Gerippter Brachkäfer
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Kurz erklärt
Der Gerippte Brachkäfer ist der Käfer, den die meisten Menschen in Deutschland Junikäfer nennen. Er ist 1,4 bis 2 cm lang, gelbbraun und behaart. An warmen Juniabenden fliegen die Käfer in Schwärmen brummend um Bäume. Seine Larven leben zwei bis drei Jahre im Boden und fressen Wurzeln, vor allem von Gräsern.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Amphimallon solstitiale (auch Amphimallon solstitialis) |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Meist 1,4 bis 1,8 cm, nach Schweizer Angaben 1,5 bis 2 cm; etwa ein Drittel kleiner als der Maikäfer |
| Ernährung | Käfer: Blätter verschiedener Laubbäume und Sträucher, manchmal Kiefernnadeln; Engerlinge: Wurzeln, vor allem von Gräsern und Kräutern |
| Lebenserwartung | Entwicklung vom Ei zum Käfer 2 bis 3 Jahre; der fertige Käfer lebt nur einige Wochen und stirbt im Juli |
| Sozialverhalten | Keine festen Gruppen; die Käfer schwärmen an warmen Abenden aber oft zu Hunderten um Bäume |
| Herkunft | Europa |
| Verbreitung | Weite Teile Europas, häufig in Deutschland und der Schweiz; einige Hundert Nachweise auch aus Asien AsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | „Junikäfer“ ist ein Sammelname für mehrere Käferarten, die nach dem Maikäfer fliegen. In Deutschland ist meist der Gerippte Brachkäfer gemeint. |
Was ist ein Junikäfer?
Wenn in Deutschland jemand von einem Junikäfer spricht, meint er meistens den Gerippten Brachkäfer (Amphimallon solstitiale). Der wissenschaftliche Name wird auch Amphimallon solstitialis geschrieben. Streng genommen ist „Junikäfer“ aber kein Artname, sondern ein Sammelbegriff für mehrere ähnliche Käferarten aus den Gattungen Amphimallon und Rhizotrogus. Gemeinsam ist ihnen, dass sie ein paar Wochen nach dem Maikäfer fliegen. Daher kommt auch der Name: Maikäfer und Junikäfer sind nach den Monaten benannt, in denen man sie am häufigsten sieht.
Der Junikäfer gehört wie der Maikäfer, der Rosenkäfer und der Nashornkäfer zur Familie der Blatthornkäfer. Ihren Namen haben sie von den Fühlern: Deren letzte Glieder sind zu kleinen Blättchen verbreitert.
Achtung, Verwechslungsgefahr: In manchen Gegenden heißt auch der Gartenlaubkäfer „Junikäfer“. Manche Menschen nennen sogar Marienkäfer so, obwohl diese mit Blatthornkäfern gar nicht näher verwandt sind. Auf dieser Seite geht es um den Gerippten Brachkäfer.
Aussehen und Körperbau
Größe: Die meisten Junikäfer werden 14 bis 18 mm lang. Schweizer Fachleute geben 1,5 bis 2 cm an. Damit ist der Junikäfer etwa ein Drittel kleiner als der Maikäfer.
Farbe: Der Käfer ist einheitlich gelbbraun gefärbt und deutlich heller als ein Maikäfer.
Behaarung: Im Vergleich zum Maikäfer ist der Junikäfer dicht behaart.
Junikäfer oder Maikäfer?
| Merkmal | Junikäfer | Maikäfer |
|---|---|---|
| Größe | 1,4 bis 2 cm | 2 bis 3 cm |
| Farbe | einheitlich hell gelbbraun | braune Flügeldecken, Halsschild schwarz bis braun |
| Weiße Zacken an den Seiten | fehlen | vorhanden |
| Hauptflugzeit | Juni bis Juli | April bis Mai |
| Entwicklung im Boden | 2 bis 3 Jahre | 3 bis 5 Jahre |
Ein gutes Merkmal für Laien ist die Reihe weißer, zackenförmiger Flecken an den Seiten des Hinterleibs. Der Maikäfer hat sie, dem Junikäfer fehlen sie.
Und der Gartenlaubkäfer? Er ist mit etwa 1 cm noch kleiner, dunkelbraun und hat einen metallisch blaugrün schimmernden Kopf und Halsschild. Er fliegt von Mai bis Juni.
Verbreitung und Lebensraum
Der Junikäfer ist in Mitteleuropa weit verbreitet, zum Beispiel in Deutschland und der Schweiz. Die allermeisten Fundmeldungen in der internationalen Artendatenbank GBIF stammen aus Europa, einige Hundert auch aus Asien.
Lebensraum der Larven: Die Engerlinge mögen leichte, sandige und trockene Böden, zum Beispiel auf Brachland. Sie kommen aber auch auf Wiesen, Äckern und in Gärten vor.
Lebensraum der Käfer: Die fertigen Käfer fliegen gern zu Waldrändern, Feldgehölzen und Hecken. Man sieht sie auch in Parks, Gartenanlagen, auf Wiesen und in Wäldern.
Ernährung
Die Käfer fressen Blätter. Nach dem Schlüpfen machen sie einen kurzen Reifungsfraß an verschiedenen Laubbäumen und Sträuchern, zum Beispiel an Pappel, Birke, Eiche und Buche. Manchmal knabbern sie auch an Kiefernnadeln. Dabei fressen sie Löcher und Scharten in die Blätter. Dieser Fraß dauert nur wenige Tage und ist meist schwächer als beim Maikäfer.
Die Engerlinge leben im Boden und fressen an den Wurzeln vieler Pflanzen. Sehr häufig sind es Gräser und Kräuter.
Verhalten: das abendliche Schwärmen
Typisch für den Junikäfer ist sein Schwärmflug in der Dämmerung. An warmen Abenden graben sich die Käfer aus dem Boden. Kurz nach Sonnenuntergang steigen sie in dichten Schwärmen auf und kreisen in ovalen Bahnen um Bäume auf Wiesen, in Parks und Gärten. Dabei entsteht ein gleichmäßiges, gut hörbares Brummen, das an ein Propellerflugzeug erinnert. Nach etwa 20 bis 30 Minuten, wenn es dunkel wird, landen die Käfer im Gebüsch.
Beim ersten Ausflug fressen die Käfer zunächst ein paar Blätter. Bei späteren Flügen suchen die Männchen nach Weibchen. Den Weg zu den Bäumen finden die Käfer wie der Maikäfer über die Silhouette, also den dunklen Umriss der Bäume vor dem Abendhimmel.
Wann fliegen Junikäfer? Die Hauptschwärmzeit liegt um die Sommersonnenwende am 21. Juni. Deshalb heißt der Käfer in manchen Gegenden auch Sonnenwendkäfer. Insgesamt sieht man Junikäfer etwa von Mai bis Juli, manchmal bis in den August. In Jahren mit mildem Frühling fliegen sie gelegentlich schon ab Mitte April, manchmal sogar vor den Maikäfern.
Fortpflanzung und Entwicklung
Junikäfer entwickeln sich wie alle Käfer in vier Stufen: Ei, Larve (Engerling), Puppe und Käfer.
- Eiablage: Im Frühsommer legt ein Weibchen etwa 40 Eier in rund 10 cm Tiefe in den Boden.
- Engerling: Nach etwa drei Wochen schlüpfen die Larven. Sie leben im Boden, fressen Wurzeln, häuten sich und wachsen. Die Engerlinge sind weißlich und sehen denen des Maikäfers sehr ähnlich.
- Dauer: Die Entwicklung dauert im Süden und Westen meist zwei Jahre, im Norden und Osten teilweise auch drei Jahre.
- Puppe: Im Frühling des letzten Jahres verpuppt sich der Engerling im Boden. Schon nach etwa drei Wochen fliegt der fertige Käfer aus.
- Käfer: Der Käfer lebt nur kurz. Noch im Juli sterben die Tiere: die Männchen nach der Paarung, die Weibchen nach der Eiablage.
Unterschied zum Maikäfer: Maikäfer brauchen drei bis fünf Jahre. Sie verpuppen sich schon im Sommer und überwintern als fertiger Käfer im Boden. Junikäfer verpuppen sich dagegen erst im Frühjahr kurz vor dem Ausflug.
Engerlinge im Rasen und im Garten
Wie erkennt man Junikäfer-Engerlinge? Für Laien praktisch gar nicht. Sie sind von Maikäfer-Engerlingen kaum zu unterscheiden. Auch die Größe hilft nicht, weil Engerlinge je nach Alter sehr unterschiedlich groß sind. Die Schweizer Forschungsanstalt WSL beschreibt ein Verhalten auf flacher Unterlage: Junikäfer-Engerlinge strecken sich und kriechen auf dem Bauch, Maikäfer-Engerlinge bewegen sich gekrümmt auf der Seite. Fachleute der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft halten solche Verhaltensmerkmale aber nicht für sicher.
Und im Kompost? Junikäfer-Engerlinge meiden den Kompost, weil sie lebende Wurzeln brauchen. Große Engerlinge im Komposthaufen sind fast immer Larven des geschützten Rosenkäfers.
Schäden: In begrenztem Maß können Junikäfer-Engerlinge Zierrasen und Zierpflanzen schädigen. In Jahren mit Massenvermehrungen kann es örtlich auch zu Wurzelschäden in Gehölzpflanzungen kommen. Eine „Junikäferplage“ wie die früheren Maikäferplagen ist aber nicht bekannt. Den Blattfraß der Käfer muss man nicht bekämpfen. Wer im eigenen Garten Probleme mit Engerlingen hat, sollte sich beim Pflanzenschutzamt oder einer Gartenakademie im eigenen Bundesland beraten lassen. Manche Mittel wirken nur gegen bestimmte Engerlingsarten, deshalb muss vorher eine Fachperson bestimmen, um welche Art es sich handelt.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Nach dem Maikäfer sind Junikäfer eine wichtige Nahrung für Fledermäuse, Maulwürfe und Vögel.
Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN ist der Gerippte Brachkäfer nicht bewertet. In Deutschland ist er der Junikäfer, dem man am ehesten begegnet, und stellenweise schwärmen Hunderte Käfer gleichzeitig.
Für Menschen: Junikäfer sind ungefährlich. Wegen ihres taumelnden Flugs hat das Landesamt für Natur in Nordrhein-Westfalen sie einmal „Torkelflieger“ genannt.
Häufige Fragen zum Junikäfer
Was ist der Unterschied zwischen Junikäfer und Maikäfer?
Der Junikäfer ist mit 1,4 bis 2 cm kleiner, heller gelbbraun und stärker behaart. Ihm fehlen die weißen Zacken an den Seiten des Hinterleibs. Er fliegt meist einige Wochen später und braucht für seine Entwicklung nur zwei bis drei statt drei bis fünf Jahre.
Warum fliegen Junikäfer abends um Bäume?
Kurz nach Sonnenuntergang schwärmen die Käfer aus, um zu fressen und um einen Partner zu finden. Vor allem die Männchen suchen bei diesen Flügen nach Weibchen. Die Bäume erkennen sie an ihrem dunklen Umriss vor dem Himmel.
Sind Junikäfer gefährlich?
Für Menschen nicht. Ihre Engerlinge können aber im Rasen oder an Zierpflanzen Wurzeln anfressen. Größere Schäden gibt es nur selten, etwa in Jahren mit sehr vielen Käfern.
Wie lange lebt ein Junikäfer?
Insgesamt zwei bis drei Jahre. Den größten Teil davon verbringt er als Engerling im Boden. Als fertiger Käfer lebt er nur einige Wochen und stirbt im Juli.
Was fressen Junikäfer?
Die Käfer fressen Blätter von Laubbäumen und Sträuchern, manchmal auch Kiefernnadeln. Die Engerlinge fressen im Boden Wurzeln, vor allem von Gräsern und Kräutern.
Wann fliegen Junikäfer?
Am meisten um die Sommersonnenwende am 21. Juni, deshalb heißen sie mancherorts auch Sonnenwendkäfer. Insgesamt kann man sie etwa von Mai bis Juli beobachten. Sie schwärmen kurz nach Sonnenuntergang, meist nur 20 bis 30 Minuten lang.
Ähnliche Tiere
- Maikäfer - der größere, bekanntere Verwandte mit weißen Seitenzacken
- Rosenkäfer - ein grün glänzender Blatthornkäfer, dessen Engerlinge im Kompost leben
- Nashornkäfer - ein großer Blatthornkäfer mit Horn
- Hirschkäfer - der größte heimische Käfer, fliegt ebenfalls im Frühsommer
- Marienkäfer - wird umgangssprachlich manchmal fälschlich Junikäfer genannt
Quellen
- Junikäfer (Amphimallon solstitiale) - Waldschutz Schweiz, Eidgenössische Forschungsanstalt WSL
- Tier des Monats Juni: Der Junikäfer, Pressemitteilung vom 31.05.2012 - Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW
- Maikäfer, Engerlinge und Verwandte - Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, waldwissen.net
- Maikäfer und Engerlinge - Merkblatt der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
- Amphimallon solstitiale (Linnaeus, 1758) - Global Biodiversity Information Facility (GBIF)
Größenvergleich
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