Gangesgavial

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Männlicher Gangesgavial mit langer, schmaler Schnauze, spitzen Zähnen und dunklem Knubbel (Ghara) an der Schnauzenspitze liegt im Gras
Jonathan Zander (Digon3) / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Gangesgavial ist ein großes Krokodil aus den Flüssen Nordindiens und Nepals. Mit seiner extrem langen, dünnen Schnauze fängt er fast nur Fische. Erwachsene Männchen tragen vorn auf der Schnauze einen Knubbel, der aussieht wie ein kleiner Tontopf. Der Gangesgavial ist vom Aussterben bedroht, die meisten Tiere leben heute im Chambal-Fluss in Indien.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameGavialis gangeticus
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Ordnung: Krokodile (Crocodylia)
  • Familie: Gaviale (Gavialidae)
  • Gattung: Gavialis
  • Art: Gangesgavial
KörpergrößeGesamtlänge: Männchen meist 4 bis 6 m, sehr große Tiere über 6 m; Weibchen etwa 3,5 bis gut 4 m
KörpergewichtIm Durchschnitt etwa 160 bis 180 kg; für sehr große Tiere werden bis zu 680 kg angegeben
ErnährungFleischfresser: fast nur Fische, außerdem Frösche; Jungtiere fressen auch Insekten und Krebstiere
LebenserwartungNicht genau bekannt; einziger Beleg ist ein Tier im Londoner Zoo, das auf etwa 29 Jahre geschätzt wurde
SozialverhaltenGesellig beim Sonnenbaden und Nisten; zur Paarungszeit ein erwachsenes Männchen mit mehreren Weibchen
HerkunftIndischer Subkontinent
Verbreitung Nur noch in Flüssen Nordindiens (vor allem Chambal) und Nepals; in Pakistan, Bhutan und Myanmar ausgestorben, in Bangladesch höchstens vereinzelt Asien
Entdeckung1789 von Gmelin als Lacerta gangetica beschrieben
GefährdungCR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2019)
SonstigesDie IUCN schätzte 2019 den weltweiten Bestand auf etwa 650 erwachsene Tiere (Spanne 300 bis 900), rund drei Viertel davon im Chambal-Fluss. Der Gangesgavial steht in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES).

Das Krokodil mit der Topf-Nase

Der Gangesgavial (Gavialis gangeticus) ist eines der größten und zugleich eines der seltensten Krokodile der Welt. Er lebt in Flüssen im Norden des Indischen Subkontinents. Man erkennt ihn sofort an seiner extrem langen und dünnen Schnauze, die ganz auf den Fang von Fischen ausgelegt ist.

Erwachsene Männchen tragen vorn auf der Schnauze einen runden Knubbel. Er erinnert an einen indischen Tontopf mit langem Hals, der auf Hindi „Ghara“ heißt. Von diesem Wort stammt der englische Name des Tieres, Gharial. Die Bezeichnung „Gavial“, aus der auch der deutsche Name entstanden ist, gilt als alter Schreibfehler.

Die Gaviale bilden eine eigene Familie innerhalb der Krokodile. Ob auch der Sunda-Gavial aus Südostasien dazugehört, war lange umstritten. Genetische Untersuchungen sprechen dafür, dass er der nächste Verwandte des Gangesgavials ist. Mehr über die ganze Gruppe erfährst du auf unserer Seite über Krokodile.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Der Gangesgavial kann so lang werden wie ein Leistenkrokodil. Die Angaben in der Fachliteratur unterscheiden sich etwas:

  • Männchen: meist 4 bis 6 m lang, einzelne Tiere werden noch etwas größer
  • Weibchen: etwa 3,5 bis gut 4 m lang
  • Gewicht: im Durchschnitt etwa 160 bis 180 kg; für sehr große Tiere werden bis zu 680 kg angegeben

Schnauze: Die Schnauze ist drei- bis fünfmal so lang, wie sie an ihrem Ansatz breit ist. Mit zunehmendem Alter wird sie im Verhältnis noch länger und schmaler. In den Kiefern sitzen 106 bis 110 dünne, spitze Zähne. Mit ihnen durchbohrt und hält der Gavial glitschige Fische.

Färbung: Erwachsene Tiere sind oben dunkelbraun bis grünlich braun oder olivfarben, die Unterseite ist gelblich weiß. Junge Gaviale haben dunkle Querbänder auf Rücken und Schwanz, die mit dem Alter verblassen. Die Schuppen sind glatter als bei den meisten anderen Krokodilen.

Beine und Schwanz: Die Füße tragen kräftige Schwimmhäute. Die Beinmuskeln sind dagegen so schwach, dass ein erwachsener Gavial seinen Körper an Land nicht anheben kann. Er schiebt sich auf dem Bauch rutschend vorwärts. Den seitlich abgeflachten Schwanz nutzt er im Wasser als kräftiges Ruder.

Sinnesorgane: Wie andere Krokodile hat der Gangesgavial winzige Sinnesgruben in den Schuppen. Damit spürt er feinste Bewegungen im Wasser, etwa einen vorbeischwimmenden Fisch.

Die Ghara der Männchen

Die Ghara ist eine knollenförmige Verdickung aus Knorpel an der Spitze der Oberschnauze. Sie wächst nur bei erwachsenen Männchen und beginnt sich mit etwa zehn Jahren zu entwickeln. Damit ist der Gangesgavial das einzige Krokodil, bei dem man Männchen und Weibchen an einem auffälligen Körpermerkmal unterscheiden kann.

Wozu die Ghara genau dient, ist noch nicht ganz geklärt. Fachleute nennen mehrere Aufgaben:

  • Signal für Weibchen: Die Weibchen sehen an der Ghara, dass ein geschlechtsreifes Männchen vor ihnen liegt.
  • Klangverstärker: Die Ghara bedeckt die Nasenlöcher teilweise. Beim Ausatmen entsteht dadurch ein lautes Summen statt des für Krokodile typischen Zischens. Männchen summen bei der Balz und wenn sie ihr Revier verteidigen.
  • Blasen: Bei der Paarung erzeugen die Männchen damit Luftblasen im Wasser.

Verbreitung und Lebensraum

Früher lebte der Gangesgavial in vier großen Flusssystemen: im Indus (Pakistan), im Ganges (Indien und Nepal), im Mahanadi (Indien) und im Brahmaputra (Bangladesch, Indien und Bhutan). Möglicherweise kam er auch im Irrawaddy in Myanmar vor. Insgesamt besiedelte er Flussstrecken von mehr als 20.000 km Länge.

Heute ist er aus Pakistan, Bhutan und Myanmar verschwunden, in Bangladesch tauchen höchstens noch einzelne umherziehende Tiere auf. Die verbliebenen Vorkommen liegen alle im Einzugsgebiet des Ganges:

  • Indien: vor allem im Chambal-Fluss, außerdem im Girwa-Fluss (Katerniaghat-Schutzgebiet), im Son, Ken und Mahanadi sowie im Gandak
  • Nepal: in den Flüssen Rapti und Narayani (Chitwan-Nationalpark), Karnali und Babai; im Koshi ist der Gavial trotz mehrerer Auswilderungsversuche verschwunden

Gangesgaviale leben in schnell fließenden Flüssen mit klarem Wasser, tiefen Becken an Flussbiegungen und hohen Sandbänken. Von allen Krokodilen sind sie am stärksten an das Wasser gebunden. An Land gehen sie nur, um sich zu sonnen und um ihre Eier abzulegen. Dafür brauchen sie freie Sandbänke, oft mitten im Fluss. Junge Gaviale verstecken sich im ersten Lebensjahr gern zwischen Pflanzen, Wurzeln und Ästen im Wasser.

Ernährung

Der Gangesgavial ist fast ein reiner Fischfresser. Daneben frisst er Frösche, in seltenen Fällen auch Weichschildkröten, Vögel oder kleine Säugetiere. Junge Gaviale erbeuten zusätzlich Kaulquappen, Insekten und Krebstiere.

Fachleute haben drei Jagdmethoden beobachtet:

  • Lauern: Der Gavial treibt reglos, fast ganz untergetaucht, bis ein Fisch nah genug herankommt.
  • Suchen: Er schwenkt Kopf und Vorderkörper langsam hin und her und ertastet Beute mit den Sinnesgruben.
  • Blitzschneller Schlag: Mit einem schnellen Seitwärtsschwung der Schnauze schnappt er zu. Weil die dünne Schnauze dem Wasser wenig Widerstand bietet, gelingt das besonders schnell.

Manchmal verschluckt er kleine Steine, die im Magen beim Zerkleinern der Nahrung helfen. Für Menschen ist der Gangesgavial nicht gefährlich: Seine schmalen Kiefer und dünnen Zähne eignen sich nicht, um große Tiere anzugreifen.

Verhalten und Lebensweise

Einen großen Teil des Tages verbringen Gangesgaviale mit Sonnenbaden, im kühlen Winter deutlich länger als im heißen Sommer. Oft kehren sie immer wieder an denselben Platz am Ufer zurück. Wird es zu heiß, öffnen sie das Maul weit, um Wärme abzugeben, oder tauchen bis auf den Kopf unter.

Gangesgaviale liegen oft in Gruppen beisammen. Eine typische Gruppe besteht aus einem erwachsenen Männchen mit Ghara und mehreren Weibchen. Größere Tiere sind dabei ranghöher. Während der Paarungszeit verteidigen die Männchen ein Revier. Erwachsene Tiere legen jedes Jahr weite Wanderungen zurück: Im Chambal wurden Strecken von 50 bis über 200 km gemessen.

Wo der Gangesgavial zusammen mit dem Sumpfkrokodil lebt, kommt es gelegentlich zu Streit um die besten Sonnenplätze. Meist ist dabei das Sumpfkrokodil der Angreifer.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Balz beginnt im Dezember, gepaart wird in der Trockenzeit von Januar bis Februar. Das Weibchen zeigt seine Paarungsbereitschaft, indem es die Schnauze nach oben richtet. Die Paarung findet im Wasser statt und kann bis zu 30 Minuten dauern.

  • Eiablage: März bis April, nachts, in eine etwa 50 cm tiefe Grube in einer Sandbank. Oft nisten mehrere Weibchen auf derselben Sandbank.
  • Gelege: meist 28 bis 60 Eier, sehr große Weibchen legen fast 100
  • Eier: die größten aller Krokodile, etwa 100 bis 160 g schwer
  • Brutdauer: etwa 2 bis 2,5 Monate; je wärmer, desto kürzer
  • Schlupf: Ende Mai bis Mitte Juni
  • Schlüpflinge: 75 bis 130 g schwer und 32 bis 39 cm lang
  • Geschlechtsreife: Weibchen mit etwa 3 m Länge und 8 bis 10 Jahren, Männchen mit 3,5 bis 4 m und 13 bis 15 Jahren

Wie bei allen Krokodilen entscheidet die Temperatur im Nest, ob Männchen oder Weibchen schlüpfen: Höhere Temperaturen ergeben mehr Männchen.

Kurz vor dem Schlupf geben die Jungen Laute von sich, und die Mutter gräbt sie aus. Anders als viele andere Krokodile trägt sie die Jungen nicht im Maul zum Wasser, dafür ist ihre Schnauze zu schmal. Die Jungen aus vielen Nestern sammeln sich zu großen Kinderstuben mit Hunderten bis über tausend Tieren. Weibchen und meist ein großes Männchen bewachen sie ein bis zwei Monate lang. Das Männchen trägt manche Jungtiere sogar auf dem Rücken. Wenn mit dem Monsun das Wasser steigt, verteilen sich die Jungen im Fluss.

Viele Eier und Jungtiere fallen Feinden zum Opfer, zum Beispiel Schakalen, Ratten, Wildschweinen, Waranen und Mangusten. Wie alt Gangesgaviale werden können, ist nicht genau bekannt: Ein Tier im Londoner Zoo wurde auf etwa 29 Jahre geschätzt. Weil sie spät geschlechtsreif werden und groß sind, vermuten Fachleute eine lange Lebensdauer.

Gefährdung und Schutz

Die Rote Liste der IUCN stuft den Gangesgavial als vom Aussterben bedroht (CR, 2019) ein. Die Krokodil-Fachgruppe der IUCN bezeichnete ihn 2010 als das am stärksten bedrohte große Tier des Indischen Subkontinents.

Vom Beinahe-Aussterben zur Zuchtstation

In den 1940er-Jahren lebten schätzungsweise 5.000 bis 10.000 Gangesgaviale. Bis Mitte der 1970er-Jahre war die Art fast ausgerottet: Eine Zählung 1973/74 fand in Indien nur noch 50 bis 60 Tiere. Indien begann 1975, Nepal 1978 mit Rettungsprogrammen. Dabei sammelt man Eier in der Natur, brütet sie aus, zieht die Jungtiere auf, bis sie groß genug sind, und lässt sie dann frei. Bis zur IUCN-Einschätzung von 2019 wurden so mehr als 6.000 Gaviale ausgesetzt, rund 5.000 in Indien und 1.000 in Nepal.

Die Erfolge blieben aber wackelig. Im Winter 2007/2008 starben im unteren Chambal mehr als 100 Gaviale innerhalb weniger Wochen an Gicht und Nierenversagen. Fachleute vermuten Giftstoffe im Wasser als Ursache.

Wie viele Gangesgaviale gibt es noch?

  • IUCN-Einschätzung 2019: Der weltweite Bestand an erwachsenen Tieren liegt bei etwa 650, die Spanne reicht von 300 bis 900. Allein im geschützten Chambal-Fluss leben rund 500 davon, mehr als drei Viertel des Gesamtbestands. Fortpflanzung findet nur noch an fünf Orten statt.
  • Nepal: Im Chitwan-Nationalpark lebten nach der IUCN-Einschätzung 40 bis 60 erwachsene Tiere, darunter nur sehr wenige Männchen. Rund 50 erwachsene Tiere lebten im Katerniaghat-Schutzgebiet an der Grenze zu Nepal.
  • Neue Zählung in Indien: Nach einer Meldung der indischen Regierung zum Ganges-Schutzprogramm Namami Gange vom März 2026 wurden bei Erhebungen an 22 Flüssen 3.037 Gaviale gezählt. Die IUCN-Zahl bezieht sich dagegen nur auf geschlechtsreife Tiere. Nur 5,6 Prozent des untersuchten Lebensraums wurden als sehr gut geeignet eingestuft.

Die größten Gefahren

  • Staudämme und Wasserentnahme: Dämme, Wehre und Bewässerungskanäle verändern die Flüsse und zerschneiden den Lebensraum.
  • Fischernetze: In Kiemennetzen ertrinken vor allem junge Gaviale, aber auch Erwachsene. In den Flüssen Ken und Son sind Netze die wichtigste Todesursache bei erwachsenen Tieren.
  • Sandabbau: An den Ufern wird Sand abgebaut, in Nepal auch Geröll. Dabei gehen Sonnen- und Nistplätze verloren.
  • Wilderei: Früher wurden Gaviale wegen ihrer Haut gejagt. Eier werden als Nahrung und vermeintliche Medizin gesammelt, und manche Menschen glauben fälschlich, die Ghara wirke als Liebesmittel.

Der Gangesgavial ist in Indien und Nepal gesetzlich geschützt und steht in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens.

Häufige Fragen zum Gangesgavial

Was ist der Unterschied zwischen Gavial und Krokodil?

Der Gangesgavial gehört zur Ordnung der Krokodile, bildet aber mit den Gavialen eine eigene Familie. Typisch sind seine extrem lange, dünne Schnauze und die Ghara der Männchen. Echte Krokodile wie das Leistenkrokodil haben breitere Schnauzen und können an Land laufen, der Gavial rutscht dort nur auf dem Bauch.

Warum hat der Gavial eine so dünne Schnauze?

Die schmale Schnauze bietet im Wasser kaum Widerstand. So kann der Gavial blitzschnell zur Seite schlagen und Fische packen. Für große Beutetiere ist sie dagegen nicht geeignet.

Ist der Gangesgavial gefährlich für Menschen?

Nein. Gangesgaviale fressen vor allem Fische und greifen weder Menschen noch große Säugetiere an. Nur Weibchen können aggressiv werden, wenn sie ihr Nest verteidigen.

Wie groß wird ein Gangesgavial?

Männchen werden meist 4 bis 6 m lang, einzelne Tiere noch etwas größer. Weibchen erreichen etwa 3,5 bis gut 4 m. Im Durchschnitt wiegen Gangesgaviale etwa 160 bis 180 kg.

Wo kann man Gangesgaviale sehen?

In freier Natur leben sie nur noch in Nordindien und Nepal, die meisten im National Chambal Sanctuary. Einige Zoos halten Gangesgaviale, zum Beispiel der Zoo San Diego, der 2012 zehn Tiere als Zuchtleihgabe aus Indien erhielt.

Ähnliche Tiere

  • Krokodil - Überblick über alle Krokodilarten
  • Sumpfkrokodil - teilt sich mit dem Gavial manche Flüsse in Indien und Nepal
  • Leistenkrokodil - das größte lebende Krokodil
  • Alligator - ein Verwandter aus Amerika und China
  • Kaiman - kleinere Verwandte aus Mittel- und Südamerika

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Gangesgavial
3,5 bis 6 m

Ein Gangesgavial erreicht eine Körpergröße von 3,5 bis 6 m. Damit passt er bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und ein Haus (10 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Gangesgavial ist etwa 3-mal so groß wie ein Erwachsener.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Gangesgavial
160 kg

Ein Gangesgavial bringt 160 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t).