Gila-Krustenechse
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Kurz erklärt
Die Gila-Krustenechse ist eine schwarz und rosa gemusterte Echse aus den Wüsten im Südwesten der USA und in Mexiko. Sie ist eine der wenigen giftigen Echsen der Welt und die größte Echse der USA. Die meiste Zeit verbringt sie versteckt unter der Erde. Ein Stoff aus ihrem Speichel wurde zum Vorbild für ein Medikament gegen Diabetes.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Heloderma suspectum |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Gesamtlänge mit Schwanz bis etwa 56 cm; frisch geschlüpfte Jungtiere etwa 15 bis 16,5 cm |
| Körpergewicht | Erwachsene können mehr als 450 g wiegen; Schlüpflinge etwa 34 g |
| Ernährung | Fleischfresser: Eier von Vögeln, Echsen, Schlangen und Schildkröten, Nestlinge, junge Kaninchen und Nagetiere, Echsen, gelegentlich kleine Schlangen, Frösche, Insekten und Aas |
| Lebenserwartung | In Menschenobhut meist 20 Jahre und mehr; Rekord 36 Jahre (Angabe des Smithsonian National Zoo) |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; im Frühjahr treffen sich die Tiere zur Paarung |
| Herkunft | Südwesten der USA und Nordwesten Mexikos |
| Verbreitung | Südwesten der USA (Arizona, Südnevada, Südwest-Utah, Südost-Kalifornien, Südwest-New Mexico) und Mexiko (Sonora bis Nord-Sinaloa); vom Meeresspiegel bis über 2.000 m Höhe Nordamerika |
| Entdeckung | 1869 von Cope wissenschaftlich beschrieben |
| Gefährdung | NT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2007) |
| Sonstiges | Eine der wenigen giftigen Echsenarten. Aus ihrem Gift wurde der Stoff Exendin-4 gewonnen, das Vorbild für das Diabetes-Medikament Exenatid (seit 2005 auf dem Markt). In allen US-Bundesstaaten ihres Verbreitungsgebiets und in Mexiko ist sie gesetzlich geschützt. |
Die größte Echse der USA
Die Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum) lebt in den Wüsten im Südwesten Nordamerikas. Im Englischen heißt sie "Gila Monster", gesprochen etwa "Hie-la". Ihren Namen hat sie vom Gila-Fluss, an dem sie häufig vorkommt.
Sie ist die größte Echse, die von Natur aus in den USA lebt, und eine der wenigen giftigen Echsen der Welt. Ihre nächste Verwandte ist die Mexikanische Krustenechse, die weiter südlich von Sonora in Mexiko bis Guatemala lebt. Beide gehören zur Familie der Krustenechsen. Die Gila-Krustenechse ist die einzige giftige Echse in den USA.
Um die Gila-Krustenechse ranken sich viele Legenden, und Hollywood-Filme haben sie zum Monster gemacht. Die Wirklichkeit ist weniger gruselig, aber spannend genug: Die Echse ist langsam, scheu und verbringt die meiste Zeit unter der Erde.
Aussehen und Körperbau
- Größe: Mit Schwanz wird die Gila-Krustenechse bis etwa 56 cm lang.
- Gewicht: Erwachsene Tiere können mehr als 450 g wiegen.
- Körperbau: Der Körper ist lang, rundlich und kräftig. Der Kopf ist groß, der Schwanz dick und rund. Die Beine sind kurz und stämmig, die langen Zehen tragen scharfe Krallen, mit denen die Echse gräbt und klettert.
- Schuppen: Die Oberseite ist mit kleinen, runden Schuppen bedeckt, die wie Perlen aussehen. In der Haut sitzen winzige Knochenplättchen.
- Farbe: Die Grundfarbe ist schwarz, dazu kommen rosa, orange oder lachsfarbene Muster. Die Schnauze ist ganz schwarz. Das Muster ist bei jedem Tier anders, wie ein Fingerabdruck. Im Saguaro-Nationalpark in Arizona erkennen Forscher einzelne Tiere deshalb auf Fotos wieder.
- Zwei Formen: Im Süden des Verbreitungsgebiets ist das helle Muster in viele Flecken zu einem Netz aufgelöst (Netz-Gila-Krustenechse). Im Norden bildet es meist durchgehende Querbänder über den Rücken (Gebänderte Gila-Krustenechse).
- Fettspeicher: Im Schwanz und im Bauch speichert die Echse Fett. Davon kann sie lange zehren.
Die Färbung ist in der Wüste eine gute Tarnung. Im gefleckten Schatten eines Strauchs fällt die Echse kaum auf. Gleichzeitig warnt das auffällige Muster Feinde vor ihrem Gift.
Verbreitung und Lebensraum
Die Gila-Krustenechse lebt im Südwesten der USA und im Nordwesten Mexikos. Ihr Gebiet reicht vom Süden Nevadas und dem äußersten Südwesten Utahs über Arizona, den Südosten Kaliforniens und den Südwesten New Mexicos bis in die mexikanischen Bundesstaaten Sonora und Sinaloa. Die meisten Tiere leben in Arizona und Mexiko.
Lebensraum: Sie bewohnt trockene Gebiete mit Kakteen, Sträuchern und Gräsern, also Wüstenbuschland, Wüstengrasland und felsige Canyons. Besonders gern lebt sie an steinigen Hängen, in Trockentälern und am Fuß von Bergen. Offene Ebenen und Ackerland meidet sie. Meist findet man sie vom Meeresspiegel bis etwa 1.500 m Höhe. Im Saguaro-Nationalpark wurde sie aber noch in 2.134 m Höhe entdeckt.
Unterschlupf: Für ihr Überleben braucht die Echse unbedingt Baue im Boden. Darin verbringt sie den größten Teil ihres Lebens. Manchmal teilt sie ihren Bau mit Schlangen oder Wüstenschildkröten.
Ernährung
Die Gila-Krustenechse ist ein Fleischfresser. Am liebsten plündert sie Nester.
- Eier: Sie frisst Eier von Vögeln, Echsen, Schlangen und Schildkröten. Auch die Eier von Wüstenschildkröten, mit denen sie manchmal den Bau teilt, sind nicht sicher vor ihr.
- Nestlinge: Junge Vögel, neugeborene Kaninchen, junge Buschratten und andere Nagetiere, die noch im Nest liegen.
- Weitere Beute: Echsen, gelegentlich kleine Schlangen, Frösche, Insekten und Aas.
Riesenportionen: Weil Beute in der Wüste selten ist, frisst die Echse auf einmal sehr viel. Erwachsene schaffen etwa ein Drittel ihres Körpergewichts, Jungtiere sogar die Hälfte. Forscher vermuten, dass drei bis vier große Mahlzeiten im Jahr reichen könnten, um ihren ganzen Energiebedarf zu decken.
Riechen mit der Zunge: Wie Schlangen nimmt die Gila-Krustenechse Gerüche mit der Zunge auf. So spürt sie Nester und Wasser auf.
Verhalten und Lebensweise
Meist unsichtbar: Die Gila-Krustenechse ist nicht unbedingt selten, aber man sieht sie kaum. Die meiste Zeit des Jahres verbringt sie unter der Erde. Über der Erde ist sie vor allem in drei Monaten im Frühjahr unterwegs. Im Frühjahr und Herbst ist sie meist morgens und abends aktiv, im Sommer eher nachts. An warmen Wintertagen kommt sie manchmal heraus, um sich zu sonnen.
Langsam unterwegs: Mehr als 2,4 km/h schafft sie nicht. Springen kann sie entgegen einem verbreiteten Mythos nicht. Ihr Streifgebiet ist etwa 1,6 km² groß.
Einzelgänger: Außerhalb der Paarungszeit lebt jede Echse für sich. Wird sie gestört, versucht sie sich zu verstecken, zum Beispiel indem sie rückwärts zwischen Steine oder Pflanzen kriecht.
Das Gift der Gila-Krustenechse
Das Gift wird in Drüsen im Unterkiefer gebildet. Anders als Giftschlangen hat die Echse keine hohlen Giftzähne und kann auch nicht vorschnellen. Beim Biss vermischt sich das Gift mit dem Speichel und fließt an Rillen in den Zähnen in die Wunde. Deshalb hält sich die Echse fest und kaut regelrecht. Je länger sie festhält, desto mehr Gift gelangt in die Wunde. Einen Angreifer kann sie mehr als zehn Minuten lang festhalten.
Wie gefährlich ist das Gift? Laut Smithsonian National Zoo ist es etwa so giftig wie das Gift der Texas-Klapperschlange. Bei einem Biss gelangt aber nur wenig davon in die Wunde. Ein spezielles Gegengift gibt es nicht.
Bisse bei Menschen: Ein Biss ist sehr schmerzhaft und ein medizinischer Notfall. Das Gift kann einen starken Blutdruckabfall auslösen, zudem leben im Maul der Echse Bakterien. Eine Untersuchung aller Anrufe bei US-Giftnotrufzentralen von 2000 bis 2011 fand 105 Fälle, in denen Menschen mit einer Gila-Krustenechse in Kontakt gekommen waren. Viele Gebissene mussten nicht stationär aufgenommen werden, einige aber auf die Intensivstation. In seltenen Fällen schwollen die Atemwege gefährlich an. Todesfälle gab es in diesem Zeitraum keine. Gebissen wird fast nur, wer die Echse anfasst oder seine Hand in ihre Nähe bringt.
Vom Echsengift zum Diabetes-Medikament
Bei einer gründlichen Untersuchung des Gifts der Gila-Krustenechse entdeckten Forscher einen besonderen Eiweißstoff, das Exendin-4. Es besteht aus 39 Bausteinen (Aminosäuren) und ähnelt zu 53 Prozent einem Hormon aus dem menschlichen Darm, dem GLP-1.
GLP-1 sorgt nach dem Essen dafür, dass mehr Insulin ausgeschüttet wird. Außerdem verzögert es die Magenentleerung und dämpft den Appetit. Im Körper wird es aber sehr schnell abgebaut. Exendin-4 wirkt an derselben Stelle wie GLP-1, ist aber viel stabiler. Deshalb wurde es als Medikament gegen Diabetes erprobt. Eine künstlich hergestellte Form von Exendin-4 kam 2005 als Wirkstoff Exenatid auf den Markt.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Paarungszeit: Gila-Krustenechsen paaren sich im Frühjahr, wenn es am meisten Futter gibt. Von Ende April bis Anfang Juni werben die Männchen um Weibchen und kämpfen miteinander. Ein Männchen findet ein Weibchen über dessen Geruch. Ist das Weibchen nicht bereit, versucht es, ihn zu beißen und wegzukriechen.
Eier: Das Weibchen legt seine Eier in eine Höhle im Boden, je nach Quelle von Juni bis August. Ein Gelege umfasst 1 bis 12 Eier, meist 4 bis 5. Die Eier haben eine weiche, ledrige Schale.
Überwintern im Ei: Die Jungen beißen sich laut US-Nationalparkverwaltung schon im Frühwinter aus dem Ei. Sie bleiben dann aber unter der Erde und leben von ihrem Dottervorrat, bis sie im folgenden Frühjahr an die Oberfläche kommen. Von der Eiablage bis dahin vergeht fast ein Jahr.
Jungtiere: Frisch geschlüpfte Echsen sind etwa 15 bis 16,5 cm lang und wiegen rund 34 g. Sie sehen aus wie kleine Ausgaben ihrer Eltern und sind von Anfang an auf sich allein gestellt.
Lebenserwartung: In Menschenobhut werden Gila-Krustenechsen meist 20 Jahre und älter. Nach Angaben des Smithsonian National Zoo liegt der Rekord bei 36 Jahren.
Feinde und Gefährdung
Feinde: Kojoten, Füchse, Rotluchse, Greifvögel und Eulen können Gila-Krustenechsen gefährlich werden. Besonders Jungtiere sind bedroht, und manche Räuber graben die Eier aus. Erwachsene haben dank ihres Gifts wenig zu fürchten.
Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft die Gila-Krustenechse als potenziell gefährdet (Near Threatened) ein (Hammerson et al., 2007).
Bedrohungen:
- Lebensraumverlust: Städte und Siedlungen dehnen sich in die Wüste aus. Auch Überweidung und Landwirtschaft zerstören ihren Lebensraum.
- Straßenverkehr: Viele Echsen werden überfahren.
- Wilderei: Tiere werden illegal gefangen, auch für den Handel mit Haustieren.
- Verfolgung: Weil sie giftig ist, wird die Echse oft getötet.
Schutz: Die Gila-Krustenechse ist in allen US-Bundesstaaten, in denen sie lebt, und in Mexiko gesetzlich geschützt. Arizona stellte sie als erster Bundesstaat unter Schutz. Sie war das erste giftige Reptil, das in den USA geschützt wurde. Man darf sie weder fangen noch halten, stören oder töten.
Häufige Fragen zur Gila-Krustenechse
Ist die Gila-Krustenechse für Menschen gefährlich?
Ein Biss ist sehr schmerzhaft und ein medizinischer Notfall, der in die Notaufnahme gehört. Todesfälle sind aber sehr selten: In einer Auswertung der US-Giftnotrufe von 2000 bis 2011 gab es keinen einzigen. Wer die Echse nicht anfasst, wird auch nicht gebissen.
Wie groß wird eine Gila-Krustenechse?
Mit Schwanz wird sie bis etwa 56 cm lang und kann mehr als 450 g wiegen. Damit ist sie die größte einheimische Echse der USA.
Was frisst eine Gila-Krustenechse?
Vor allem Eier und Jungtiere aus Nestern, zum Beispiel junge Kaninchen, Nagetiere und Vögel. Dazu kommen Echsen, kleine Schlangen, Frösche und Insekten. Auf einmal kann sie bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts fressen.
Was hat die Gila-Krustenechse mit Diabetes zu tun?
In ihrem Gift steckt der Stoff Exendin-4. Er wirkt ähnlich wie ein körpereigenes Hormon, das die Ausschüttung von Insulin anregt, ist aber viel stabiler. Eine künstliche Form davon wird seit 2005 als Medikament Exenatid gegen Diabetes eingesetzt.
Wo lebt die Gila-Krustenechse?
In den Wüsten im Südwesten der USA, vor allem in Arizona, und im Nordwesten Mexikos. Sie lebt in felsigem Gelände mit Sträuchern und Kakteen und versteckt sich die meiste Zeit in Bauen im Boden.
Gibt es noch andere giftige Echsen?
Ja, aber nur wenige. Dazu gehören die eng verwandte Mexikanische Krustenechse aus Mexiko und Mittelamerika, der Komodowaran und einige australische Arten.
Ähnliche Tiere
- Komodowaran - ebenfalls eine giftige Echse
- Bartagame - eine harmlose Echse aus Australien
- Klapperschlange - Giftschlange aus derselben Gegend
- Kalifornische Gopherschildkröte - Wüstenschildkröte, deren Eier auf dem Speiseplan stehen
- Waran - große Echsen aus Afrika, Asien und Australien
- Echse - Überblick über die Gruppe der Echsen
Quellen
- Hammerson, G.A., Frost, D.R. & Gadsden, H. (2007): Heloderma suspectum. The IUCN Red List of Threatened Species 2007
- Gila Monster - Saguaro National Park, U.S. National Park Service
- Gila monster - Smithsonian's National Zoo and Conservation Biology Institute
- Heloderma suspectum (Gila monster) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Furman, B.L. (2012): The development of Byetta (exenatide) from the venom of the Gila monster as an anti-diabetic agent. Toxicon 59, 464-471
- French, R. et al. (2015): Gila monster (Heloderma suspectum) envenomation: Descriptive analysis of calls to United States Poison Centers with focus on Arizona cases. Clinical Toxicology 53, 60-70
Größenvergleich
Wie groß ist die Gila-Krustenechse wirklich? Mit 56 cm überragt sie einen Fußball (22 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 3 Fußbälle übereinander stapeln, um so groß wie eine Gila-Krustenechse zu werden. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Eine Gila-Krustenechse bringt 450 g auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg).