Elster

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Elster mit schwarzem Kopf, weißem Bauch, weißen Schulterfedern und langem schwarzem Schwanz sitzt auf einem bemoosten Ast
User:diginatur / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Die Elster ist ein schwarz-weißer Rabenvogel mit einem sehr langen Schwanz. Sie ist schlau, neugierig und frisst fast alles, von Regenwürmern bis zu Beeren. Ihr großes Nest aus Zweigen hat ein Dach. Dass Elstern glänzende Dinge stehlen, ist ein Mythos: In Versuchen zeigten sie kein besonderes Interesse an Glitzerndem.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePica pica
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Unterordnung: Singvögel (Passeri)
  • Familie: Rabenvögel (Corvidae)
  • Gattung: Echte Elstern (Pica)
  • Art: Elster
KörpergrößeKörperlänge 40 bis 51 cm, davon etwa 20 bis 30 cm Schwanz
KörpergewichtMeist etwa 170 bis 260 g, im Schnitt gut 210 g; Männchen etwas schwerer als Weibchen
ErnährungAllesfresser: Regenwürmer, kleine Wirbeltiere, Vogeleier, Beeren, Früchte und Samen; im Winter auch Abfälle und Aas
LebenserwartungErwachsene Elstern leben im Schnitt etwa 5 Jahre; ein in Großbritannien beringter Vogel wurde über 21 Jahre alt
SozialverhaltenPaare bleiben oft lebenslang zusammen und leben zur Brutzeit im Revier; im Winter Gruppen an gemeinsamen Schlafplätzen
HerkunftEuropa und Asien
Verbreitung Fast ganz Europa und weite Teile Asiens bis in den Fernen Osten Russlands AsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesIn Deutschland brüten etwa 410.000 bis 610.000 Paare, der Bestand ist stabil und nicht gefährdet.

Was ist eine Elster?

Die Elster (Pica pica) gehört zur Familie der Rabenvögel, wie Krähen, Dohlen und der Eichelhäher. Obwohl Rabenvögel eher krächzen als singen, zählen sie zu den Singvögeln. Die Elster ist in Europa einer der bekanntesten Vögel überhaupt. Man sieht sie oft auf Rasenflächen, in Gärten und Parks oder hört ihr lautes Schackern aus einer Baumkrone.

Kaum ein Vogel hat so viele Vorurteile auf sich gezogen. Elstern gelten als Diebe, die glänzenden Schmuck stehlen, und als Räuber, die die Singvögel ausrotten. Beides stimmt so nicht, wie Untersuchungen zeigen. Richtig ist dagegen: Elstern sind sehr intelligent und neugierig.

Aussehen und Körperbau

Gefieder: Die Elster ist unverwechselbar schwarz-weiß. Kopf, Brust, Rücken und Schwanz sind schwarz, Bauch und Flanken weiß, dazu kommen große weiße Flecken an den Schultern. Im Sonnenlicht glänzt das Schwarz metallisch blau oder grün. Im Flug fallen die weißen Handflügel auf.

Schwanz: Besonders auffällig ist der lange, breite Schwanz. Er macht mit 20 bis 30 cm etwa die Hälfte der Körperlänge aus.

Größe: Elstern werden 40 bis 51 cm lang, der Schwanz eingerechnet. Sie sind damit etwas kleiner als eine Krähe.

Gewicht: Erwachsene Elstern wiegen meist zwischen 170 und 260 g. Messungen in Großbritannien ergaben für Männchen im Schnitt etwa 236 g, für Weibchen etwa 204 g.

Flügel: Die Flügel sind im Verhältnis zum Schwanz kurz. Zusammen mit dem langen Schwanz ergibt das eine Figur, die man auch im Flug gut erkennt.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitung: Die Elster lebt in fast ganz Europa und in weiten Teilen Asiens. Im Osten reicht ihr Gebiet bis an das Ochotskische Meer im Fernen Osten Russlands. Fachleute unterscheiden sechs Unterarten. In Nordamerika, in Ostasien und im Südwesten Arabiens leben nahe Verwandte, die früher als Unterarten der Elster galten. Heute führen viele Fachleute sie als eigene Arten.

Standvogel: Elstern bleiben das ganze Jahr in ihrer Heimat und legen höchstens kurze Strecken zurück.

Lebensraum: Elstern mögen offenes Land mit Bäumen und Büschen. Wichtig sind kurze Wiesen oder Rasen, auf denen sie nach Futter suchen, und Bäume für das Nest. Ursprünglich lebten sie vor allem in der Agrarlandschaft. Weil dort viele Hecken und Weiden verschwunden sind, sind sie zunehmend in Siedlungen umgezogen. Heute trifft man sie in Gärten, Hinterhöfen, Parks und auf Friedhöfen, oft mitten in der Stadt. Wo Bäume fehlen, etwa in baumlosen Steppen, bauen Elstern ihre Nester auch auf Strommasten.

Bestand: In Deutschland brüten nach Angaben des NABU etwa 410.000 bis 610.000 Elsternpaare. In Großbritannien hat sich der Bestand seit 1967 mehr als verdoppelt.

Ernährung

Elstern sind Allesfresser und nicht wählerisch. Sie fressen:

  • Kleintiere: Regenwürmer
  • Wirbeltiere: kleine Wirbeltiere, außerdem Eier und Junge anderer Vögel
  • Pflanzliches: Beeren, Früchte und Samen
  • Im Winter: zusätzlich Abfälle und Aas

Ihre Nahrung suchen Elstern oft am Boden, auf kurzen Wiesen und Rasenflächen. Manchmal jagen sie anderen Vögeln ihre Beute ab.

Futterverstecke: Elstern verstecken Nahrung für kurze Zeit in kleinen Löchern im Boden. Um sie wiederzufinden, müssen sie sich die Stelle genau merken.

Verhalten und Lebensweise

Stimme: Typisch ist ein hartes, lautes Schackern oder „Meckern“, das wie „tscha-k“ oder „tschaah-tscha“ klingt. Einen leisen Gesang haben Elstern auch, doch er ist nur selten zu hören.

Vorsichtig: Elstern merken schnell, wenn ein Mensch sie beobachtet, und verhalten sich dann besonders unauffällig.

Im Winter: Außerhalb der Brutzeit finden sich Elstern in größeren Gruppen zusammen, vor allem in der Nähe ihrer gemeinsamen Schlafplätze.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paare: Elsternpaare bleiben oft ein Leben lang zusammen. Zur Balz gehören gegenseitiges Kraulen des Gefieders, Schnäbeln und Futtergeschenke.

Das Nest mit Dach: Elstern bauen große, auffällige Nester aus Zweigen hoch in Bäumen. Das Besondere: Über der Nestmulde errichten sie ein Dach aus Zweigen. Zum Auspolstern und Verzieren benutzen sie manchmal auch Draht, Schnüre und andere Dinge, die Menschen hinterlassen haben.

Brut in Zahlen (Werte aus britischen Nestkontrollen):

  1. Eiablage: im Schnitt um den 22. April, meist zwischen Anfang April und Anfang Mai
  2. Gelege: meist 5 bis 6 Eier, manchmal nur 2, selten bis 9
  3. Brutdauer: etwa 20 Tage, nur das Weibchen brütet
  4. Nestlingszeit: etwa 26 bis 31 Tage
  5. Bruten: eine pro Jahr

Die Küken schlüpfen nackt und sind Nesthocker. Sie bleiben rund vier Wochen im Nest, bis sie flügge sind.

Lebenserwartung: Nur etwa 40 Prozent der jungen Elstern überleben ihr erstes Lebensjahr. Die meisten brüten mit zwei Jahren zum ersten Mal. Wer so alt wird, lebt im Schnitt noch etwa fünf Jahre. Ein in Großbritannien beringter Vogel wurde über 21 Jahre alt.

Die diebische Elster: Was ist dran?

Seit Jahrhunderten erzählt man sich, dass Elstern von glänzenden Dingen angezogen werden und Ringe oder Schmuck stehlen. Wissenschaftler der Universität Exeter haben das 2014 überprüft. Sie legten Elstern glänzende und nicht glänzende Gegenstände nebeneinander hin, sowohl Vögeln in Gehegen als auch frei lebenden Elstern.

Das Ergebnis: Die Elstern bevorzugten die glänzenden Dinge nicht. Frei lebende Elstern waren gegenüber allen fremden Gegenständen eher vorsichtig und misstrauisch. Die Forscher vermuten, dass der Mythos durch eine Art Beobachtungsfehler entstanden ist: Nimmt eine Elster einmal etwas Glitzerndes in den Schnabel, fällt das Menschen auf und wird weitererzählt. Dass sie genauso oft unscheinbare Dinge aufhebt, bemerkt dagegen niemand.

Auch der NABU betont: Gezieltes Stehlen von glitzernden Gegenständen konnte man Elstern nie nachweisen.

Erkennen Elstern sich im Spiegel?

Der Spiegeltest gilt als Hinweis darauf, ob ein Tier sich selbst erkennt. Dabei bekommt das Tier einen Farbfleck an eine Stelle, die es nur im Spiegel sehen kann. Versucht es dann, den Fleck am eigenen Körper zu berühren oder zu entfernen, spricht das dafür, dass es sich im Spiegelbild erkennt. Zuvor kannte man solche Ergebnisse nur von Säugetieren wie Menschenaffen, Delfinen und Elefanten.

Die Studie von 2008: Forscher aus Deutschland testeten fünf von Hand aufgezogene Elstern. Sie klebten ihnen einen kleinen gelben oder roten Punkt an die Kehle. Zwei der fünf Elstern versuchten deutlich häufiger, den Punkt mit dem Schnabel oder dem Fuß zu erreichen, wenn ein Spiegel vor ihnen stand. Ohne Spiegel oder mit einem schwarzen, kaum sichtbaren Punkt taten sie das kaum. Die Forscher werteten das als ersten Hinweis auf Selbsterkennung bei einem Tier, das kein Säugetier ist.

Der Wiederholungsversuch von 2020: Ein Forschungsteam aus Spanien wiederholte den Versuch mit mehr Elstern und fast gleichem Ablauf. Diesmal bestätigte sich das Ergebnis nicht: Im Markierungstest beschäftigten sich die Elstern mit ihrem Körper sogar häufiger vor einer Pappe als vor dem Spiegel.

Was heißt das? Ob Elstern sich wirklich im Spiegel erkennen, ist noch nicht sicher. Die erste Studie beruhte auf nur zwei Vögeln, die Wiederholung konnte sie nicht bestätigen. Weitere Untersuchungen sind nötig. Dass Elstern sehr kluge Vögel sind, ist davon unabhängig unbestritten.

Gefährdung und Schutz

Weltweit: Die Elster ist weit verbreitet und häufig. Auf der Roten Liste der IUCN gilt sie als nicht gefährdet (IUCN, 2024).

In Deutschland: Auch hier ist die Elster nicht gefährdet. Früher wurde sie stark bejagt, und ihr Bestand brach ein. Auch der Verlust von Hecken und Weiden in der Agrarlandschaft setzte ihr zu. Die Bestände haben sich erholt, weil Elstern in die Städte und Dörfer umgezogen sind. Seit etwa 20 Jahren ist ihr Bestand stabil.

Sind Elstern schuld am Rückgang der Singvögel? Nein. Elstern plündern zwar Nester und fressen Eier und Jungvögel anderer Vögel. Nach Einschätzung des NABU geschieht das aber in zu geringem Umfang, um die Bestände der Singvögel insgesamt zu verringern. Die Nesträuberei gehört zur natürlichen Nahrungskette. Für den Rückgang vieler Singvögel sind andere Ursachen verantwortlich.

Häufige Fragen zur Elster

Wie erkennt man eine Elster?

Am schwarz-weißen Gefieder und am sehr langen, schwarzen Schwanz. Im Licht glänzt das Schwarz blau oder grün. Im Flug sieht man die großen weißen Flächen an den Flügeln. Mit keinem anderen Vogel in Mitteleuropa kann man sie verwechseln.

Wie groß wird eine Elster?

Eine Elster ist 40 bis 51 cm lang, davon entfallen 20 bis 30 cm auf den Schwanz. Sie wiegt meist 170 bis 260 g, also etwa so viel wie zwei Tafeln Schokolade.

Was frisst eine Elster?

Fast alles: Regenwürmer, kleine Wirbeltiere, Vogeleier, Beeren, Früchte und Samen. Im Winter frisst sie auch Abfälle und Aas.

Stehlen Elstern wirklich glänzende Dinge?

Dafür gibt es keinen Beweis. In einem Versuch der Universität Exeter bevorzugten Elstern glänzende Gegenstände nicht, frei lebende Vögel waren allen fremden Dingen gegenüber eher vorsichtig. Der Ruf als Diebin beruht vermutlich auf Einzelbeobachtungen, die weitererzählt wurden.

Wie alt wird eine Elster?

Viele Elstern sterben im ersten Lebensjahr. Erwachsene Elstern leben im Schnitt etwa fünf Jahre. Ein in Großbritannien beringter Vogel erreichte ein Alter von über 21 Jahren.

Wie sieht ein Elsternnest aus?

Elstern bauen große, auffällige Nester aus Zweigen, meist hoch in Bäumen. Typisch ist das Dach aus Zweigen über der Nestmulde. Manchmal verbauen sie auch Draht oder Schnüre.

Ähnliche Tiere

  • Eichelhäher - ein bunter Rabenvogel aus dem Wald, der ebenfalls Futter versteckt
  • Dohle - ein kleiner Rabenvogel mit hellgrauem Nacken
  • Saatkrähe - eine schwarze Krähe, die in Kolonien brütet
  • Rabe - der Kolkrabe, der größte Rabenvogel
  • Jagdelster - eine grüne Verwandte der Elster aus Asien

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Elster
40 bis 51 cm

Wie groß ist die Elster wirklich? Mit 40 bis 51 cm überragt sie einen Fußball (22 cm), kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Elster
170 bis 260 g

Eine Elster bringt 170 bis 260 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als ein Fußball (430 g).