Frettchen
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Kurz erklärt
Das Frettchen ist die gezähmte Form des Iltisses, eines wilden Marders aus Europa. Menschen halten es seit mehr als 2.000 Jahren, früher vor allem für die Jagd auf Kaninchen, heute meist als Haustier. Frettchen haben einen großen Bewegungsdrang, schlafen aber etwa zwei Drittel des Tages. Sie fressen Fleisch und dürfen nicht allein gehalten werden.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Mustela putorius furo |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Rüden 48 bis 80 cm, Fähen 42 bis 60 cm, jeweils mit Schwanz (Rüden 13 bis 19 cm, Fähen 11 bis 14 cm) |
| Körpergewicht | Rüden 800 g bis über 2 kg, Fähen etwa 600 g bis 1,2 kg; kastrierte Tiere sind leichter |
| Ernährung | Fleischfresser: spezielles Frettchenfutter mit viel Eiweiß, Fleisch, Fisch und ganze Futtertiere wie Mäuse und Eintagsküken |
| Lebenserwartung | 6 bis 10 Jahre |
| Sozialverhalten | Gesellig, braucht Kontakt zu Artgenossen; Einzelhaltung ist nicht tiergerecht |
| Herkunft | Mittelmeerraum, gezähmt aus dem Europäischen Iltis |
| Verbreitung | Als Haustier weltweit; verwilderte Bestände zum Beispiel auf Sardinien, Sizilien und in Neuseeland Europa |
| Entdeckung | Als Haustier seit mehr als 2.000 Jahren bekannt; wissenschaftlicher Name nach Linné (1758) |
| Sonstiges | Das Frettchen ist ein Haustier und wird von der Roten Liste der IUCN nicht bewertet. Seine Wildform, der Europäische Iltis, gilt als nicht gefährdet (IUCN, 2016). |
Was ist ein Frettchen?
Das Frettchen (Mustela putorius furo) ist die domestizierte Form des Europäischen Iltisses. Domestiziert heißt: Der Mensch hat das Tier über viele Generationen gezähmt und gezüchtet, bis daraus ein Haustier wurde. Wie Dachs und Fischotter gehört das Frettchen zur Familie der Marder.
Früher waren Frettchen vor allem Jagdhelfer. Heute leben sie in vielen Ländern als Haustiere. Außerdem werden sie in der Forschung eingesetzt, zum Beispiel bei der Untersuchung von Grippeviren. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) betont, dass Frettchen viel Platz, Beschäftigung und Gesellschaft brauchen. Was das genau bedeutet, steht im Abschnitt zur Haltung.
Herkunft: Vom Iltis zum Haustier
Genetische Untersuchungen bestätigen, dass das Frettchen vom Europäischen Iltis abstammt. Ob auch andere Iltisarten wie der Steppeniltis beteiligt waren, ist noch nicht abschließend geklärt. Gezähmt wurde der Iltis vor allem, um Kaninchen und Ratten zu jagen.
Wann genau das geschah, weiß man nicht. Fachleute gehen davon aus, dass Menschen Frettchen seit mehr als 2.000 Jahren halten. Schon die alten Griechen kannten das Tier: Der Dichter Aristophanes erwähnte Frettchen, und der Gelehrte Aristoteles beschrieb sie im 4. Jahrhundert vor Christus als Helfer bei der Jagd. Nach Angaben des Hamburger Wildgeheges Klövensteen begann die Domestikation vor etwa 2.500 Jahren im Mittelmeerraum.
Jagd mit Frettchen: Bei der Kaninchenjagd lässt man Frettchen in die Baue der Kaninchen. Die Kaninchen flüchten aus dem Bau und laufen in Fallen oder werden von einem Falkner mit Habicht oder Bussard gefangen. Diese Jagdart wird bis heute ausgeübt, die meisten Frettchen leben inzwischen aber als Haustiere.
Aussehen und Körperbau
Größe: Frettchen haben den typischen langen, schlanken Körper der Marder mit kurzen Beinen. Männchen heißen Rüden, Weibchen Fähen. Rüden sind deutlich größer: Sie werden 48 bis 80 Zentimeter lang, wovon 13 bis 19 Zentimeter auf den Schwanz entfallen. Fähen messen 42 bis 60 Zentimeter, davon 11 bis 14 Zentimeter Schwanz. Frettchen sind meist etwas kleiner als ihre wilden Vorfahren.
Gewicht: Rüden wiegen 800 Gramm bis über 2 Kilogramm, Fähen etwa 600 Gramm bis 1,2 Kilogramm. Kastrierte Tiere sind leichter. Laut dem Merck Veterinary Manual wiegen kastrierte Rüden im Schnitt etwa 1,2 Kilogramm, kastrierte Fähen etwa 800 Gramm.
Kopf: Rüden haben mehr Muskeln und einen großen, breiten, runden Kopf. Fähen haben einen schmalen, zierlichen Kopf mit spitzer Nase.
Fellfarben: Die Grundfarbe ist bei vielen Frettchen weißlich-gelb. Zuchtformen gibt es aber in fast allen Schattierungen von fast schwarz über Grau- und Brauntöne bis zum Albino. Häufig sind weiße Frettchen mit rosa Augen sowie die Farbschläge, die im Englischen „sable“, „cinnamon“ (Zimt) und „chocolate“ (Schokolade) heißen. Manche Frettchen tragen eine ähnliche Zeichnung wie der wilde Iltis, so wie das Tier auf dem Foto oben. Weiße Flecken an Kehle oder Zehen kommen oft vor.
Fellwechsel: Das Fell ändert sich mit den Jahreszeiten. Im Winter wird es dunkler und dichter, im Sommer heller und dünner.
Wachstum: Mit fünf bis sechs Monaten haben Frettchen ihre volle Größe erreicht. Als erwachsen gelten sie mit einem Jahr.
Die Wildform: der Europäische Iltis
Der Europäische Iltis (Mustela putorius) lebt in weiten Teilen Europas. Er bevorzugt Gewässerufer, Feuchtgebiete, Waldränder und Grasland mit Gebüschinseln. Sein Fell besteht aus cremefarbener Unterwolle und schwarzen Grannenhaaren. Typisch ist die dunkle Maske um die Augen in einem weißen Gesicht. Iltis-Männchen können doppelt so schwer werden wie Weibchen, insgesamt reicht das Gewicht von etwa 200 Gramm bis 1,7 Kilogramm.
Anders als Frettchen sind Iltisse strikte Einzelgänger und verteidigen ihr Revier. Sie jagen vor allem Nagetiere, Kaninchen und Amphibien wie Frösche und Kröten, außerdem Vögel, Eier, Fische und Schlangen. Ein Iltis kann sogar ein Kaninchen überwältigen, das größer ist als er selbst. Die Paarungszeit liegt im späten Winter. Nach etwa 42 Tagen Tragzeit kommen 3 bis 7 Junge zur Welt.
Charakter und Verhalten
Gesellig: Frettchen brauchen den Kontakt zu Artgenossen und dürfen deshalb nicht einzeln gehalten werden. Ältere Tiere lassen sich aber oft nicht mehr mit fremden Frettchen zusammenbringen.
Tagesablauf: Frettchen passen sich meist dem Tagesrhythmus ihrer Halter an. Etwa zwei Drittel des Tages verschlafen sie, meist gemeinsam mit ihren Artgenossen. In der übrigen Zeit zeigen sie einen sehr großen Bewegungsdrang, spielen gern und graben und scharren.
Charakter: Jedes Frettchen hat einen eigenen Charakter. Wie sich ein Tier gegenüber Menschen verhält, hängt stark vom richtigen Umgang ab. Mit jungen Frettchen muss man viel spielen, damit sie lernen, vorsichtig zuzubeißen. Diese Beißhemmung ist wichtig: Falsch erzogene Frettchen und Tiere, die reizarm oder auf zu kleinem Raum gehalten werden, beißen nach Angaben der TVT häufig.
Geruch: Frettchen haben einen starken Eigengeruch. Er stammt nicht aus den Stinkdrüsen am After, denn deren Sekret geben sie nur bei Gefahr ab.
Haltung: Was ein Frettchen braucht
Die folgenden Angaben stammen aus dem Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT).
Platz: Frettchen haben einen sehr großen Bewegungsdrang. Ein Gehege für ein Paar braucht mindestens 6 Quadratmeter Grundfläche und 1,5 Meter Höhe. Für jedes weitere Tier kommt 1 Quadratmeter dazu. Auch die freie Haltung in der Wohnung ist möglich. Mehrere Stunden Freilauf am Tag sind zu empfehlen.
Einrichtung: Das Gehege sollte mehrere Ebenen haben, die durch Rohre und Rampen verbunden sind. Steine, Wurzeln, Äste, Röhren und Hängematten sorgen für Beschäftigung. Jedes Tier braucht mindestens eine geschlossene Schlafkiste mit Schlupfloch, ausgepolstert mit Decken oder Tüchern. Weil Frettchen gern graben, braucht es mindestens eine Stelle mit Erde, Kies oder Sand. Kleintierstreu, Stroh oder Heu eignen sich dafür nicht.
Hitze: Frettchen haben keine Schweißdrüsen und vertragen Hitze schlecht. Bei Außenhaltung muss die Schlafkiste wärmeisoliert, zugluftgeschützt und im Schatten stehen. Bei warmem Wetter sollten die Tiere baden können.
Gefahren in der Wohnung: Stromkabel, Putzmittel und giftige Pflanzen müssen außer Reichweite sein. Frettchen zerbeißen gern Gummi, etwa Luftballons, Radiergummis oder Gummibänder. Verschluckte Stücke können einen Darmverschluss auslösen. Ein Außengehege muss ausbruchsicher sein, denn Frettchen können sich unter Zäunen hindurchgraben.
Sauberkeit: Frettchen sind sehr reinlich und setzen ihren Kot meist in bestimmten Ecken ab. Dort stellt man Toiletten mit nicht staubender Streu auf und reinigt sie täglich. Das ganze Gehege und die Decken der Schlafkisten werden wöchentlich gereinigt. Fellpflege ist meist nicht nötig, die Krallen werden bei Bedarf gekürzt.
Andere Haustiere: Mit Hunden und Katzen können sich Frettchen anfreunden, wenn man sie schrittweise und unter Aufsicht aneinander gewöhnt. Nagetiere und Vögel gehören dagegen zur Beute. Sie dürfen nicht im selben Raum gehalten werden, auch nicht in Käfigen.
Ernährung
Frettchen sind Raubtiere und fressen in erster Linie Fleisch. Ihr Darm ist kurz, deshalb müssen sie oft fressen. Weil ihr Blutzuckerspiegel leicht schwankt, sollte immer geeignetes Futter bereitstehen.
- Fertigfutter: Im Handel gibt es ausgewogenes Frettchenfutter. Trockenfutter muss deutlich mehr als 30 Prozent Rohprotein enthalten. Hundefutter ist deshalb ungeeignet, Katzenfutter nur mit sehr hohem Eiweißgehalt.
- Frisches Futter: Kaninchen, Rind und Fisch sowie tote ganze Futtertiere wie Eintagsküken, Mäuse und Ratten.
- Verboten: rohes Schweinefleisch, Speisereste und Wurst.
- Wasser: Frisches Wasser muss jederzeit in einer schweren Schale bereitstehen, die nicht umkippt, und täglich gewechselt werden.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Frettchen werden mit 8 bis 10 Monaten geschlechtsreif. Die Tragzeit dauert 40 bis 45 Tage. Eine Fähe bringt meist 3 bis 7 Junge zur Welt, die man Welpen nennt. Deutlich größere Würfe sind aber keine Seltenheit.
Warum Kastration ein Thema ist: Fähen, die nicht gedeckt werden, können dauerhaft brünstig bleiben, also ständig paarungsbereit. Der ständig erhöhte Östrogenspiegel kann so schwere Folgen haben, dass die Tiere daran sterben. Auch das Paarungsverhalten der Rüden kann die Fähen stark belasten. Die TVT sieht darin einen tiermedizinischen Grund für eine Kastration, entweder durch eine Operation oder mit Hormonen. Zeitpunkt und Methode sollten Halter bei Rüden wie Fähen mit der Tierarztpraxis besprechen.
Gesundheit und Lebenserwartung
Lebenserwartung: Die TVT gibt 7 bis 10 Jahre an, das Merck Veterinary Manual 6 bis 10 Jahre. Viele Frettchen sterben früher durch Unfälle oder Krankheiten.
Impfung: Frettchen sind anfällig für Staupe. Deshalb müssen sie regelmäßig geimpft werden.
Warnzeichen: Fressunlust, stumpfes Fell, Haarausfall, Müdigkeit, Durchfall und Spielunlust sind immer ernst zu nehmen. Der tägliche Umgang mit den Tieren hilft, Krankheiten früh zu erkennen.
Qualzucht: Bei manchen Zuchtformen kommen die Nachkommen taub zur Welt. Laut TVT erfüllen solche Zuchten die Definition der Qualzucht nach dem deutschen Tierschutzgesetz.
Stinkdrüsen: Die Stinkdrüsen zu entfernen, ist in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz verboten.
Inzucht: Eine Studie mit 765 Frettchen aus elf Ländern zeigte, dass Frettchen in allen untersuchten Ländern mehr oder weniger ingezüchtet sind. Am geringsten war die genetische Vielfalt in Australien und Nordamerika, in Europa war sie höher.
Verwilderte Frettchen
Frettchen sind Haustiere und in der Natur in der Regel nicht überlebensfähig. In Deutschland ist es nach dem Tierschutzgesetz verboten, sie auszusetzen. Wo es viele kleine Beutetiere und keine wilden Iltisse gibt, sind entlaufene Frettchen jedoch verwildert, zum Beispiel auf Sardinien, Sizilien und in Neuseeland. Dort haben sie der heimischen Tierwelt so stark geschadet, dass Kauf und Einfuhr von Frettchen verboten wurden. In Großbritannien kommt es häufig zu Kreuzungen zwischen Frettchen und wilden Iltissen.
Gefährdung: Als Haustier wird das Frettchen von der Roten Liste der IUCN nicht bewertet. Seine Wildform, der Europäische Iltis, gilt als nicht gefährdet (Least Concern; Skumatov et al., 2016).
Häufige Fragen zum Frettchen
Wie groß und schwer wird ein Frettchen?
Rüden werden mit Schwanz 48 bis 80 Zentimeter lang und wiegen 800 Gramm bis über 2 Kilogramm. Fähen sind mit 42 bis 60 Zentimetern und etwa 600 Gramm bis 1,2 Kilogramm deutlich kleiner.
Was fressen Frettchen?
Frettchen sind Fleischfresser. Sie bekommen eiweißreiches Frettchenfutter, Fleisch, Fisch und ganze Futtertiere wie Mäuse oder Eintagsküken. Rohes Schweinefleisch, Wurst und Speisereste sind tabu.
Kann man ein Frettchen allein halten?
Nein. Frettchen brauchen den Kontakt zu Artgenossen, deshalb hält man mindestens zwei Tiere. Ältere Frettchen lassen sich allerdings oft nicht mehr mit fremden Tieren zusammenbringen.
Wie alt werden Frettchen?
Meist 6 bis 10 Jahre. Die TVT nennt 7 bis 10 Jahre, viele Tiere sterben aber früher durch Unfälle oder Krankheiten.
Stinken Frettchen?
Frettchen haben einen starken Eigengeruch, der nicht aus den Stinkdrüsen kommt. Deren Sekret geben sie nur bei Gefahr ab. Das Entfernen der Stinkdrüsen ist in Deutschland verboten.
Beißen Frettchen?
Junge Frettchen müssen erst lernen, vorsichtig zuzubeißen. Dazu braucht es viel Spiel und täglichen Umgang. Tiere, die falsch erzogen oder in zu kleinen, reizarmen Gehegen gehalten werden, entwickeln sich häufig zu Beißern.
Ähnliche Tiere
- Hermelin - ein kleinerer, wild lebender Verwandter aus der Gattung Mustela
- Mauswiesel - ein sehr kleiner Verwandter, ebenfalls aus der Gattung Mustela
- Nerz - ein weiterer Vertreter aus der Familie der Marder
- Baummarder - ein heimischer Verwandter aus der Familie der Marder
- Dachs - gehört wie das Frettchen zur Familie der Marder
- Kaninchen - die wichtigste Beute bei der Jagd mit Frettchen
Quellen
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2014): Merkblatt Nr. 155 - Heimtiere: Frettchen
- Schoemaker, N. J. & van Zeeland, Y. R. A.: Overview of Ferrets. Merck Veterinary Manual
- Frettchen (Mustela putorius f. domestica) - Wildgehege Klövensteen, Bezirksamt Altona, Hamburg
- Gustafson, K. D. et al. (2018): Founder events, isolation, and inbreeding: Intercontinental genetic structure of the domestic ferret. Evolutionary Applications 11(5)
- Mustela putorius - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Skumatov, D. et al. (2016): Mustela putorius. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Wie groß ist das Frettchen wirklich? Mit 42 bis 80 cm überragt es einen Fußball (22 cm), kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 3 Fußbälle übereinander stapeln, um so groß wie ein Frettchen zu werden. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Ein Frettchen bringt 600 g bis 2 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Das Frettchen wiegt so viel wie etwa 3 Fußbälle.