Feuerqualle

Zuletzt aktualisiert:

Feuerqualle mit weißlichem Schirm und langen Fangfäden schwimmt über Seegras in der Ostsee
Wusel007 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Mit Feuerqualle ist an Nord- und Ostsee meistens die Gelbe Haarqualle gemeint. Ihr Schirm wird dort 30 bis 50 cm groß und schimmert gelb bis rot. Darunter hängen Hunderte lange, fast unsichtbare Fangfäden voller Nesselzellen. Wer sie berührt, spürt ein Brennen auf der Haut, daher kommt der Name.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCyanea capillata
Abstammung
  • Klasse: Schirmquallen
  • Ordnung: Fahnenquallen
  • Familie: Cyaneidae
  • Gattung: Cyanea
  • Art: Gelbe Haarqualle
Körpergröße30 bis 50 cm
KörpergewichtKeine verlässlichen Angaben
ErnährungFleischfresser: Zooplankton, andere Quallen, kleine Krebse und Fische
LebenserwartungQualle vermutlich etwa 1 Jahr, Polyp mehrere Jahre
SozialverhaltenEinzeln, zeitweise in großen Ansammlungen
HerkunftUnbekannt
Verbreitung Kühle Meere der Nordhalbkugel, darunter Nordsee und Ostsee (vor allem im Westen) EuropaMeer
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungNE Nicht bewertet
SonstigesDie Körpergröße bezieht sich auf den Schirmdurchmesser in Nord- und Ostsee. In arktischen Gewässern werden die Tiere deutlich größer.

Welche Qualle ist mit „Feuerqualle“ gemeint?

„Feuerqualle“ ist kein wissenschaftlicher Name, sondern ein Wort aus der Umgangssprache. Man nennt so alle Quallen, deren Berührung auf der Haut brennt wie Feuer. Deshalb meinen Menschen mit dem Wort je nach Urlaubsort unterschiedliche Tiere:

  • An Nord- und Ostsee ist fast immer die Gelbe Haarqualle (Cyanea capillata) gemeint. Sie heißt auch Gelbe Nesselqualle oder Löwenmähnenqualle und ist die häufigste stark nesselnde Qualle in Nord- und Ostsee.
  • Die nah verwandte Blaue Nesselqualle (Cyanea lamarckii) sieht ähnlich aus, bleibt aber kleiner und nesselt schwächer.
  • Die Kompassqualle (Chrysaora hysoscella) kommt vor allem in der Nordsee vor und nesselt ebenfalls stark. Man erkennt sie an den strahlenförmigen Streifen auf dem Schirm.
  • Im Mittelmeer wird oft die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca) als Feuerqualle bezeichnet. Sie lebt vor allem in wärmeren Meeren.

Diese Seite beschreibt die Gelbe Haarqualle, also die „Feuerqualle“ der deutschen Küsten. Allgemeine Infos zu allen Quallen findest du auf der Seite Qualle.

Aussehen und Körperbau

Die Feuerqualle gehört zu den Schirmquallen und damit zu den Nesseltieren, wie auch Korallen und Seeanemonen. Ihr Körper besteht fast vollständig aus Wasser. Der Schirm ist flach gewölbt wie eine Untertasse und am Rand in acht Lappen geteilt. Die Gallertmasse selbst ist glasklar. Die Farbe steckt nur in einer dünnen, sternförmigen Schicht im Inneren des Schirms. Sie kann gelb, orange, rot oder bräunlich sein, ganz weiße Tiere sind selten.

Größe: In der Nordsee und rund um Großbritannien messen die Schirme meistens 30 bis 50 cm. In den kalten Gewässern der Arktis wachsen die Tiere viel größer. Dort werden Schirme von etwa 2 Metern beschrieben, einzelne Quellen nennen sogar bis zu 3 Meter. Wie groß die größten Exemplare wirklich werden, ist nicht sicher geklärt, die Angaben in der Fachliteratur gehen auseinander. Verlässliche Angaben zum Gewicht gibt es nicht.

Tentakel: Anders als bei vielen Quallen hängen die Fangfäden nicht am Schirmrand, sondern von der Unterseite herab. Sie sind in acht Gruppen angeordnet, jede Gruppe hat 70 bis 150 oder noch mehr Fäden. Die Fäden sind extrem dehnbar. Ausgestreckt können sie etwa das 15-Fache des Schirmdurchmessers erreichen, bei Tieren aus der Nordsee also bis zu 5 Meter. Für sehr große Tiere aus der Arktis werden sogar Längen von bis zu 30 Metern genannt. Weil die vielen gelblichen Fäden an eine Mähne erinnern, heißt die Art auf Englisch „Lion's mane“ (Löwenmähne).

Mundarme: In der Mitte der Unterseite sitzt die Mundöffnung. Um sie herum hängen dicke, stark gefaltete Mundarme, die ungefähr so lang sind wie der Schirm breit ist. Sie sehen aus wie ein gerüschter Vorhang.

Sinnesorgane: Am Schirmrand liegen einfache Sinnesorgane. Mit ihnen nimmt die Qualle Licht wahr und hält das Gleichgewicht.

Der wissenschaftliche Name beschreibt das Tier recht gut: Cyanea kommt vom griechischen Wort für „dunkelblau“, capillata vom lateinischen Wort für „Haar“.

Verbreitung und Lebensraum

Die Feuerqualle lebt in den kühlen und gemäßigten Küstengewässern des Nordatlantiks und des Nordpazifiks. In Europa kommt sie rund um die Britischen Inseln, bis nach Island, in der Nordsee, im Kattegat und in der westlichen Ostsee vor. Weiter östlich wird das Ostseewasser immer salzärmer, dort ist die Feuerqualle seltener. Einzelne Tiere gelangen aber bis in die mittlere Ostsee, zum Beispiel in das Meer rund um die Insel Bornholm. Im Mittelmeer ist sie selten.

Die Quallen leben frei schwimmend im offenen Wasser. Fachleute nennen solche Tiere „pelagisch“. Nur ihre Jugendform, der Polyp, sitzt fest am Meeresgrund. In der Nordsee sieht man die großen Quallen vor allem im Sommer. Junge Tiere tauchen frühestens ab Februar auf, die meisten großen Quallen treiben von Juni bis September im Wasser.

Ernährung

Die Feuerqualle ist ein Fleischfresser. Pflanzen oder Algen frisst sie nicht. Auf ihrem Speiseplan stehen:

  • Zooplankton, also winzige Tiere im Wasser, zum Beispiel Ruderfußkrebse
  • Schwebegarnelen und andere kleine Krebse
  • Fischeier, Fischlarven und kleine Fische
  • andere Quallen, etwa Ohrenquallen

Zum Jagen hört die Qualle auf zu schwimmen, breitet ihre Fangfäden wie ein Netz aus und sinkt langsam nach unten. Berührt ein Beutetier die Fäden, schießen die Nesselzellen ihr Gift ab und lähmen es. Danach ziehen sich die Fäden zusammen und reichen die Beute an die Mundarme weiter. Diese schieben sie zur Mundöffnung in der Mitte. Ist ein Beutetier zu groß für den Magen, beginnt die Verdauung schon an den Mundarmen.

Verhalten und Lebensweise

Die Feuerqualle schwimmt, indem sie ihren Schirm rhythmisch zusammenzieht und dabei Wasser ausstößt. So bewegt sie sich stoßweise voran. Gegen die Strömung kommt sie damit kaum an. Wind und Meeresströmungen treiben die Tiere deshalb oft über weite Strecken. Bei starkem Wind oder nach Stürmen werden viele Quallen an bestimmten Küstenabschnitten zusammengetrieben. Fachleute führen solche großen Schwärme vor allem auf Stürme und Gezeiten zurück.

Unter dem Schirm der Feuerqualle leben oft Jungfische. Sie sind durch eine Schleimschicht gegen das Nesselgift geschützt und flüchten bei Gefahr zwischen die Fäden. Manche stibitzen der Qualle sogar Beute. Junge Wittlinge zum Beispiel nutzen die Qualle als Unterschlupf.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Feuerqualle hat einen Generationswechsel. Das bedeutet: Eine Generation pflanzt sich geschlechtlich fort, die nächste ungeschlechtlich.

  1. Qualle (Meduse): Es gibt männliche und weibliche Quallen. Die Männchen geben ihre Spermien ins Wasser ab. Bei der Gelben Haarqualle bleiben die befruchteten Eier zunächst an den Mundarmen des Weibchens hängen.
  2. Larve (Planula): Aus den Eiern entwickeln sich winzige, bewimperte Larven. Sie schwimmen einige Stunden bis wenige Tage umher und setzen sich dann an einer schattigen, rauen Stelle am Meeresgrund fest.
  3. Polyp: Aus der Larve wächst ein kleiner, bäumchenförmiger Polyp mit Tentakeln. Er überwintert am Meeresboden. Bei ungünstigen Bedingungen kann er sich durch Knospung vermehren und so Kopien von sich selbst bilden.
  4. Junge Qualle (Ephyra): Im Frühjahr schnürt der Polyp nacheinander flache Scheiben ab, die wie ein Tellerstapel übereinander liegen. Fachleute nennen diesen Vorgang Strobilation. Jede Scheibe löst sich, schwimmt als winzige Jungqualle davon und wächst im Laufe des Sommers zur großen Qualle heran.

Die großen Quallen leben vermutlich etwa ein Jahr. Genau erforscht ist das nicht. Die Polypen dagegen sind mehrjährig und können Jahr für Jahr neue Jungquallen hervorbringen.

Feinde und Gefährdung

Ein bekannter Fressfeind ist die Lederschildkröte, eine Meeresschildkröte. Sie verträgt das Nesselgift gut, nur ihre Augen schwellen dabei oft an.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist die Gelbe Haarqualle nicht bewertet (Stand: September 2026). Sie ist weit verbreitet und gilt nicht als bedroht.

Wie gefährlich ist die Feuerqualle für Menschen?

Die Feuerqualle greift Menschen nicht an. Schon eine leichte Berührung ihrer Fäden reicht aber aus, damit die Nesselzellen auslösen. Jede Nesselzelle enthält eine winzige Kapsel mit einem aufgerollten Giftfaden. Bei Nesseltieren wurde in solchen Kapseln ein Druck von rund 150 bar gemessen. Wird die Kapsel berührt, schießt der Faden blitzschnell heraus, durchdringt die Haut und spritzt Gift hinein. Das ist eine der schnellsten Bewegungen im ganzen Tierreich.

Folgen: Die Haut brennt stark, rötet sich, juckt und schwillt an. Es können striemenförmige Blasen entstehen. Die Beschwerden halten oft mehrere Stunden an. Sehr selten reagiert der ganze Körper, etwa mit Übelkeit, Erbrechen, Atemnot oder Kreislaufproblemen. Menschen mit einer Allergie gegen das Gift können einen allergischen Schock bekommen. Besonders gefährlich sind Verletzungen am Auge. Für gesunde Menschen ist ein Kontakt zwar sehr schmerzhaft, aber normalerweise nicht lebensgefährlich.

Wichtig: Auch abgerissene Fäden, die unsichtbar im Wasser treiben, und tote Quallen am Strand nesseln noch stundenlang. Fass angespülte Feuerquallen deshalb nicht an.

Erste Hilfe nach dem Kontakt (nach Empfehlung des Landes Schleswig-Holstein):

  • Aus dem Wasser gehen und die Haut mit Meerwasser abspülen, damit anhaftende Fäden abgehen.
  • Fäden nicht mit der Hand oder dem Handtuch abreiben.
  • Hartnäckige Fäden mit Sand bestreuen, kurz antrocknen lassen und mit einer Plastikkarte vorsichtig abschaben. Alternativ Rasierschaum auftragen, etwa 5 Minuten antrocknen lassen und abschaben.
  • Kein Süßwasser und keinen Alkohol verwenden, denn dadurch platzen weitere Nesselkapseln.
  • Danach hilft eine Brandsalbe oder eine Salbe gegen Juckreiz.
  • Bei starken Beschwerden sofort die Wasserwacht oder einen Arzt aufsuchen.

Nicht alle Fachleute sind sich bei der Ersten Hilfe einig. In einer Laborstudie mit Nesselfäden der Feuerqualle half Essig mit anschließender Wärme besser als Abspülen mit Meerwasser. Die Empfehlungen der deutschen Behörden beruhen aber weiterhin auf Meerwasser. Im Zweifel hilft die Rettungsschwimmerin oder der Rettungsschwimmer am Strand weiter.

So schützt du dich: Bei vielen Quallen im Wasser lieber nicht baden. Siehst du eine Feuerqualle, schwimm ruhig davon, denn hastige Bewegungen können sie heranziehen. Öffne unter Wasser nicht die Augen und trage am Strand Badeschuhe.

Besonderheiten

  • Eine der größten Quallen der Welt: Die Gelbe Haarqualle zählt zu den größten Quallenarten. In der Nordsee gehört sie zu den größten Quallen.
  • Krimi-Star: In der Sherlock-Holmes-Geschichte „Die Löwenmähne“ von Arthur Conan Doyle ist eine solche Qualle schuld an einem Todesfall. Das ist aber Fantasie, denn in Wirklichkeit ist die Art normalerweise nicht tödlich.
  • Zwei verschiedene Arten: Lange war umstritten, ob die Blaue Nesselqualle eine eigene Art ist oder nur eine Farbform der Gelben Haarqualle. Untersuchungen von Körperbau und Erbgut haben gezeigt, dass es zwei verschiedene Arten sind.

Häufige Fragen zur Feuerqualle

Ist eine Feuerqualle gefährlich?

Für gesunde Menschen ist die Berührung sehr schmerzhaft, aber normalerweise nicht lebensgefährlich. Die Haut brennt, rötet sich und kann Blasen bilden. Gefährlich wird es bei einer Allergie gegen das Gift oder bei Verletzungen am Auge. Dann sollte man sofort ärztliche Hilfe holen.

Was hilft bei einem Stich einer Feuerqualle?

Zuerst die Haut mit Meerwasser abspülen und hängengebliebene Fäden entfernen, zum Beispiel mit Sand oder Rasierschaum und einer Plastikkarte. Süßwasser und Alkohol sind tabu, weil sie weitere Nesselkapseln platzen lassen. Anschließend lindert eine Brandsalbe oder eine Salbe gegen Juckreiz die Beschwerden.

Gibt es Feuerquallen in der Ostsee?

Ja, vor allem im westlichen Teil, zum Beispiel an den Küsten von Schleswig-Holstein. Weiter östlich wird das Wasser salzärmer, dort ist sie seltener. Einzelne Tiere kommen aber bis in das Meer rund um die Insel Bornholm. Die meisten Feuerquallen sieht man im Spätsommer, oft nach Wind, der sie an die Küste treibt.

Kann man eine tote Feuerqualle am Strand anfassen?

Nein, das solltest du lassen. Auch tote oder angespülte Quallen und abgerissene Fäden können noch stundenlang nesseln. Am besten trägst du am Strand Badeschuhe und machst Kinder auf die Gefahr aufmerksam.

Wie groß wird eine Feuerqualle?

In Nord- und Ostsee hat der Schirm meist einen Durchmesser von 30 bis 50 cm. Die Fangfäden können dort bis zu 5 Meter lang werden. In der Arktis werden die Tiere deutlich größer, mit Schirmen von etwa 2 Metern.

Was ist der Unterschied zwischen Feuerqualle und Ohrenqualle?

Die Ohrenqualle ist die häufigste Qualle in Nord- und Ostsee und für Menschen harmlos. Sie hat einen durchsichtigen Schirm mit vier ring- oder ohrenförmigen Organen und nur kurze Fäden am Rand. Die Feuerqualle ist gelb bis rot gefärbt und hat lange Fäden unter dem Schirm, die stark nesseln.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Feuerqualle
30 bis 50 cm

Eine Feuerqualle erreicht eine Körpergröße von 30 bis 50 cm. Damit passt sie bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.