Falsche Schwimmratte
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Kurz erklärt
Die Falsche Schwimmratte ist ein kleines Nagetier von den Küsten Nord- und Ostaustraliens. Sie lebt in Mangrovenwäldern und Salzwiesen und baut sich Hügel aus Schlamm, in denen sie tagsüber schläft. Nachts sucht sie bei Ebbe nach Krabben, Schnecken und Muscheln. Trotz ihres Namens schwimmt sie nur selten. Die Art ist gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Xeromys myoides |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge etwa 7 bis 13 cm, dazu ein 6 bis 10 cm langer Schwanz |
| Körpergewicht | 32 bis 64 g |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Krabben, außerdem Schnecken, Muscheln und Strudelwürmer |
| Lebenserwartung | Unbekannt; vermutet werden 2 bis 3 Jahre |
| Sozialverhalten | Lebt in Nesthügeln, oft ein Männchen mit mehreren Weibchen und Jungtieren |
| Herkunft | Küsten Nord- und Ostaustraliens |
| Verbreitung | Küstengebiete von Queensland und dem Northern Territory (Australien), wenige Nachweise im Süden Neuguineas Australien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1889 durch Oldfield Thomas |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016) |
| Sonstiges | Einzige Art ihrer Gattung; in Australien heute meist Water Mouse (Wassermaus) genannt |
Was ist eine Falsche Schwimmratte?
Die Falsche Schwimmratte ist ein kleines Nagetier aus der Familie der Langschwanzmäuse. Sie gehört zu den Altweltmäusen, also zu derselben großen Gruppe wie Hausmaus und Wanderratte. Sie ist die einzige Art ihrer GattungXeromys. Beschrieben wurde sie 1889 von dem britischen Zoologen Oldfield Thomas nach einem Tier aus Mackay in Queensland.
Woher kommt der Name? Früher hieß die Art auf Englisch „false water rat“, also „falsche Wasserratte“. Der Name spielt auf die Australische Schwimmratte an (Hydromys chrysogaster, in Australien auch Rakali genannt). Diese hat Schwimmhäute an den Hinterfüßen, der Falschen Schwimmratte fehlen sie. Heute nennen australische Behörden und Fachleute sie meist Water Mouse, also Wassermaus. Mit der europäischen Wasserratte, einer Wühlmaus, ist sie nicht näher verwandt.
Lange unbekannt: Nach ihrer Beschreibung wurden jahrzehntelang nur sehr wenige Tiere gefunden. Die meisten Nachweise stammen erst aus der Zeit nach 1970.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt etwa 7 bis 13 cm, der Schwanz ist 6 bis 10 cm lang. Die Tiere wiegen 32 bis 64 Gramm. Der Schwanz ist etwas kürzer als der Körper, er erreicht etwa 80 Prozent der Kopf-Rumpf-Länge.
Kopf: Auffällig ist der lange, flache Kopf. Die Augen sind klein, die Ohren kurz, rund und gut behaart. Die oberen Nagezähne sind gelb bis orange, die unteren weiß. Die Schnurrhaare sind recht lang.
Fell: Das kurze, dichte Fell ist seidig und weist Wasser und Schlamm ab. Die Oberseite ist schiefergrau bis graubraun und in der Mitte des Rückens oft etwas dunkler. Bei älteren Tieren können weiße Sprenkel im Rückenfell vorkommen. Die Unterseite ist reinweiß und scharf von der grauen Oberseite abgesetzt.
Füße und Schwanz: Die Füße sind weiß und fast nackt. Der Schwanz ist dünn, fein geringelt und mit kurzen weißen Haaren besetzt. Am Daumen sitzt ein kurzer, breiter Nagel statt einer Kralle.
Besondere Zähne: Die meisten Mäuse und Ratten haben in jeder Zahnreihe drei Backenzähne. Die Falsche Schwimmratte hat nur zwei Backenzähne oben und unten auf jeder Seite. Daran lässt sie sich sicher erkennen.
Geruch: Die Tiere haben einen starken, muffigen Geruch.
Verbreitung und Lebensraum
Die Falsche Schwimmratte lebt an den Küsten im Norden und Osten Australiens und in einem kleinen Gebiet im Süden von Neuguinea. Ihr Verbreitungsgebiet ist lang und schmal, die einzelnen Vorkommen liegen aber weit auseinander:
- Northern Territory: an den Flüssen Glyde und Tomkinson im Arnhemland, am South Alligator River im Kakadu-Nationalpark, am Daly River und auf der Insel Melville Island
- Mittleres Queensland: von Agnes Water bis Mackay, außerdem bei Gladstone und auf Curtis Island
- Südost-Queensland: von der Gold Coast und der Moreton Bay bis zur Great Sandy Strait, auch auf Inseln wie North und South Stradbroke Island, Bribie Island und Fraser Island
- Papua-Neuguinea: in der Überschwemmungsebene des Bensbach River
Überraschender Fund: 2017 entdeckten Forscher die Art an einem Holzsteg in der Nähe des Flughafens von Cairns im Norden Queenslands. Das war rund 600 Kilometer nördlich der bis dahin bekannten Vorkommen in Queensland. Vielleicht lebt die Falsche Schwimmratte auch in der Kimberley-Region in Westaustralien, nachgewiesen ist sie dort aber nicht. In vielen abgelegenen Küstengebieten des Nordens wurde bisher kaum nach ihr gesucht, unter anderem, weil dort Leistenkrokodile leben und die Suche für Forscher gefährlich ist.
Lebensraum: Die Falsche Schwimmratte braucht Feuchtgebiete an der Küste. Sie lebt in Mangrovenwäldern, Salzwiesen, salzigen Schilf- und Grasflächen, Seggenbeständen und an Süßwasser-Feuchtgebieten in Küstennähe. Wichtig sind ein natürlicher Wasserhaushalt, genug Beutetiere und eine Uferböschung oberhalb der Flutlinie, in der sie ihre Nester bauen kann.
Ernährung
Die Falsche Schwimmratte ist ein Fleischfresser. Ihre Nahrung findet sie im Watt zwischen Ebbe und Flut:
- Krabben, vor allem kleine Arten aus Mangroven und Salzwiesen, sind die wichtigste Beute
- Meeresschnecken, die mit Lungen atmen
- Muscheln
- Strudelwürmer aus dem Meer (Polycladen)
In Menschenobhut fraß die Falsche Schwimmratte auch Insekten, Fische und Eidechsen. Sie überwältigte sogar Krabben, die größer waren als sie selbst.
Reste verraten sie: Ihre Beute frisst die Falsche Schwimmratte gern an geschützten Stellen, etwa in hohlen Baumstämmen. Dort und am Fuß ihrer Nesthügel sammeln sich Haufen aus leeren Krabbenpanzern und Schalen. Forscher nennen solche Abfallhaufen „Middens“. Sie zeigen an, dass in der Nähe Falsche Schwimmratten leben.
Verhalten und Lebensweise
Die Falsche Schwimmratte ist nachtaktiv. Wenn nachts die Flut zurückgeht, verlässt sie ihr Nest und sucht in den Mangroven und im Watt nach Beute. Obwohl sie am Wasser lebt, schwimmt sie nur selten. Ihre Streifgebiete sind je nach Gebiet etwa 0,6 bis 3,4 Hektar groß. Mit Sendern ausgestattete Tiere legten in einer Nacht fast drei Kilometer zurück, oft auf festen Pfaden.
Burgen aus Schlamm
Besonders ist ihr Nestbau. Die Falsche Schwimmratte baut Nester aus Schlamm oder Torf, und zwar immer oberhalb der höchsten Flutlinie. Fachleute unterscheiden fünf Typen:
- Freistehende Hügel, die an Termitenbauten erinnern und mindestens 60 cm hoch werden können
- Inselnester auf kleinen Erhebungen
- Uferböschungsnester in natürlichen Erdwällen
- Baumstammnester aus Schlamm rund um hohle Baumstämme
- Nester in Erdhaufen, die zum Beispiel beim Graben von Gräben aufgeschüttet wurden
Im Inneren liegt ein Gewirr aus Gängen und mehreren Kammern, darunter eine Nestkammer. Die Tiere bauen nachts und verstreichen den Schlamm mit einer typischen Technik. Die Eingänge sind glattrandig und oval. Weil Flut und Stürme immer wieder Schäden anrichten, müssen die Nester ständig ausgebessert werden. Tagsüber schlafen die Tiere darin. Manchmal ziehen sie sich auch nachts hinein, wenn eine hohe Flut die Umgebung überschwemmt. Die Nester werden lange genutzt und sind für den Bestand einer Population sehr wichtig.
Wer wohnt im Nest? In einem Nesthügel können bis zu acht Tiere leben. Meist sind es ein erwachsenes Männchen, mehrere erwachsene Weibchen sowie halbwüchsige und junge Tiere. Bei einer Untersuchung am Maroochy River in Südost-Queensland fanden Forscher 180 Nester, von denen rund 94 Prozent bewohnt waren. Eine Kamera an einem Nest zeigte bis zu drei Tiere gleichzeitig. Geht man von zwei Tieren pro Nest aus, lebten dort etwa 0,44 Tiere pro Hektar geeignetem Lebensraum.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Über die Fortpflanzung der Falschen Schwimmratte in freier Natur ist nur wenig bekannt, obwohl sie schon in Menschenobhut gehalten wurde. Sie kann sich vermutlich das ganze Jahr über fortpflanzen. Zur Wurfgröße gibt es unterschiedliche Angaben: Ältere Quellen nennen höchstens zwei Junge, das Handbuch der Säugetiere der Welt ein bis vier. Die Weibchen haben vier Zitzen. Australische Fachleute nehmen an, dass die Art ähnlich wie andere Mäuse zweimal im Jahr Junge bekommt.
Lebenserwartung: Wie alt Falsche Schwimmratten werden, ist nicht untersucht. Vermutet werden zwei bis drei Jahre.
Feinde und Gefährdung
Feinde: Die größte Gefahr unter den Fressfeinden geht von eingeschleppten Tieren aus. Rotfüchse brechen in Queensland die Nesthügel auf, das wurde am Maroochy River beobachtet. Verwilderte Hausschweine zerstören Nester und fressen die Tiere vermutlich auch. Katzen gelten als wahrscheinliche Feinde, genau untersucht ist das aber nicht.
Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Falsche Schwimmratte als gefährdet (IUCN, 2016). Nach einer groben Schätzung gibt es in Australien etwa 10.000 erwachsene Tiere, Tendenz fallend. Auch nach australischem Naturschutzrecht ist sie seit 2000 als gefährdet eingestuft. Im internationalen Artenschutzabkommen CITES steht sie in Anhang I.
Die wichtigsten Gefahren sind:
- Verlust von Lebensraum: Mangroven, Salzwiesen und Feuchtgebiete werden für Städte, Sandabbau und Industrieanlagen zerstört, etwa beim Bau von Erdgasanlagen bei Gladstone.
- Weidevieh und Freizeitnutzung: Rinder zertrampeln die Salzwiesen und fressen die Pflanzen ab, die den Tieren Deckung geben. Auch Besucher schädigen an manchen Orten den Lebensraum.
- Pestizide: Sie vergiften die Beutetiere. Bei Coomera in Südost-Queensland trugen sie zum Verschwinden eines ganzen Bestands bei.
- Klimawandel: Steigt der Meeresspiegel, dringt Salzwasser in Süßwasser-Feuchtgebiete vor. Nach einer Modellrechnung könnte die Art in Queensland in rund 50 Jahren verschwinden, wenn auch Füchse und Bebauung ihr weiter zusetzen. Häufigere Buschfeuer und das Absterben von Mangroven sind weitere Gefahren.
- Eingeschleppte Gräser: Afrikanische Weidegräser verändern den Lebensraum und lassen Feuer heißer brennen.
Wenig genetische Vielfalt: Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Tiere im gesamten Verbreitungsgebiet erbgutlich kaum unterscheiden. Fachleute betrachten deshalb alle Falschen Schwimmratten als eine einzige, landesweit wichtige Population.
Anzeiger für gesunde Küsten: Weil die Falsche Schwimmratte auf intakte Feuchtgebiete, bestimmte Beutetiere und geeignete Uferböschungen angewiesen ist, gilt sie als guter Anzeiger dafür, wie gesund ein Küstenfeuchtgebiet ist.
Häufige Fragen zur Falschen Schwimmratte
Warum heißt sie „Falsche“ Schwimmratte?
Sie wurde nach der Australischen Schwimmratte benannt, mit der sie früher verglichen wurde. Anders als diese hat die Falsche Schwimmratte keine Schwimmhäute an den Hinterfüßen und schwimmt nur selten. In Australien heißt sie heute meist Water Mouse.
Wie groß wird eine Falsche Schwimmratte?
Ihr Körper ist etwa 7 bis 13 cm lang, dazu kommt ein 6 bis 10 cm langer Schwanz. Sie wiegt 32 bis 64 Gramm.
Was frisst die Falsche Schwimmratte?
Vor allem Krabben. Außerdem fängt sie im Watt Schnecken, Muscheln und Strudelwürmer. Pflanzliche Nahrung wird in den Fachquellen nicht genannt.
Wo lebt die Falsche Schwimmratte?
An den Küsten von Queensland und dem Northern Territory in Australien sowie in einem kleinen Gebiet im Süden von Papua-Neuguinea. Sie braucht Mangroven, Salzwiesen und andere Feuchtgebiete an der Küste.
Warum baut sie Hügel aus Schlamm?
Die Hügel schützen sie vor der Flut, denn sie liegen oberhalb der höchsten Wasserlinie. Im Inneren gibt es Gänge und Kammern, in denen die Tiere schlafen und ihre Jungen aufziehen. Manche Hügel sind mindestens 60 cm hoch und sehen aus wie Termitenbauten.
Ist die Falsche Schwimmratte vom Aussterben bedroht?
Sie gilt als gefährdet, aber nicht als vom Aussterben bedroht. Ihr Lebensraum schrumpft jedoch durch Bebauung und Klimawandel, und eingeschleppte Füchse und Schweine machen ihr zu schaffen.
Ähnliche Tiere
- Ratte - die bekannten Verwandten aus derselben Unterfamilie der Altweltmäuse
- Maus - die Hausmaus gehört ebenfalls zu den Altweltmäusen
- Wasserratte - trotz des ähnlichen Namens eine europäische Wühlmaus
- Biberratte - ein großes, gut schwimmendes Nagetier aus Südamerika
- Krabbe - die wichtigste Beute der Falschen Schwimmratte
Quellen
- Threatened Species Scientific Committee (2021): Conservation Advice for Xeromys myoides (Water Mouse). Australian Government
- Woinarski, J. & Burbidge, A. A. (2016): Xeromys myoides. The IUCN Red List of Threatened Species
- Kaluza, J. et al. (2016): The Distribution and Density of Water Mice (Xeromys myoides) in the Maroochy River of Southeast Queensland, Australia. PLoS ONE 11(1): e0146133
- Xeromys myoides. In: Handbook of the Mammals of the World, Vol. 7 (2017) - Plazi TreatmentBank
- Xeromys myoides (false water rat) - Animal Diversity Web, University of Michigan
Größenvergleich
Eine Falsche Schwimmratte erreicht eine Körpergröße von 7,2 bis 13 cm. Damit passt sie bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Falsche Schwimmratte ist etwa 4-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.
Gewichtsvergleich
Mit 32 bis 64 g gehört die Falsche Schwimmratte zu den leichteren Tieren in unserem Lexikon. Zum Vergleich: Eine 1-Euro-Münze wiegt nur 7,5 g, während eine Tafel Schokolade mit 100 g mehr auf die Waage bringt. Man bräuchte ungefähr 6 1-Euro-Münzen, um so viel zu wiegen wie eine Falsche Schwimmratte!