Giraffe
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Kurz erklärt
Die Giraffe ist das höchste Landtier der Welt. Bullen messen bis zu 5,7 Meter bis zu den Hörnern und wiegen bis zu 1.930 Kilogramm. Ihr langer Hals hat nur sieben Halswirbel, genau wie unserer, doch jeder einzelne ist über 25 Zentimeter lang. Mit ihrer 45 Zentimeter langen Zunge pflücken Giraffen Blätter zwischen den Dornen der Akazien hervor.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Giraffa camelopardalis |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 4,7 bis 5,7 m |
| Körpergewicht | 1,18 bis 1,93 t |
| Ernährung | Pflanzenfresser: Blätter, Blüten, Samenhülsen und Früchte |
| Lebenserwartung | In freier Natur 10 bis 15 Jahre, in Zoos 20 bis 27 Jahre |
| Sozialverhalten | Lose Herden von 10 bis 20 Tieren, wechselnde Zusammensetzung |
| Herkunft | Afrika südlich der Sahara |
| Verbreitung | Ost-, Süd-, Zentral- und Westafrika südlich der Sahara Afrika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018) |
| Sonstiges | Die Körpergröße ist hier die Gesamthöhe bis zu den Hörnern: Kühe rund 4,7 bis 5,0 m, Bullen bis 5,7 m. Gewicht: Kühe bis 1.180 kg, Bullen bis 1.930 kg. |
Aussehen und Körperbau
Die Giraffe ist das höchste Landtier der Erde. Ein Bulle misst vom Boden bis zu den Hörnern 5,7 Meter. An der Schulter ist er 3,3 Meter hoch, allein der Hals ist 2,4 Meter lang. Kühe bleiben 0,7 bis 1 Meter kleiner. Beim Gewicht ist der Unterschied noch deutlicher: Bullen erreichen bis zu 1.930 Kilogramm, Kühe bis zu 1.180 Kilogramm.
Weil die Größe bei Giraffen als Höhe gemessen wird und nicht als Körperlänge, steht sie in unserer Rangliste der größten Tiere mit ihrer Höhe. Bei den meisten anderen Tieren dort ist die Körperlänge angegeben.
Der Hals ist das Markenzeichen. Er enthält genau sieben Halswirbel, also genauso viele wie beim Menschen. Jeder einzelne davon kann jedoch über 25 Zentimeter lang werden. Der ganze Hals wiegt rund 272 Kilogramm. Auch die Beine sind etwa 1,8 Meter lang. Die Hinterbeine sehen kürzer aus als die Vorderbeine, sind nach Angaben des San Diego Zoo aber ungefähr gleich lang. Der Rücken fällt von der Schulter zum Hinterteil steil ab.
Kopf und Zunge: Auf dem Kopf sitzen zwei mit Haut und Fell überzogene Knochenzapfen, die Ossikone. Bei Kühen sind sie dünn und mit einem Haarbüschel besetzt, bei Bullen dicker und oben abgerieben. Ältere Bullen lagern zusätzlich Kalk am Schädel ein, sodass es aussieht, als hätten sie drei bis fünf Hörner. Die Zunge ist 45 Zentimeter lang, dunkel gefärbt und lässt sich wie ein Greifarm einsetzen.
Das Fell ist gefleckt, und das Muster ist bei jedem Tier anders, ähnlich wie ein Fingerabdruck. Es bleibt ein Leben lang gleich, auch wenn sich die Farbe mit Jahreszeit und Gesundheitszustand ändern kann. Die Flecken reichen je nach Art und Unterart von hellbraun bis fast schwarz, mit scharfen oder ausgefransten Rändern. Der lange, dünne Schwanz wird 76 bis 101 Zentimeter lang und endet in einer schwarzen Quaste, mit der die Giraffe Fliegen verscheucht.
Eine Art oder vier Arten?
Die Rote Liste der IUCN führt bislang eine einzige Art, Giraffa camelopardalis, mit neun Unterarten. Genetische Untersuchungen der Giraffe Conservation Foundation und ihrer Partner kommen zu einem anderen Ergebnis: Sie unterscheiden vier eigenständige Arten, die Massai-Giraffe, die Nördliche Giraffe, die Netzgiraffe und die Südliche Giraffe. Nach dieser Einteilung leben heute noch rund 140.000 Giraffen in freier Wildbahn, die meisten davon Südliche Giraffen (rund 68.800) und Massai-Giraffen (rund 43.900). Am seltensten ist die Nördliche Giraffe mit nur gut 7.000 Tieren.
Welche Einteilung sich durchsetzt, ist noch offen. Für den Schutz macht es einen großen Unterschied: Eine Gruppe von 7.000 Tieren gilt als deutlich gefährdeter, wenn sie eine eigene Art bildet, als wenn sie nur eine Unterart einer weit verbreiteten Art ist.
Verbreitung und Lebensraum
Giraffen leben in Afrika südlich der Sahara. Ihr Schwerpunkt liegt heute in Ost- und im südlichen Afrika. Aus weiten Teilen Westafrikas sind sie verschwunden, dort hält sich nur noch ein kleiner Bestand im Niger. In Südafrika wurden Giraffen in Wildreservate wieder angesiedelt. In mindestens sieben afrikanischen Ländern sind sie inzwischen ausgestorben.
Ihr Lebensraum sind trockene Savannen, Grasländer und offene Trockenwälder, überall dort, wo Akazien und andere Futterbäume wachsen. Weil sie selten trinken müssen, können Giraffen auch weit entfernt von Wasserstellen leben. Bullen wandern auf der Suche nach Laub auch in dichteren Baumbestand. Das Streifgebiet einer Giraffe ist je nach Futter- und Wasserangebot 5 bis 654 Quadratkilometer groß, verteidigt wird es nicht.
Ernährung
Giraffen sind reine Pflanzenfresser und fressen Blätter, Blüten, Samenhülsen und Früchte. Am liebsten mögen sie Akazienblätter. Die Dornen der Akazie halten andere Pflanzenfresser ab, für die Giraffe sind sie kein Hindernis: Sie greift mit ihrer 45 Zentimeter langen Zunge und den beweglichen Lippen zwischen die Dornen, zieht den Zweig ins Maul und streift die Blätter ab. Ihr Speichel ist dick und klebrig und umhüllt verschluckte Dornen. Die Backenzähne zermahlen alles, was doch dazwischengerät.
Bis zu 34 Kilogramm Nahrung nimmt eine Giraffe am Tag auf, für einen ausgewachsenen Bullen sind sogar bis zu 66 Kilogramm belegt. In schlechten Gebieten kommt ein Tier notfalls mit 7 Kilogramm am Tag aus. Weil bei jedem Bissen nur wenige Blätter im Maul landen, fressen Giraffen 16 bis 20 Stunden am Tag.
Wie Rinder und Schafe sind Giraffen Wiederkäuer mit einem vierteiligen Magen. Sie würgen den Nahrungsbrei wieder hoch und kauen ihn ein zweites Mal, oft im Gehen. Akazienblätter enthalten viel Wasser, deshalb kommen Giraffen lange ohne Trinken aus. Steht Wasser zur Verfügung, können sie bis zu 38 Liter am Tag aufnehmen. Beim Trinken müssen sie die Vorderbeine spreizen und den Kopf weit hinunterbeugen. In dieser Haltung sind sie verwundbar, deshalb geht eine Herde meist gemeinsam zur Wasserstelle und ein Tier hält Wache.
Verhalten und Lebensweise
Giraffen leben in lockeren Herden von meist 10 bis 20 Tieren, beobachtet wurden auch Gruppen von bis zu 70. Die Zusammensetzung wechselt ständig, einzelne Tiere stoßen dazu oder gehen wieder. Kühe sind geselliger als Bullen, ältere Bullen leben oft allein.
Bullen klären ihre Rangordnung durch das sogenannte Necking. Zwei Tiere stellen sich nebeneinander, legen den Hals waagerecht und schieben sich gegenseitig. Wird es ernst, schlagen sie mit dem Kopf gegen Flanke, Hals oder Hinterteil des Gegners. Ein harter Treffer kann einen Rivalen umwerfen oder verletzen.
Gelaufen wird im Passgang: Vorder- und Hinterbein derselben Seite bewegen sich gemeinsam nach vorn. Über kurze Strecken erreicht eine Giraffe rund 56 Kilometer pro Stunde. Ihre Höhe ist dabei ein Frühwarnsystem für die ganze Savanne: Wenn eine Giraffenherde losrennt, laufen andere Tiere mit.
Erstaunlich wenig Schlaf brauchen Giraffen. In 24 Stunden schlafen sie nur 5 bis 30 Minuten, oft in kurzen Nickerchen von ein bis zwei Minuten. Meist ruhen sie dabei im Stehen, seltener liegend mit dem Kopf auf der Hinterhand.
Giraffen gelten als stumm, sie sind aber nur sehr schweigsam. Sie muhen, grunzen, schnauben, zischen und pfeifen, und Kühe rufen nach verlorenen Kälbern. Bei Gefahr schnaubt eine Giraffe kurz. Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie sich zusätzlich über Infraschall verständigen, also über Töne unterhalb der menschlichen Hörgrenze.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Paarung fällt meist in die Regenzeit, die Geburten in die Trockenmonate. Die Tragzeit dauert rund 457 Tage, also gut 15 Monate. Eine Kuh bekommt etwa alle 20 bis 30 Monate ein Kalb, Zwillinge sind selten.
Giraffen gebären im Stehen. Das Kalb fällt dabei etwa zwei Meter tief auf den Boden. Der Sturz schadet ihm nicht, er bringt es im Gegenteil dazu, tief Luft zu holen. Nach Angaben des Animal Diversity Web kommt das Kalb schon rund 15 Minuten nach der Geburt auf die Beine und trinkt zum ersten Mal, der San Diego Zoo nennt für die ersten Schritte etwa eine Stunde. Neugeborene wiegen 50 bis 55 Kilogramm.
In der ersten Woche liegt das Kalb die meiste Zeit versteckt am Boden, die Mutter bleibt in etwa 25 Metern Umkreis. Nach drei bis vier Wochen bringt sie es in eine Kindergruppe, eine sogenannte Kinderstube. Dort passt eine Kuh auf mehrere Kälber auf, während die anderen Mütter fressen und trinken. Mit vier Monaten frisst ein Kalb die ersten Blätter, gesäugt wird es je nach Quelle bis zum Alter von sechs bis sechzehn Monaten. Kühe reifen mit drei bis vier Jahren geschlechtlich heran, bekommen aber meist erst ein Jahr später ihr erstes Kalb. Bullen sind mit vier bis fünf Jahren geschlechtsreif, kommen aber in der Regel erst mit etwa sieben Jahren zum Zug.
Feinde und Gefährdung
Der wichtigste natürliche Feind ist der Löwe. Auch Leoparden, Hyänen und Krokodile erbeuten Giraffen, letztere vor allem an Wasserstellen. Erwachsene Tiere können sich wehren: Ein Tritt mit den Vorderhufen ist tödlich. Angegriffen werden deshalb meist Kälber, kranke oder alte Tiere.
Die IUCN führt die Giraffe als gefährdet (VU). Die Einstufung wurde 2016 vorgenommen und 2018 in einer überarbeiteten Fassung veröffentlicht. Grund ist ein Rückgang von 36 bis 40 Prozent innerhalb von drei Generationen, also zwischen 1985 und 2015. Für 1985 wird der Gesamtbestand auf 151.702 bis 163.452 Tiere geschätzt, für 2015 auf 97.562 Tiere, darunter 68.293 geschlechtsreife.
Die Entwicklung verläuft je nach Region völlig unterschiedlich. Die Nubische Giraffe in Ostafrika brach von einst rund 20.577 Tieren auf etwa 650 ein, ein Minus von 97 Prozent. Die Netzgiraffe sank von 36.000 bis 47.750 auf 8.661 Tiere. Im südlichen Afrika dagegen wuchsen die Bestände: Die Angola-Giraffe stieg von geschätzt 5.000 auf 13.031 Tiere, die Südafrikanische Giraffe von 8.000 auf über 21.387. Auch die Westafrikanische Giraffe im Niger erholte sich von mindestens 50 auf rund 400 Tiere.
Die Hauptursachen für den Rückgang sind Lebensraumverlust durch Landwirtschaft und Viehhaltung sowie Wilderei. Gejagt werden Giraffen wegen ihres Fleisches, ihrer Haut, des Knochenmarks und der Schwanzhaare.
Häufige Fragen zur Giraffe
Wie groß und wie schwer wird eine Giraffe?
Bullen werden bis zu 5,7 Meter hoch, gemessen bis zur Spitze der Hörner. Kühe bleiben 0,7 bis 1 Meter kleiner. Bullen wiegen bis zu 1.930 Kilogramm, Kühe bis zu 1.180 Kilogramm. Damit ist die Giraffe das höchste Landtier der Welt.
Wie viele Halswirbel hat eine Giraffe?
Sieben, genau wie der Mensch und fast alle anderen Säugetiere. Der Unterschied liegt nicht in der Zahl, sondern in der Länge: Ein einzelner Halswirbel kann über 25 Zentimeter messen.
Was frisst eine Giraffe?
Blätter, Blüten, Samenhülsen und Früchte, am liebsten von Akazien. Bis zu 34 Kilogramm nimmt ein Tier täglich auf, bei großen Bullen sind bis zu 66 Kilogramm belegt. Gefressen wird 16 bis 20 Stunden am Tag.
Wie viel schläft eine Giraffe?
Sehr wenig: nur 5 bis 30 Minuten in 24 Stunden, meist in kurzen Nickerchen von ein bis zwei Minuten. Dabei stehen Giraffen in der Regel, selten legen sie sich hin.
Wie schnell ist eine Giraffe?
Über kurze Strecken rund 56 Kilometer pro Stunde. Sie bewegt sich im Passgang, bei dem Vorder- und Hinterbein einer Seite gleichzeitig nach vorn schwingen.
Ist die Giraffe vom Aussterben bedroht?
Bedroht nicht, aber gefährdet. Die IUCN stuft sie als gefährdet (VU) ein, der Bestand sank zwischen 1985 und 2015 um 36 bis 40 Prozent auf rund 97.500 Tiere. Manche Bestände im südlichen Afrika wachsen wieder, andere in Ost- und Westafrika sind stark geschrumpft.
Warum hat die Giraffe eine blaue Zunge?
Die Zunge ist dunkel gefärbt, oft blauschwarz. Fachleute vermuten, dass der dunkle Farbstoff sie vor Sonnenbrand schützt, denn die Giraffe streckt sie beim Fressen stundenlang ins pralle Licht.
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Quellen
Größenvergleich
Eine Giraffe erreicht eine Körpergröße von 4,7 bis 5,7 m. Damit passt sie bequem zwischen einen Elefanten (3,5 m) und ein Haus (10 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Eine Giraffe bringt 1,18 bis 1,93 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Elefant (5 t). Anders ausgedrückt: Die Giraffe wiegt so viel wie etwa 21 Erwachsene.