Fossa

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Fossa mit kurzem, rotbraunem Fell, runden Ohren und langem Schwanz steht mit gestrecktem Körper auf einem Felsen
Ran Kirlian / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Die Fossa ist das größte Raubtier auf Madagaskar und lebt nirgendwo sonst auf der Welt. Sie sieht aus wie ein kleiner Puma, ist aber keine Katze, sondern gehört zu einer eigenen Familie madagassischer Raubtiere. Geschickt klettert sie durch die Bäume und jagt vor allem Lemuren. Weil ihr Wald immer kleiner wird, gilt die Fossa als gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCryptoprocta ferox
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
  • Familie: Madagassische Raubtiere (Eupleridae)
  • Gattung: Cryptoprocta
  • Art: Fossa
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 70 bis 80 cm, Schwanz 65 bis 70 cm, Gesamtlänge etwa 1,40 m; Schulterhöhe etwa 37 cm
KörpergewichtMännchen 6,2 bis 8,6 kg, Weibchen 5,5 bis 6,8 kg; Männchen, die gemeinsam jagen, fast 11 kg
ErnährungFleischfresser: vor allem Lemuren, dazu Tenreks, Nagetiere, Vögel, Schlangen, Echsen, Frösche, Insekten und Krabben, gelegentlich Hühner
LebenserwartungIn freier Natur unbekannt; in Zoos meist 19 bis 20 Jahre, das älteste bekannte Tier wurde 23 Jahre alt
SozialverhaltenWeibchen leben allein; Männchen allein oder in kleinen Gruppen aus 2 bis 3 Tieren, die gemeinsam jagen
HerkunftMadagaskar
Verbreitung Nur auf Madagaskar, in fast allen natürlichen Waldtypen vom Regenwald bis zum Dornwald, vom Meeresspiegel bis 2.600 m Höhe; im zentralen Hochland nur noch in Waldresten Afrika
Entdeckung1833 von Bennett wissenschaftlich beschrieben
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesDer Bestand wird auf 2.600 bis 8.600 Tiere geschätzt. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) steht die Fossa in Anhang II.

Das größte Raubtier Madagaskars

Die Fossa (Cryptoprocta ferox) lebt nur auf Madagaskar, der großen Insel vor der Ostküste Afrikas. Sie ist das größte einheimische Raubtier der Insel und steht an der Spitze der Nahrungskette. Mit ihrem schlanken, muskulösen Körper und dem langen Schwanz erinnert sie an einen kleinen Puma. Ihr Kopf ähnelt dagegen eher dem eines Mungos.

Der Name "Fossa" stammt aus der madagassischen Sprache. Der wissenschaftliche Gattungsname Cryptoprocta bedeutet "versteckter After", weil der After in einer Hauttasche verborgen liegt. Ferox ist lateinisch und heißt "wild" oder "mutig".

Nicht verwechseln: Es gibt auf Madagaskar noch ein anderes Raubtier mit sehr ähnlichem Namen, die Fanaloka. Ihr wissenschaftlicher Gattungsname lautet ausgerechnet Fossa (Fossa fossana). Mit "der Fossa" ist aber fast immer Cryptoprocta ferox gemeint.

Keine Katze: Die Verwandtschaft der Fossa

Die Fossa sieht aus wie eine Katze, und ihre Reißzähne ähneln denen von Katzen. Trotzdem gehört sie nicht zu den Katzen. Lange war unklar, wo sie hingehört, denn sie hat Merkmale von Katzen, Schleichkatzen und Mangusten. Früher stellte man sie zu den Schleichkatzen.

Erst Untersuchungen des Erbguts brachten Klarheit. Eine Studie im Fachblatt Nature zeigte 2003: Alle Raubtiere Madagaskars stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab, der einst aus Afrika auf die Insel gelangte. Heute fasst man sie in einer eigenen Familie zusammen, den Madagassischen Raubtieren (Eupleridae). Ihre nächsten Verwandten außerhalb Madagaskars sind die Mangusten. Der Vorfahr kam vermutlich vor etwa 24 bis 18 Millionen Jahren nach Madagaskar, also viele Millionen Jahre nach den Vorfahren der Lemuren.

Wie Katzen und Mangusten gehört die Fossa aber zu den katzenartigen Raubtieren (Feliformia).

Aus Knochenfunden kennt man noch eine ausgestorbene, deutlich größere Art derselben Gattung (Cryptoprocta spelea). Sie lebte noch in der Nacheiszeit auf Madagaskar.

Aussehen und Körperbau

  • Größe: Kopf und Rumpf sind 70 bis 80 cm lang, der Schwanz ist mit 65 bis 70 cm fast genauso lang. Zusammen misst eine Fossa etwa 1,40 m. An der Schulter ist sie nur etwa 37 cm hoch.
  • Gewicht: Männchen wiegen 6,2 bis 8,6 kg, Weibchen 5,5 bis 6,8 kg. Männchen, die gemeinsam mit anderen jagen, werden größer und können fast 11 kg erreichen. Ältere Berichte über Fossas mit 20 kg gelten als falsch oder stammen von zu schweren Zootieren.
  • Fell: Das kurze, dichte Fell ist oben rötlich braun bis sepiabraun und auf der Unterseite schmutzig cremefarben. Flecken oder Streifen hat es nicht. Bei Männchen und Jungtieren färbt ein Drüsensekret den Bauch oft orange.
  • Kopf: Die Schnauze ist kurz und breit, die Ohren sind rund. Die Schnurrhaare sind sehr lang, manche länger als der ganze Kopf. Die Pupillen ziehen sich zu senkrechten Schlitzen zusammen.
  • Pfoten und Krallen: An jedem Fuß sitzen fünf halb einziehbare Krallen. Beim Gehen tritt die Fossa mit der ganzen Fußsohle auf, beim Rennen nur mit den Zehen.
  • Kletterkünstler: Ihre Fußgelenke sind sehr beweglich. Deshalb kann die Fossa an Baumstämmen nicht nur hinauf-, sondern auch kopfüber hinunterlaufen. Der lange Schwanz hilft ihr beim Balancieren und Bremsen, greifen kann sie mit ihm nicht.

Verbreitung und Lebensraum

Die Fossa kommt nur auf Madagaskar vor. Dort ist sie fast auf der ganzen Insel verbreitet. Aus großen Teilen des zentralen Hochlands ist sie verschwunden, dort lebt sie nur noch in kleinen Waldinseln. Ältere Berichte, nach denen sie auch auf der vorgelagerten Insel Sainte-Marie vorkommt, sind falsch: Gemeint war ein Ort mit ähnlichem Namen auf der Hauptinsel.

Lebensraum: Die Fossa ist ein Waldtier. Sie lebt in allen natürlichen Waldtypen der Insel, in Regenwäldern, Bergwäldern, Trockenwäldern und Dornwäldern. Das reicht von den feuchtesten Gebieten mit über 6.000 mm Regen im Jahr bis zu den trockensten mit weniger als 400 mm. Man findet sie vom Meeresspiegel bis in 2.600 m Höhe, im Andringitra-Gebirge sogar oberhalb der Baumgrenze. In den Trockenwäldern im Westen leben mehr Fossas als in den Regenwäldern im Osten. Je höher das Gelände, desto seltener wird sie.

Am liebsten lebt die Fossa in unberührten Wäldern. Kleinere Waldstücke nutzt sie nur, wenn ein großer Wald in der Nähe ist. Waldreste, die mehr als 15 km von einem intakten Wald entfernt liegen, meidet sie. Offenes Land durchquert sie höchstens.

Ernährung

Die Fossa ist ein Fleischfresser mit einem breiten Speiseplan. An den meisten Orten sind Säugetiere die wichtigste Beute, vor allem Lemuren. Oft machen sie mehr als die Hälfte der erbeuteten Tiere aus. Im Kirindy-Wald im Westen Madagaskars stellen Lemuren über 80 Prozent der gefressenen Fleischmenge.

Weitere Beute: Tenreks, Nagetiere, Vögel, Schlangen, Echsen, Frösche, Insekten und Krabben. In der Trockenzeit holt sie sich auch oft Hühner aus den Dörfern. Reste von Rindern und Buschschweinen in ihrem Kot stammen vermutlich von Aas.

Große Beute: Die Fossa erbeutet Tiere, die fast so schwer sind wie sie selbst, zum Beispiel 6 kg schwere Sifakas. Im Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze frisst sie dagegen vor allem kleine Tiere von durchschnittlich nur 40 g. Als reine Lemurenjägerin kann man sie deshalb nicht bezeichnen, sie frisst, was in ihrem Lebensraum häufig ist.

Jagd: Die Fossa jagt am Boden und in den Bäumen. Sie verfolgt Lemuren durch die Baumkronen und springt dabei von Ast zu Ast. Von ihrer Beute frisst sie neben dem Fleisch auch Herz, Lunge und Leber. Im Zoo braucht eine Fossa 800 bis 1.000 g Fleisch am Tag.

Verhalten und Lebensweise

Tag und Nacht: Die Fossa ist zu unterschiedlichen Zeiten am Tag und in der Nacht aktiv, am meisten nachts. Zur Mittagszeit ruht sie meist.

Einzelgänger und Jagdgemeinschaften: Weibchen leben allein, außer wenn sie Junge haben. Bei den Männchen ist es anders: Manche leben allein, andere schließen sich zu Gruppen von zwei bis drei Tieren zusammen, oft Brüder aus demselben Wurf. Diese Männchen jagen gemeinsam. In einer Beobachtung jagten drei Männchen 45 Minuten lang gemeinsam einen Lemuren in den Bäumen. Jagdpartner können sich dabei abwechseln und die Beute teilen. Eine Studie zeigte, dass solche Männchen größer und schwerer werden als Einzelgänger. Allein lebende Männchen sind dagegen kaum größer als Weibchen.

Streifgebiete: Im Kirindy-Wald nutzen Männchen im Durchschnitt etwa 53 km², höchstens 89 km². Weibchen kommen mit durchschnittlich 18 km² aus. Die Gebiete der Weibchen überschneiden sich kaum, die der Männchen schon. Ein Revier verteidigen Fossas nach neueren Untersuchungen nicht. In 16 Stunden kann eine Fossa mehr als 7 km Luftlinie zurücklegen.

Verständigung: Fossas sind meist still. Die meisten Laute hört man in der Paarungszeit, zum Beispiel Schnurren, Jaulen und Miauen. Wichtiger sind Duftmarken: Mit Drüsen am After und an der Brust markieren sie Steine, Bäume und den Boden.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarungsbäume: Die Paarungszeit liegt zwischen September und Dezember. Fossas paaren sich an festen Paarungsbäumen, die oft viele Jahre lang benutzt werden und meist in der Nähe von Wasser stehen. Das paarungsbereite Weibchen liegt auf einem waagerechten Ast, manchmal bis zu 20 m über dem Boden. Um den Baum versammeln sich viele Männchen, in einer Untersuchung bis zu 18. Sie kämpfen und jagen sich gegenseitig, während das Weibchen sich seine Partner aussucht.

Viele Partner: Ein Weibchen paart sich in einer Saison mit etwa zehn verschiedenen Männchen, mit jedem mehrmals. Eine einzelne Paarung dauert durchschnittlich etwa 40 Minuten, die ganze Paarungsfolge kann bis zu 14 Stunden dauern.

Geburt: Wie lange die Tragzeit dauert, ist nicht sicher bekannt. Die Angaben reichen von etwa 6 Wochen bis zu 3 Monaten. Die Jungen kommen im Dezember und Januar zur Welt, meist zwei bis vier, selten bis zu sechs. Als Versteck dienen hohle Bäume, Termitenhügel, Felsspalten oder Erdhöhlen.

Aufzucht: Die Neugeborenen wiegen höchstens 100 g, sind blind, zahnlos und haben ein fast weißes Fell. Nach 2 bis 3 Wochen öffnen sie die Augen. Mit etwa 3 Monaten fressen sie erstmals feste Nahrung, mit 4 bis 5 Monaten verlassen sie zum ersten Mal das Versteck. Die Mutter zieht die Jungen allein auf. Mit etwa einem Jahr wiegen sie 4 bis 5 kg und werden langsam selbstständig. Geschlechtsreif sind Fossas mit 3 bis 4 Jahren.

Lebenserwartung: Wie alt Fossas in freier Natur werden, ist nicht bekannt. In Zoos leben sie meist 19 bis 20 Jahre. Das älteste bekannte Tier starb mit 23 Jahren.

Feinde und Gefährdung

Feinde: Erwachsene Fossas haben außer dem Menschen keine Feinde.

Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft die Fossa als gefährdet (Vulnerable) ein (Hawkins, 2016). Wie viele Fossas es gibt, ist schwer zu ermitteln. Schätzungen reichen von 2.600 bis 8.600 Tieren. In Schutzgebieten leben nach einer Schätzung etwa 2.600 erwachsene Tiere, die meisten davon in Regenwäldern.

Bedrohungen:

  • Waldverlust: Wälder werden für Felder, Weiden und Holz gerodet. Wo der Wald verschwindet, verschwindet auch die Fossa.
  • Jagd: Weil Fossas Hühner und andere Haustiere reißen, werden sie getötet. In manchen Dörfern wird ihr Fleisch gegessen, obwohl das Essen von Fossas bei vielen Madagassen als "fady", also tabu, gilt. In einer Studie war das in 8 von 14 Dörfern der Fall.
  • Aberglaube: Manche Menschen glauben, die Fossa fresse an den Leichen von Verstorbenen, die im Wald bestattet sind.

Schutz: Die Fossa steht in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES), der internationale Handel ist also kontrolliert. Einen großen Teil ihres Bestands schützen Nationalparks und Reservate. In Zoos wurde sie erstmals 1874 in Paris und 1890 in London gezeigt.

Häufige Fragen zur Fossa

Ist die Fossa eine Katze?

Nein. Die Fossa sieht zwar aus wie ein kleiner Puma, gehört aber zur Familie der Madagassischen Raubtiere (Eupleridae). Ihre nächsten Verwandten außerhalb Madagaskars sind die Mangusten.

Wie groß und schwer wird eine Fossa?

Kopf und Rumpf messen 70 bis 80 cm, dazu kommt ein fast gleich langer Schwanz. Männchen wiegen 6,2 bis 8,6 kg, Weibchen 5,5 bis 6,8 kg. Männchen, die gemeinsam jagen, werden bis fast 11 kg schwer.

Was frisst eine Fossa?

Vor allem Lemuren, oft mehr als die Hälfte ihrer Beutetiere. Daneben fängt sie Tenreks, Nagetiere, Vögel, Reptilien, Frösche und Insekten. Manchmal holt sie sich auch Hühner aus Dörfern.

Wo lebt die Fossa?

Nur auf Madagaskar. Dort lebt sie in fast allen Waldtypen, vom Regenwald bis zum trockenen Dornwald, vom Meeresspiegel bis in 2.600 m Höhe.

Wie viele Fossas gibt es noch?

Genaue Zahlen gibt es nicht. Schätzungen reichen von 2.600 bis 8.600 Tieren. Die IUCN stuft die Fossa als gefährdet ein, vor allem weil ihre Wälder verschwinden.

Kann die Fossa klettern?

Ja, sehr gut. Dank ihrer beweglichen Fußgelenke läuft sie Baumstämme sogar kopfüber hinunter. Sie verfolgt Lemuren durch die Baumkronen und springt von Ast zu Ast.

Ähnliche Tiere

  • Puma - die Fossa sieht ihm ähnlich, ist aber nicht verwandt
  • Mungo - Mangusten sind die nächsten Verwandten der madagassischen Raubtiere
  • Lemur - die wichtigste Beute der Fossa
  • Indri - ein großer Lemur aus den Regenwäldern Madagaskars
  • Fingertier - ein weiterer besonderer Bewohner der Wälder Madagaskars

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Fossa
70 bis 80 cm

Eine Fossa erreicht eine Körpergröße von 70 bis 80 cm. Damit passt sie bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Fossa ist etwa 3-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Fossa
5,5 bis 8,6 kg

Eine Fossa bringt 5,5 bis 8,6 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg).