Fennek
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Kurz erklärt
Der Fennek ist ein kleiner Fuchs aus der Sahara und der kleinste Wildhund der Welt. Er wiegt nur 0,8 bis 1,5 kg, hat aber bis zu 15 cm lange Ohren. Mit den Ohren gibt er Wärme ab und hört Beute unter dem Sand. Trinken muss er nicht, denn er bekommt fast sein ganzes Wasser aus der Nahrung.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Vulpes zerda |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 30 bis 40 cm, Schwanz 18 bis 30 cm, Schulterhöhe 18 bis 22 cm, Ohren 10 bis 15 cm lang |
| Körpergewicht | Weibchen ab etwa 0,8 kg, Männchen bis etwa 1,5 kg |
| Ernährung | Allesfresser: Insekten, kleine Nagetiere, Eidechsen, Vögel und Eier, dazu Früchte, Blätter und Wurzeln |
| Lebenserwartung | In freier Natur bis etwa 10 Jahre, in Menschenobhut bis 12 oder 13 Jahre |
| Sozialverhalten | Paare bleiben meist ein Leben lang zusammen; Familiengruppen mit bis zu 10 Tieren |
| Herkunft | Nordafrika |
| Verbreitung | Sand- und Halbwüsten Nordafrikas von der Westsahara und Mauretanien bis zum Norden der Sinai-Halbinsel; Vorkommen auf der Arabischen Halbinsel unklar AfrikaAsien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1780 durch Zimmermann |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015) |
| Sonstiges | Kleinster Vertreter der Hundefamilie; muss kein Wasser trinken |
Der kleinste Wildhund der Welt
Der Fennek (Vulpes zerda) ist der kleinste Vertreter der Hundefamilie. Ein erwachsenes Tier wiegt nur 0,8 bis 1,5 kg und ist damit kleiner als eine durchschnittliche Hauskatze. Er gehört zu den Füchsen. Manche Forscher stellten ihn früher in eine eigene Gattung, Fennecus. Heute wird er meist zur Gattung Vulpes gezählt, zu der auch unser Rotfuchs gehört.
Am auffälligsten sind seine riesigen Ohren. Im Verhältnis zur Körpergröße hat kein anderes Mitglied der Hundefamilie so große Ohren. Sie helfen ihm, in der heißen Sahara zu überleben.
Aussehen und Körperbau
Größe: Der Körper eines Fenneks ist 30 bis 40 cm lang. Dazu kommt ein buschiger Schwanz von 18 bis 30 cm. An der Schulter misst er nur 18 bis 22 cm. Andere afrikanische Füchse sind im Schnitt etwa 30 cm hoch, also deutlich größer.
Gewicht: Weibchen wiegen ab etwa 0,8 kg, Männchen bis etwa 1,5 kg. Ob Männchen und Weibchen sich deutlich in der Größe unterscheiden, ist nicht sicher bekannt.
Ohren: Die Ohren werden 10 bis 15 cm lang, im Verhältnis zum kleinen Schädel sind sie gewaltig. Innen sind sie weiß behaart.
Fell: Das Fell ist dicht, weich und seidig. Auf dem Rücken ist es sandfarben, je nach Tier rötlich-cremefarben, hellbraun oder fast weiß. Beine, Gesicht, Ohrinnenseiten und Bauch sind weiß. Der Fennek ist der hellste aller Füchse und in der Wüste dadurch gut getarnt. Die Schwanzspitze ist schwarz oder dunkelbraun. Junge Fenneks haben ein flaumiges, fast ganz weißes Fell.
Pfoten: Auch die Fußsohlen sind dicht behaart. Das Fell schützt die Ballen vor dem heißen Sand und gibt beim Laufen im Sand Halt.
Augen: Augen, Nase und Schnurrhaare sind schwarz. Hinter der Netzhaut liegt eine reflektierende Schicht, die das Sehen in der Nacht verbessert. Deshalb scheinen seine Augen im Licht einer Lampe zu leuchten.
Die großen Ohren: Klimaanlage und Lauschgerät
Die Ohren des Fenneks haben zwei wichtige Aufgaben:
- Wärme abgeben: Über die große Fläche der Ohren kann der Fennek überschüssige Körperwärme loswerden.
- Beute hören: Mit seinen Ohren hört der Fennek Tiere, die sich unter dem Sand bewegen. Der Schall dringt durch mehrere Zentimeter Sand bis zu ihm. Auch die knöchernen Paukenblasen im Schädel, die zum Ohr gehören, sind beim Fennek vergrößert und helfen ihm dabei.
Wird es sehr heiß, hechelt der Fennek außerdem kräftig. Seine Atemfrequenz kann dabei von 23 auf bis zu 690 Atemzüge pro Minute steigen.
Verbreitung und Lebensraum
Der Fennek lebt in den Sand- und Halbwüsten Nordafrikas. Sein Verbreitungsgebiet reicht von der Westsahara und Mauretanien im Westen bis zum Norden der Sinai-Halbinsel im Osten, nach Süden vermutlich bis etwa zum 14. Breitengrad. Die meisten Fenneks leben in der zentralen Sahara. Ob er auch auf der Arabischen Halbinsel vorkommt, ist unklar. Dort wurden Fenneks wohl oft mit jungen Rüppellfüchsen verwechselt, die ebenfalls hell sind und große Ohren haben.
Am liebsten lebt der Fennek in festen Sanddünen. Er kommt aber auch in sehr spärlich bewachsenen Dünen an der Atlantikküste vor und dringt bis in die riesigen Sandmeere der Sahara vor. Im Norden seines Gebiets fallen weniger als 100 Millimeter Regen im Jahr, am Südrand in der Sahelzone bis zu 300 Millimeter. In großen Dünengebieten ist er oft der einzige Vertreter der Hundefamilie. Gräser und niedrige Büsche sind wichtig für ihn, denn unter ihren Wurzeln legt er seine Baue an.
Wie der Fennek in der Wüste überlebt
Der Fennek ist so gut an die Wüste angepasst, dass er kein Wasser trinken muss. Er bekommt fast die gesamte Flüssigkeit, die er braucht, aus seiner Nahrung, vor allem aus Früchten, Blättern und Wurzeln. Ohne freies Wasser kommt er auf unbestimmte Zeit aus.
Gegen die Hitze hilft ihm vor allem sein Tagesablauf. Der Fennek ist nachtaktiv. Den heißen Tag verschläft er in seinem Bau unter der Erde. Diese Baue gräbt er selbst, meist unter Wüstenbüschen, deren Wurzeln die Wände stützen. Oft entstehen ganze Tunnelsysteme, die bis zu 10 m lang werden und mehrere Ausgänge haben, durch die er bei Gefahr fliehen kann. Weil er auch in sehr sandigem Boden graben kann, hat er in Dünen vermutlich einen Vorteil gegenüber anderen Wildhunden.
Auch das Fell hilft: Es hält die Wärme in den kalten Wüstennächten am Körper und wirft tagsüber Sonnenlicht zurück.
Ernährung
Der Fennek ist ein Allesfresser und frisst fast alles, was er finden kann. Auf seinem Speiseplan stehen:
- Insekten, besonders Heuschrecken
- kleine Nagetiere
- Eidechsen
- Vögel und ihre Eier
- Schnecken
- Früchte, Blätter und Wurzeln
Der Fennek jagt nachts und allein. Er schleicht sich an, springt und packt zu. Hört er Beute unter dem Sand, gräbt er sie mit allen vier Pfoten aus. Er kann sogar Tiere erlegen, die größer sind als er selbst. Es gibt Berichte von Fenneks, die ausgewachsene Kaninchen gefangen haben. Was er nicht sofort frisst, versteckt er als Vorrat und merkt sich die Verstecke gut.
Verhalten und Lebensweise
Fenneks sind sehr gesellig. Sie leben in Familiengruppen von bis zu zehn Tieren. Eine solche Gruppe besteht meist aus einem Elternpaar, den Jungen des Jahres und manchmal älteren Geschwistern. Manchmal teilen sich mehrere Familien einen großen Bau. Ihr Revier markieren sie mit Urin und Kothaufen.
Fenneks verständigen sich mit vielen Lauten: Sie bellen, winseln, wimmern, knurren, kreischen und quieken. Ihr Heulen ist kurz und laut, fällt in der Tonhöhe ab und wird mehrmals wiederholt.
Trotz ihrer kurzen Beine sind Fenneks erstaunlich sportlich. Aus dem Stand springen sie bis zu 70 Zentimeter hoch, und sie können bis zu 32 km/h schnell laufen. Ihre Sprungkraft hilft ihnen bei der Jagd.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Fenneks leben monogam, ein Paar bleibt meist ein Leben lang zusammen. Die Paarungszeit liegt im Januar und Februar. Die Weibchen sind nur ein bis zwei Tage paarungsbereit. In der Paarungszeit werden die Männchen sehr angriffslustig und markieren ihr Revier besonders häufig mit Urin.
Nach einer Tragzeit von 50 bis 53 Tagen kommen im März oder April meist zwei bis fünf Junge zur Welt. Ein Fennek-Weibchen bekommt nur einmal im Jahr Nachwuchs. Die Neugeborenen wiegen etwa 50 Gramm, haben schon Fell, sind aber noch blind. Nach 8 bis 11 Tagen öffnen sie die Augen, mit etwa zwei Wochen können sie laufen. Mit vier bis fünf Wochen beginnen sie, im und vor dem Bau zu spielen.
Das Männchen verteidigt das Weibchen vor und während der Geburt und bringt ihm Futter, bis die Jungen etwa vier Wochen alt sind. Die Kleinen trinken ungewöhnlich lange Milch, meist etwa zehn Wochen. Mit ungefähr sechs Monaten sind sie selbstständig, mit 9 bis 11 Monaten geschlechtsreif.
In freier Natur kann ein Fennek bis zu zehn Jahre alt werden, in Menschenobhut bis zu zwölf oder dreizehn Jahre.
Feinde und Gefährdung
Über die natürlichen Feinde des Fenneks ist wenig bekannt. Greifvögel und Hyänen könnten ihn erwischen, wenn er tagsüber seinen Bau verlässt. Seine nächtliche Lebensweise, seine Tarnfarbe und Baue mit mehreren Fluchtausgängen schützen ihn.
Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Fennek als nicht gefährdet (LC) ein (2015). Er ist in der Sahara weit verbreitet und häufig, sein Bestand gilt als stabil. Bis 2004 war er als „ungenügende Datenlage“ eingestuft, weil man zu wenig über ihn wusste. Bei Kamerafallen-Untersuchungen im Tschad war der Fennek die am häufigsten fotografierte Tierart.
Trotzdem gibt es Gefahren:
- Fang für Touristen: In Marokko und Tunesien werden junge Fenneks gefangen, um sie an Touristen zu verkaufen oder für Fotos zur Schau zu stellen. Erwachsene Tiere werden manchmal wegen ihres Fells gejagt.
- Straßen und Siedlungen: Neue Straßen, Siedlungen und Ölfelder dringen in bisher abgelegene Teile der Sahara vor. Fenneks sind oft neugierig und zeigen kaum Scheu vor Fahrzeugen, deshalb steigt die Gefahr, dass sie überfahren werden. In der Nähe fester Siedlungen im Süden Marokkos sind Fenneks bereits verschwunden.
Der internationale Handel ist durch Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens geregelt. In Marokko, Algerien, Tunesien und Ägypten ist der Fennek gesetzlich geschützt. In Zoos wird er in Zuchtprogrammen gehalten: 2014 lebten 130 Fenneks in 50 europäischen und 156 in 42 nordamerikanischen Zoos.
Häufige Fragen zum Fennek
Wie groß wird ein Fennek?
Ein Fennek wird nur 30 bis 40 cm lang, dazu kommt ein Schwanz von 18 bis 30 cm. Er wiegt 0,8 bis 1,5 kg und ist damit der kleinste Wildhund der Welt, kleiner als eine Hauskatze. Seine Ohren können bis zu 15 cm lang werden.
Warum hat der Fennek so große Ohren?
Die großen Ohren geben überschüssige Wärme ab und helfen ihm so, die Hitze der Wüste auszuhalten. Außerdem hört er damit Beutetiere, die sich unter dem Sand bewegen. Im Verhältnis zur Körpergröße hat kein anderer Wildhund so große Ohren.
Muss ein Fennek trinken?
Nein. Der Fennek bekommt fast seine gesamte Flüssigkeit aus der Nahrung, vor allem aus Früchten, Blättern und Wurzeln. Er kann auf unbestimmte Zeit ohne Trinkwasser auskommen.
Was frisst ein Fennek?
Er frisst Insekten wie Heuschrecken, kleine Nagetiere, Eidechsen, Vögel und Eier. Dazu kommen Früchte, Blätter und Wurzeln. Er jagt nachts und gräbt Beute auch aus dem Sand aus.
Wie alt wird ein Fennek?
In freier Natur kann ein Fennek bis zu zehn Jahre alt werden. In Menschenobhut sind bis zu zwölf oder dreizehn Jahre möglich.
Ist der Fennek gefährdet?
Nein, die IUCN stuft ihn seit 2015 als nicht gefährdet ein. Er ist in der Sahara häufig. Örtlich bedrohen ihn der Fang für Touristen, neue Straßen und Siedlungen.
Ähnliche Tiere
- Fuchs - gehört wie der Fennek zur Gattung Vulpes
- Polarfuchs - ein Fuchs, der statt in der Wüste in der eisigen Arktis lebt
- Schakal - mittelgroße Wildhunde aus Afrika, Asien und Europa
- Afrikanischer Wildhund - ein afrikanischer Wildhund, der in großen Rudeln lebt und gemeinsam jagt
Quellen
- Wacher, T., Bauman, K. & Cuzin, F. (2015): Vulpes zerda. The IUCN Red List of Threatened Species 2015
- Vulpes zerda (fennec fox) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Fennec fox - Smithsonian's National Zoo and Conservation Biology Institute
- Fennec Fox - San Diego Zoo Wildlife Alliance Animals and Plants
Größenvergleich
Ein Fennek erreicht eine Körpergröße von 30 bis 40 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.
Gewichtsvergleich
Ein Fennek bringt 800 g bis 1,5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Fennek wiegt so viel wie etwa 3 Fußbälle.