 22 cm |
| Körpergewicht | Ausgewachsen etwa 200 bis 480 g; Männchen und Weibchen sind gleich groß |
| Ernährung | Allesfresser: vor allem Nüsse und Baumsamen, dazu Knospen, Triebe, Beeren, Obst, Pilze, Insekten, Vogeleier und Jungvögel |
| Lebenserwartung | Im Durchschnitt etwa 3 Jahre, selten bis 7 Jahre; in Menschenobhut bis 10 Jahre und mehr |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; Männchen und Weibchen treffen sich nur zur Paarung, das Weibchen zieht die Jungen allein auf |
| Herkunft | Europa und Nordasien |
| Verbreitung | Fast ganz Europa, vom Ural ostwärts durch Nordasien bis Kamtschatka, Korea und Teile Japans; bis etwa 2.000 m Höhe AsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2023) |
| Sonstiges | In Deutschland nicht gefährdet. In Großbritannien und Italien wird das Eichhörnchen durch das eingeführte nordamerikanische Grauhörnchen verdrängt. |
Was ist ein Eichhörnchen?
Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), genauer das Eurasische Eichhörnchen, ist ein Nagetier aus der Familie der Hörnchen. In Mitteleuropa ist es die einzige Art seiner Gattung, die von Natur aus vorkommt. Alte Namen sind Eichkätzchen und Eichkater.
Eichhörnchen verbringen den größten Teil ihres Lebens in Bäumen. Sie sind tagsüber aktiv, klettern und springen geschickt und leben in Wäldern, aber auch in Parks und Gärten. Den Wissenschaftsnamen Sciurus leitet die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) vom griechischen „Skiuros“ ab, was „Schattenschwanz“ bedeutet: Früher glaubte man, das Eichhörnchen spende sich mit seinem Schwanz selbst Schatten.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Eichhörnchen ist ohne Schwanz 20 bis 25 cm lang. Der buschige Schwanz misst etwa 15 bis 20 cm, laut Deutscher Wildtier Stiftung bis 22 cm, und ist damit fast so lang wie der Körper. Eichhörnchen wiegen etwa 200 bis 480 g. Männchen und Weibchen sind gleich groß und gleich gefärbt.
Fellfarbe: Das Fell auf dem Rücken kann hellrot, braun oder fast schwarz sein, der Bauch ist immer weiß oder cremefarben. Rote und dunkle Tiere gehören zur selben Art. In den Nadelwäldern höherer Lagen sind Eichhörnchen oft dunkler als in den Laubwäldern des Flachlands.
Ohrpinsel: Typisch sind die Haarpinsel an den Ohren. Im Winter werden sie bis zu 3,5 cm lang, im Frühjahr fallen sie aus, und im Sommer sind sie klein oder fehlen ganz. Zweimal im Jahr wechselt das Eichhörnchen sein Fell. Das Winterfell ist dichter und dunkler, der Schwanz buschiger.
Kletterkünstler: Die Hinterbeine sind lang und kräftig. An den Vorderpfoten sitzen vier lange Finger mit gebogenen Krallen. Weil sich die Fußgelenke laut Mammal Society so weit drehen lassen, dass die Füße nach vorn oder nach hinten zeigen, kann das Eichhörnchen auch kopfüber an glatten Stämmen herunterklettern.
Der Schwanz ist ein Alleskönner: Er hilft beim Klettern, das Gleichgewicht zu halten, dient beim Springen als Steuer, wärmt im Nest wie eine Decke und hilft bei der Verständigung. Bei Gefahr sträubt das Eichhörnchen die Schwanzhaare und schlägt mit dem Schwanz hin und her.
Verbreitung und Lebensraum
Eichhörnchen leben in fast ganz Europa. Von dort reicht ihr Verbreitungsgebiet durch Nordasien vom Ural bis nach Kamtschatka, Korea und in Teile Japans. In den Bergen kommen sie bis etwa 2.000 m Höhe vor.
Lebensraum: Eichhörnchen brauchen Bäume, die Samen und Früchte tragen. Im Großteil ihres Verbreitungsgebiets leben sie in nördlichen Nadelwäldern. In Europa bewohnen sie auch Laub- und Mischwälder mit alten Bäumen. Als Kulturfolger haben sie Parks und Gärten erobert, sofern es dort genug Nahrung und Verstecke gibt. Alte Bäume sind wichtig, weil junge Bäume noch keine Samen bilden: Fichten und Rotbuchen tragen erst nach 30 bis 50 Jahren Samen.
Ernährung
Eichhörnchen sind Allesfresser, fressen aber vor allem Pflanzliches. Am wichtigsten sind Nüsse und Baumsamen: Haselnüsse, Walnüsse, Bucheckern und die Samen aus Fichten- und Kiefernzapfen. Dazu kommen Knospen, Triebe, Rinde, Blüten, Beeren, Obst und Pilze. Im Sommer fressen sie auch Insekten, Vogeleier und Jungvögel, in der Stadt manchmal Essensreste.
Nüsse knacken will gelernt sein: Das Eichhörnchen nagt zuerst ein kleines Loch in die Nussschale. Dann setzt es die unteren Nagezähne wie einen Hebel an und bricht Stücke heraus. Diese Technik ist nicht angeboren, sondern jedes Tier muss sie üben.
Wintervorräte: Im Herbst vergraben Eichhörnchen Nüsse und Samen an vielen Stellen im Boden oder stecken sie in Rindenspalten. Im Kobel lagern sie keine Vorräte. Zum Wiederfinden nutzen sie ihren Geruchssinn und ihr Gedächtnis für das Gebiet. Viele Verstecke bleiben aber vergessen. Aus diesen Samen wachsen im Frühjahr neue Bäume. So helfen Eichhörnchen, zusammen mit dem Eichelhäher, den Wald zu verjüngen.
Mastjahre: In Jahren, in denen Buchen oder Fichten besonders viele Samen tragen, steigt die Zahl der Eichhörnchen deutlich an. Tragen die Bäume wenig, nehmen die Bestände ab.
Verhalten und Lebensweise
Einzelgänger: Eichhörnchen leben meist allein und treffen sich nur zur Paarung. Manchmal teilen sich aber mehrere Tiere außerhalb der Fortpflanzungszeit einen Kobel. Wie groß das Gebiet eines Eichhörnchens ist, hängt von der Umgebung ab: Auf Inseln reicht manchmal weniger als ein Hektar, im Bayerischen Wald wurden bis zu 50 Hektar gemessen. Männchen streifen weiter umher als Weibchen.
Der Kobel: Zum Schlafen baut das Eichhörnchen ein kugeliges Nest aus Zweigen, Nadeln und Blättern, den Kobel. Er sitzt meist in über 6 m Höhe in einer Astgabel, hat einen Durchmesser von 30 bis 50 cm und ist innen mit Moos, Gras und Blättern gepolstert. Ein Kobel hat mindestens zwei Eingänge, einer davon zeigt nach unten. Neben dem Hauptkobel baut ein Eichhörnchen oft zwei bis acht weitere. Auch alte Spechthöhlen nutzt es.
Winterruhe statt Winterschlaf: Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf und fressen sich auch keinen Winterspeck an. Im Winter sind sie nur etwa ein bis zwei Stunden am Tag aktiv, um Futter aus ihren Verstecken zu holen. In sehr strengen Wintern bleiben sie auch einmal ganz im Kobel.
Sprünge: Eichhörnchen bewegen sich ruckartig und sehr schnell. Die Deutsche Wildtier Stiftung nennt Sprünge von bis zu zwei Metern, die SDW im Geäst sogar Weiten von vier bis fünf Metern.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Paarungszeit: Um den Jahreswechsel beginnt die Paarungszeit mit wilden Verfolgungsjagden, bei denen oft mehrere Männchen einem Weibchen durch die Bäume folgen. Meist gibt es zwei Fortpflanzungszeiten im Jahr: Die ersten Jungen kommen im März oder April zur Welt, die zweiten zwischen Mai und August. Ist im Frühjahr zu wenig Futter da, fällt der erste Wurf aus. Nach der Paarung duldet das Weibchen das Männchen nicht mehr in seiner Nähe.
Geburt: Nach einer Tragzeit von etwa vier bis sechs Wochen (die SDW nennt 4 bis 5 Wochen, die Deutsche Wildtier Stiftung 36 bis 42 Tage) bringt das Weibchen im gut gepolsterten Wurfkobel meist etwa vier, höchstens sechs Junge zur Welt. Die Jungen wiegen etwa 8,5 g und sind nackt, blind und taub.
Aufzucht: Das Weibchen zieht die Jungen allein auf. Droht Gefahr, trägt es sie im Maul in einen anderen Kobel. Mit etwa sechs Wochen verlassen die jungen Eichhörnchen zum ersten Mal den Kobel, nach weiteren zwei bis vier Wochen werden sie nicht mehr gesäugt. Insgesamt bleiben sie etwa zehn Wochen bei der Mutter. Geschlechtsreif sind sie vor Ende ihres ersten Lebensjahres.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Der wichtigste Feind ist der Baummarder. Tagsüber ist ihm das leichtere Eichhörnchen in den Bäumen überlegen, doch nachts holt er es oft im Schlaf aus dem Kobel. Außerdem jagen Habicht, Mäusebussard, Uhu und Hauskatzen Eichhörnchen. Wiesel fressen junge Tiere im Kobel. Vor Greifvögeln flüchtet das Eichhörnchen, indem es spiralförmig um den Baumstamm läuft. Auch der Straßenverkehr tötet viele Tiere.
Kurzes Leben: Etwa 80 Prozent der jungen Eichhörnchen überleben das erste Jahr nicht. Wer es schafft, wird im Durchschnitt etwa drei Jahre alt, selten bis sieben. In Menschenobhut werden Eichhörnchen bis zu zehn Jahre alt.
In Deutschland ist das Eichhörnchen nicht gefährdet. Auf Dauer könnten aber der Verlust alter Wälder und eine intensivere Forstwirtschaft zum Problem werden.
Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt das Eichhörnchen als nicht gefährdet (Least Concern) (Gazzard, 2023).
Das Grauhörnchen-Problem
In Großbritannien und Italien ist das Eichhörnchen in Bedrängnis geraten. Schuld ist das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) aus Nordamerika, das Menschen dort ausgesetzt haben.
Großbritannien: Grauhörnchen wurden laut Mammal Society zwischen 1876 und 1929 eingeführt. Sie sind größer und kräftiger, finden Futter besser und plündern sogar die Vorräte der Eichhörnchen. Noch schlimmer: Sie tragen ein Pockenvirus in sich, das ihnen selbst nicht schadet, für Eichhörnchen aber meist tödlich ist. Heute leben Eichhörnchen in Großbritannien vor allem noch in Schottland, im Norden Englands, in Teilen von Wales und auf der Isle of Wight. Auf der britischen Roten Liste gilt das Eichhörnchen als stark gefährdet. Grauhörnchen werden dort bekämpft, und die Wiederansiedlung des Baummarders hilft offenbar, weil Grauhörnchen ihn weniger fürchten und leichter zur Beute werden.
Italien: Auch in Nord- und Mittelitalien breitet sich das Grauhörnchen aus und verdrängt das Eichhörnchen. Fachleute befürchten, dass es sich von dort weiter nach Westeuropa ausbreiten könnte.
Deutschland: In freier Natur gibt es hier bisher keine Grauhörnchen. Seit 2016 steht das Grauhörnchen auf der Liste invasiver Arten der EU. Halten und verkaufen ist in Deutschland schon seit 1999 verboten.
Unterschiede: Das Grauhörnchen ist größer (Kopf-Rumpf-Länge 23 bis 30 cm), im Winter silbergrau und hat keine Ohrpinsel. Dunkle Eichhörnchen sind zarter gebaut und haben im Winter deutliche Pinsel an den Ohren.
Häufige Fragen zum Eichhörnchen
Wie groß wird ein Eichhörnchen?
Ohne Schwanz 20 bis 25 cm, der Schwanz ist etwa 15 bis 22 cm lang. Ein Eichhörnchen wiegt 200 bis 480 g, also etwa so viel wie zwei bis knapp fünf Tafeln Schokolade.
Was frisst ein Eichhörnchen?
Vor allem Nüsse und Samen von Bäumen, dazu Knospen, Beeren, Obst und Pilze. Im Sommer frisst es auch Insekten, Vogeleier und Jungvögel.
Hält das Eichhörnchen Winterschlaf?
Nein. Eichhörnchen halten nur Winterruhe. Sie sind auch im Winter jeden Tag kurz aktiv und holen Futter aus ihren Verstecken.
Wie nennt man das Nest eines Eichhörnchens?
Das Nest heißt Kobel. Es ist eine Kugel aus Zweigen und Blättern, innen weich gepolstert, und sitzt meist hoch oben in einer Astgabel.
Sind schwarze Eichhörnchen eine andere Art?
Nein. Rote, braune und fast schwarze Eichhörnchen gehören alle zur selben Art. Die Farbe ist angeboren und hängt auch vom Lebensraum ab. Das Grauhörnchen dagegen ist eine eigene Art, die in Deutschland bisher nicht in freier Natur vorkommt.
Wie alt wird ein Eichhörnchen?
Die meisten Eichhörnchen sterben im ersten Jahr. Überlebende werden im Schnitt etwa drei Jahre alt, selten bis sieben Jahre.
Ähnliche Tiere
- Japanisches Eichhörnchen - ein naher Verwandter aus Japan
- Streifenhörnchen - ein kleineres Hörnchen mit Streifen, das am Boden lebt
- Gleithörnchen - Hörnchen, die von Baum zu Baum segeln
- Siebenschläfer - ein Kletterer mit buschigem Schwanz, der echten Winterschlaf hält
- Murmeltier - ein Hörnchen, das am Boden in Bauen lebt
Quellen
- Eichhörnchen - Deutsche Wildtier Stiftung
- Das Eichhörnchen (Tierfaltblatt) - Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
- Red squirrel - The Mammal Society
- Nehring, S. & Skowronek, S. (2020): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 - Zweite Fortschreibung 2019. BfN-Skripten 574
- Di Febbraro, M. et al. (2013): The Use of Climatic Niches in Screening Procedures for Introduced Species to Evaluate Risk of Spread: A Case with the American Eastern Grey Squirrel. PLOS ONE 8(7)
- Gazzard, A. (2023): Sciurus vulgaris. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Mit 20 bis 25 cm gehört das Eichhörnchen zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch einiges an Größe drauflegt. Stell dir vor: Das Eichhörnchen ist ungefähr 10-mal so lang wie eine 1-Euro-Münze!
Gewichtsvergleich
Ein Eichhörnchen bringt 200 bis 480 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Das Eichhörnchen wiegt so viel wie etwa 3 Tafeln Schokolade.