Flusspferd

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Flusspferd mit massigem, grauem Körper und vernarbter Haut grast an Land im Chobe-Nationalpark, daneben ein kleiner weißer Reiher
Diego Delso / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Das Flusspferd, auch Nilpferd genannt, ist ein riesiger Pflanzenfresser aus Afrika. Erwachsene wiegen im Durchschnitt 1,4 bis 1,5 Tonnen, große Bullen über 2 Tonnen. Es verbringt den Tag im Wasser und frisst nachts an Land Gras. Mit Pferden ist es nicht verwandt: Seine nächsten lebenden Verwandten sind die Wale. Flusspferde verteidigen ihr Revier und ihre Jungen und können für Menschen gefährlich werden.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameHippopotamus amphibius
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Unterklasse: Höhere Säugetiere
  • Überordnung: Laurasiatheria
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Flusspferde (Hippopotamidae)
  • Gattung: Hippopotamus
  • Art: Flusspferd
KörpergrößeKörperlänge bei Männchen 300 bis 505 cm, bei Weibchen 290 bis 430 cm, dazu ein etwa 40 cm langer Schwanz
KörpergewichtMännchen im Mittel etwa 1.550 kg (bis rund 2.065 kg), Weibchen im Mittel etwa 1.385 kg (bis rund 1.850 kg); ältere Angaben nennen bis 3.200 kg für Bullen
ErnährungPflanzenfresser: vor allem kurze Gräser, die nachts an Land abgeweidet werden, etwa 25 bis 40 kg am Tag; kaum Wasserpflanzen
LebenserwartungIn Zoos im Median etwa 37 Jahre; ältestes bekanntes Tier über 61 Jahre (Zoo, laut Animal Diversity Web); für frei lebende Tiere keine gesicherten Werte
SozialverhaltenGesellig in Gruppen von meist 10 bis 15 Tieren (2 bis 50, selten bis 150), ohne feste Bindungen zwischen Erwachsenen; Bullen verteidigen Paarungsreviere im Wasser
HerkunftAfrika
Verbreitung Afrika südlich der Sahara, die größten Bestände im Osten und Süden; in Ägypten, Algerien und Mauretanien ausgestorben Afrika
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné (nach Tieren vom Nil)
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2017)
SonstigesGeschätzter Bestand: 115.000 bis 130.000 Tiere (IUCN, Lewison & Pluháček 2017).

Kein Pferd, sondern ein Verwandter der Wale

Das Flusspferd (Hippopotamus amphibius) heißt auch Nilpferd. Der wissenschaftliche Name kommt aus dem Griechischen: hippos bedeutet Pferd, potamos Fluss. Mit Pferden ist es aber nicht verwandt. Das Flusspferd ist ein Paarhufer. Genetische Untersuchungen und Fossilien zeigen, dass seine nächsten lebenden Verwandten die Wale sind, etwa der Blauwal. Mit Schweinen, denen es äußerlich etwas ähnelt, ist es dagegen nicht eng verwandt.

Es gibt nur zwei lebende Arten von Flusspferden: das große Flusspferd und das viel kleinere Zwergflusspferd aus den Wäldern Westafrikas. Das Zwergflusspferd wiegt nur etwa ein Sechstel so viel.

Flusspferde in Europa? Während der Eiszeiten lebten Flusspferde auch in Europa, sogar in England, und in Asien. Im alten Ägypten hielt man um 3500 vor Christus in der Stadt Hierakonpolis Flusspferde zusammen mit Elefanten und Pavianen, eine Art früher Zoo.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Flusspferde haben einen massigen, fassförmigen Körper auf kurzen Beinen. Männchen sind 3 bis 5 m lang, Weibchen 2,90 bis 4,30 m. Männchen wiegen im Durchschnitt etwa 1.550 kg, schwere Bullen über 2 Tonnen. Weibchen wiegen im Mittel rund 1.385 kg. Ältere Fachbücher nennen für Bullen bis 3.200 kg. Die oft zu lesenden 4.500 kg sind laut San Diego Zoo Wildlife Alliance vermutlich nicht zuverlässig.

Haut: Die Haut ist oben grauviolett bis schieferbraun, an Bauch, Augen und Ohren rosa-bräunlich. Haare gibt es kaum, nur kurze Borsten an Kopf, Rücken und Schwanz. Flusspferde haben keine Schweißdrüsen. Stattdessen sondert ihre Haut eine dicke, ölige, rötliche Flüssigkeit ab. Weil sie rot ist, nennt man sie manchmal „Blutschweiß“. In Wirklichkeit ist es kein Blut. Die Flüssigkeit schützt die Haut vor Sonnenbrand, Austrocknung und Entzündungen und hemmt Bakterien in Bisswunden.

Maul und Zähne: Flusspferde können ihr Maul bis zu 150 Grad weit aufreißen, ein Mensch schafft nur etwa 45 Grad. Die Eck- und Schneidezähne wachsen ein Leben lang. Die Eckzähne der Männchen werden bis zu 50 cm lang und etwa doppelt so lang wie die der Weibchen. Zum Fressen nutzen Flusspferde diese Zähne nicht, sondern für Kämpfe und Drohgebärden.

Gemacht fürs Wasser: Augen, Ohren und Nasenlöcher liegen oben auf dem Kopf. So kann ein Flusspferd fast ganz untergetaucht atmen, sehen und hören. Unter Wasser klappen die Ohren zu und die Nasenlöcher schließen sich. Die Knochen sind sehr dicht und schwer. Deshalb schwimmen Flusspferde nicht richtig, sondern laufen über den Grund von Flüssen und Seen oder stoßen sich vom Boden ab.

Verbreitung und Lebensraum

Flusspferde leben in Afrika südlich der Sahara, in über 30 Ländern von Westafrika bis Südafrika. Die größten Bestände gibt es im Osten und Süden Afrikas, in Westafrika sind sie viel kleiner. In Ägypten, Algerien und Mauretanien sind Flusspferde ausgestorben. Im Nildelta gab es die letzten Nachweise Anfang des 19. Jahrhunderts. Carl von Linné beschrieb die Art 1758 nach Tieren vom Nil.

Lebensraum: Ein Flusspferd braucht zwei Dinge: Wasser, das tief genug zum Untertauchen ist, und Grasland in der Nähe zum Fressen. Es lebt in Flüssen, Seen, Flussmündungen und Stauseen. Im Regenwald kommt es nur an großen Flüssen vor. Ohne Wasser kommt ein Flusspferd nicht aus: Bleibt seine Haut lange an der Luft, trocknet sie aus und reißt. In der Trockenzeit braucht es daher ständig Zugang zu Wasser.

Ernährung

Flusspferde sind Pflanzenfresser und fressen fast nur Gras. Anders als viele denken, fressen sie kaum Wasserpflanzen. Sie weiden immer an Land.

Nachts auf der Weide: Kurz vor Einbruch der Dunkelheit verlassen sie das Wasser und folgen festen, ausgetretenen Pfaden 3 bis 5 km weit zu ihren Weideplätzen. Dort grasen sie etwa 5 bis 6 Stunden. Dabei rupfen sie das Gras mit ihren breiten, harten Lippen ab. Die Lippen eines Bullen können etwa 50 cm breit sein. So entstehen kurz geschorene „Flusspferd-Rasen“.

Wenig für so viel Tier: Ein erwachsenes Flusspferd frisst täglich 25 bis 40 kg Pflanzen. Das sind nur etwa 1 bis 1,5 Prozent seines Körpergewichts, bei Rindern sind es mindestens 2,5 Prozent. Flusspferde sind keine Wiederkäuer, haben aber einen Magen mit mehreren Kammern und einen sehr langen Darm. Sie verdauen langsam und verbrauchen wenig Energie. Deshalb können sie sogar mehrere Wochen ohne Nahrung überstehen.

Fleisch? In einem Dürrejahr im südlichen Afrika wurde beobachtet, dass Flusspferde Aas fraßen und sogar Tiere töteten. Das ist aber eine seltene Ausnahme.

Verhalten und Lebensweise

Tagsüber im Wasser: Den Tag verbringen Flusspferde im Wasser, oft so, dass nur Augen und Nasenlöcher herausschauen, oder sie sonnen sich auf Sandbänken. Erwachsene Flusspferde bleiben bis zu 5 Minuten unter Wasser. Angaben von 30 Minuten, die man manchmal liest, finden sich in den Fachquellen nicht.

Gesellig, aber nicht eng verbunden: Meist leben 10 bis 15 Tiere zusammen, manchmal nur 2, manchmal 50 oder sogar bis zu 150. Feste Bindungen zwischen erwachsenen Tieren gibt es nicht. Die Gruppen setzen sich immer wieder neu zusammen. Die engste Beziehung ist die zwischen Mutter und Jungtier. Geweidet wird allein, nur Mütter bleiben bei ihren Jungen.

Reviere im Wasser: Erwachsene Bullen verteidigen Abschnitte von 50 bis 100 m an Flüssen oder 250 bis 500 m an Seeufern als Paarungsreviere. Nur dort dürfen sie sich mit den Weibchen paaren. Etwa 90 Prozent der Bullen haben kein Revier. An Land verteidigen Flusspferde nichts, die Weiden sind für alle offen.

Drohen und Kämpfen: Das berühmte weite „Gähnen“ ist eine Drohgebärde. Kommt es zum Kampf, rammen sich Bullen mit den Kiefern, schlagen die Zähne gegeneinander und beißen. Viele Flusspferde tragen deshalb Narben. Revierbullen greifen manchmal auch Jungtiere an. Die Mütter verteidigen ihre Jungen dann heftig.

Kotduschen: An den Reviergrenzen stellen sich zwei Bullen nebeneinander und schleudern mit schnell wedelndem Schwanz Kot und Urin in alle Richtungen.

Laute: Flusspferde brüllen, grunzen und quieken. In einer Studie in Tansania wurden 80 Prozent ihrer Laute unter Wasser abgegeben. Das Brüllen eines Bullen ist über mindestens 1,6 km zu hören.

Schnell an Land: Trotz ihres Gewichts erreichen aufgeregte Flusspferde an Land über 30 km/h. Sie können auch steile Uferböschungen hinaufklettern.

Wichtig für die Natur: Flusspferde düngen mit ihrem Kot die Gewässer und ernähren so Fische und Insekten. Ihre Pfade halten Wasserläufe offen, im Okavango-Delta in Botswana prägen sie sogar die Landschaft.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarung im Wasser: Die Paarung findet im Wasser statt, meist in der Trockenzeit, wenn viele Tiere auf engem Raum zusammenleben. Das Weibchen ist dabei ganz untergetaucht und hebt ab und zu die Nase zum Atmen.

Geburt: Nach einer Tragzeit von 227 bis 240 Tagen kommt meist ein Junges zur Welt, Zwillinge sind selten. Die Geburt findet an Land oder im flachen Wasser statt, meist während der Regenzeit. Ein neugeborenes Flusspferd wiegt 25 bis 55 kg. Manchmal muss es sich vom Boden abstoßen, um zum ersten Atemzug an die Oberfläche zu kommen.

Trinken unter Wasser: Das Junge wird oft unter Wasser gesäugt, dabei klappen Ohren und Nasenlöcher automatisch zu. Ein Junges kann etwa 2 Minuten unter Wasser bleiben. Mit einem Monat beginnt es zu grasen, mit 6 bis 8 Monaten wird es entwöhnt. Es bleibt aber mehrere Jahre bei der Mutter. Eine Mutter kann bis zu vier aufeinanderfolgende Junge bei sich haben.

Nachwuchs fast jedes Jahr: Bei gutem Futterangebot kann ein Weibchen jedes Jahr ein Junges bekommen. Frei lebende Weibchen werden mit 7 bis 15 Jahren geschlechtsreif, Männchen mit 6 bis 13 Jahren. Viele Weibchen bekommen noch mit über 30 oder 40 Jahren Junge.

Wie gefährlich ist das Flusspferd?

Flusspferde gelten als sehr gefährlich für Menschen. Wie gefährlich genau, ist aber schwer zu sagen, denn zuverlässige Zahlen fehlen. Eine Übersichtsarbeit von van Houdt und Traill (2022) hat die Forschung dazu ausgewertet:

  • Der oft zitierte Satz, Flusspferde töteten mehr Menschen als jedes andere Tier Afrikas, ist kaum durch Daten belegt. Nach veröffentlichten Daten sterben in Afrika mehr Menschen durch Elefanten.
  • Wenn ein Flusspferd angreift, ist das aber sehr oft tödlich. In Uganda endeten nach Daten von 1923 bis 1994 87 Prozent der erfassten Angriffe tödlich, in Mosambik 55 Prozent.
  • Viele Unfälle passieren am oder im Wasser: Flusspferde greifen Kanus und kleine Boote an oder werden angriffslustig, wenn sie sich in Fischernetzen verfangen. Stellen Fischer ihre Reusen an den Wegen auf, auf denen die Flusspferde ins Wasser gehen, überraschen sie die Tiere leicht.
  • Der Biss eines Flusspferds ist extrem kräftig. Überlebende tragen oft schwere Verletzungen davon.

Die meisten Konflikte ereignen sich weniger als einen Kilometer vom Wasser entfernt, dort wo Menschen fischen, Felder bestellen oder Vieh halten. Umgekehrt werden auch viele Flusspferde getötet, wenn sie Felder verwüsten oder Menschen verletzen.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Ein erwachsenes Flusspferd hat kaum Feinde. Löwen greifen nur selten Erwachsene an. Jungtiere werden dagegen von Löwen, Hyänen und bis zum Alter von etwa einem Jahr auch von Nilkrokodilen erbeutet. Bei Gefahr flüchten Flusspferde ins Wasser. Dort sind sie den Krokodilen überlegen und vertreiben sie aus ihrem Gewässer, wenn sie Junge haben.

Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft das Flusspferd als gefährdet (Vulnerable) ein (Lewison & Pluháček, 2017). Der Bestand wird auf 115.000 bis 130.000 Tiere geschätzt. Zwischen 1990 und 2010 gingen die Bestände um 7 bis 20 Prozent zurück.

Bedrohungen:

  • Lebensraumverlust: Feuchtgebiete und Ufer werden für Landwirtschaft und Siedlungen genutzt.
  • Wilderei: Flusspferde werden wegen ihres Fleisches und ihrer Zähne gejagt. Die Eckzähne werden als Elfenbeinersatz geschnitzt.
  • Konflikte mit Menschen: Flusspferde fressen auf Feldern und werden deshalb getötet.

Besonders in Westafrika sind die Bestände klein und gehen zurück.

Häufige Fragen zum Flusspferd

Ist das Flusspferd mit dem Pferd verwandt?

Nein. Das Flusspferd ist ein Paarhufer, das Pferd ein Unpaarhufer. Die nächsten lebenden Verwandten des Flusspferds sind die Wale. Der Name kommt nur daher, dass die alten Griechen es „Flusspferd“ nannten.

Wie schwer wird ein Flusspferd?

Männchen wiegen im Durchschnitt etwa 1.550 kg, Weibchen etwa 1.385 kg. Schwere Bullen bringen über 2 Tonnen auf die Waage. Angaben von 4.500 kg gelten als unzuverlässig.

Was frisst ein Flusspferd?

Vor allem kurzes Gras, etwa 25 bis 40 kg pro Nacht. Flusspferde weiden an Land und fressen kaum Wasserpflanzen. Tagsüber ruhen sie im Wasser.

Wie lange kann ein Flusspferd tauchen?

Erwachsene Flusspferde bleiben bis zu 5 Minuten unter Wasser, Jungtiere etwa 2 Minuten. Sie laufen dabei über den Grund, denn richtig schwimmen können sie nicht.

Schwitzen Flusspferde Blut?

Nein. Ihre Haut sondert eine rötliche, ölige Flüssigkeit ab, die wie Blut aussieht. Sie schützt vor Sonnenbrand, Austrocknung und Keimen.

Wie gefährlich sind Flusspferde für Menschen?

Flusspferde verteidigen ihre Reviere im Wasser und ihre Jungen und können an Land schnell rennen. Angriffe enden oft tödlich. Dass sie mehr Menschen töten als jedes andere Tier Afrikas, ist aber nicht belegt: Nach vorhandenen Daten sterben mehr Menschen durch Elefanten.

Ähnliche Tiere

Quellen

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🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Flusspferd
2,9 bis 5,05 m

Mit 2,9 bis 5,05 m gehört das Flusspferd zu den größeren Tieren in unserem Lexikon. Ein Erwachsener (1,8 m) ist dagegen kleiner, während eine Giraffe mit 5,5 m noch etwas an Größe drauflegt.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
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🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
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75 kg
🚗Auto
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🚌Schulbus
12 t
▼Flusspferd
1,39 bis 2,07 t

Ein Flusspferd bringt 1,39 bis 2,07 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Elefant (5 t). Anders ausgedrückt: Das Flusspferd wiegt so viel wie etwa 23 Erwachsene.