Finnwal
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Kurz erklärt
Der Finnwal ist nach dem Blauwal das zweitgrößte Tier der Erde. Er wird etwa 19 bis 22 Meter lang und 45 bis 75 Tonnen schwer. Er ist ein Bartenwal, der Krill und kleine Fische aus dem Meer siebt, und ein sehr schneller Schwimmer. Finnwale leben in allen Ozeanen und wurden früher stark gejagt.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Balaenoptera physalus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Nordhalbkugel im Mittel 19 m (Männchen) und 20,5 m (Weibchen), Südhalbkugel gut 22 m; NOAA nennt 23 bis 26 m |
| Körpergewicht | 45 bis 75 t, je nach Jahreszeit und Ernährungszustand |
| Ernährung | Krill, Ruderfußkrebse und kleine Schwarmfische wie Hering, Lodde und Sandaal, gelegentlich Tintenfische; bis 2 bis 3 t Nahrung am Tag |
| Lebenserwartung | Mindestens 80 bis 90 Jahre; das älteste vor Island gefangene Tier war 94 Jahre alt (Altersbestimmung am Ohrpfropf, NAMMCO) |
| Sozialverhalten | Oft in Gruppen von 2 bis 7 Tieren, an Futterplätzen auch in größeren Ansammlungen; feste Bindungen sind selten |
| Herkunft | Weltmeere |
| Verbreitung | Alle Ozeane, vor allem tiefe Hochseegewässer der gemäßigten bis polaren Breiten; in den Tropen seltener; eigene Teilpopulation im Mittelmeer Meer |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018) |
| Sonstiges | Zweitgrößtes lebendes Tier nach dem Blauwal. Nord- und Südhalbkugel haben getrennte Populationen, es werden drei Unterarten unterschieden. |
Das zweitgrößte Tier der Erde
Der Finnwal (Balaenoptera physalus) ist nach dem Blauwal das zweitgrößte lebende Tier. Er gehört zu den Bartenwalen: Statt Zähnen hat er Hornplatten im Oberkiefer, mit denen er seine Nahrung aus dem Wasser siebt. Zusammen mit Blauwal, Buckelwal und Zwergwal zählt er zur Familie der Furchenwale.
Name: Seinen Namen verdankt der Finnwal der gut sichtbaren Rückenfinne weit hinten auf dem Rücken. Wegen des scharfen Grats hinter der Finne wird er auf Englisch auch „razorback“ genannt, also „Rasiermesser-Rücken“.
Schneller Riese: Finnwale sind die schlanksten unter den Furchenwalen und sehr schnelle Schwimmer. Genau das schützte sie lange vor Walfängern, bis es schnelle Dampfschiffe und Sprengharpunen gab.
Aussehen und Körperbau
Körperform: Der Körper ist lang, schlank und stromlinienförmig. Von oben betrachtet ist der Kopf V-förmig. Die Rückenfinne ist etwa 60 cm hoch, sichelförmig und sitzt etwa zwei Drittel der Körperlänge weit hinten. Die Schwanzflosse (Fluke) hebt der Finnwal beim Abtauchen nur selten aus dem Wasser.
Größe: Weibchen sind etwas länger als Männchen. Auf der Nordhalbkugel sind erwachsene Männchen im Mittel 19 m lang, Weibchen 20,5 m. Auf der Südhalbkugel werden Finnwale etwas größer, die Weibchen erreichen dort im Mittel gut 22 m. Die US-Meeresbehörde NOAA gibt eine Länge von 23 bis 26 m an.
Gewicht: Ein erwachsener Finnwal wiegt 45 bis 75 Tonnen. Wie schwer er ist, hängt von der Jahreszeit ab: Im Sommer frisst er sich eine dicke Fettschicht an, im Winter zehrt er davon.
Farbe: Rücken und Seiten sind dunkelgrau bis bräunlich-schwarz. Kehle, Bauch sowie die Unterseiten von Brustflossen und Fluke sind weiß. Hinter dem Kopf haben viele Finnwale auf jeder Seite einen hellgrauen, V-förmigen Streifen, den man „Chevron“ nennt.
Zweifarbiger Kopf: Das Besondere ist die ungleiche Färbung des Kopfes. Die rechte Seite des Unterkiefers ist weiß, die linke dunkel. Auf der Zunge ist es genau umgekehrt. Auch die Barten sind rechts vorn hell und links gestreift. Eine solche einseitige Färbung ist bei Säugetieren selten. Warum der Finnwal sie hat, weiß man nicht. Manche Forschende vermuten, dass sie mit der Jagd zu tun hat.
Kehlfurchen und Barten: An der Unterseite ziehen sich 55 bis 100 Furchen vom Unterkiefer bis hinter den Bauchnabel. Beim Fressen dehnen sie sich wie eine Ziehharmonika aus. Auf jeder Seite des Oberkiefers hängen 260 bis 480 Barten, bis zu 90 cm lang und an der Basis 30 cm breit.
Blas: Beim Ausatmen bläst der Finnwal eine schmale, kegelförmige Fontäne in die Luft. Sie kann bis zu 6 m hoch werden und ist schon von Weitem zu sehen.
Verbreitung und Lebensraum
Finnwale leben in allen Ozeanen. Am häufigsten sind sie in den gemäßigten bis polaren Meeren, in den Tropen seltener. Sie halten sich meist im tiefen Wasser der Hochsee auf, fern der Küste. Deshalb lassen sie sich schwer beobachten und erforschen.
Wanderungen: Die meisten Finnwale wandern im Sommer in die nahrungsreichen Gewässer nahe der Arktis und Antarktis. Im Winter ziehen sie in wärmere Meere, um sich zu paaren und ihre Kälber zu bekommen. Wo genau diese Paarungsgebiete liegen, ist bis heute unbekannt. Nicht alle Tiere wandern: Einige bleiben bis in den Frühwinter weit im Norden, zum Beispiel bei Spitzbergen.
Nord und Süd getrennt: Weil die Jahreszeiten auf beiden Erdhalbkugeln entgegengesetzt sind, wandern die Finnwale des Nordens und des Südens zu unterschiedlichen Zeiten Richtung Äquator. Sie begegnen sich deshalb nur selten. Forschende unterscheiden drei Unterarten.
Finnwale im Mittelmeer: Im Mittelmeer lebt eine eigene Gruppe von Finnwalen, die sich genetisch von denen im Atlantik unterscheidet und dort das ganze Jahr bleibt. Auch im Golf von Kalifornien und im Ostchinesischen Meer gibt es wohl ortstreue Gruppen.
Ernährung
Finnwale fressen vor allem Krill, das sind kleine Krebstiere, die in riesigen Schwärmen leben. Im Nordatlantik stehen außerdem Ruderfußkrebse und kleine Schwarmfische wie Lodde, junge Heringe, Sandaale und Blauer Wittling auf dem Speiseplan, in manchen Gebieten auch Tintenfische.
Schluckend fressen: Der Finnwal schwimmt mit hoher Geschwindigkeit und weit geöffnetem Maul in einen Schwarm hinein. Dabei dehnen sich seine Kehlfurchen, und er nimmt auf einmal bis zu 80 Tonnen Wasser und Beute auf. Schließt er das Maul, wird das Wasser durch die Barten wieder hinausgedrückt. Krill und Fische bleiben hängen und werden geschluckt.
Riesenportionen: Ein Finnwal frisst im Sommer bis zu 2 bis 3 Tonnen Nahrung am Tag. Im Winter findet er viel weniger Futter und frisst manchmal nur ein Zehntel davon. Deshalb muss er sich im Sommer eine große Fettreserve anfressen.
Verhalten und Lebensweise
In kleinen Gruppen: Finnwale sind oft in Gruppen von 2 bis 7 Tieren unterwegs. Feste, lange Bindungen zwischen einzelnen Tieren sind wie bei anderen Bartenwalen selten. Im Nordatlantik fressen sie manchmal in großen Ansammlungen zusammen mit Buckelwalen, Zwergwalen und Weißseitendelfinen.
Ausdauernde Schwimmer: Auf ihren Wanderungen halten Finnwale ein hohes Tempo lange durch. Mit Sendern markierte Tiere schwammen bis zu eine Woche lang mit durchschnittlich 9,3 km/h.
Die lautesten Rufe: Finnwale erzeugen sehr tiefe, laute Töne. Zusammen mit den Rufen der Blauwale gehören sie zu den kräftigsten Geräuschen, die Tiere im Meer erzeugen. Eine Studie hat gezeigt, dass nur die Männchen diese lauten Rufe von sich geben. Vermutlich wollen sie damit Weibchen anlocken.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Geschlechtsreife: Männchen werden mit etwa 6 bis 10 Jahren geschlechtsreif, Weibchen mit 7 bis 12 Jahren. Ganz ausgewachsen sind Finnwale erst mit etwa 25 Jahren.
Tragzeit und Geburt: Paarung und Geburt finden im Winter in wärmeren Gewässern statt. Ein Weibchen ist 11 bis 12 Monate trächtig und bringt dann mitten im Winter ein einzelnes Kalb zur Welt. In der Regel bekommt ein Weibchen alle zwei Jahre ein Junges.
Das Kalb: Ein neugeborener Finnwal ist schon etwa 6 m lang und rund 2 Tonnen schwer. Er trinkt 6 bis 8 Monate lang die Milch seiner Mutter. Wenn er entwöhnt wird, ist er bereits 10 bis 12 m lang und zieht mit ihr in die Futtergebiete.
Mischlinge: Finnwale paaren sich gelegentlich mit Blauwalen. Mehrere solcher Mischlinge sind genetisch nachgewiesen, 2018 wurde vor Island sogar ein Mischling der zweiten Generation gefangen.
Sehr alt: Das Alter lässt sich an Wachstumsschichten im Ohrpfropf, einem wachsartigen Pfropfen im Gehörgang, bestimmen. Finnwale werden mindestens 80 bis 90 Jahre alt. Das älteste bei Island gefangene Tier war 94 Jahre alt, für ein Tier aus der Antarktis werden sogar 111 Jahre angegeben.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Wegen ihrer Größe und Schnelligkeit haben Finnwale kaum natürliche Feinde. Gelegentlich erbeuten Schwertwale Kälber und manchmal sogar erwachsene Tiere.
Walfang: Im 20. Jahrhundert wurden Finnwale in großer Zahl getötet, allein auf der Südhalbkugel fast 725.000 Tiere. Weltweit ging ihr Bestand zwischen 1929 und 2007 um etwa 70 % zurück, vor allem auf der Südhalbkugel, wo vor dem Walfang fast 90 % aller Finnwale lebten. Seit 1986 gilt ein Verbot des kommerziellen Walfangs der Internationalen Walfangkommission. Grönland darf weiterhin einige Finnwale für die Versorgung der einheimischen Bevölkerung jagen, und Island hat 2006 wieder mit dem Fang begonnen.
Gefährdung heute: Die Rote Liste der IUCN stuft den Finnwal als gefährdet (VU) ein (IUCN, 2018). 2008 und 2013 galt er noch als stark gefährdet. Der Bestand nimmt wieder zu. Im Nordatlantik leben heute über 70.000 Finnwale, dort ist er der häufigste große Bartenwal.
Neue Gefahren: Die größte Bedrohung sind heute Zusammenstöße mit Schiffen. Nach dem Atlantischen Nordkaper sind Finnwale vermutlich die Walart, die am stärksten durch Schiffskollisionen gefährdet ist. Weitere Gefahren sind Fischernetze und Leinen, in denen sich die Wale verfangen, Unterwasserlärm, zum Beispiel durch Schiffe, sowie der Klimawandel. Forschende befürchten, dass menschengemachter Lärm die tiefen Rufe der Männchen stört, die vermutlich der Balz dienen.
Häufige Fragen zum Finnwal
Wie groß und schwer wird ein Finnwal?
Auf der Nordhalbkugel sind erwachsene Finnwale im Mittel 19 m (Männchen) bis 20,5 m (Weibchen) lang, auf der Südhalbkugel gut 22 m. Sie wiegen 45 bis 75 Tonnen. Damit ist der Finnwal nach dem Blauwal das zweitgrößte Tier der Erde.
Was frisst ein Finnwal?
Finnwale fressen vor allem Krill, außerdem Ruderfußkrebse, kleine Schwarmfische wie Heringe und Lodden und manchmal Tintenfische. Im Sommer schafft ein Finnwal 2 bis 3 Tonnen Nahrung am Tag. Im Winter frisst er deutlich weniger.
Wie schnell ist ein Finnwal?
Finnwale sind sehr schnelle Schwimmer. Mit Sendern markierte Finnwale schwammen bis zu eine Woche lang im Schnitt mit 9,3 km/h. Früher konnten Walfänger sie deshalb erst jagen, als es schnelle Dampfschiffe gab.
Wie alt wird ein Finnwal?
Finnwale werden mindestens 80 bis 90 Jahre alt. Das älteste bei Island gefangene Tier war 94 Jahre alt. Das Alter bestimmt man an Wachstumsschichten im Ohrpfropf, ähnlich wie bei Jahresringen eines Baumes.
Was ist der Unterschied zwischen Finnwal und Blauwal?
Der Blauwal ist noch größer, der Finnwal dagegen schlanker und schneller. Den Finnwal erkennt man an seinem zweifarbigen Kopf: Der rechte Unterkiefer ist weiß, der linke dunkel. Beide Arten können sich sogar miteinander paaren, es gibt nachgewiesene Mischlinge.
Ist der Finnwal vom Aussterben bedroht?
Die IUCN stuft den Finnwal als gefährdet ein, aber nicht als vom Aussterben bedroht (2018). Nach dem Ende des großen Walfangs erholen sich die Bestände, besonders im Nordatlantik. Heute sind Zusammenstöße mit Schiffen die größte Gefahr.
Ähnliche Tiere
- Blauwal - das größte Tier der Erde und ebenfalls ein Furchenwal
- Buckelwal - ein Furchenwal mit riesigen Brustflossen, der oft zusammen mit Finnwalen frisst
- Zwergwal - ein deutlich kleinerer Furchenwal, der im Nordatlantik manchmal mit Finnwalen frisst
- Pottwal - der größte Zahnwal
- Schwertwal - erbeutet gelegentlich Finnwale
- Riesenhai - ein riesiger Hai, der ebenfalls kleine Tiere aus dem Wasser filtert
Quellen
Größenvergleich
Der Finnwal ist mit 19 bis 26 m ein wahrer Riese der Tierwelt. Selbst ein Haus (10 m) wirkt daneben klein - der Finnwal ist etwa 2-mal so groß! Auf unserer Skala hat nur noch der Blauwal eine ähnliche Größenordnung.
Gewichtsvergleich
Ein Finnwal bringt 45 bis 75 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Schulbus (12 t), aber leichter als ein Blauwal (150 t). Anders ausgedrückt: Der Finnwal wiegt so viel wie etwa 5 Schulbusse.