Erdmännchen

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Drei Erdmännchen mit dunklen Augenringen balgen sich auf trockenem Grasboden, aufgenommen im Makgadikgadi-Pans-Nationalpark in Botswana
Diego Delso / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Erdmännchen sind kleine Raubtiere aus dem trockenen Süden Afrikas und gehören zu den Mangusten. Sie leben in großen Familiengruppen in unterirdischen Bauen. Während die anderen nach Insekten und Skorpionen graben, steht ein Tier aufrecht Wache und warnt die Gruppe mit Rufen vor Adlern und Schakalen. Die Jungen werden von der ganzen Gruppe versorgt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameSuricata suricatta
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Mangusten (Herpestidae)
  • Gattung: Suricata
  • Art: Erdmännchen
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 24 bis 29 cm, dazu 19 bis 24 cm Schwanz
Körpergewicht620 bis 969 g
ErnährungFleischfresser, vor allem Insekten; dazu Spinnen, Skorpione, Tausendfüßer, Eidechsen, Schlangen, kleine Nagetiere, Vögel und Eier
LebenserwartungIn freier Wildbahn sterben viele jung, einzelne Tiere werden bis etwa 15 Jahre alt; in Zoos im Mittel knapp 10 Jahre
SozialverhaltenLebt in Familiengruppen (Mobs) aus 2 bis 50 Tieren mit einem dominanten Paar
HerkunftSüdliches Afrika
Verbreitung Südwest-Angola, Namibia, Botswana und Südafrika, vor allem in der Kalahari und in trockenen Buschländern Afrika
EntdeckungErstbeschreibung 1776 durch Schreber
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015)

Was ist ein Erdmännchen?

Das Erdmännchen (Suricata suricatta) ist ein kleines Raubtier aus dem südlichen Afrika. Es gehört zur Familie der Mangusten, von der es rund 35 Arten gibt. Das Erdmännchen ist eine der kleinsten davon. Mangusten sind Fleischfresser mit schlankem Körper und kurzen Beinen. Auf Englisch heißt das Erdmännchen „meerkat“. Weil Erdmännchen ständig im Boden nach Nahrung scharren, nennt man sie auch Scharrtiere.

Berühmt ist das Erdmännchen für seine Wachposten: Ein Tier steht aufrecht auf den Hinterbeinen und hält Ausschau, während die anderen fressen. Viele Menschen kennen Erdmännchen auch durch die Figur Timon aus dem Zeichentrickfilm „Der König der Löwen“.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Erdmännchen sind klein und schlank. Kopf und Rumpf messen 24 bis 29 cm, der dünne Schwanz ist 19 bis 24 cm lang. Sie wiegen 620 bis 969 g, im Schnitt um 725 g. Männchen und Weibchen sehen fast gleich aus, die Weibchen sind oft etwas größer.

Fell: Das weiche, kurze Fell ist hellbraun, braun oder grau mit weißen Stellen. Über Rücken und Flanken ziehen sich braune Bänder. Der Kopf ist meist hell, die Ohren sind klein, schwarz und halbmondförmig. Erdmännchen aus dem Süden des Verbreitungsgebiets sind dunkler gefärbt als die im Westen und Nordwesten.

Angepasst an Sand und Sonne: Das Erdmännchen hat viele Merkmale, die ihm in der Wüste helfen:

  • Dunkle Ringe um die Augen mindern die Blendung durch die Sonne. Sie sehen aus wie Augenringe, sind aber kein Zeichen von Müdigkeit.
  • Waagerechte Pupillen geben einen weiten Rundumblick.
  • Eine dünne Haut kann sich beim Graben schützend über das Auge legen, und die Ohren lassen sich verschließen, damit kein Sand hineinkommt.
  • An jedem Fuß sitzen vier Zehen mit langen, gebogenen Krallen, die sich nicht einziehen lassen. Die Krallen der Vorderfüße sind etwa 15 mm lang. Die meisten anderen Mangusten haben fünf Zehen.
  • Am Bauch ist das Fell dünn und die Haut dunkel. So kann sich ein Erdmännchen morgens in der Sonne schnell aufwärmen.

Verbreitung und Lebensraum

Erdmännchen leben im südlichen Afrika: im Südwesten Angolas, in Namibia, Botswana und Südafrika. Viele Beobachtungen stammen aus der Kalahari-Wüste, die sich über große Teile Botswanas, den Westen Namibias und den Norden Südafrikas erstreckt.

Lebensraum: Sie bewohnen trockene, offene Ebenen mit Gräsern, Büschen und wenigen Bäumen. In ihrem Lebensraum fallen im Jahr weniger als 600 mm Regen. Wichtig ist ein fester Boden, in dem sie ihre Baue anlegen können. Sie besiedeln aber auch die sandigen Böden der Kalahari.

Baue: Erdmännchen graben sehr gut, ziehen aber oft in Baue ein, die andere Tiere wie Erdhörnchen gegraben haben. Ein Bau hat im Schnitt etwa 15 Ein- und Ausgänge und Gänge auf mehreren Ebenen, manche bis zu 2 m tief. In der Tiefe bleibt die Temperatur gleichmäßig, egal ob es draußen heiß oder kalt ist. Eine Gruppe besitzt mehrere Baue in ihrem Revier und zieht alle paar Monate um. Manchmal teilen Erdmännchen ihren Bau mit Fuchsmangusten.

Ernährung

Erdmännchen sind Fleischfresser, ernähren sich aber überwiegend von Insekten. In einer Studie bestand ihre Nahrung zu 82 Prozent aus Insekten, vor allem Käfern, Motten und Schmetterlingen. Dazu kamen Spinnen (7 Prozent), Hundertfüßer und Tausendfüßer (je 3 Prozent) sowie Reptilien, Amphibien und Vögel.

Skorpione und Schlangen: Erdmännchen fressen auch Skorpione und sogar Giftschlangen. Gegen das Gift von Skorpionen und Schlangen sind sie zum Teil unempfindlich. Einen Skorpion beißen sie zuerst, um ihn unschädlich zu machen, und fressen ihn dann vom Kopf her.

Mit der Nase suchen: Erdmännchen finden ihre Beute vor allem mit ihrem guten Geruchssinn, auch wenn sie im Boden versteckt ist. Dann graben sie blitzschnell mit den Vorderpfoten. Jedes Tier sucht sein Futter selbst. Eine Gruppe ist täglich etwa 5 bis 8 Stunden auf Nahrungssuche.

Kaum trinken: Erdmännchen trinken nur selten. Das nötige Wasser holen sie sich aus ihrer Beute, aus Wurzeln und Knollen und aus Früchten wie Tsamma-Melonen.

Verhalten und Lebensweise

Tagaktiv: Erdmännchen sind am Tag unterwegs. Morgens kommen sie vorsichtig aus dem Bau, sonnen sich und putzen sich gegenseitig. Dann suchen sie den größten Teil des Tages nach Nahrung. In der Mittagshitze ruhen sie im Schatten oder im Bau. Nachts schlafen sie dicht aneinandergekuschelt, damit möglichst wenig Wärme verloren geht.

Große Familie: Erdmännchen leben in Gruppen, die man auf Englisch „Mob“ oder „Gang“ nennt. Eine Gruppe umfasst 2 bis 50 Tiere und besteht meist aus zwei bis drei Familien. An der Spitze steht ein dominantes Paar, das den größten Teil des Nachwuchses bekommt. Das dominante Weibchen hat Vorrang beim Fressen.

Revier: Eine Gruppe nutzt ein Revier von etwa 2 bis 10 km² und sucht jeden Tag in einem anderen Teil nach Futter. Die Grenzen markieren Erdmännchen mit Duftstoffen. Treffen zwei Gruppen aufeinander, drohen sie sich mit Sprüngen und hoch erhobenem Schwanz. Solche Kämpfe können tödlich enden.

Der Wachposten

Während die Gruppe frisst, übernimmt ein Erdmännchen die Wache. Es klettert auf einen Stein, einen Termitenhügel oder einen Busch und stellt sich auf die Hinterbeine. Die Schwanzspitze dient dabei als Stütze. Mit einem leisen, gleichmäßigen Piepen zeigt der Wächter an, dass alles in Ordnung ist.

Entdeckt er einen Feind, warnt er die anderen mit einem Bellen oder Pfiff. Für Feinde aus der Luft und Feinde am Boden gibt es verschiedene Warnrufe. Die Rufe unterscheiden sich sogar danach, wie nah der Feind schon ist. Dann rennen alle zum nächsten Fluchtloch. Erdmännchen kennen die Lage von Tausenden solcher Löcher in ihrem Revier.

Kein fester Dienstplan: Forscher der Universität Cambridge haben 1999 untersucht, wer bei Erdmännchen Wache hält. Es gibt keinen festen Plan, auch wenn ein Tier selten zweimal hintereinander dran ist. Wächter stehen an sicheren Stellen. Erdmännchen, die zusätzliches Futter bekamen, hielten häufiger Wache: Wer satt ist, übernimmt eher den Posten. Auch einzeln lebende Erdmännchen halten zwischendurch Wache. Die Forscher schließen daraus, dass das Wachehalten auch im eigenen Interesse des Wächters liegt.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarungszeit: Erdmännchen können fast das ganze Jahr Junge bekommen, die meisten kommen aber in der Regenzeit zur Welt, wenn es viel Nahrung gibt. In der südlichen Kalahari werden die meisten Jungen zwischen Dezember und Mai geboren. Das dominante Weibchen kann bis zu vier Würfe im Jahr haben.

Tragzeit und Geburt: Die Tragzeit dauert etwa 60 bis 70 Tage. Ein Wurf hat meist drei bis vier Junge, es können aber auch bis zu acht sein. Die Jungen wiegen bei der Geburt nur 25 bis 36 g. Sie sind fast nackt, Augen und Ohren sind noch geschlossen.

Aufwachsen: Nach etwa zwei Wochen öffnen sich die Augen. Mit drei bis vier Wochen verlassen die Jungen zum ersten Mal den Bau und fressen neben der Milch auch andere Nahrung. Mit etwa neun Wochen sind sie entwöhnt, mit drei Monaten suchen sie ihr Futter selbst.

Babysitter und Lehrer: Die ganze Gruppe hilft bei der Aufzucht. Während die Mutter Futter sucht, bleiben andere Gruppenmitglieder als Babysitter am Bau. Sie bringen den Jungen auch Futter. Je mehr Helfer eine Gruppe hat, desto mehr Junge überleben.

Unterricht mit lebender Beute: Forscher der Universität Cambridge haben 2006 gezeigt, dass Erdmännchen ihren Jungen den Umgang mit Beute beibringen. Die Helfer geben den Jungen Gelegenheit, mit lebenden Beutetieren zu üben. Je älter die Jungen werden, desto mehr ändern die Helfer die Art, wie sie die Beute überreichen. Woran sie das erkennen, verraten ihnen die Bettelrufe der Jungen, die sich mit dem Alter verändern. Skorpionen beißen die Erwachsenen vorher den Stachel ab, damit sich die Jungen nicht verletzen. Bis dahin gab es kaum stichhaltige Belege dafür, dass Tiere ihren Nachwuchs gezielt unterrichten.

Streit um den Nachwuchs: Das Familienleben ist nicht immer friedlich. Das dominante Weibchen unterdrückt die Fortpflanzung der anderen Weibchen. Es vertreibt sie kurz vor der Geburt aus der Gruppe und tötet manchmal deren Junge. Umgekehrt töten untergeordnete Weibchen manchmal auch die Jungen des dominanten Weibchens.

Erwachsen: Mit etwa einem Jahr sind Erdmännchen geschlechtsreif. Weibchen bekommen aber selten vor dem dritten Lebensjahr eigene Junge.

Feinde und Gefährdung

Feinde: Erdmännchen haben viele Feinde. Besonders gefährlich sind Schakale, Kampfadler und Raubadler. Jungtiere werden auch von Kapkobras und Singhabichten erbeutet. Selbst Löwen können erwachsene Erdmännchen fressen. In den ersten drei Lebensmonaten sind die Jungen besonders gefährdet.

Abwehr: Meist fliehen Erdmännchen in ihre Baue. Größere Gruppen greifen einen Feind aber auch gemeinsam an. Schlangen, die in ihren Bau eindringen könnten, werden von der ganzen Gruppe umzingelt und gebissen, bis sie aufgeben. Bei Bedrohung sträuben Erdmännchen das Fell, machen einen Buckel, strecken den Schwanz und wirken so größer.

Gefährdung: Das Erdmännchen ist im südlichen Afrika weit verbreitet und gilt laut Roter Liste der IUCN als nicht gefährdet (IUCN, 2015). In trockenen Jahren können Erdmännchen in einzelnen Gebieten aber verschwinden. Erdmännchen leben auch in Schutzgebieten wie dem Kgalagadi-Transfrontier-Park und dem Makgadikgadi-Pans-Nationalpark.

Kein Haustier: Auch wenn sie niedlich aussehen, sind Erdmännchen Wildtiere und nicht als Haustiere geeignet. Sie können mit ihren scharfen Zähnen und Krallen Menschen verletzen.

Häufige Fragen zum Erdmännchen

Warum stehen Erdmännchen auf zwei Beinen?

Im aufrechten Stand sehen sie weiter über Gras und Büsche. So entdeckt der Wachposten Greifvögel und andere Feinde früh und kann die Gruppe warnen. Den Schwanz nutzen sie dabei als Stütze. Morgens stellen sie sich außerdem aufrecht in die Sonne, um sich aufzuwärmen.

Was fressen Erdmännchen?

Vor allem Insekten wie Käfer, Motten und Schmetterlinge. Dazu fressen sie Spinnen, Skorpione, Tausendfüßer, Eidechsen, kleine Schlangen, Vögel und Eier.

Wie viele Erdmännchen leben in einer Gruppe?

Eine Gruppe umfasst 2 bis 50 Tiere. Meist leben darin mehrere Familien zusammen, angeführt von einem dominanten Paar.

Sind Erdmännchen gegen Skorpiongift immun?

Teilweise. Erwachsene Erdmännchen vertragen das Gift von Skorpionen und Schlangen besser als viele andere Tiere. Die Zangen eines Skorpions können sie aber trotzdem verletzen.

Wie alt werden Erdmännchen?

In freier Wildbahn sterben viele Erdmännchen schon als Jungtiere, vor allem durch Feinde, Krankheiten und schlechtes Wetter. Einzelne Tiere erreichen laut Animal Diversity Web aber bis zu 15 Jahre. In Zoos liegt die mittlere Lebenserwartung bei knapp 10 Jahren.

Sind Erdmännchen gefährdet?

Nein. Die IUCN stuft das Erdmännchen als nicht gefährdet ein (2015). Es ist im südlichen Afrika weit verbreitet.

Ähnliche Tiere

  • Zebramanguste - eine gesellige Manguste mit Streifen auf dem Rücken
  • Mungo - Überblick über die Mangusten, die Familie der Erdmännchen
  • Schakal - einer der wichtigsten Feinde der Erdmännchen
  • Skorpion - eine gefährliche Beute, die Erdmännchen trotzdem fressen
  • Streifenhörnchen - ein Nagetier, das ebenfalls in Erdbauen lebt

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Erdmännchen
24 bis 29 cm

Das Erdmännchen wird 24 bis 29 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt es zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Kind (1,2 m). Ein Kind übertrifft das Erdmännchen aber noch um das 5-Fache.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Erdmännchen
620 bis 969 g

Ein Erdmännchen bringt 620 bis 969 g auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg).