Europäischer Aal
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Kurz erklärt
Der Europäische Aal ist ein Fisch mit langem, schlangenförmigem Körper. Er wächst in Flüssen, Seen und an den Küsten Europas und Nordafrikas auf und schwimmt zum Laichen bis zu 7.000 km weit in die Sargassosee im Atlantik. Dort sterben die Eltern nach der Fortpflanzung, ihre Larven treiben zurück nach Europa. Der Aal ist heute vom Aussterben bedroht.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Anguilla anguilla |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Weibchen bis etwa 1,2 m, in seltenen Fällen bis 133 cm; Männchen selten über 45 cm |
| Körpergewicht | Bis 6,6 kg (Höchstwert) |
| Ernährung | Fleischfresser: Würmer, Schnecken, Muscheln, Kleinkrebse, Insektenlarven und Fische |
| Lebenserwartung | Höchstalter bis 23 Jahre angegeben; nach dem Laichen sterben die Tiere |
| Herkunft | Europa, Nordafrika und Nordatlantik |
| Verbreitung | Küsten und Binnengewässer von Skandinavien bis Marokko, Ostsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer; Laichgebiet in der Sargassosee AfrikaEuropaMeer |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | CR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2020) |
Aussehen und Körperbau
Der Europäische Aal hat einen langen, runden Körper, der an eine Schlange erinnert. Rückenflosse, Schwanzflosse und Afterflosse sind zu einem durchgehenden Flossensaum zusammengewachsen. Brustflossen besitzt er, Bauchflossen fehlen ihm.
Haut und Schuppen: Die Haut ist dick und schleimig. Darin stecken winzige, ovale Schuppen, die man von außen kaum sieht. Der Schleim macht den Aal so glitschig, dass man ihn mit der bloßen Hand kaum festhalten kann.
Kopf: Der Unterkiefer ist etwas länger als der Oberkiefer. Der Aal hat einen sehr guten Geruchssinn, mit dem er nachts seine Beute findet.
Größe: Weibchen werden deutlich größer als Männchen. Ein Weibchen wird bis etwa 1,2 m lang, in seltenen Fällen bis 133 cm. Männchen sind selten länger als 45 cm. Als Höchstgewicht sind 6,6 kg angegeben.
Farbe je nach Lebensabschnitt: Wie ein Aal aussieht, hängt stark von seinem Alter ab. Das erklären wir im Abschnitt über den Lebenszyklus genauer. Im Süßwasser ist der Rücken dunkel, oft grünlich oder bräunlich, und der Bauch gelblich. Vor der großen Wanderung ins Meer wird der Bauch silbrig.
Verbreitung und Lebensraum
Der Europäische Aal lebt an den Küsten des Atlantiks von Skandinavien bis Marokko, außerdem in Ostsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer. Von dort wandert er in Flüsse, Bäche und Seen. In Deutschland kommt er fast in allen Flüssen, Seen und Kanälen vor. In den meisten Gewässern wird der Bestand allerdings durch junge Aale gestützt, die Menschen dort aussetzen.
Ein Fisch für Süß- und Salzwasser: Nicht jeder Aal zieht ins Süßwasser. Ein Teil der Tiere bleibt sein ganzes Leben an der Küste oder in Flussmündungen, andere wechseln mehrmals zwischen den Lebensräumen.
Am Gewässergrund: Aale sind Bodenfische. Tagsüber verstecken sie sich zwischen Steinen, Baumwurzeln, Totholz oder dichten Wasserpflanzen. An die Wasserqualität stellen sie keine großen Ansprüche. In Flüssen fehlen sie nur in kalten, schnell fließenden Forellenbächen.
Laichgebiet: Zur Fortpflanzung schwimmen die erwachsenen Aale in die Sargassosee, ein Meeresgebiet im westlichen Atlantik zwischen den Bermudas und den Westindischen Inseln. Von Europa aus sind das je nach Startort 5.000 bis 7.000 km.
Ernährung
Der Aal ist ein Fleischfresser und nicht wählerisch. Kleinere Aale fressen vor allem wirbellose Tiere wie Schnecken, Muscheln, Kleinkrebse, Würmer und Insektenlarven. Große Aale jagen häufiger Fische.
Spitzkopf und Breitkopf: Fischer unterscheiden zwei Formen. Der Spitzkopfaal mit schmaler Schnauze frisst vor allem Krebse und andere Wirbellose. Der Breitkopfaal mit breitem Maul jagt Fische. Die Kopfform passt sich dabei an die bevorzugte Beute an.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: Aale bleiben tagsüber meist versteckt und gehen in der Dämmerung und nachts auf Nahrungssuche. Dabei orientieren sie sich vor allem mit dem Geruchssinn.
Winterruhe: Wird das Wasser kalt, sind Aale kaum noch aktiv. Im Winter suchen sie tiefe, frostfreie Stellen auf, graben sich oft in den Schlamm ein und fressen dann fast nichts.
Wanderungen im Fluss: Auch innerhalb eines Flusses wechseln Aale zwischen Sommer- und Winterquartieren. Dabei können sie bis zu 60 km zurücklegen.
Über Land: Aale können ihr Gewässer für kurze Zeit verlassen und über Land kriechen, wenn der Boden feucht genug ist. So gelangen sie manchmal von einem Gewässer in ein anderes.
Fortpflanzung und Lebenszyklus
Der Lebenslauf des Aals ist einer der ungewöhnlichsten unter den Fischen. Er verläuft in mehreren Stufen:
- Weidenblattlarve: In der Sargassosee schlüpfen durchsichtige, flache Larven, die wie ein Weidenblatt aussehen. Sie treiben mit Meeresströmungen, vor allem dem Golfstrom, nach Europa und Nordafrika. Wie lange diese Reise dauert, ist bis heute nicht sicher geklärt.
- Glasaal: Kurz vor der Küste verwandeln sich die etwa 7 cm langen Larven in Glasaale. Sie haben schon die Form eines Aals, sind aber noch durchsichtig wie Glas.
- Steigaal und Gelbaal: Die jungen Aale färben sich und steigen in die Flüsse auf, sobald das Wasser etwa 10 bis 12 °C warm ist. In den folgenden Jahren fressen und wachsen sie. Weil Bauch und Seiten gelblich werden, heißen sie jetzt Gelbaale.
- Blankaal: Im Alter von 6 bis über 20 Jahren beginnt die Verwandlung zum Blankaal. Augen und Brustflossen werden größer, der Bauch glänzt silbrig. Der Aal hört auf zu fressen, sein Darm bildet sich zurück. Von nun an lebt er nur noch von seinen Fettreserven.
- Wanderung und Laichen: Meist im Spätsommer oder Herbst, oft bei Hochwasser, wandern die Blankaale ins Meer. In der Sargassosee legen sie ihre Eier ab und sterben danach. Ein Weibchen trägt 1 bis 8 Millionen Eier.
Eine einzige Familie: Alle Europäischen Aale gehören zu einer einzigen großen Population. Ein Aal aus dem Rhein kann sich in der Sargassosee mit einem Aal aus Italien paaren.
Die Reise durch den Atlantik: Forschende statteten 707 Blankaale mit elektronischen Sendern aus und veröffentlichten 2016 ihre Ergebnisse. Die Aale schwammen tagsüber in tiefem Wasser und stiegen nachts in höhere Schichten auf. Sie legten zwischen 3 und 47 km am Tag zurück. Viele wurden unterwegs gefressen. Die Forscher folgern, dass nur ein Teil der Aale die Sargassosee bis zur nächsten Laichzeit erreicht, die anderen kommen erst ein Jahr später an.
Viele offene Fragen: Auf welchen Wegen die Aale die Sargassosee erreichen und wie genau sie dort laichen, ist bis heute nicht geklärt. Auch die Nachzucht in Gefangenschaft gelingt bis heute nicht. Jeder Aal aus einer Aalfarm wurde deshalb als junger Glasaal in der Natur gefangen.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Viele Blankaale werden auf ihrer Wanderung im Meer gefressen. In vielen Flüssen und Seen setzt der Kormoran den Aalen stark zu.
Gefährdung: Die Rote Liste der IUCN stuft den Europäischen Aal als vom Aussterben bedroht (CR) ein (IUCN, 2020). Seit Anfang der 1980er Jahre ist die Zahl der Glasaale, die an den Küsten ankommen, dramatisch eingebrochen. Im Gebiet der Nordsee wird weniger als 1 % der Menge gezählt, die in den 1960er und 1970er Jahren ankam.
Ursachen: Fachleute sehen viele Gründe, deren Anteil sich nicht genau beziffern lässt:
- Fischerei auf Glasaale, Gelbaale und Blankaale, sowohl durch Berufsfischer als auch durch Angler
- Wehre, Dämme und Wasserkraftwerke, die Wanderwege versperren. Beim Abwandern geraten viele Blankaale in die Turbinen.
- Schadstoffe im Wasser, die sich im Fett der Aale anreichern und vermutlich die Fortpflanzung stören
- der Schwimmblasenwurm, ein Parasit, der aus Asien eingeschleppt wurde
Schutz: Seit 2007 gibt es eine EU-Verordnung zum Schutz des Aals, nach der Länder wie Deutschland Aal-Bewirtschaftungspläne umsetzen müssen. Seit 2011 gilt außerdem ein Exportverbot für Europäische Aale. Vorher wurden junge Glasaale in großen Mengen nach China verkauft, wo sie in Aalfarmen gemästet wurden. Mit seinen Fangempfehlungen für 2022 hat sich der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) erstmals dafür ausgesprochen, den Aalfang im gesamten Verbreitungsgebiet vollständig einzustellen, einschließlich des Fangs von Glasaalen.
Besonderheiten
Ein altes Rätsel: Lange wusste niemand, wo Aale herkommen, weil man nie Eier oder junge Aale fand. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts löste der dänische Forscher Johannes Schmidt das Rätsel. Auf mehreren Fahrten über den Atlantik fing er immer kleinere Aallarven, je weiter er nach Westen kam. So entdeckte er das Laichgebiet in der Sargassosee.
Speisefisch: Das Fleisch des Aals ist sehr fettreich. In Deutschland werden rund 80 % der Aale geräuchert verkauft. Wegen der Gefährdung raten Fachleute heute davon ab, Aale zu fangen.
Häufige Fragen zum Europäischen Aal
Wie groß wird ein Europäischer Aal?
Weibchen werden bis etwa 1,2 m lang, in seltenen Fällen bis 133 cm. Männchen bleiben deutlich kleiner und sind selten länger als 45 cm. Als Höchstgewicht sind 6,6 kg angegeben.
Warum schwimmen Aale in die Sargassosee?
In der Sargassosee im westlichen Atlantik liegt das einzige bekannte Laichgebiet des Europäischen Aals. Nur dort legen die Weibchen ihre Eier ab. Warum die Aale ausgerechnet diesen weit entfernten Ort nutzen, ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Wie weit schwimmt ein Aal?
Von den Flüssen Europas bis zur Sargassosee sind es je nach Startpunkt 5.000 bis 7.000 km. Auf dieser Reise fressen die Aale nichts mehr und leben nur von ihrem Fett. Mit Sendern markierte Aale schafften zwischen 3 und 47 km am Tag.
Was frisst ein Aal?
Aale sind Fleischfresser. Junge und kleinere Aale fressen Würmer, Schnecken, Muscheln, Kleinkrebse und Insektenlarven, große Aale fressen häufig Fische. Sie jagen nachts und finden ihre Beute mit dem Geruchssinn.
Ist der Aal ein Fisch oder eine Schlange?
Der Aal ist ein echter Fisch. Er atmet mit Kiemen und hat Flossen, auch wenn Rücken-, Schwanz- und Afterflosse zu einem Saum verschmolzen sind. Mit Schlangen, die zu den Reptilien gehören, ist er nicht näher verwandt.
Warum ist der Aal vom Aussterben bedroht?
Seit den 1980er Jahren kommen viel weniger junge Aale an den Küsten an, in der Nordsee weniger als 1 % der früheren Menge. Gründe sind unter anderem die Fischerei, Wasserkraftwerke und Wehre, Schadstoffe und ein eingeschleppter Parasit. Weil sich Aale nicht züchten lassen, hängt der Bestand ganz von der Natur ab.
Ähnliche Tiere
- Muräne - ebenfalls ein Aalartiger, lebt aber im Meer
- Zitteraal - trotz des Namens kein echter Aal, sondern mit den Messerfischen verwandt
- Neunaugen - aalförmige Rundmäuler ohne Kiefer, die ebenfalls zwischen Meer und Fluss wandern
- Lachs - wandert genau umgekehrt: aus dem Meer zum Laichen in die Flüsse
- Stör - ein weiterer stark bedrohter Wanderfisch
Quellen
- Aal, Europäischer - Fischbestände Online (Thünen-Institut)
- Hanel, R. (2021): Der Europäische Aal - rätselhaft und bedroht. Thünen-Institut für Fischereiökologie
- LAVES (2011): Vollzugshinweise zum Schutz von Fischarten in Niedersachsen - Europäischer Aal. NLWKN
- Righton, D. et al. (2016): Empirical observations of the spawning migration of European eels: The long and dangerous road to the Sargasso Sea. Science Advances 2(10), e1501694
- Pike, C., Crook, V. & Gollock, M. (2020): Anguilla anguilla. The IUCN Red List of Threatened Species
- Ein Leben voller Gefahren - Landesfischereiverband Niedersachsen (Projekt Aaltaxi)